Einleitung
Der EuroSpeedway Lausitz, heute auch als DEKRA Lausitzring bekannt, stellt eine der bedeutendsten Motorsport-Anlagen Europas dar. Die im südlichen Teil der Niederlausitz gelegene Rennstrecke hat eine faszinierende Geschichte, die von ambitionierten Planungen über politische Kontroversen bis hin zu ständigen Anpassungen an die sich entwickelnde Motorsport-Szene reicht. Dieser Artikel beleuchtet die Entstehung, die technischen Spezifikationen, die infrastrukturelle Entwicklung sowie die Zukunftsperspektiven der Anlage, die sich heute im Besitz der DEKRA befindet und als Vorreiter für nachhaltige Energie im Motorsportbereich positioniert.
Entstehungsgeschichte
Die Planungen für den EuroSpeedway Lausitz begannen bereits in der DDR-Zeit, als 1986 der Bau einer Rennstrecke im ehemaligen Braunkohletagebau in den Fünfjahresplan aufgenommen wurde. Der Mauerfall von 1989 verzögerte zunächst diese Pläne, doch der gestiegene Verkehrsaufkommen in Berlin beschleunigte die Suche nach einer alternativen Rennstrecke im erweiterten Großraum. Nach einem schweren Rennunfall wurde im Jahre 1998 der Rennbetrieb auf der Berliner AVUS vorfristig eingestellt, was den Bedarf für eine neue, moderne Rennstrecke erhöhte.
Im Jahr 1991 wurde die Firma Lausitzring Project GmbH gegründet, um einen geeigneten Standort für die neue Rennstrecke in der Lausitz zu suchen. Die Wahl fiel auf den ehemaligen Tagebau Meuro. Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg stimmte diesem Standort am 8. September 1995 zu. Bereits 17 Tage später wurde der Förderverein Lausitzring e. V. gegründet, der seitdem als Eigentümer des Areals fungiert und die Rennstrecke an Betreibergesellschaften verpachtet.
Der Bau der Rennstrecke begann am 17. Juni 1998 nach drei Jahren Planung. Der Baubetrieb wurde im August desselben Jahres wegen eines Widerspruchsverfahrens eines Anwohners für zwei Monate unterbrochen, konnte aber durch die Unterstützung der Bürgerinitiative "Pro Lausitzring" und des ADAC Berlin-Brandenburg zeitnah wieder aufgenommen werden. Die Bürgerinitiative "Pro Lausitzring" ging später im Club 98 e. V. auf und unterstützt den EuroSpeedway Lausitz bis heute.
Die Grundsteinlegung der Haupttribüne erfolgte am 14. Mai 1999, gefolgt von den ersten Asphaltierungsarbeiten im Juni desselben Jahres. Nach 18 Monaten Bauzeit wurde am 2. Dezember 1999 das Richtfest gefeiert. Die Feinararbeiten wurden bis August 2000 abgeschlossen. Die Gesamtkosten für den Bau des Lausitzrings beliefen sich auf 158 Millionen Euro, wovon allein 123 Millionen Euro vom Land Brandenburg übernommen wurden.
Namensgebung und Identität
Die ursprüngliche Planung sah vor, die Rennstrecke offiziell nur "Lausitzring" zu nennen. Aus Gründen der besseren Vermarktbarkeit der Strecke, vor allem in Nordamerika, sollte der Name wenige Wochen vor Eröffnung in "Eurospeedway Berlin-Brandenburg" geändert werden. Nach heftigen Protesten in der lokalen Presse und Bevölkerung wurde der Name schließlich in "EuroSpeedway Lausitz" geändert. Dieser Name stellt eine Mischung aus einer Wortentlehnung aus der englischen Sprache und dem deutschen Namen der Region dar. Mit dem englischen Kunstbegriff "EuroSpeedway" wurde auf das in Kontinentaleuropa einmalige Hochgeschwindigkeitsoval (Superspeedway) hingewiesen.
Nach dem Verkauf des Lausitzrings an die Sachverständigenorganisation DEKRA zum November 2017 erfolgte die Umbenennung in "DEKRA Lausitzring". Die Betreibergesellschaft verwendet seit 2010 wieder vorrangig den Namen "Lausitzring", was die lokale Verwurzelung der Anlage unterstreicht.
Technische Infrastruktur
Der EuroSpeedway Lausitz verfügt über eine beeindruckende technische Infrastruktur, die ihn zu einer der vielseitigsten Rennsport-Anlagen Europas macht. Die Anlage umfasst neben einer Grand-Prix-Strecke auch den einzigen 2-Meilen-Superspeedway für Ovalrennen in Europa. Darüber hinaus stehen eine High-Speed-Teststrecke mit Steilkurven, ein Offroad-Gelände sowie verschiedene Module für Fahrsicherheitstrainings zur Verfügung.
Die Hauptstrecke für Motorradrennen hat eine Länge von 4,265 Kilometern und verfügt über 13 Kurven. Der Streckenrekord für Motorräder liegt bei 1:37,357 Minuten, aufgestellt von Chaz Davies (Ducati Panigale R) im Jahr 2016. Die Rennstrecke wurde mehrmals angepasst, um die Überholmöglichkeiten zu verbessern. So wurde im Jahr 2007 auf Initiative der ITR (DTM-Dachorganisation) hin die Streckenführung für das DTM-Rennen verändert. Mit Hilfe mobiler Curbs wurde eine enge Kehre in der Startkurve geschaffen, die die Rennstrecke um 36 Meter verlängerte und bessere Überholmöglichkeiten für die Piloten schaffen sollte.
Verkehrsanbindung und Standortvorteile
Der Lausitzring liegt strategisch günstig an der A 13 an der Abfahrt Klettwitz. Die Bundesstraße 96 führt durch das etwa sieben Kilometer entfernte Senftenberg. Die gut ausgebaute brandenburgische Landesstraße 60 führt vom Bahnhof Senftenberg über Hörlitz direkt zum Ring. Der Bahnhof wird in die Preisklasse 5 eingeordnet und wird von Zügen aus Berlin, Cottbus, Dresden und umliegenden Städten bedient. Für wichtige Veranstaltungen wird ein Busshuttle zum Ring eingerichtet.
Die Anlage ist auf der Autobahn gut ausgeschildert und verfügt über eine eigene Autobahnabfahrt ("EuroSpeedway Lausitz", Nr. 15). Von der Autobahnabfahrt bis zum Haupteingang sind es nur etwa 1000 Meter, was die Erreichbarkeit für Besucher und Teilnehmer optimiert.
Nachhaltige Energieversorgung: Grüner Lausitzring
Ein besonderes Merkmal des EuroSpeedway Lausitz ist das Projekt "Grüner Lausitzring", das die Anlage unter den deutschen Rennstrecken zu einem Vorreiter im Bereich der Nutzung regenerativer Energiequellen macht. Das Projekt umfasst mehrere Teilprojekte, nach deren Fertigstellung die Stromversorgung der Rennstrecke völlig autark erfolgen soll.
Biogasanlage
Nahe des Lausitzrings wurde eine Biogasanlage errichtet, die pro Jahr circa 3.000 MWh thermische Energie erzeugen kann. Davon werden etwa 1.000 MWh durch den EuroSpeedway Lausitz und circa 1.200 MWh durch das direkt angrenzende DEKRA Technologiezentrum genutzt. Die jährlich erzeugte elektrische Energie von rund 4.200 MWh fließt direkt ins öffentliche Netz.
Die technische Spezifikation der Biogasanlage umfasst: - Installierte Leistung: 1 Blockheizkraftwerk mit 526 kW elektrisch / 553 kW thermisch - Versorgungskapazität: ca. 1.000 Vier-Personen-Haushalte - CO2-Einsparung: etwa 3.500 t pro Jahr - Verarbeitungskapazität: 5.000 m³ pro Jahr Rindergülle, 8.000 t pro Jahr Maissilage und 725 t pro Jahr Grassilage
Windkraftanlage
2011/2012 wurde auf dem EuroSpeedway Lausitz eine Windkraftanlage des Typs Enercon E-126 erbaut, die bis Januar 2014 der leistungsstärkste Windkraftanlagentyp der Welt war. Die technische Spezifikation dieser Anlage umfasst: - Turmhöhe: 135 Meter - Rotordurchmesser: 127 Meter - Nennleistung: 7,6 MW - Jährliches Regelarbeitsvermögen: rund 17 Mio. kWh elektrischer Energie
Solarcarports
Ein weiterer Bestandteil des "Grünen Lausitzring"-Projekts sind die Solarcarports, die in den Quellen jedoch nicht näher beschrieben werden. Diese Anlagen tragen zur autarken Energieversorgung der gesamten Rennstrecke bei und bieten gleichzeitig den Besuchern schattige Parkplätze.
Veranstaltungen und Nutzungsmöglichkeiten
Der EuroSpeedway Lausitz ist Austragungsort zahlreicher internationaler Motorsportveranstaltungen. Zu den wichtigsten gehören:
- Superbike-WM
- DTM (Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft)
- IDM (Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft)
- ADAC GT Masters
- 24-Stunden-Rennen
Darüber hinaus nutzt die DEKRA die Anlage als Testgelände für Fahrzeug- und Sicherheitstechnik. Die benachbarten Tagebaugebiete bieten hervorragende Möglichkeiten für erweiterte Offroad-Safaris, was die Vielfalt der Nutzungen unterstreicht.
Eigentümerstruktur und Betreiber
Die Eigentümerstruktur des EuroSpeedway Lausitz hat sich im Laufe der Zeit mehrfach verändert. Der Förderverein Lausitzring e. V. ist der Eigentümer des Areals und verpachtet die Rennstrecke an Betreibergesellschaften. Im ersten Quartal 2007 wurde eine erneute europaweite Ausschreibung für den Verkauf und Betrieb der Rennstrecke eröffnet. Nach einem Jahr Ausschreibungs- und Verhandlungsverfahren wurde im Juni 2008 die Betriebsführung der Rennstrecke ab dem 1. Januar 2009 an die "Bietergemeinschaft alpha-Technik" vergeben. Der Vertrag lief ursprünglich bis zum 31. Dezember 2016.
Im November 2017 wurde der Lausitzring an die Sachverständigenorganisation DEKRA verkauft, die seitdem als neue Eigentümerin auftritt und die Anlage in "DEKRA Lausitzring" umbenannt hat. Die DEKRA nutzt die Infrastruktur sowohl für Motorsportveranstaltungen als auch für technische Tests und Prüfungen.
Zukunftsperspektiven
Als Teil des "Grünen Lausitzring"-Projekts strebt der EuroSpeedway Lausitz eine nachhaltige Energieversorgung an, die die Anlage autark machen soll. Nach Fertigstellung aller drei Teilprojekte (Biogasanlage, Windkraftanlage und Solarcarports) soll die Rennstrecke nicht nur ihren eigenen Energiebedarf decken, sondern auch Test- und Veranstaltungspartnern sowie ansiedlungswilligen Interessenten im Umfeld eine günstige Energieversorgung bieten. Dies stellt einen klaren Standortvorteil für die Zukunft dar.
Die strategische Verkehrsanbindung durch die Autobahn A 13, die Bundesstraße 96 und die Landesstraße 60 sowie die gute Erreichbarkeit per Bahn und Bus für wichtige Veranstaltungen bleiben weiterhin ein wesentlicher Vorteil der Anlage.
Fazit
Der EuroSpeedway Lausitz hat sich seit seiner Eröffnung im Jahr 2000 zu einer der bedeutendsten Motorsport-Anlagen Europas entwickelt. Trotz anfänglicher Herausforderungen bei der Planung und dem Bau hat die Anlage ihre Position im internationalen Motorsportkalender gefestigt. Mit dem Verkauf an die DEKRA und dem Fokus auf nachhaltige Energieversorgung durch das "Grüne Lausitzring"-Projekt hat die Anlage neue Zukunftsperspektiven erhalten. Die Kombination aus moderner Infrastruktur, guter Verkehrsanbindung und Engagement für nachhaltige Energie macht den EuroSpeedway Lausitz zu einem einzigartigen Veranstaltungsort, der sowohl Motorsportbegeistern als auch der Wirtschaft der Region dient. Die Entwicklung zeigt, wie ehemalige Industrieflächen durch innovative Konzepte neue Nutzungsmöglichkeiten finden können.