Frauenkirche Nürnberg: Geschichte und Renovierungen von 1989 bis heute

Einleitung

Die Frauenkirche in Nürnberg, offiziell katholische Stadtpfarrkirche "Unsere Liebe Frau", ist eines der bedeutendsten architektonischen Wahrzeichen der Stadt. Als gotischer Sakralbau aus dem 14. Jahrhundert steht sie an der Ostseite des Hauptmarktes und ist nicht nur ein Ort des Gebetes, sondern auch ein beliebtes Fotomotiv für Touristen. Die Kirche ist weltweit bekannt, da von ihrer Empore aus jedes Jahr das Nürnberger Christkind den weltberühmten Christkindlesmarkt eröffnet. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte der Kirche und konzentriert sich insbesondere auf die Renovierungsmaßnahmen der Jahre 1989-1991 sowie die jüngste Sanierung von 2023-2024.

Geschichte der Frauenkirche Nürnberg

Die Nürnberger Frauenkirche wurde im Jahr 1355 von Kaiser Karl IV. gestiftet und als Hallenkirche vermutlich vom Prager Hofarchitekten Peter Parler erbaut. Besonders bemerkenswert ist, dass die Kirche auf den Grundmauern einer ehemaligen Synagoge errichtet wurde, was durch einen Davidstern im Fußboden des Chorraums erinnert wird.

In den Jahren 1442 und 1443 baute Heinrich Traxdorf aus Mainz eine "mittlere und eine kleine Orgel" in der Kirche. 1487 wurde die Sakristei, die 1466 abgebrannt war, wiederhergestellt. In den Jahren 1506–1508 schuf Adam Kraft einen neuen Westgiebel am Michaelschor. Gleichzeitig wurde eine an den Erlass der Goldenen Bulle erinnernde Kunstuhr eingebaut, deren "Männleinlaufen" um 12 Uhr bis heute viele Touristen anzieht.

Mit der Reformation in Nürnberg ab 1525 diente die Kirche zunächst als evangelische Predigtkirche, nachdem Emporen eingebaut wurden. Nachdem Nürnberg 1806 an das neue Königreich Bayern gefallen war, konnte sich eine römisch-katholische Gemeinde bilden, die das Gebäude 1810 erwarb und es bis 1816 unter Lorenz Rotermundt grundlegend erneuerte. Die Neuausstattung erfolgte aus den Beständen der säkularisierten Klosterkirchen, insbesondere der Dominikaner- und Augustinerkirche.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau

Im Jahr 1945, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs, wurde die Frauenkirche mit Ausnahme der Westfassade und der Langhausumfassungsmauern völlig zerstört. Nach dem Wiederaufbau konnte die Kirche 1953 wieder eingeweiht werden. Allerdings erwies sich der Wiederaufbau in den folgenden Jahrzehnten als nicht dauerhaft, sodass dennoch eine weitere umfangreiche Renovierung notwendig wurde.

Die Renovierung von 1989-1991

In den Jahren 1989 bis 1991 wurde das Bauwerk instand gesetzt. Diese Renovierung war Teil einer Gesamtrenovierungsphase, die laut einigen Quellen bereits 1983 begonnen hatte. Während dieser Renovierungsmaßnahmen wurde eine bedeutende symbolische Veränderung vorgenommen: In den Chorboden wurde ein Davidstern mit der Jahreszahl "1349" eingesetzt. Dieses Symbol dient als Gedenken an das Pogrom gegen die jüdische Siedlung am Hauptmarkt im Jahr 1349.

Die Renovierung von 1989-1991 konzentrierte sich auf die statische Sicherung des Bauwerks und die Restaurierung wichtiger architektonischer Elemente. Diese Maßnahmen waren notwendig, um den Erhalt des gotischen Baudenkmals für zukünftige Generationen zu sichern. Die Kirche blieb während dieser Zeit für Besucher und Gottesdienste geschlossen, um die Arbeiten ungestört durchführen zu können.

Die jüngste Renovierung 2023-2024

Fast 660 Jahre nach ihrer Erbauung wurde die Frauenkirche erneut umfassend saniert. Die jüngste Innensanierung wurde zwischen März 2023 und August 2024 durchgeführt und dauerte damit etwa ein Jahr. In dieser Zeit war der Sakralbau für Besucher und Gottesdienste gesperrt.

Die denkmalgeschützte Frauenkirche ist nach Angaben der Stadtkirche das meistfrequentierte katholische Gotteshaus Nürnbergs. Traditionell wird von der Empore aus der weltberühmte Christkindlesmarkt eröffnet, was auch 2023 trotz der Bauarbeiten möglich war.

Bei der jüngsten Sanierung wurden zahlreiche Kunstwerke konserviert und Kirchenstühle restauriert. Besonders aufwendig war die Reinigung von etwa 3.200 Quadratmetern Innenfläche unter Denkmalschutzaspekten. Ein Team aus Handwerkern, Restauratoren und Architekten reinigte per Hand mit Schwamm, Pinsel und Staubsauger Wände, Decken und Kunstwerke. Dabei legten die Restauratoren bei so mancher grauen Steinfigur längst vergessene Farbschichten frei.

Durch die gereinigten Glasfenster fällt jetzt viel mehr Licht in den Innenraum, was zusammen mit der erneuerten Beleuchtung für einen helleren und freundlicheren Kirchenraum sorgt. Auch die Akustik wurde durch eine neue Tonanlage verbessert. Zudem wurde der Dachstuhl statisch saniert, um die Langlebigkeit des Bauwerks zu gewährleisten.

Um zukünftige Verschmutzung zu minimieren, wurden an den beiden Seiteneingängen jeweils ein Windfang aus Stahl und Glas eingebaut. Diese Windfänge sollen für die nächsten Jahrzehnte Staub und Schmutz weitestgehend fernhalten. Der Haupteingang wird in Zukunft nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet.

Die gesamten Kosten für die jüngste Sanierung beliefen sich auf rund 2,5 bis 3,2 Millionen Euro. Die Erzdiözese Bamberg übernahm 65 Prozent der Kosten aus dem Etat für Bauerhaltungsinvestitionen. Finanzielle Unterstützung kam von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Verein zur Erhaltung der Nürnberger Frauenkirche, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Bayerischen Landesstiftung, dem Bezirk Mittelfranken und der Stadt Nürnberg sowie von privaten Spendern. Der Bezirk Mittelfranken förderte die Sanierung mit einem Förderbescheid über 15.000 Euro.

Die Wiedereröffnung der Kirche fand am 3. Februar mit einem Festgottesdienst statt, der vom Bamberger Weihbischof Herwig Gössl eröffnet wurde. Die musikalische Gestaltung kam vom Chor der Frauenkirche unter Leitung von Frank Dillmann und Andreas König an der Klais-Orgel. Bis voraussichtlich März 2024 waren noch kleinere Restarbeiten geplant.

Fazit

Die Nürnberger Frauenkirche durchlief im Laufe ihrer über 650-jährigen Geschichte zahlreiche Veränderungen, Zerstörungen und Wiederaufbaumaßnahmen. Die Renovierung von 1989-1991 konzentrierte sich auf die statische Sicherung und die symbolische Einsetzung eines Davidsterns als Gedenken an das historische Pogrom von 1349. Die jüngste Sanierung von 2023-2024 umfasste eine umfassende Innenrenovierung mit Restaurierung von Kunstwerken, Reinigung der Oberflächen, Modernisierung der Beleuchtung und Tonanlage sowie die Sicherung des Dachstuhls.

Die Kirche bleibt nicht nur ein bedeutendes religiöses und historisches Baudenkmal Nürnbergs, sondern auch ein Ort der kulturellen Identität, der jährlich Millionen von Besuchern anzieht. Die kontinuierlichen Bemühungen um den Erhalt des Bauwerks durch den Verein zur Erhaltung der Frauenkirche e.V., der seit 1976 Restaurierungen an den wertvollen Kunstwerken sowie Renovierungsmaßnahmen am Kirchenbau unterstützt, unterstreichen die Bedeutung dieses Wahrzeichens für die Stadt und ihre Bewohner.

Quellen

  1. Evangelische Zeitung - Nürnberger Frauenkirche wird nach Sanierung wieder geöffnet
  2. BR Bayern - Kleinod in Nürnberg saniert: Frauenkirche strahlt wieder
  3. Bild - Nürnberg: Frauenkirche erstrahlt nach Sanierung in neuem Glanz
  4. Verein zur Erhaltung der Frauenkirche e.V.
  5. Bezirk Mittelfranken - Frauenkirche in Nürnberg saniert
  6. Wikipedia - Frauenkirche (Nürnberg)

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