Geld für Schulmodernisierung: Fördermöglichkeiten und Praxisbeispiele

Einführung

Die Sanierung und Modernisierung von Schulgebäuden stellt eine der größten infrastrukturellen Herausforderungen in Deutschland dar. Mit steigender Schülerzahlen und einem zunehmend alternden Baubestand besteht dringender Handlungsbedarf, um zeitgemäße und energieeffiziente Lernumgebungen zu schaffen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für Schulrenovierungen in Deutschland und präsentiert Praxisbeispiele erfolgreicher Sanierungsprojekte.

In den kommenden Jahren wird der Bedarf an schulischer Infrastruktur weiter steigen. Allein in Brandenburg wird bis 2030 mit einem Anstieg von rund 40.000 Schülerinnen und Schülern an staatlichen allgemeinen Schulen gerechnet, was einem Plus von 25 Prozent entspricht. Die Schulbehörde des Landes plant daher, in den nächsten elf Jahren 44 neue Schulen zu gründen und rund ein Drittel der bestehenden Schulen auszubauen. Dafür werden voraussichtlich mehr als vier Milliarden Euro investiert müssen.

Landesweite Förderprogramme für Schulsanierungen

In Deutschland haben die Bundesländer unterschiedliche Förderprogramme für die Sanierung und den Neubau von Schulen eingerichtet. Diese Programme sind oft auf die spezifischen Bedürfnisse und Haushaltslagen der jeweiligen Länder zugeschnitten.

Das KIP II-Programm in Brandenburg

Ein Beispiel für ein solches Landesprogramm ist die "Richtlinie zur Förderung von notwendigen Bauinvestitionen an Schulen in öffentlicher Trägerschaft (RL KIP II – Bildung – Schule)" in Brandenburg. Mit diesem Programm werden Mittel für Maßnahmen zur Verbesserung der schulischen Infrastruktur bereitgestellt.

Antragsberechtigt sind Schulträger gemäß § 100 Absatz 1 bis 3 BbgSchulG. Gefördert werden investive Maßnahmen in den Neubau, den Ausbau, den Umbau, die Erweiterung, die Sanierung oder Teilsanierung sowie die Modernisierung von Schulgebäuden, Schulaußenanlagen, Schulsporthallen, Schulsportaußenanlagen und Horten. Auch mit dem Gebäude bestimmungsgemäß fest verbundene Ausstattungen können gefördert werden.

Es ist jedoch zu beachten, dass für dieses Förderprogramm derzeit keine neuen Anträge gestellt werden können. Interessierte Schulträger sollten sich daher über mögliche Nachfolgeprogramme oder alternative Fördermöglichkeiten informieren.

Weitere Landesprogramme

Auch andere Bundesländer bieten spezielle Förderprogramme für Schulbau und -sanierung an. In Thüringen beispielsweise unterstützt das Land staatliche und freie Schulträger bei ihren Investitionen an Schulgebäuden und Schulsporthallen. Neben pauschalen Zuweisungen für staatliche Schulträger stehen hierzu mehrere Projektförderprogramme zur Verfügung, mit denen insbesondere Sanierungsvorhaben sowie die energetische Sanierung und Barrierefreiheitsmaßnahmen gefördert werden können.

Die genauen Konditionen und Fördersummen variieren je nach Bundesland und sind den jeweiligen Richtlinien der Landesministerien zu entnehmen. Schulträger sollten sich frühzeitig über die aktuellen Fördermöglichkeiten in ihrem Bundesland informieren und die Antragsverfahren genau beachten.

Kommunale und regionale Fördermöglichkeiten

Neben den landesweiten Förderprogrammen bieten auch Kommunen und Regionen finanzielle Unterstützung für Schulprojekte. Diese lokalen Fördermöglichkeiten sind oft spezifischer auf die Bedürfnisse des jeweiligen Gebiets zugeschnitten und können ergänzend zu den Landesprogrammen genutzt werden.

In einigen Regionen werden beispielsweise Gewaltpräventionsmaßnahmen an Schulen speziell gefördert. So stellt die Region Hannover oder die Stadt Bonn Fördergelder für solche Zwecke zur Verfügung. Solche lokalen Initiativen können eine wertvolle Ergänzung zu den größeren Sanierungsprojekten darstellen und ermöglichen es Schulen, zusätzliche Maßnahmen umzusetzen, die über die reinen Bauarbeiten hinausgehen.

Ein besonderes Beispiel für kommunale Organisation des Schulbaus ist das Hamburger Modell. Dort sind Bau und Bewirtschaftung der Hamburger allgemein- und berufsbildenden Schulen nach einem Mieter-Vermieter-Modell organisiert. Die Finanzbehörde unterstellt und organisatorisch bei der Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH (HGV) verortet ist dabei das Sondervermögen Schulimmobilien, das als Eigentümer von Gebäuden und Grundstücken fungiert. Dieses Modell ermöglicht eine professionelle Verwaltung der Schulimmobilien und eine bedarfsgerechte Finanzierung von Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen.

Private Stiftungen als Finanzierungsquelle

Neben öffentlichen Förderprogrammen spielen private Stiftungen in Deutschland eine bedeutende Rolle bei der Finanzierung von Schulprojekten. In Deutschland gibt weit über 20.000 Stiftungen, von denen viele auch Bildungs- und Schulprojekte fördern.

Diese Stiftungen lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen: lokal oder regional tätige Stiftungen sowie landes- oder bundesweit tätige Stiftungen. Ein Beispiel für eine lokal tätige Stiftung ist die "Stiftung – Unsere Kinder in Braunschweig", die von Volkswagen unterstützt wird und Präventionsmaßnahmen vor Ort fördert.

Die "Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung" hingegen ist eine Stiftung des Landes Niedersachsen und fördert unter anderem Schulprojekte zur "Integration vor Ort" mit bis zu 3.000 Euro. Solche Förderbeträge mag im Vergleich zu den Kosten einer kompletten Sanierung gering erscheinen, sie können jedoch für spezifische Maßnahmen, Ausstattungsgegenstände oder Projekte im pädagogischen Bereich wertvolle Unterstützung bieten.

Schulträger und Schulen sollten sich gezielt nach Stiftungen umsehen, deren Förderschwerpunkte mit ihren Projektzielen übereinstimmen. Oftmals ist eine frühzeitige Antragsstellung und eine sorgfältige Projektplanung für den Erfolg bei Stiftungsanträgen entscheidend.

Landesweite Soforthilfeprogramme

In den vergangenen Jahren haben mehrere Bundesländer aufgrund der COVID-19-Pandemie zusätzliche Soforthilfeprogramme für Schulen aufgelegt. Diese Programme waren darauf ausgelegt, den Schulen bei der Bewältigung der pandemiebedingten Herausforderungen zu helfen und gleichzeitig Investitionen in die digitale Infrastruktur zu fördern.

Beispiele für solche Programme sind: - "Aufholen nach Corona" in Nordrhein-Westfalen - "Schüler:innen stärken" in Bremen - "Startklar in die Zukunft" in Niedersachsen - "Stark trotz Corona" in Berlin

Diese Programme wurden bis zum Schuljahr 2022/23 zur Verfügung gestellt und haben Schulen ermöglicht, dringende Sanierungsmaßnahmen durchzuführen oder die Ausstattung zu modernisieren. Auch wenn viele dieser pandemiebedingten Programme nun ausgelaufen sind, zeigen sie, dass Länder bereit sind, in Krisenzeiten zusätzliche Mittel für die Schulinfrastruktur bereitzustellen.

Praxisbeispiele erfolgreicher Schulsanierungen

Neben den theoretischen Finanzierungsmöglichkeiten gibt es zahlreiche Praxisbeispiele, die zeigen, wie Schulrenovierungen erfolgreich umgesetzt werden können. Diese Beispiele verdeutlichen auch, dass eine durchdachte Planung und die richtige Priorisierung von Maßnahmen entscheidend für den Erfolg eines Sanierungsprojekts sind.

Sanierung der Grundschule in Essenheim

Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Sanierung der Grundschule in Essenheim (Rheinland-Pfalz). Das Gebäude aus dem Jahr 1983 war über die Jahre erweitert und ausgebessert worden, wies jedoch undichte Dächer, eine schlechte Energiebilanz und Akustikprobleme auf. Ein Neubau wurde von Fachleuten auf rund acht Millionen Euro kalkuliert – zu teuer für eine kleine Landgemeinde.

Architekt Timm Helbach, Geschäftsführer des Mainzer Architekturkollektivs mamuth und ehemaliger Schüler der Essenheimer Grundschule, war überzeugt, dass eine Sanierung machbar, günstiger und nachhaltiger wäre. Die räumlichen Qualitäten sprachen in seinen Augen für den Bestand: Die Essenheimer Klassen liegen in einzelnen Häusern und haben unterm Steildach eine enorme Raumhöhe.

Die Flurdächer waren das Problem: "Das sind große und helle Klassen, die im Neubau deutlich kleiner wären", sagt Helbach und ergänzt: "Es waren nicht die Klassenhäuser, die die größten Probleme machten, sondern die gefangenen Flurdächer dazwischen, deren Dachentwässerung und die Anschlussstellen, die schlechte Akustik und das fehlende Tageslicht in den Fluren darunter."

Statt eines Neubaus plante das Team am Ende für 1.962 Euro brutto pro Quadratmeter Bruttogrundfläche die Erneuerung der Flurüberdachung mit Holzmodulen, einer Begrünung darüber und Akustikelementen darunter, mit Oberlichtern und Lichtkuppeln, sowie die Sanierung der Fluroberflächen und die Aufdämmung der bestehenden Steildächer von außen. Bestandswände und Fenster blieben unberührt. "Spätestens bei der Kostenkalkulation von 1,6 Millionen Euro hatten wir die Aufmerksamkeit des Gemeinderates", erinnert sich Helbach.

Sanierung des Gymnasiums in Neustadt an der Waldnaab

Ein weiteres Beispiel ist die Sanierung des Gymnasiums in Neustadt an der Waldnaab. Das Gebäude von 1977 wies eine unzureichend gedämmte, undichte Hülle sowie dunkle, abgenutzte und verbauten Innenräume auf. Viele Gründe sprachen für einen Abriss, doch der Architekt Peter Brückner vom Architekturbüro Brückner & Brückner wollte beweisen, dass eine Sanierung auch bei einem ungeliebten Bau der 1970er Jahre möglich ist und nachhaltig wie wirtschaftlich sein kann.

Um zu überzeugen, brauchte es gute Argumente und "positiv besetzte Beispiele, die sind unersetzlich". Daher ging es für die Planenden, das Kreisamt und die Schulgemeinde zunächst per Bus zu vergleichbaren Projekten.

Die niedrigen Bruttobaukosten von 2.074 Euro pro Quadratmeter Bruttogrundfläche sieht man der Schule nicht an – auch weil die Architekten nutzten, was an Qualität da war: Natursteinböden wurden geschliffen, Klinkerwände geschlämmt, vorhandene Wanddämmungen partiell aufgedämmt. So blieb Budget für die energetische Sanierung der Dächer, für neue Fenster und Einbauten in hochwertigem Holz.

Die Sichtbetonfassade sollte bleiben, trotz der Vorbehalte, berichtet Peter Brückner: "Wir haben deshalb die Schwere des Gebäudes durch spiegelnde Elemente aufgelöst und nicht eine, sondern 365 Fassaden im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten geschaffen." So treten die bisher versteckten Qualitäten des Bestands hervor: seine Waldlage und die weiten Innenräume.

Sanierung des Hölderlin-Gymnasiums in Heidelberg

Bei der Sanierung des Hölderlin-Gymnasiums in Heidelberg war die Bestandsaufnahme besonders herausfordernd. Das Gymnasium zieht sich über mehrere Gebäude im engen Blockrand, gebaut zwischen 1877 und 1978. "Die gewünschte Generalsanierung", sagt die projektleitende Architektin Anna Krüger, "war nur mit einer gründlichen Bestandsaufnahme überhaupt definierbar."

Neben der Sanierung der Gebäude plante das Team auch die Gestaltung eines größeren Schulhofs und den Bau einer neuen Fahrradgarage, um die Infrastruktur der Schule zu verbessern.

Best Practices für die Planung von Schulsanierungen

Die Praxisbeispiele zeigen, dass eine erfolgreiche Schulsanierung sorgfältige Planung und klare Priorisierung erfordert. Architekt Peter Brückner vom Architekturbüro Brückner & Brückner betät: "Es wird viel zu viel abgerissen." Sein Team sanierte das Gymnasium in Neustadt an der Waldnaab und bewies, dass eine Sanierung auch bei einem ungeliebten Bau der 1970er Jahre möglich ist.

Die Qualitäten von Raum und Bausubstanz zu erkennen, ist dabei entscheidend. Bei der Sanierung des Hölderlin-Gymnasiums in Heidelberg war dies besonders schwierig, da das Gymnasium über mehrere Gebäude im engen Blockrand gezogen ist, die zwischen 1877 und 1978 gebaut wurden. Nur durch eine gründliche Bestandsaufnahme war eine umfassende Sanierung überhaupt definierbar.

Baustellenbegehungen auch für Kinder können ein wirksames Mittel sein, um alle Beteiligten für das Projekt zu gewinnen und positive Beispiele zu schaffen. Wie im Fall des Gymnasiums in Neustadt an der Waldnaab ging es für die Planenden, das Kreisamt und die Schulgemeinde zunächst per Bus zu vergleichbaren Projekten. Solche Exkursionen schaffen eine gemeinsame Basis für die Planung und helfen, Ängste und Vorbehalte abzubauen.

Fazit

Die Sanierung von Schulgebäuden in Deutschland ist eine komplexe Aufgabe, die eine sorgfältige Planung und eine vielfältige Finanzierungslandschaft erfordert. Wie die Praxisbeispiele zeigen, kann eine durchdachte Sanierung oft kostengünstiger und nachhaltiger als ein Neubau sein, wenn die räumlichen Qualitäten des Bestands erkannt und erhalten werden.

Für Schulträger gibt es eine Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten: von landesweiten Förderprogrammen wie dem KIP II in Brandenburg über kommunale und regionale Initiativen bis hin zu privaten Stiftungen. Wichtig ist, frühzeitig mit der Planung zu beginnen und alle verfügbaren Fördermöglichkeiten zu prüfen.

Die Beispiele erfolgreicher Sanierungen zeigen, dass es sich lohnt, die vorhandene Bausubstanz zu würdigen und gezielt zu sanieren, anstatt pauschal abzureißen. Durch die Kombination verschiedener Finanzierungsquellen und eine klare Priorisierung der Maßnahmen können Schulträger ihre Gebäude fit für die Zukunft machen – ohne die öffentlichen Kassen übermäßig zu belasten.

Quellen

  1. Schulen sanieren: Baukosten niedrig
  2. Schulbau und Schulbauförderung in den Bundesländern
  3. Tipps zur Finanzierung von Schulprojekten
  4. Bauinvestitionen an Schulen in öffentlicher Trägerschaft (KIP II - Bildung - Schule)

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