Restaurierung der Silbermann-Orgel in Fraureuth: Ein Meisterwerk des sächsischen Orgelbaus

Einleitung

Die evangelische Dorfkirche in Fraureuth, gelegen im Landkreis Zwickau in Sachsen, beherbergt ein besonderes Kulturgut: die original erhaltene Orgel des berühmten sächsischen Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann. Dieses 275 Jahre alte Instrument, erbaut in den Jahren 1739–1742, gilt als eines der bedeutendsten Werke Silbermanns und wurde in den Jahren 2018/19 umfassend restauriert. Die Restaurierung erfolgte durch die Orgelbaufirma Christoph Rühle aus Moritzburg und stellte die Orgel wieder in ihren Originalzustand zurück. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Instruments, den Restaurierungsprozess sowie die technischen Besonderheiten dieses musikalischen Meisterwerks.

Geschichte der Kirche und der Orgel

Die evangelische Dorfkirche Fraureuth ist ein beeindruckendes Beispiel für sächsische Barockarchitektur. Die stattliche barocke Saalkirche entstand 1733 durch weitgehenden Umbau eines um 1570 entstandenen Kirchenbauwerks. Die westliche Vorhalle für die Bälgekammer der Orgel wurde 1742 angebaut. Die Kirche gehört zur Kirchengemeinde Fraureuth im Kirchenkreis Greiz der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Das Bauwerk ist ein Putzbau mit Lisenengliederung und liegenden Ovalfenstern über Flachbogen- und Rechteckfenstern. Ein Turm über quadratischem Grundriss mit achteckigem Glockengeschoss und einer geschweiften Haube mit Laterne betont das Gebäude. Das Innere ist flachgedeckt und wird durch die einheitliche Ausstattung des Spätbarock und Emporen auf hölzernen Pilasterpfeilern an drei Seiten geprägt. Die Brüstungsfelder wurden 1755 mit Rokokobemalung versehen. Die Emporen sind an der Nord- und Südseite zweigeschossig, an der Nordseite befindet sich die Patronatsloge.

Ein weiteres kunsthistorisch wertvolles Element der Kirche ist das barocke Gemäldeepitaph für Pfarrer Andreas Mylius († 1687), das durch gewundene Säulen gerahmt ist und mit reicher Akanthusverzierung geschmückt wird. Es zeigt im Hauptfeld eine Darstellung der Himmelfahrt des Elias und darunter Porträtdarstellungen des Verstorbenen und seiner Familie.

Die Orgel der Kirche ist das Hauptwerk, das die Kirche überregional bekannt macht. Im Jahr 1739 baute Gottfried Silbermann zunächst eine Orgel in der Stadtkirche von Greiz, die jedoch nicht erhalten ist. Die Gläubigen und Bürger von Fraureuth nutzten diese Gelegenheit und gewannen Silbermann dafür, auch in Fraureuth eine Orgel zu bauen. Am 20. März 1739 wurde ein Orgelbauvertrag zwischen Silbermann und der Gemeinde Fraureuth geschlossen, der Materialeinsatz, Kosten und Übergabetermin detailliert festhielt. Für den Fall des vorzeitigen Ablebens Silbermanns war sein Neffe Johann Georg Silbermann für die Vollendung verpflichtet.

Die Orgel sollte bis zum 29. September 1742 bespielbar eingebaut sein und wurde schließlich am 2. Dezember 1742 während eines festlichen Gottesdienstes eingeweiht. Das Instrument mit 20 Registern auf zwei Manualen und Pedal zeigt einen wohlproportionierten Prospekt und wurde bisher kaum verändert. Psalm 150, Vers 2 ("Alles, was Odem hat, lobe den HERRN!"), den Silbermann über der Orgel anbringen ließ, unterstreicht die spirituelle Bedeutung des Instruments.

Frühere Restaurierungen und Instandhaltungsarbeiten

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Orgel mehrfach überarbeitet und instand gehalten. Instandsetzungen erfolgten bereits 1850 und 1862. In den Jahren 1928 und 1978 wurde die Orgel durch die Firma Jehmlich überarbeitet. Dabei wurde die Kammertonstimmung durch Umhängen der Tontraktur hergestellt und das dadurch fehlende tiefe C ergänzt.

Bei früheren Instandhaltungsarbeiten wurde der untere Teil des Orgelgehäuses übermalt. Im Jahre 1980 wurde durch Restaurator Thümmler aus Gera und Malermeister Kretschmar aus Gauern in aufwendiger Kleinarbeit die barocke Ornamentmalerei wiederhergestellt. Diese Maßnahmen zeigten, dass die Gemeinde stets bemüht war, das historische Instrument zu erhalten, auch wenn die Veränderungen nicht immer den Originalzustand respektierten.

Die Kirche selbst wurde in den Jahren 1952 und 1988–1991 restauriert, wobei der Fokus auf dem Bauwerk lag und weniger auf dem Orgelinstrument. Diese Restaurierungen sicherten den Bestand des Kirchengebäudes, machten aber eine umfassende Sanierung der Orgel in den 2010er Jahren notwendig.

Die umfassende Restaurierung 2018/2019

Im Jahr 2018 begann die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Fraureuth mit einem ambitionierten Projekt: die umfassende Restaurierung der Silbermannorgel und der Barockkirche. Die Maßnahmen wurden im Zeitraum 2018/19 durchgeführt und stellten eine der bedeutendsten Orgelrestaurierungen Sachsens in den letzten Jahrzehnten dar.

Die Orgelbaufirma Christoph Rühle aus Moritzburg wurde mit der Durchführung der Restaurierung beauftragt. Zunächst wurde die gesamte Orgel abgebaut und in der Werkstatt des Orgelbaumeisters restauriert. Gleichzeitig fanden bauliche Arbeiten und Restaurierungen an der Barockkirche statt. Diese umfassten den Einbau einer Heizungs- und Lüftungsanlage, die Erneuerung der gesamten elektrischen Anlage und den Austausch der Fenster. Nachdem der Innenputz an Wänden und Decke teilweise erneuert und ausgebessert sowie Risse saniert wurden, wurde vom Malerbetrieb der neue Anstrich aufgebracht. Die Farbgebung wurde entsprechend der restauratorischen Befunduntersuchung von Restaurator Herrn Wolfram Voigt und in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt Sachsen festgelegt.

Bei der Orgelrestaurierung wurden alle im Laufe der Zeit vorgenommenen Veränderungen rückgängig gemacht. Dazu gehörte auch die Wiederherstellung der ursprünglichen Stimmtonhöhe. Die Orgel ist jetzt in der Stimmung "Neidhard kleine Stadt 1732" zu hören und befindet sich wieder im Originalzustand Silbermann.

Wie so oft bei Sanierungsarbeiten ergaben sich zusätzliche Arbeiten am Bestand: der Bodenbelag im Kirchensaal und die Treppen auf die Emporen waren nicht zu halten und mussten erneuert werden. Der Orgelprospekt, ebenfalls im Originalzustand, wurde gereinigt und umfassend restauriert. Die Elektrifizierung eines Blasebalges blieb als notwendige Modernisierung erhalten.

Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten hat die Orgelbaufirma Rühle auch die Betreuung und Wartung der Orgel übernommen, um den wiederhergestellten Originalzustand langfristig zu erhalten.

Technische Spezifikationen der Silbermann-Orgel

Die Silbermann-Orgel in Fraureuth ist ein bedeutendes historisches Instrument mit herausragender technischer und künstlerischer Qualität. Nach der Restaurierung 2018/19 befindet sich das Werk wieder im Originalzustand Silbermann.

Das Instrument hat 20 Stimmen mit 1134 Pfeifen. Die 8 und 16 Fuß großen Pfeifen sind aus Tannenholz gefertigt, die übrigen aus Englisch Zinn. Die Tasten der Manuale bestehen aus schwarzem Eibenholz und Elfenbein. Die Disposition lautet:

Hauptwerk (I. Manual C, D - c³) - Principal 8' - Gedackt 8' - Sub-Bass 16' - Rohr Flöthe 8' - Rohr Flöthe 4' - Pousanen Bass 16' - Qvintadena 8' - Nasat 3' - Octava 4' - Octava 2' - Spitz Flöthe 4' - Qvinta 1 1/2' - Qvinta 3' - Sufflet 1' - Octava 2' - Sesqvialtera 4/5' (ab c¹ 1 3/5') - Tertia 1 3/5' - Cimbel 2fach - Cornett 3fach (ab c¹) - Mixtur 4fach

Oberwerk (II. Manual C, D - c³) - Octava 2' - Tertia 2' - Quintadena 8' - Quinta 3' - Rohrflöte 8' - Mixtur 4fach - Spitzflöte 4' - cornet 3fach - Gedackt 8' - Sufflet 1 Fuß - Rohrflöte 4 Fuß - Sesquialtera - Nasat 3 Fuß - Cymbel 2fach - Octava 2 Fuß - Quinta 1½ Fuß

Pedal (C, D - c¹) - Subbaß 16' - Posaunenbaß 16'

Spielhilfen - Manualschiebekoppel II/I - Pedalkoppel I/P - Tremulant - Calcantenklingel

Besonders bemerkenswert ist die Stimmung der Orgel. Nach der Restaurierung wurde sie wieder in den Chorton gestimmt, mit a1 = 441,9 Hz. Die Stimmung entspricht der "Neidhard kleine Stadt 1732", einer historischen Temperatur, die für Silbermanns Werke typisch ist. Die Tonhöhe entspricht damit wieder dem Originalzustand von 1742.

1934 wurde einer der beiden Bälge stillgelegt und durch ein elektrisches Gebläse ersetzt. Diese Modernisierung wurde bei der Restaurierung beibehalten, da sie als notwendige Anpassung an moderne Anforderungen angesehen wird, während alle anderen Veränderungen rückgängig gemacht wurden.

Kulturelle Bedeutung und aktuelle Nutzung

Die Silbermann-Orgel in Fraureuth hat eine überregionale kulturelle Bedeutung. Viele Orgelkonzerte, Rundfunk- und Fernsehübertragungen, Schallplatten- und CD-Aufnahmen und nicht zuletzt die Umrahmung der gottesdienstlichen Veranstaltungen lassen den perfekten und kraftvollen Klang der Silbermann-Orgel aus der Kirche in die Welt klingen.

Die Inschrift "Alles, was Odem hat, lobe den HERRN!", die Gottfried Silbermann über dem Mittelteil des Orgelprospekts anbringen ließ, unterstreicht die spirituelle Bedeutung des Instruments. Für die Fraureuther Kirchengemeinde ist die restaurierte Orgel ein Anlass zum Loben und Danken, wie sie in ihrer Veröffentlichung betont.

Die Orgel ist heute ein wichtiges kulturelles Erbe Sachsens und zieht Musikliebhaber aus ganz Deutschland und dem Ausland an. Die Kirchengemeinde Fraureuth nutzt das Instrument für regelmäßige Konzerte und Gottesdienste und bewahrt so das musikalische Erbe für zukünftige Generationen.

Fazit

Die Restaurierung der Silbermann-Orgel in Fraureuth stellt eine bedeutende kulturelle Leistung dar. Das 275 Jahre alte Instrument, eines der wenigen vollständig erhaltenen Werke Gottfried Silbermanns, wurde nach jahrzehntelangen Veränderungen wieder in seinen Originalzustand versetzt. Die Zusammenarbeit zwischen der Kirchengemeinde Fraureuth, dem Orgelbaumeister Christoph Rühle und den Denkmalbehörden hat es ermöglicht, dieses musikalische Meisterwerk für zukünftige Generationen zu erhalten.

Die Restaurierung umfasste nicht nur das Instrument selbst, sondern auch die umgebende Barockkirche. Durch die sorgfältige Arbeit von Fachleuten konnten die historische Bausubstanz und die originale Substanz der Orgel bewahrt werden. Die Wiederherstellung der originalen Stimmung "Neidhard kleine Stadt 1732" ermöglicht es heute, den Klang der Orgel so zu erleben, wie er zu Silbermanns Zeiten erklang.

Die Silbermann-Orgel in Fraureuth ist ein herausragendes Beispiel für die sächsische Orgelbaukunst des 18. Jahrhunderts und ein Zeugnis der kulturellen Bedeutung Sachsens in der europäischen Musikgeschichte. Ihre Restaurierung ist ein Erfolg für den Denkmalschutz und eine Bereicherung für das kulturelle Leben in der Region.

Quellen

  1. Neubauer-Eismann
  2. Wikipedia - Dorfkirche Fraureuth
  3. Kirchengemeinde Fraureuth
  4. Orgel-Information.de

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