Erfolgreiche Sanierung von Mehrfamilienhäusern: Kosten, Förderungen und Praxisbeispiele

Einleitung

Die Sanierung von Mehrfamilienhäusern stellt Eigentümerinnen und Eigentümer vor eine besondere Herausforderung. Im Vergleich zu Einfamilienhäusern kommen bei diesen Bestandsgebäuden zusätzliche technische, bauliche, organisatorische und finanzielle Aspekte hinzu. Eine erfolgreiche Sanierung kann jedoch nicht nur den Wohnkomfort erheblich steigern, sondern auch zu signifikanten Energieeinsparungen führen und den Wert der Immobilie langfristig sichern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Aspekte der Mehrfamilienhaussanierung, von den Kosten über Fördermöglichkeiten bis hin zu Praxisbeispielen und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Herausforderungen bei der Sanierung von Mehrfamilienhäusern

Die Sanierung eines Mehrfamilienhauses ist ein komplexes Vorhaben, das sorgfältige Planung und Koordination erfordert. Im Gegensatz zu Einfamilienhäusern müssen bei Mehrfamilienobjekten die Interessen aller Parteien – von den Mietern bis zu den Eigentümern – berücksichtigt werden. Die technische Umsetzung gestaltet sich oft schwieriger, da Sanierungsmaßnahmen häufig im bewohnten Zustand durchgeführt werden müssen.

Ein wesentlicher Aspekt ist die Organisation der Baustelle und die Minimierung von Belastungen für die Bewohner während der Arbeiten. Zudem müssen bei Mehrfamilienhäusern oft unterschiedliche Wohnstandards und Wünsche der einzelnen Parteien berücksichtigt werden, was die Planung komplexer macht. Die Finanzierung stellt ebenfalls eine Herausforderung dar, da die Investitionen höher ausfallen und oft mehrere Eigentümer beteiligt sind.

Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten

Kostenbeispiele für Sanierungsmaßnahmen

Die Kosten für die Sanierung eines Mehrfamilienhauses können je nach Umfang und Art der durchgeführten Maßnahmen stark variieren. Die folgenden Beispiele geben eine Übersicht über die zu erwartenden Kosten:

Sanierungsmaßnahme Kosten (Mehrfamilienhaus)
Dachsanierung 20.000 bis 60.000 €
Fassadendämmung (Wärmedämmverbundsystem) 50.000 bis 150.000 €
Fenster- und Türentausch 10.000 bis 40.000 €
Heizungsmodernisierung 20.000 bis 50.000 €
Elektroinstallation 10.000 bis 30.000 €

Angenommen, ein typisches Mehrfamilienhaus benötigt folgende Maßnahmen, könnte eine Beispielrechnung wie folgt aussehen:

  • Dachsanierung: 40.000 €
  • Fassadendämmung: 80.000 €
  • Fenster- und Türentausch: 25.000 €
  • Heizungsmodernisierung: 35.000 €
  • Elektroinstallation: 20.000 €

Die Gesamtkosten für diese Sanierungsmaßnahmen würden sich auf 220.000 € belaufen.

Fördermöglichkeiten

Für die Sanierung von Mehrfamilienhäusern stehen verschiedene staatliche Förderprogramme zur Verfügung:

KfW-Programm 261: Dieses Programm unterstützt die energetische Sanierung von Gebäuden mit zinsgünstigen Krediten und Tilgungszuschüssen. Gefördert wird die Komplettsanierung zum Effizienzhaus oder die Umwidmung von einem Nichtwohngebäude in ein Wohngebäude (bis zu 150.000 € Kredit je Wohneinheit).

BAFA-Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bietet Zuschüsse für einzelne energieeffiziente Maßnahmen, wie die Optimierung von Heizungsanlagen auf Basis erneuerbarer Energien, Fenster- und Türentausch oder Maßnahmen zur Wärmedämmung.

Finanzierungsoptionen

In der Regel stehen Eigentümern von Mehrfamilienhäusern vier verschiedene Finanzierungsoptionen zur Verfügung:

Modernisierungskredit: Diese Kredite sind speziell für die Finanzierung von Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen gedacht und bieten oft günstigere Konditionen als herkömmliche Ratenkredite.

Bausparvertrag: Ein Bausparvertrag kombiniert Sparen und Kreditaufnahme. Nach einer Sparphase kann der angesparte Betrag zusammen mit einem günstigen Darlehen für Bau- oder Sanierungsmaßnahmen verwendet werden.

Ratenkredit: Ein unkomplizierter Kredit, der in festen monatlichen Raten zurückgezahlt wird. Diese Option eignet sich besonders für kleinere Sanierungsprojekte und bietet Flexibilität bei der Finanzierung.

Eigenkapital: Die Nutzung vorhandener Eigenmittel kann die Finanzierungskosten senken und die Abhängigkeit von Krediten reduzieren.

Praxisbeispiel: Schrittweise Sanierung eines Mehrfamilienhauses

Ein eindrucksvolles Praxisbeispiel zeigt, wie eine langfristige, etappenweise Sanierung selbst bei einem älteren Gebäude zu erheblichen Energieeinsparungen führen kann. Das Mehrfamilienhaus in Edingen-Neckarhausen wurde 1968 erbaut und war ursprünglich weder gedämmt noch mit moderner Gebäudetechnik ausgestattet.

Bautafel des Objekts

  • Gebäudetyp: Mehrfamilienhaus, Baujahr 1968
  • Sanierungszeitraum: 1990 – 2023 (schrittweise Umsetzung)
  • Baukosten: rund 130.000 Euro
  • Energetischer Zustand:
    • Vor Sanierung: 6.000 Liter Heizöl pro Jahr
    • Nach Sanierung: 2.500 kWh/a durch Wärmepumpe
  • Verwendete Gebäudetechnik:
    • Brunnenwärmepumpe
    • Solarthermie
    • Photovoltaikanlage
    • Regenwassernutzungssystem
  • Dämmmaßnahmen:
    • Fassade: 16 cm Wärmedämmverbundsystem
    • Dach: 20 cm Zellulose (Isoflock)
    • Obergeschossdecke: 20 cm Steinwolle
    • Kellerdecke: 15 cm Steinwolle
    • Fenster: Zweifachverglaste Fenster

Sanierungsverlauf und Erfolge

Die Sanierungsmaßnahmen begannen 1990 mit der Installation einer Brennwertölheizung und einer Solarthermieanlage. Diese ersten Schräge führten bereits zu einer Reduktion des Heizölverbrauchs von 6.000 Litern auf 4.800 Liter pro Jahr.

In den folgenden Jahren wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen, die Decke zum nicht ausgebauten Dachgeschoss mit Steinwolle gedämmt, und moderne Fenster mit 2-fach Verglasung eingebaut, wodurch der Heizölverbrauch weiter auf 2.800 Liter pro Jahr sank.

Im Jahr 2015 erfolgte eine weitere wichtige Maßnahme: das Dach wurde mit Zellulose (Isoflock) gedämmt, was den Verbrauch auf 2.500 Liter Heizöl pro Jahr reduzierte.

Die umfassendste und abschließende Sanierungsmaßnahme fand im Jahr 2023 statt, als die veraltete Ölheizung durch eine hocheffiziente Brunnenwärmepumpe ersetzt wurde. Diese benötigt für den Betrieb lediglich 2.500 kWh Strom pro Jahr und versorgt das gesamte Haus mit ausreichend Wärme. Zusätzlich wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die den selbst erzeugten Strom für den Betrieb der Wärmepumpe nutzt und so die Energiekosten weiter senkt.

Dieses Beispiel zeigt, dass eine schrittweise Sanierung über einen längeren Zeitraum erfolgreich sein kann und zu einer signifikanten Reduzierung des Energieverbrauchs führt. Die schrittweise Vorgehensweise ermöglicht es den Eigentümern, die Maßnahmen finanziell besser zu bewältigen und auf neue Technologien zu warten, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben.

Rechtliche Rahmenbedingungen: § 48 GEG und die 10%-Regel

Bei der Sanierung von Mehrfamilienhäusern müssen bestimmte rechtliche Rahmenbedingungen beachtet werden. Der § 48 des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) regelt die Anforderungen bei der Erneuerung von Außenbauteilen, insbesondere bei der Sanierung von Dächern, Außenwänden und Fenstern. Er ist einer der wichtigsten Paragrafen für energetische Sanierungspflichten im Gebäudebestand.

Solange Eigentümer ungedämmte Außenbauteile nicht sanieren möchten, besteht keine Pflicht, diese zu dämmen. Wenn jedoch eine Sanierung vorgenommen wird – beispielsweise an einer Außenwand zu mehr als 10% ein neuer Putz aufgetragen wird – sind sie verpflichtet, gleichzeitig eine vorgeschriebene Dämmung der gesamten Wand herzustellen. Die zu erreichenden Wärmedurchgangskoeffizienten gibt das GEG in Anlage 7 vor.

Diese Sanierungspflicht gilt nicht, wenn lediglich kleine Teilflächen der Außenwände saniert werden. Kleine Schönheitsmaßnahmen, wie Tapezieren oder Streichen gelten daher nicht als eine mit dieser Pflicht verbundene Sanierung.

Wichtig: Die 10%-Regel bezieht sich in § 48 GEG auf den jeweiligen Außenbauteiltyp und dessen Gesamtfläche, nicht aber auf eine einzelne Himmelsrichtung wie z. B. die Nord- oder Südwand oder die Anzahl von Fenstern.

Bauteilart Was zählt zur Fläche? Wann gilt die 10%-Grenze als überschritten? Max. zulässiger U-Wert nach GEG Anlage 7
Dach Gesamte Dachfläche (einschließlich Gauben etc.) Wenn z. B. mehr als 10 % der Dachfläche neu eingedeckt wird (z. B. bei Teilsanierung oder Neueindeckung) 0,24 W/(m²·K)

Häufigste Sanierungsmaßnahmen

Bei der Sanierung von Mehrfamilienhäusern gibt es bestimmte Maßnahmen, die besonders häufig durchgeführt werden. Diese betreffen sowohl die Gebäudehülle als auch die technische Ausstattung:

Wasserleitungen: Eine Erneuerung alter Wasserleitungen kann die Wasserqualität verbessern und Leckagen verhindern. In Mehrfamilienhäusern ist dies besonders wichtig, da ein Leck Auswirkungen auf mehrere Parteien haben kann.

Substanzschäden: Reparatur von Rissen im Mauerwerk, Feuchtigkeitsschäden und anderen strukturellen Problemen ist oft notwendig, um den Wert des Gebäudes zu erhalten und weitere Schäden zu vermeiden.

Lüftungsanlage: Installation oder Optimierung von Lüftungssystemen zur Verbesserung der Raumluftqualität und zur Vermeidung von Schimmelbildung. In gut gedämmten Gebäuden ist eine kontrollierte Be- und Entlüftung besonders wichtig.

Elektroinstallation: Modernisierung der elektrischen Anlagen zur Erhöhung der Sicherheit und Effizienz. In älteren Gebäuden sind oft die elektrischen Leitungen nicht mehr den heutigen Anforderungen gewachsen.

Heizungsmodernisierung: Der Austausch alter Heizungsanlagen durch moderne, effiziente Systeme wie Wärmepumpen kann zu erheblichen Energieeinsparungen führen.

Fassadensanierung: Neben der Dämmung kann auch die Sanierung der Fassade aus ästhetischen Gründen notwendig sein, um das Erscheinungsbild des Gebäudes zu verbessern.

Fenstertausch: Moderne Fenster mit Mehrfachverglasung verbessern nicht nur die Wärmedämmung, sondern auch den Schallschutz und die Sicherheit.

Fazit

Die Sanierung von Mehrfamilienhäusern ist ein komplexes, aber lohnenswertes Vorhaben. Wie das Praxisbeispiel aus Edingen-Neckarhausen zeigt, können durch eine gezielte und schrittweise Sanierung erhebliche Energieeinsparungen erreicht werden. Die anfänglichen Investitionen amortisieren sich durch geringere Energiekosten und einen gestiegenen Immobilienwert.

Bei der Planung einer Sanierung sollten Eigentümer verschiedene Faktoren berücksichtigen: die rechtlichen Rahmenbedingungen wie die 10%-Regel im GEG, die verfügbaren Fördermöglichkeiten und die Finanzierungsoptionen. Die Zusammenarbeit mit Fachexperten und Energieberatern kann dabei helfen, die besten Lösungen für das jeweilige Gebäude zu finden.

Besonders wichtig ist eine sorgfältige Planung, die sowohl technische als auch organisatorische Aspekte berücksichtigt. Bei Mehrfamilienhäusern kommt hinzu, dass die Interessen aller Parteien – von den Eigentümern bis zu den Mietern – berücksichtigt werden müssen.

Eine erfolgreiche Sanierung kann nicht nur die Energieeffizienz eines Gebäudessignifikant verbessern, sondern auch den Wohnkomfort erhöhen und den Wert der Immobilie langfristig sichern. Mit den richtigen Informationen und einer soliden Planung steht einer erfolgreichen Sanierung von Mehrfamilienhäusern nichts im Wege.

Quellen

  1. Enter - Sanierung Einfamilienhaus und Mehrfamilienhaus
  2. Gebäudeforum - Etappenweise Sanierung MFH
  3. Energie-Experten - Sanierungspflicht

Ähnliche Beiträge