Frankfurter Startup-Szene: Wachstum und Innovation im Herzen Deutschlands

Einleitung

Frankfurt am Main, traditionell bekannt als Finanzzentrum Deutschlands, entwickelt sich zunehmend zu einem bedeutenden Standort für innovative Startups. Während die Stadt international vor allem für ihre Banken und Finanzdienstleistungen bekannt ist, entsteht im Rhein-Main-Gebiet eine dynamische Gründerlandschaft, die mit anderen deutschen Metropolen wie Berlin oder München Schritt halten möchte. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Frankfurter Startup-Szene, ihre wichtigsten Akteure, Unterstützungsstrukturen und zukünftige Perspektiven.

Die Bedeutung der Frankfurter Startup-Szene

Frankfurts Startup-Ökosystem trägt bereits heute erheblich zur Wirtschaft bei. Laut einer Studie von Ernst & Young leistet die Startup-Szene in Frankfurt am Main einen Beitrag von mehr als 1,5 Milliarden Euro zum Bruttoinlandsprodukt. Insgesamt gibt es in der Stadt etwa 1.000 Startups, die rund 20.000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Die meisten dieser jungen Unternehmen konzentrieren sich auf die Bereiche FinTech, MedTech und Logistik.

Die Main-Metropole hat längst den Ruf als reine Bankenstadt abgelegt und etabliert sich zunehmend als Startup-Stadt. Zu den etablierten Scaleups gehören Unternehmen wie die Bloomwell Group, Qualifyze und Finanzguru, während junge Startups wie leksa, rhenso, Waamio, Speedie, DeliverDesk und Reach für Aufsehen sorgen.

Etablierte und aufstrebende Frankfurter Startups

Erfolgreiche Scaleups

Qualifyze stellt eines der erfolgreichsten Frankfurter Scaleups dar. Das 2017 von David Schneider und Florian Hildebrand gegründete Unternehmen positioniert sich als "digitale Plattform, die es Firmen ermöglicht Daten zu Lieferanten und Produktionsstätten in Form von Auditberichten auszutauschen". Das Startup konnte bereits über 30 Millionen US-Dollar an Investorengeldern einsammeln, darunter eine Finanzierungsrunde in Höhe von 12 Millionen US-Dollar durch HarbourVest Partners, H14, HV Capital und Rheingau Founders. Selbst Fußball-Weltmeister Mario Götze beteiligte sich bereits 2020 an dem Unternehmen.

Weitere etablierte Frankfurter Startups umfassen:

  • Lillydoo
  • Link11
  • Thinksurance
  • Bloomwell Group
  • Finanzguru

Junge innovative Startups

Die Frankfurter Startup-Szene zeichnet sich auch durch eine Vielzahl junger innovativer Unternehmen aus, die in verschiedenen Branchen tätig sind:

Remedium konzentriert sich auf die Erbauseinandersetzung von Immobilien. Das System funktioniert so, dass "Remedium den Anteil verkaufswilliger Miterben zeitnah und zu einer angemessenen Bewertung erwirbt. Hierfür erfolgt eine sog. Teilerbauseinandersetzung."

Weitere junge Frankfurter Startups:

  • Rudy: Ein FinTech, das sich als "Crypto-Robo-Advisor" etablieren möchte und den Kryptomarkt für Privatanleger zugänglicher machen will.
  • FiniBee: Betreibt ein "stadtweites Netzwerk von Powerbank-Ausleihstationen in Gastronomie und öffentlichen Betrieben".
  • Niu: Entwickelt eine App für den "unkomplizierten Zugang zu Naturheilkundeverfahren und natürlichen Heilmethoden".
  • HTM: Möchte "hybride Wasserstoffantriebssysteme für die Mobilität von morgen entwickeln".
  • Bunton: (Die Quelle enthält keine weiteren Details zu diesem Startup)

Unterstützungsstrukturen und Ökosystem

Das Center of Startups

Um die Sichtbarkeit der Frankfurter Startup-Szene zu erhöhen, haben die Stadt Frankfurt und das Land Hessen gemeinsam die digitale Plattform "Center of Startups" gestartet. Diese Plattform bietet erstmals eine systematische Bündelung der Startup- und Investitionsdaten und schafft so eine valide Grundlage für wirtschaftspolitische Entscheidungen und Standortstrategien.

Stephanie Wüst, Dezernentin für Wirtschaft, Recht und Stadtmarketing der Stadt Frankfurt, erklärte: "Das Center of Startups soll ein Vorhaben sein, in das wir möglichst viele Teilnehmer und Partner aus dem Ökosystem einbinden. Dabei geht es genauso um finanzielles Engagement wie um die Pflege von Daten – und das ist auch ohne Geldbeiträge möglich. Zugleich schafft die Plattform die Möglichkeit für Startups, sich direkt mit Investoren zu vernetzen und proaktiv auf sie zuzugehen."

Die Plattform entstand in Zusammenarbeit mit dem Datenanbieter Dealroom und soll das Gründungsgeschehen in ganz Rhein-Main und Hessen systematisch abbilden. Laut Umut Sönmez, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, tragen Startups "ganz entscheidend dazu bei, die Wirtschaft in Hessen fit für die Zukunft zu machen."

Universitätsprogramme und Acceleratoren

Frankfurt verfügt über mehrere Einrichtungen, die Startups unterstützen:

  • House of Logistics and Mobility (HOLM)
  • Frankfurt School of Finance and Management
  • TechQuartier

Diese Einrichtungen bieten nicht nur akademische Bildung, sondern auch praktische Unterstützung für Gründer in Form von Coaching, Networking und Hilfe bei der Finanzierung.

Futury: Gründerförderung an Hochschulen

Das Programm Futury widmet sich gezielt der Stärkung des "Gründergeist an den Hochschulen". Ziel ist es, "Studierende und Forschende auf dem Weg zu Unternehmer:innen zu begleiten und ihre innovativen Geschäftsmodelle in marktfähige Unternehmen zu überführen."

Melissa Ott, Managing Director bei Futury, betonte die besonderen Vorteile des Rhein-Main-Gebiets: "Der Blick geht schnell nach Berlin, nach München, aber das Rhein-Main-Gebiet habe auch Vorteile, vor allem bei den Themen Kompetenz und Konnektivität."

Ein besonderes Projekt ist die Einrichtung eines neuen Venture-Capital-Studiengangs an der Frankfurt School, der zum kommenden Sommersemester starten soll. Gleichzeitig werden neue Fonds für Venture Capital entwickelt, um den Nachholbedarf in diesem Bereich zu decken.

Die Futury wird zukünftig ihre Startups im Bertramshof unterbringen, den der Hessische Rundfunk an die Frankfurt School vermietet hat.

Investoren in Frankfurt

Frankfurt verfügt über ein Netzwerk von Investoren, die sich auf Startups spezialisiert haben:

  • Creathor Venture
  • Coi Partners
  • Point Nine Capital

Diese Investoren haben bereits in mehrere erfolgreiche Frankfurter Startups investiert und spielen eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung junger Unternehmen.

Veranstaltungen und Netzwerk

Frankfurt bietet mehrere wichtige Veranstaltungen für die Startup-Szene:

  • Frankfurt Founders Festival
  • Deutsches Eigenkapitalforum
  • German Accelerator Demo Day

Diese Events bieten Startups die Möglichkeit, sich mit anderen Gründern, Investoren und Experten zu vernetzen und ihre Unternehmen zu präsentieren.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Trotz des Wachstums der Frankfurter Startup-Szene gibt es weiterhin Herausforderungen. Im Vergleich zu anderen deutschen Metropolregionen wie Berlin, München oder Hamburg stand Frankfurt Rhein-Main bislang oft "unter dem Radar". Die Folge war, dass der Region trotz starker Gründerzentren, Hochschulen und Investoren ein gemeinsames Schaufenster fehlte, das ihre Potenziale auf einen Blick abbildet.

Mit der Einführung des Center of Startups wird diese Lücke geschlossen. Die Plattform soll nicht nur die Sichtbarkeit erhöhen, sondern auch als Grundlage für wirtschaftspolitische Entscheidungen und Standortstrategien dienen.

Zukünftig wird insbesondere der Ausbau des Venture-Capital-Sektors eine wichtige Rolle spielen. Während andere Städte bereits gut etablierte Investorenlandschaften haben, besteht in Frankfurt noch Nachholbedarf in diesem Bereich. Die Entwicklung neuer Fonds und der Studiengang an der Frankfurt School sollen hier Abhilfe schaffen.

Fazit

Frankfurt am Main entwickelt sich zunehmend zu einem attraktiven Standort für innovative Startups. Mit über 1.000 Unternehmen und 20.000 geschaffenen Arbeitsplätzen trägt die Startup-Szene bereits erheblich zur Wirtschaft bei. Durch die Einrichtung von Unterstützungsstrukturen wie dem Center of Startups, Programmen wie Futury und einem wachsenden Netzwerk von Investoren und Veranstaltungen etabliert sich die Stadt als wichtiger Standort für innovative Gründungen.

Während Frankfurt traditionell als Finanzzentrum bekannt war, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre, dass die Stadt auch im Startup-Bereich erhebliches Potenzial besitzt. Durch die gezielte Förderung und Vernetzung der verschiedenen Akteure im Ökosystem kann Frankfurt zukünftig eine noch wichtigere Rolle in der deutschen und internationalen Startup-Landschaft einnehmen.

Quellen

  1. StartupsToWatch: 27 spannende Startups aus Frankfurt am Main
  2. Ein starkes Signal für den Standort Frankfurt
  3. Startups in Frankfurt am Main
  4. Mehr Startups für die Region

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