Denkmalgerechte Modernisierung: Die Sanierung des Fleetschlösschen in der Hamburger Speicherstadt

Einleitung

Die Sanierung historischer Gebäude stellt eine besondere Herausforderung für Bauherren und Architekten dar, da sie den sensiblen Balanceakt zwischen dem Erhalt von kulturhistorischem Wert und der Anpassung an moderne Anforderungen bewältigen müssen. Das Fleetschlösschen in Hamburgs Speicherstadt dient als herausragendes Beispiel für eine gelungene denkmalgerechte Modernisierung. Dieses 1885 erbaute Gebäude, das als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes unter Denkmalschutz steht, wurde 2017 umfassend renoviert und gleichzeitig für eine zeitgemäße gastronomische Nutzung adaptiert. Dieser Artikel untersucht die Besonderheiten der Sanierung, die dabei angewandten Methoden und die Lösungen, die bei der Transformation eines denkmalgeschützten Gebäudes für einen neuen Zweck erforderlich waren.

Historischer Hintergrund

Bau und ursprüngliche Nutzung

Das Fleetschlösschen wurde im Jahr 1885 als zweites Gebäude im Rahmen der Errichtung der Hamburger Speicherstadt erbaut und steht damit am Ursprung dieses einzigartigen Ensembles. Die Speicherstadt selbst ist das größte zusammenhängende Lagerhausgebiet der Welt und zeugt von Hamburgs historischer Bedeutung als Handelsmetropole. Das Fleetschlösschen befindet sich strategisch günstig an der Kreuzung Brooktorkai/St.-Annen-Brücke direkt am Fleet und verfügt über einen direkten Wasserzugang, wobei drei massive Säulen die Basis des Gebäudes bilden.

In seiner ursprünglichen Funktion diente das Gebäude dem Zoll als Dienstgebäude zur Registrierung der von den Schuten – traditionellen Hamburger Lastkähnen – in die Speicherböden zu verbringenden Waren. Diese Positionierung am Wasserzugang war essentiell für damalige Arbeitsabläufe, bei denen Güter aus den Großseglern zu den Speicherböden der Kaufleute transportiert werden mussten. Später wurde das Gebäude als kleine Brandwache genutzt, was seine vielseitige Nutzung in der Geschichte der Speicherstadt unterstreicht.

Ein besonderes historisches Detail ist der Besuch von Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1888, kurz nach der feierlichen Einweihung der Speicherstadt. Der Kaiser nutzte die Wassertreppen des Fleetschlösschen, um von hier per Barkasse zum Baumwall zu fahren – ein Ereignis, das die prominente Stellung des Gebäudes in der Hamburger Geschichte unterstreicht.

Architektur und bauliche Entwicklung

Das Fleetschlösschen wurde in der für das Ensemble typischen neugotischen Bauweise errichtet. Diese Stilwahl war charakteristisch für die Architektur der Speicherstadt im späten 19. Jahrhundert und verleiht dem Gebäude seinen besonderen historischen Charme. Die Fassade des Gebäudes weist hellere Steine auf, die Zeugnis von Ausbesserungen nach Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg sind. Damals gingen die St.-Annen-Brücke und zahlreiche Speicher verloren, doch das Fleetschlösschen blieb – wenn auch beschädigt – erhalten.

Das Gebiet, in dem sich das Fleetschlösschen befindet, gehörte ursprünglich zum Freihafen. Diese zollrechtliche Sonderstellung bestimmte auch die Nutzung des Gebäudes über viele Jahrzehnte. Erst 2004, mit der Verlegung der Freihafengrenze und der damit verbundenen Umwandlung des Speicherstadtkomplexes in zollrechtliches Inland, wurde eine zivile Nutzung des Gebäudes möglich. Seit diesem Jahr wird das Gebäude gastronomisch genutzt und trägt den Namen "Fleetschlösschen".

Heutige Denkmaleigene und UNESCO-Status

Das Fleetschlösschen steht unter Denkmalschutz und zählt seit Juli 2015 zum Weltkulturerbe der Speicherstadt. In der Denkmalliste Hamburgs wird das Haus als ehemaliges Toilettengebäude geführt, was auf seine vielfältige Nutzungsgeschichte hinweist. Die heutige Nutzung als Café und Kneipe in einer ehemaligen Kaffeeklappe stellt eine weitere interessante Entwicklung in der Geschichte des Gebäudes dar.

Ein besonderes architektonisches Detail im Inneren des Lokals ist eine große historische Uhr, die sich früher auf dem gegenüberliegenden Verwaltungsgebäude des Amtes für Strom- und Hafenbau (heute Altes Hafenamt Hamburg) der Hamburg Port Authority (HPA) befand. Diese Uhr wurde vom damaligen Pächter Christian Oehler beim Abbruch des Gebäudes gerettet und ist heute im Fleetschlösschen zu bewundern. Dieses Detail unterstreicht den Respekt vor der historischen Substanz und die sorgfältige Integration historischer Elemente in die heutige Nutzung des Gebäudes.

Herausforderungen der Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes

Die Sanierung des Fleetschlösschen stellte besondere Herausforderungen dar, die bei der Renovierung von historischen Gebäuden typisch sind. Diese lassen sich in mehrere Kategorien unterteilen:

Balance zwischen Erhalt und Modernisierung

Bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes wie dem Fleetschlösschen besteht die grundlegende Herausforderung darin, die historische Substanz zu erhalten, während gleichzeitig moderne Anforderungen an Sicherheit, Komfort und Funktionalität berücksichtigt werden müssen. Das Gebäude musste für seine neue Nutzung als gastronomisches Betrieb vollständig umgestaltet werden, ohne seinen charakteristischen neugotischen Charme und seine historische Authentizität zu verlieren.

Denkmalrechtliche Auflagen

Als Teil des Weltkulturerbes Speicherstadt unterliegt das Fleetschlösschen strengen denkmalrechtlichen Auflagen. Jeder Eingriff in die Bausubstanz musste genehmigt und fachgerecht ausgeführt werden. Die Sanierung musste unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erfolgen, was besondere Anforderungen an die Materialwahl, die Bauverfahren und die handwerkliche Umsetzung stellte.

Integration moderner Technik

Ein weiteres wesentliches Problem war die Integration moderner technischer Anlagen in ein historisches Gebäude. Dazu gehörten nicht nur sichtbare Elemente wie die Küche, sondern auch unsichtbare Installationen wie elektrische Leitungen, Sanitärsysteme und Lüftungsanlagen. Diese mussten so integriert werden, dass sie den Charakter des Gebäudes nicht beeinträchtigten, aber dennoch den Anforderungen eines gastronomischen Betriebs entsprachen.

Optimierung des Raums für neue Nutzungen

Die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes als Zoll- und später als Feuerwache hatte andere räumliche Anforderungen als die heutige gastronomische Nutzung. Die Sanierung musste den Grundriss optimieren, um einen effizienten Arbeitsablauf in der Küche und einen komfortablen Aufenthalt für Gäste zu ermöglichen, ohne dabei die historische Raumstruktur zu zerstören.

Barrierefreiheit

Die Integration barrierefreier Zugänge und Einrichtungen war ein weiteres wichtiges Anliegen, das bei der Sanierung berücksichtigt werden musste. Da das Fleetschlösschen am Wasser steht und auf Säulen ruht, stellte die Schaffung barrierefreier Zugänge besondere technische Herausforderungen dar.

Die Sanierung des Fleetschlösschen im Jahr 2017

Im Jahr 2017 wurde das Fleetschlösschen außen und innen aufwendig restauriert und modernisiert. Diese Sanierung war notwendig, um das Gebäude für die gastronomische Nutzung durch die Daniel Wischer GmbH & Co. KG vorzubereiten, die es Anfang 2018 als Filiale wiedereröffnete. Die Sanierung umfasste sowohl die Wiederherstellung der historischen Substanz als auch die Anpassung an moderne Anforderungen.

Planungsphase und Konzeptentwicklung

Die Planungsphase der Sanierung stand vor der Herausforderung, die Wünsche des Betreibers mit den Anforderungen des Denkmalschutzes in Einklang zu bringen. Das Konzept sah vor, das Gebäude als gastronomischen Betrieb zu erhalten, dabei aber die historische Bausubstanz zu respektieren und zu restaurieren. Besonderes Augenmerk wurde auf die Erhaltung des charakteristischen neugotischen Stils gelegt, der das Fleetschlösschen als Teil der Speicherstadt auszeichnet.

Ein wesentlicher Aspekt des Konzepts war die Schaffung eines harmonischen Gesamteindrucks, bei dem moderne Elemente wie die Küche bewusst als Kontrast zur historischen Umgebung positioniert wurden, aber dennoch eine ästhetische Einheit mit der Gesamtkonzeption bildeten.

Restaurierung der Fassade und Außenanlagen

Die Restaurierung der Fassade konzentrierte sich auf die Wiederherstellung des ursprünglichen neugotischen Erscheinungsbildes. Dabei wurden beschädigte Bereiche saniert und die typischen neugotischen Elemente restauriert. Die hellen Steine in der Fassade, die als Zeugen von Ausbesserungen nach Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg dienen, wurden bewusst erhalten, um die Geschichte des Gebäudes sichtbar zu machen.

Bei der Sanierung der Außenanlagen wurde besonderer Wert auf die Beziehung des Gebäudes zum Wasser gelegt. Der direkte Wasserzugang, der für die ursprüngliche Nutzung als Zollgebäude entscheidend war, wurde erhalten und in die Gestaltung der Außensitzplätze integriert.

Innenrenovierung und Raumkonzept

Die Innenrenovierung umfasste den kompletten Rückbau aller nicht originalen Einbauten, um die ursprüngliche Raumstruktur wiederherzustellen. Auf dieser Basis wurde ein neues Raumkonzept entwickelt, das eine gastronomische Nutzung ermöglichte, ohne die historische Substanz zu beeinträchtigen.

Die Sanierung beinhaltete die Integration eines Lokals mit 34 Sitzplätzen unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten. Die Modernisierung umfasste die Schaffung neuer Toilettenanlagen und Technikräume im Obergeschoss sowie die Integration einer kompakten, offenen Küche. Besondere Aufmerksamkeit wurde der originalgetreuen Restauration der Farben im Gastraum gewidmet, um das historische Ambiente zu bewahren.

Integration moderner Anlagen

Die Integration moderner Anlagen stellte eine besondere technische Herausforderung dar. Die neuen Toilettenanlagen und Technikräume wurden im Obergeschoss untergebracht, um die historische Raumnutzung im Erdgeschoss nicht zu beeinträchtigen. Die kompakten Abmessungen dieser Räume erforderten eine besonders sorgfältige Planung, um alle notwendigen Funktionen unterzubringen.

Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die Lüftung und Klimatisierung des Gastraums gelegt, um einen komfortablen Aufenthalt für Gäste zu ermöglichen, ohne das historische Erscheinungsbild zu stören. Die technischen Anlagen wurden so weit wie möglich unsichtbar integriert oder in das Design der Einbindung einbezogen.

Die neue Küche als Designelement

Die Integration der Küche war eines der herausragenden Merkmale der Sanierung. Die neue Küche wurde als bewusst modernes Element gestaltet, das sich vom historischen Kontext abhebt, aber mit der Einrichtung des Gastraumes einen einheitlichen Gesamteindruck bildet. Diese bewusste Kontrastierung unterstreicht die zeitliche Entwicklung des Gebäudes und schafft eine interessante Spannung zwischen Historie und Moderne.

Die Küche wurde kompakt und funktional gestaltet, um den begrenzten Platz optimal zu nutzen und gleichzeitig alle Anforderungen an einen professionellen gastronomischen Betrieb zu erfüllen. Die Materialwahl und die Gestaltung orientierten sich an modernen Designstandards, passten sich aber der räumlichen Umgebung an.

Barrierefreiheit und neue Toilettenanlagen

Ein wichtiges Element der Sanierung war die Schaffung barrierefreier Zugänge und Einrichtungen. Dazu gehörte die Integration eines Behinderten-WCs, das aus Platzgründen ausgelagert werden musste. Die neuen Toilettenanlagen wurden im Obergeschoss untergebracht und entsprechend den Anforderungen der Barrierefreiheit gestaltet.

Die Sanierung berücksichtigte auch die Anforderungen moderner Hygienestandards, ohne dabei den historischen Charakter des Gebäides zu beeinträchtigen. Die Wahl der Materialien für die Toilettenanlagen erfolgte unter Berücksichtigung sowohl der praktischen Nutzung als auch des architektonischen Kontexts.

Ergebnisse und heutige Nutzung

Nach Abschluss der Sanierung Anfang 2018 wurde das Fleetschlösschen als Filiale der Daniel Wischer GmbH & Co. KG wiedereröffnet. Seit 2017 leitet Julian Haarstrich das Fleetschlösschen als Restaurant für das Hamburger Traditionsunternehmen. Das Bistro und Café bietet Fish & Chips sowie andere Hamburger Spezialitäten an. Auf der Speisekarte findet sich auch eine vegane Currywurst, die moderne kulinarische Trends aufgreift.

Das Gebäude bietet heute 30 Sitzplätze im Inneren, bei Bedarf können bis zu 50 Personen ohne Bestuhlung untergebracht werden. Wenn das Wetter es zulässt, stehen weitere 80 Plätze auf der Terrasse zur Verfügung, die einen einzigartigen Blick auf das Fleet und die umliegenden Gebäude der Speicherstadt bieten. Diese Kombination aus historischem Ambiente und modernem Komfort hat sich bei Gästen als besonders attraktiv erwiesen.

Die gastronomische Nutzung des Gebäudes hat zu einer neuen Popularität des Fleetschlösschen beigetragen. Es ist nicht nur ein gastronomischer Betrieb, sondern auch ein touristisches Highlight, das Besucher anzieht, die die historische Bedeutung der Speicherstadt erleben möchten. Die gelungene Verbindung von Geschichte und Moderne macht das Gebäude zu einem lebendigen Teil des kulturellen Erbes Hamburgs.

Ein besonderes architektonisches Detail, das die sorgfältige Restaurierung unterstreicht, ist die große historische Uhr im Inneren des Lokals. Diese Uhr, die früher auf dem gegenüberliegenden Verwaltungsgebäude des Amtes für Strom- und Hafenbau befand, wurde vom Pächter Christian Oehler beim Abbruch gerettet und ist heute ein zentrales Element im Interior des Fleetschlösschens. Dieses Detail zeigt den Respekt vor der historischen Substanz und die sorgfältige Integration historischer Elemente in die heutige Nutzung des Gebäudes.

Fazit

Die Sanierung des Fleetschlösschen in Hamburgs Speicherstadt ist ein gelungenes Beispiel für die denkmalgerechte Modernisierung eines historischen Gebäudes. Die 2017 durchgeführte Renovierung hat es ermöglicht, das Gebäude für eine zeitgemäße gastronomische Nutzung zu adaptieren, ohne dabei seinen historischen Charakter und seine kulturelle Bedeutung zu verlieren.

Die Sanierung beweist, dass es möglich ist, moderne Anforderungen mit dem Erhalt von historischer Substanz in Einklang zu bringen. Die bewusste Kontrastierung von historischen Elementen wie der neugotischen Architektur und modernen Einrichtungen wie der Küche schafft eine interessante Spannung, die das Gebäude zu einem besonderen Ort macht.

Die Sanierung des Fleetschlösschen bietet wertvolle Erkenntnisse für ähnliche Projekte bei der Renovierung denkmalgeschützter Gebäude. Wichtige Erfolgsfaktoren waren die sorgfältige Planung unter Einbeziehung aller Beteiligten, die fachgerechte Durchführung der Arbeiten durch spezialisierte Handwerker und die konsequente Einhaltung der denkmalrechtlichen Auflagen.

Das Fleetschlösschen zeigt, dass historische Gebäude nicht nur museale Relikte sein müssen, sondern durch eine sensible Sanierung und eine zeitgemäße Nutzung wiederbelebt werden können. So trägt die Sanierung nicht nur zur Erhaltung des baulichen Erbes bei, sondern auch zur aktiven Nutzung und Weiterentwicklung des kulturellen Erbes der Stadt Hamburg.

Quellen

  1. Gerd Streng - Fleet
  2. Fleetschlösschen - Services
  3. Maritime Elbe - Fleetschlösschen
  4. Wikipedia - Fleetschlösschen
  5. Ahoi Hamburg - Fleetschlösschen

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