Einleitung
Die Münchner Frauenkirche, eines der Wahrzeichen der bayerischen Landeshauptstadt, hat eine wechselvolle Geschichte mit Zerstörung, Wiederaufbau und zahlreichen Restaurierungen durchlaufen. Als eines der bedeutendsten Bauwerke der spätgotischen Architektur in Süddeutschland hat die Kirche über die Jahrhunderte verschiedene Veränderungen erfahren, die ihr Aussehen und ihre Funktion geprägt haben. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Phasen der Renovierung und Restaurierung der Frauenkirche, von der Nachkriegszeit bis zu den jüngsten Arbeiten an den Türmen.
Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg
Die Geschichte der jüngeren Restaurierung der Frauenkirche beginnt unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Luftaufnahmen kurz nach Kriegsende 1945 zeigen das Ausmaß der Zerstörungen, denen das Bauwerk ausgesetzt war. Bereits ab 1947 wurde mit dem Wiederaufbau der Kirche begonnen, eine Aufgabe, die viele Menschen prägen sollte.
Für Klaus Kirschenhofer begann seine Verbindung zur Frauenkirche in den 1950er Jahren, als er als 16-jähriger Maurerlehrling an den Arbeiten beteiligt war. In persönlichen Erinnerungen schildert er seine Erfahrungen: "Ich habe im Turm die Ziegel ausgewechselt, die kaputt waren vom Krieg. Und das musste sehr dringend gemacht werden, wenn sie runter gefallen wären, hätten sie einen erschlagen." Seine Arbeit fand in schwindelerregenden Höhen statt, auf den Gerüsten der fast hundert Meter hohen Türme. Kirschenhofers schwindelfreies Naturell half ihm dabei, diese gefährliche Arbeit zu verrichten.
Ein anderer Zeitzeuge, Robert Brannekämper, erlebte den Wiederaufbau bereits ein paar Jahre früher. Als Sechsjähriger stand er 1947 am Isarufer in Lenggries und nahm an einem symbolischen Akt teil. Das Bauunternehmen seines Onkels war an den Arbeiten für den neuen Dachstuhl und die Kuppeln des Doms beteiligt. Anlässlich des ersten Floßes, das Holz für den Wiederaufbau der Frauenkirche auf der Isar angelieferte, sollte der kleine Robert ein Gedicht vortragen. Die Zeilen, an die er sich bis heute erinnert, lauten: "Grüß Gott ihr Herrn vom Münchner Dom, die hier an unserem Isar-Strom die Stämme holen zum Neuaufbau der Kirch' von unserer lieben Frau." Dies symbolisierte den Neubeginn und den Wiederaufbau des zerstörten Gotteshauses.
Der eigentliche Wiederaufbau der Kirche erfolgte in den Jahren 1948 bis 1955 in einer ersten Phase, laut C. Th. Horn, in nüchterner und schmuckloser Form, entsprechend dem Geschmack der Nachkriegsjahre. Bis zum Jahr 1957 wurden die beiden Grüfte ausgebaut und neu gestaltet. Interessanterweise wurde bei dieser Gelegenheit das original-gotische Achsfenster mit reichem Maßwerk ausgebaut und an die südliche Polygonseite gesetzt. An seine Stelle rückte man das sogenannte Scharfzandtfenster, dessen gotische Glasgemälde erhalten geblieben waren, in die Mitte des Chors, um mit einem schlichten Hochaltar keine Leere entstehen zu lassen.
Weitere Umgestaltungen in den 1970er und 1980er Jahren
In den folgenden Jahrzehnten wurde die Frauenkirche weiteren Veränderungen unterzogen, die sowohl den Innenraum als auch das Äußere des Bauwerkes betrafen. Einer der bedeutendsten Eingriffe dieser Zeit war die Umgestaltung des Altarbereichs in den Jahren 1971 bis 1972, die nach den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgte und eine Senkung des Altarraumes beinhaltete.
Zwischen 1980 und 1981 wurde der Innenraum neu gestaltet, wobei die Gewölberippen in einem Ockerton gestrichen wurden. Diese Farbgebung sollte das gotische Erscheinungsbild der Kirche betonen. Eine weitere Maßnahme betraf das Kirchendach, in dem nach 1984 die ursprünglichen Schleppgauben wieder eingebaut wurden. Auf diese Elemente war in der ersten Aufbauphase nach dem Krieg verzichtet worden.
Besondere Aufmerksamkeit widmete man den zahlreichen Epitaphen an den Außenmauern der Frauenkirche. Diese ca. 120 Grabdenkmäler, die vom ehemaligen Friedhof der Salvatorkirche stammen, sind mehrere Jahrhunderte alt und stammen oft von reichen Münchner Familien. 1982/83 wurden sie mit Acrylharz konserviert. Viele dieser Epitaphe sind figürlich geschmückt, wobei bei einigen die Inschriften kaum noch oder gar nicht mehr lesbar sind. 1984/85 erfolgte eine weitere Konservierung dieser Denkmäler mit Hilfe der Messerschmitt Stiftung. Einer der besonders gut erhaltenen Grabsteine ist der des Künstlers Cosmas Damian Asam.
Die Vorhalle der Kirche wurde in den Jahren 1989 bis 1994 in ihrer ursprünglichen Baugestalt wiederhergestellt. In diesem Bereich befindet sich links das Epitaph des ersten Erzbischofs von München und Freising, Lothar Anselm Freiherr von Gebsattel (1761–1846), geschaffen von Ludwig Schwanthaler. Unterhalb dieses Epitaphs steht ein Modell der Kirche und ihres Grundrisses, das 1997 durch den Lions Club gestiftet wurde. Rechter Hand sind die Gemälde "Vermählung Mariens" und als Oberbild "Hl. Christophorus" von Andreas Wolff aufgehängt.
Während der Renovierung von 1990 bis 1994 wurde zudem ein polierter Marmorfußboden verlegt, der die Akustik der Kirche deutlich veränderte. Der Nachhall im Münchner Dom beträgt seit dieser Maßnahme etwa 11,5 Sekunden.
Restaurierung der Kirchtürme in den 2010er Jahren
Eines der aufwendigsten Restaurierungsprojekte der jüngeren Geschichte war die Erneuerung der beiden Kirchtürme der Frauenkirche. Mitte der 2010er Jahre fanden Arbeiten in schwindelerregender Höhe statt, in etwa 90 Metern über dem Boden. Für die Steinmetze, die auf Münchens prominentester Baustelle arbeiteten, waren diese Aufgaben etwas Besonders. Laut Malzer, einem der beteiligten Handwerker, "Es ist eine Ehre, hier zu arbeiten. An die Höhe muss man sich allerdings erst gewöhnen."
Die Restaurierung der Türme wurde im Jahr 2016 abgeschlossen. Die Gesamtkosten für diese Maßnahme beliefen sich auf 3 Millionen Euro, die vollständig von der Kirche selbst getragen wurden. Für Dompfarrer Wolfgang Huber (51) stellte diese Restaurierung einen wichtigen Schritt zum Erhalt des Münchner Wahrzeichens dar: "Ich freue mich schon, wenn dann beide Türme wieder strahlen. Die Frauenkirche ist ein Wahrzeichen Münchens, es muss alles für den Erhalt getan werden."
Architektonische und historische Bedeutung
Die Frauenkirche ist in der Bayerischen Denkmalliste als Baudenkmal unter der Nummer D-1-62-000-1808 eingetragen. Ihre architektonische Besonderheit liegt in der spätgotischen Bauweise mit Fassaden, die im Gegensatz zu den Backsteinkirchen des Ostseeraums und der südfranzösischen Gotik kaum Figurenschmuck aufweisen. Der Schmuck konzentriert sich stattdessen räumlich auf die Sandsteinportale und inhaltlich auf zwei Motive, die an allen Eingängen wiederkehren: die Gottesmutter und Christus als Schmerzensmann. Diese Figuren sind an den Türen auf Konsolen angebracht.
Die Kirche hat fünf Portale: das Hauptportal zwischen den Westtürmen und jeweils zwei Portale an den Längsseiten des Kirchenschiffs. Alle Portale sind von Kielbögen umrahmt. Die von Westportal und Südostportal tragen Krabben, während die Tympana über den beiden Nordportalen mit Maßwerk bedeckt sind. Sämtliche Türflügel wurden 1772 von Ignaz Günther geschaffen.
An den Außenwänden im Norden, Osten und Süden sind zahlreiche Epitaphe angebracht, die an den ehemaligen Friedhof erinnern, die Kirche umgab. Aus Gründen der Hygiene sollte der Friedhof zwar verlegt werden, doch mehrmals wehrten sich die Bürger erfolgreich dagegen. Erst seit 1773 durfte nur noch in Familiengräbern beerdigt werden, und 1800 erfolgte die Pflasterung der Anlage.
Die Kirche beherbergt auch zahlreiche Kunstschätze und Reliquien. In einer Seitenkapelle werden die Reliquien des hl. Bischofs Benno von Meißen aufbewahrt, der als Schutzpatron der Stadt München verehrt wird. Der Schrein wird alljährlich bei der Vesper am Fest des hl. Benno im Juni in einer Prozession durch den Dom getragen.
Besondere historische Entdeckungen
Im Jahr 2024 wurde im Archiv des Deutschen Museums eine besondere historische Entdeckung gemacht: eine 4 × 4 cm große Fotografie der Frauenkirche, die auf das Jahr 1837 datiert ist. Die Aufnahme, ein Salzpapier-Negativ, wurde von Franz von Kobell angefertigt und stellt somit das älteste Foto Deutschlands dar. Diese Entdeckung unterstreicht die historische Bedeutung des Bauwerks und dokumentiert sein Aussehen schon in früher Zeit.
Die Bedeutung der Frauenkirche für München und ganz Bayern wurde auch 1994 gewürdigt, als die Deutsche Bundespost anlässlich des 500-jährigen Jubiläums eine Sonderbriefmarke im Wert von 100 Pfennig herausgab.
Nutzung und gegenwärtige Bedeutung
Neben ihrer Funktion als Gotteshaus dient die Frauenkirche auch als kulturelles und spirituelles Zentrum Münchens. Aus dem Münchner Dom werden regelmäßig Gottesdienste live übertragen: Montag bis Freitag jeweils um 18:00 Uhr, und am Sonntag um 10:00 Uhr als Video-Livestream über die Website des Erzbistums München und Freising. Zudem überträgt das Münchner Kirchenradio auf DAB+ im Ballungsraum München die Gottesdienste und andere kirchliche Sendungen.
Fazit
Die Geschichte der Frauenkirche in München ist untrennbar mit ihrer Geschichte der Zerstörung, des Wiederaufbaus und der kontinuierlichen Restaurierung verbunden. Vom schlichten Wiederaufbau in der Nachkriegszeit über die Umgestaltungen im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils bis hin aufwendiger Restaurierungen wie der Erneuerung der Kirchtürme zeigt sich der ständige Bemühung, dieses bedeutende Bauwerk zu erhalten und an kommende Generationen weiterzugeben. Die Frauenkirche ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk der spätgotischen Baukunst, sondern auch ein lebendiges Symbol für den Wiederaufbau Münchens nach den Zerstörungen des Krieges und für den Erhalt des kulturellen Erbes in Bayern.