Dreikönigenschule Neuss: Von der PCB-Verseuchung zum modernen Schulneubau 2026

Einleitung

Die Dreikönigenschule in Neuss befindet sich derzeit in einem langwierigen Transformationsprozess von einer kontaminierten Altbausubstanz zu einem modernen Bildungszentrum. Nachdem das ursprüngliche Gebäude in den frühen 1970er Jahren errichtet wurde, stellte sich im Laufe der Zeit heraus, dass es mit PCB (Polychlorierte Biphenyle) verseucht war. Diese Entdeckung erforderte sofortige Maßnahmen und führte zur vorübergehenden Verlegung der Schule in die Hammfelder Anlagen im Jahr 2012. Seitdem befindet sich die Schule in provisorischen Räumlichkeiten, während die Stadtverwaltung einen Neubau plant.

Dieser Artikel beleuchtet die komplexe Geschichte der Dreikönigenschule, vom Abriss des kontaminierten Gebäudes bis zu den aktuellen Plänen für einen Neubau, der frühestens 2026 fertiggestellt werden soll. Dabei werden die unterschiedlichen politischen Positionen, die technischen Aspekte des Projekts und die Auswirkungen auf die Schulgemeinschaft dargestellt, basierend auf den verfügbaren Informationen aus offiziellen Quellen.

Geschichte und Hintergrund der Dreikönigenschule

Die Dreikönigenschule ist eine traditionsreiche Bildungseinrichtung im Neusser Dreikönigenviertel. Das ursprüngliche Gebäude an der Weberstraße diente jahrzehntelang als wichtiger Bildungsort für zahlreiche Generationen von Schülerinnen und Schülern, bevor es aufgrund von Schadstoffbelastung stillgelegt werden musste.

Die Entdeckung der PCB-Verseuchung

Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der Schule stellte die Entdeckung von PCB-Belastungen im Gebäude dar. Polychlorierte Biphenyle sind Chemikalien, die in der Bauweise der 1970er Jahre häufig in Baustoffen wie Dichtmassen, Klebstoffen und Fugendichtungen eingesetzt wurden. Aufgrund ihrer gesundheitsschädlichen Wirkung wurden sie später verboten.

Die Entdeckung dieser Kontamination erforderte sofortige Maßnahmen, um die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften zu schützen. Als Reaktion darauf beschloss der Rat der Stadt Neuss im Juli 2013 den Abriss des Gebäudes. Diese Entscheidung markierte den Beginn eines langen Prozesses, der letztlich zur vorübergehenden Verlegung der gesamten Schule führte.

Die provisorische Unterbringung in Hammfeld

Seit 2012 befindet sich die Dreikönigenschule interimsmäßig in der Hammfelder Anlage. Diese provisorische Lösung wurde notwendig, um den Schülerinnen und Schülern einen kontinuierlichen Schulbetrieb zu ermöglichen, während über das weitere Vorgehen am ursprünglichen Standort nachgedacht wurde. Die vorübergehende Verlegung stellte die Schulgemeinschaft jedoch vor erhebliche Herausforderungen, da sie aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen wurde und nun in provisorischen Räumlichkeiten untergebracht ist.

Der Abriss des alten Schulgebäudes

Nachdem der Abrissbeschluss gefallen war, begannen die Vorbereitungen für die Demontage des kontaminierten Gebäudes. Dieser Prozess erforderte besondere Vorsichtsmaßnahmen aufgrund der PCB-Belastung und wurde sorgfältig geplant und durchgeführt.

Vorbereitungsmaßnahmen im Sommer 2019

Im Sommer 2019 starteten die Vorbereitungen zum Rückbau des Gebäudes. Eine der ersten Maßnahmen war der Abbau der zwischen der Dreikönigen- und der Comeniusschule gelegenen Mietcontaineranlage. Diese Container wurden entfernt, um Platz für die Baustelle zu schaffen. Der betreffende Bereich wurde anschließend eingezäunt und stand bis zum Ende des Rückbaus nicht mehr als Schulhof zur Verfügung.

Durchführung des Rückbaus

Der Rückbau des dreigeschossigen Stahlbeton-Baukörpers erfolgte schrittweise und mit besonderer Vorsicht aufgrund der Kontamination:

  1. September 2019: Zunächst wurden die Gebäudetechnik sowie sämtliche schadstoffhaltigen Baustoffe fachgerecht ausgebaut und gemäß den technischen Richtlinien ordnungsgemäß entsorgt. Dieser Schritt war besonders wichtig, um eine weitere Verbreitung der Schadstoffe zu verhindern.

  2. Dezember 2019: Anschließend erfolgte der eigentliche Rückbau der Gebäudehülle und des Kellers. Nachdem der Bauschutt entfernt war, wurde der Kellerbereich verfüllt, um eine sichere und stabile Grundfläche für die zukünftige Bebauung zu schaffen.

Der gesamte Abrissprozess erforderte eine sorgfältige Koordination zwischen verschiedenen Fachfirmen und städtischen Stellen, um die Sicherheit der Anwohner und der Umwelt zu gewährleisten. Die besondere Herausforderung bestand darin, mit den schadstoffhaltigen Materialien umzugehen, ohne zusätzliche Gesundheitsrisiken zu schaffen.

Politische Debatten und Zeitplanung des Neubaus

Die Planung für einen Neubau der Dreikönigenschule war von Beginn an von politischen Debatten und Verzögerungen geprägt. Während alle politischen Kräfte grundsätzlich einen Neubau befürworteten, gab es erhebliche Unterschiede in der Einschätzung des Zeitplans und der Dringlichkeit des Vorhabens.

Der ursprüngliche Plan aus dem Jahr 2016

Bereits im Jahr 2016 hatte der Schulausschuss den Neubau der Schule am alten Standort im Dreikönigenviertel beschlossen. Damals sollte das Landesprogramm "Gute Schule 2020" genutzt werden, um Zuschüsse für das Projekt zu erhalten. Dieser Plan sah einen zügigen Start der Bauarbeiten vor, um die schnellstmögliche Rückkehr der Schule an ihren ursprünglichen Standort zu ermöglichen.

Die Kritik der CDU-Fraktion

Die CDU-Fraktion in Neuss hat die Verzögerungen bei der Umsetzung des Neubauprojekts scharf kritisiert. Die schulpolitische Sprecherin der CDU, Elke Schlangen, äußerte im Jahr 2021 ihre Besorgnis darüber, dass trotz des Beschlusses aus dem Jahr 2016 noch nicht einmal konkrete Planungen vorlagen. Sie betonte, dass seit 2016 bereits fünf Jahre vergangen waren, ohne dass nennenswerte Fortschritte erzielt wurden.

Auch der örtliche Stadtverordnete Thomas Kaumanns zeigte sich enttäuscht von der Entwicklung. In einem Statement erklärte er: "Inzwischen habe ich jedes Vertrauen verloren. Immer wieder werden wir mit Prüfungen und Machbarkeitsstudien hingehalten; es passiert nichts Substanzielles. Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Neubau der Dreikönigenschule immer weiter hinausgezögert und eines Tages sogar ganz aufgegeben werden soll."

Aus diesem Grund startete die CDU eine Unterschriftenaktion, um ihren Forderungen nach einem schnelleren Neubau Nachdruck zu verleihen. Thomas Kaumanns forderte in seinem Appell: "Ich bin für den schnellstmöglichen Neubau der Dreikönigenschule an der Weberstraße und fordere die Neusser Stadtverwaltung auf, unverzüglich mit den Planungen und Vorbereitungen für den Neubau zu beginnen."

Die Position der SPD und der Stadtverwaltung

Die SPD-Fraktion verteidigte dagegen den vorgeschlagenen Zeitplan. Tobias Schenkel, der den Wahlkreis Dreikönigenviertel/Pomona betreut, erklärte: "Es war eines der wichtigsten Ziele aus unserem Kooperationsvertrag nach der gewonnenen Kommunalwahl 2020: Die schnellere Sanierung von Schulen und Kitas und die Dreikönigenschule endlich zurück 'ins Viertel' holen."

Laut Schenkel gebe es nun "gute Nachrichten und einen konkreten Zeitplan": Im Jahr 2026 werde die Stadt mit dem Neubau der Dreikönigenschule beginnen. Er betonte, dass es gut sei, dass die Schule endlich ein modernes Gebäude erhalte und zurück an die Weberstraße komme.

Die Stadtverwaltung stellte dem Schulausschuss einen neuen Zeitplan vor, dem zufolge die Planungen erst im folgenden Jahr beginnen und die Fertigstellung für 2026 vorgesehen sei. Mögliche Verzögerungen im Verfahren waren dabei noch nicht mit eingerechnet.

Der Wirtschaftsplan und die Finanzierung

Ein weiterer Kritikpunkt der CDU war, dass im aktuellen Wirtschaftsplan für das Gebäudemanagement kein Geld mehr für den Neubau der Dreikönigenschule eingeplant war. Dies führte zu der Annahme, dass das Projekt möglicherweise zurückgestellt oder sogar ganz aufgegeben werden könnte.

Die Stadtverwaltung wies diese Kritik jedoch zurück und betonte, dass das Projekt weiterhin Priorität habe. Man wolle die neuen Möglichkeiten durch die Umstrukturierung des ehemaligen städtischen Gebäudemanagements nutzen, um das Projekt effizienter und kostengünstiger umzusetzen.

Die Pläne für das neue Schulgebäude

Trotz der politischen Debatten gibt es bereits konkrete Vorstellungen für das neue Schulgebäude an der Weberstraße. Diese Pläne sehen ein modernes, dreigeschossiges Gebäude vor, das den pädagogischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts entsprechen soll.

Architektonische Gestaltung

Das neue Gebäude der Dreikönigenschule ist dreigeschossig geplant. Diese Bauweise ermöglicht eine kompakte und raumeffiziente Gestaltung, die optimal in das bestehende Stadtviertel passt.

  • Erdgeschoss: Im Erdgeschoss werden neben den Verwaltungsräumen auch eine Mensa und ein Sportraum untergebracht. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, dass diese beiden Bereiche sich zusammenschließen lassen, um bei Schulveranstaltungen oder gemeinsamen Aktivitäten flexibel nutzbar zu sein.

  • Obergeschosse: Die Klassenräume befinden sich in den beiden Obergeschossen. Hier ist eine moderne Lernumgebung geplant, die verschiedene pädagogische Konzepte unterstützt. Zusätzlich zu den regulären Klassenräumen sind sogenannte Cluster-Räume vorgesehen, in denen auch die OGS-Betreuung (Offene Ganztagsgrundschule) stattfinden soll.

Flexibilität und Erweiterbarkeit

Ein besonderes Merkmal des Neubauplanes ist die Flexibilität des Gebäudekonzepts. Laut den Planern hat das Gebäude "das Potenzial für eine Aufstockung um vier weitere Klassenräume". Diese Möglichkeit der Erweiterung soll sicherstellen, dass die Schule zukünftigen Entwicklungen und steigenden Schülerzahlen flexibel begegnen kann, ohne dass ein komplett neuer Bau notwendig wird.

Nutzung neuer Strukturen

Die Stadtverwaltung plant, die Vorteile der Umstrukturierung des ehemaligen städtischen Gebäudemanagements zu nutzen. Diese neue organisatorische Struktur soll es ermöglichen, das Schulbauprojekt effizienter zu steuern und die Kosten zu optimieren. Durch zentralisierte Entscheidungsprozesse und spezialisierte Expertise soll der Bauablauf beschleunigt werden.

Auswirkungen auf die Schulgemeinschaft und das Stadtviertel

Der Neubau der Dreikönigenschule hat weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Stakeholder: die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte, die Eltern sowie das gesamte Dreikönigenviertel.

Für die Schülerinnen und Schüler

Die längere Zeit der provisorischen Unterbringung in Hammfeld stellte für die Schülerinnen und Schüler der Dreikönigenschule eine erhebliche Belastung dar. Durch die Trennung vom gewohnten sozialen Umfeld und den räumlichen Gegebenheiten mussten sie sich immer wieder an neue Bedingungen anpassen.

Der Neubau an der ursprünglichen Stelle wird eine Rückkehr in das vertraute Viertel ermöglichen, was für die Kinder eine wichtige Stabilisierung darstellt. Die modernen Räumlichkeiten werden zudem bessere Lernbedingungen bieten und die pädagogischen Möglichkeiten erweitern.

Für das Dreikönigenviertel

Die Dreikönigenschule ist ein zentraler Anlaufpunkt und Identifikationsmerkmal des gleichnamigen Stadtviertels. Ihre Rückkehr an den alten Standort wird das Viertel aufwerten und das soziale Leben stärken.

Darüber hinaus wird der Neubau als modernes Bauwerk das Stadtbild prägen und eine positive Entwicklung des Quartiers fördern. Die Integration der Schule in den städtebaulichen Kontext wird dabei besondere Berücksichtigung finden.

Die Rolle der Politik

Das Projekt zeigt eindrücklich, wie wichtig politische Entscheidungen für die Entwicklung von Bildungsinfrastruktur sind. Die unterschiedlichen Auffassungen über Dringlichkeit und Umsetzung beschreiben den Spannungsbogen zwischen kurzfristigen Wählerinteressen und langfristigen Planungsprozessen.

Während die CDU auf schnelle Ergebnisse drängt, betont die SPD die Notwendigkeit sorgfältiger Planung und die Nutzung neuer organisatorischer Strukturen. Dieser Diskurs ist typisch für große Bauprojekte in Kommunen und zeigt die Herausforderungen, vor denen kommunale Entscheidungsträger stehen.

Fazit

Die Dreikönigenschule in Neuss durchläuft einen langen und von Verzögerungen geprägten Prozess der Erneuerung. Nachdem das ursprüngliche Gebäude aufgrund einer PCB-Verseuchung abgerissen werden musste, befindet sich die Schule seit 2012 in provisorischen Räumlichkeiten.

Der geplante Neubau am alten Standort an der Weberstraße ist für 2026 vorgesehen. Während die CDU-Fraktion die Verzögerungen kritisiert und für einen schnelleren Zeitplan eintritt, verteidigt die SPD den aktuellen Planungsstand und betont die Wichtigkeit sorgfältiger Vorbereitung.

Das neue Gebäude wird dreigeschossig ausgeführt und soll über moderne Lernräume, flexible Nutzungsmöglichkeiten und Erweiterungspotenzial verfügen. Besonderes Augenmerk wird auf die Integration in das Stadtviertel und die Schaffung optimaler Lernbedingungen gelegt.

Für die Schulgemeinschaft und das gesamte Dreikönigenviertel stellt der Neubau eine wichtige Perspektive dar. Er ermöglicht die Rückkehr der Schule an ihren traditionsreichen Standort und schafft die Voraussetzungen für eine zeitgemäße Bildung in den kommenden Jahrzehnten.

Quellen

  1. CDU Neuss - Neubau der Dreikönigenschule erst 2026
  2. SPD Neuss - Neubau der Dreikönigenschule beginnt 2026
  3. Stadt Neuss - Rückbau Dreikönigenschule
  4. Thomas Kaumanns - Dreikönigenschule

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