Einleitung
Die Sanierung von Schulgebäuden stellt eine besondere Herausforderung dar, da sie in der Regel während des laufenden Schulbetriebs erfolgen muss. Im Schulzentrum Horn wurden in den vergangenen Jahren umfassende Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt, die sowohl energetische Optimierung als auch funktionale Verbesserungen für den Schulalltag umfassten. Die Projekte zeigen, wie Sanierungen erfolgreich durchgeführt werden können, ohne den Schulbetrieb signifikant zu stören. Von der Generalsanierung der Grundschule über den Ersatzneubau der Stadtteilschule bis hin zur kernsanierung von Bestandsgebäuden demonstrieren die Projekte in Horn innovative Ansätze und bewährte Methoden der Schulbausanierung.
Sanierung der Grundschule Horn
Die Generalsanierung der Grundschule in Horn stellt ein beeindruckendes Beispiel für eine umfassende Modernisierung dar, die parallel zum laufenden Schulbetrieb durchgeführt wurde. An diesem Projekt sind an die 20 Betriebe beteiligt, die zahlreiche verschiedene Arbeiten durchführen. Die Gesamtkosten für die Sanierung belaufen sich auf 939.000 Euro, die seit den vergangenen Sommerferien umgesetzt werden. Besonders bemerkenswert ist, dass die umfangreichen Arbeiten die Schulgemeinschaft kaum stören und der Unterricht seit über einem dreiviertel Jahr wie gewohnt weitergeführt werden konnte. Dieser reibungslose Ablauf zeigt, dass eine Sanierung auch während des Schulbetriebs gut geplant und umgesetzt werden kann.
Stadtteilschule Horn: Ersatzneubau und umfassende Sanierung
Projektüberblick
Die Stadtteilschule Horn wurde durch ein umfassendes Modernisierungsvorhaben komplett neu gestaltet. Nach der Aufgabe des Standortes Rhiemsweg 6 wurden alle Jahrgänge an der Horner Weg bzw. der angrenzenden Snitgerreihe zusammengeführt. Das Ergebnis ist ein Ersatzneubau eines 12-Klassenhauses, der über drei hinweg eine 105 umfassende Grunderneuerung und Sanierung erhielt.
Nachhaltige Bauweise
Besonders hervorzuheben ist die nachhaltige Bauweise des Neubaus für die Jahrgangsstufen 5 und 6, der mit einem Gründach ausgeführt wurde. Für diese nachhaltige Bauweise erhielt das Gebäude den DGNB Gold-Standard. Diese Zertifizierung bestätigt die hohe Qualität und Nachhaltigkeit des Bauvorhabens in den Bereichen Ökologie, Ökonomie, Soziales und Technik.
Technische Maßnahmen
Die Sanierung umfasste zahlreiche technische und energetische Maßnahmen:
- Energetische Fassadensanierung der Stahlbetonsandwichplatten durch ein Wärmedämmverbundsystem
- Erneuerung der Fensterfassade und der Außentüren
- Sanierung der Dächer
- Erneuerung der Aufzuganlage
- Ersatz der alten Lüftungsanlage durch eine effiziente Anlage mit Wärmerückgewinnung
- Neubau der elektroakustischen Zentrale
Sicherheits- und Funktionsverbesserungen
Neben den energetischen Maßnahmen erfolgten weitere wichtige Verbesserungen:
- Brandschutztechnische Ertüchtigung von Wänden, Türen und haustechnischen Anlagen
- Erneuerung der Lehrküche
- Modernisierung der naturwissenschaftlichen Fachräume
- Modernisierung und barrierefreier Ausbau der Sanitäreinheiten
- Integration einer Küche für die Ganztagsbetreuung mit Esseneinnahmefläche
- Instandsetzung der Schmutzwasser- und Regenwasserleitungen im Außenbereich
- Neugestaltung des Eingangsbereichs mit robusten Sitzblöcken und Pflanzungen
- Neupflasterung sanierungsbedürftiger Asphaltflächen
- Neubau des Sportplatzes mit Kunststoffbelag
Daten und Kosten
Das Projekt Stadtteilschule Horn weist folgende Daten auf:
- Schulform: Stadtteilschule
- Projekt: Ersatzbau
- Bauzeit: 2019 – 2020
- Architektur: MoRe Architekten, Hamburg
- Mietfläche: 1.200 m²
- Gesamtkosten: Rund 3,5 Millionen Euro
Kernsanierung und Anbau an der integrierten Gesamtschule
Projektkonzept
Ein weiteres wichtiges Sanierungsvorhaben im Schulzentrum Horn ist die Kernsanierung der zwei Bestandsgebäude einer integrierten Gesamtschule, die durch einen Neubau verbunden wurden. Dieses Konzept ermöglichte es, alle Bereiche der Schule mit nur einem Aufzug zu verbinden und die gesamte Anlage barrierefrei zu gestalten. In beiden Etagen wurden barrierefreie Toiletten geschaffen, sodass die Schule jetzt komplett barrierefrei zugänglich ist.
Farbkonzept und Orientierungshilfen
Der weitläufige Gebäudekomplex wurde durch ein durchdachtes Farbkonzept strukturiert. Jeder Bereich der Schule erhielt eine eigene Farbwelt, was die Orientierung für Schüler, Lehrkräfte und Besucher erheblich vereinfacht. Dieses Konzept wurde auch bei der Erweiterung fortgeführt. Der repräsentative Neubau für die Mensa schuf eine ansprechende Eingangssituation zum Schulhof. Die großzügige Glasfassade signalisiert das offene, moderne Konzept der Schule.
Erweiterungsbau
Da die 2017 sanierte Gesamtschule zu klein geworden war, wurde ein Anbau geplant, der sich in das vorhandene Gebäudebild einfügen und das erfolgreiche Konzept weiterführen sollte. Der Neubau umfasste:
- 6 Fachunterrichtsräume mit je einem Sammlungsraum
- 10 allgemeine Unterrichtsräume
- Eine Mensa mit Küchenbereich
- Lehrerstation
- Sanitäre Anlagen
Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Sanierung
Priorisierung statt vollständige Sanierung
Die Sanierungsprojekte in Horn zeigen, dass eine Priorisierung von Maßnahmen oft sinnvoller ist als eine pauschale, teure Generalsanierung. Dies wird besonders an einem anderen Beispiel deutlich: Ein Gymnasium, das sich über mehrere Gebäude im engen Blockrand erstreckt und zwischen 1877 und 1978 gebaut wurde, sollte ursprünglich generalsaniert werden. Die projektleitende Architektin Anna Krüger betonte, dass eine solche Generalsanierung nur nach einer gründlichen Bestandsaufnahme überhaupt definierbar war.
Nach sechs Monaten Begutachtung und Analyse der Bausubstanz sowie zahlreichen Gesprächsrunden mit allen Beteiligten gelang es dem Team, die Maßnahmen zu priorisieren. Anstatt einer pauschalen Sanierung wurden gezielte Umsetzungen vorgenommen:
- Verlegung der Tiefgaragenzufahrt vom Hof in den Blockrand, wodurch mehr Fläche und Aufenthaltsqualität im Pausenhof geschaffen und Platz für eine Fahrradgarage entstand
- Bau eines Theaterraums im Innenhof mit gleichzeitiger Vergrößerung der Hoffläche durch eine Dachterrasse und eine Freitreppe
Kosteneffiziente Lösungen
Bei der Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen wurde bewusst auf kosteneffiziente Lösungen gesetzt. Während im Theaterraum auf hochwertige Bühnentechnik gesetzt wurde, wurde bei der Gebäudetechnik kostensparend auf Lowtech-Lösungen zurückgegriffen. Gebäudeteile wurden kernsaniert oder statisch ertüchtigt, während andere Bereiche nur oberflächlich aufgearbeitet und additiv mit Akustikdecken und Medientechnik ausgestattet wurden.
Besonders bemerkenswert ist die Entscheidung, keine energetische Sanierung an der Fassade durchzuführen. Stattdessen wurde für 1.962 Euro brutto pro Quadratmeter Bruttogrundfläche die Erneuerung der Flurüberdachung mit Holzmodulen, einer Begrünung darüber und Akustikelementen darunter umgesetzt. Diese Lösung umfasste auch Oberlichter und Lichtkuppeln sowie die Sanierung der Fluroberflächen und die Aufdämmung der bestehenden Steildächer von außen. Bestandswände und Fenster blieben dabei unberührt.
Bedeutung der frühzeitigen Klärung von Anforderungen
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Sanierungsprojekte war die frühzeitige Klärung aller Anforderungen und Wünsche. Die Architektin Anna Krüger betont: "Kostengünstig bauen braucht einen soliden Anforderungskatalog." Wer nicht sorgfältig und sachverständig genug arbeite, könne teure Nachträge kaum vermeiden.
Peter Brückner, Architekt vom Architekturbüro Brückner & Brückner, bestätigt diese Erfahrung. Sein Team sanierte ein Gymnasium in Neustadt an der Waldnaab, ein Sichtbetonbau von 1977 mit unzureichend gedämmter, undichter Hülle und dunklen, abgenutzten Innenräumen. Obwohl viele Gründe für einen Abriss sprachen, wollten sie beweisen, dass eine Sanierung auch bei einem ungeliebten Bau der 1970er Jahre möglich ist und nachhaltig sowie wirtschaftlich sein kann.
Kommunikation und Transparenz
Um alle Beteiligten von den Sanierungsmaßnahmen zu überzeugen, war eine gute Kommunikation und Transparenz entscheidend. Wie Peter Brückner berichtet, brauchte es "gute Argumente und positiv besetzte Beispiele, die unersetzlich sind". Daher gingen die Planenden, das Kreisamt und die Schulgemeinde zunächst per Bus zu vergleichbaren Projekten, um praktische Erfahrungen zu sammeln und zu präsentieren.
Auch die Einbindung der Schüler in den Sanierungsprozess erwies sich als wertvoll. Durch Baustellenbegehungen konnten die Kinder und Jugendlichen aktiv am Veränderungsprozess teilhaben und Verständnis für die notwendigen Maßnahmen entwickeln.
Fazit
Die Sanierungsprojekte im Schulzentrum Horn zeigen eindrucksvoll, wie moderne Schulgebäude nachhaltig und funktional modernisiert werden können. Die Projekte zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
Nachhaltigkeit: Die Stadtteilschule Horn erhielt für ihren Neubau den DGNB Gold-Standard, und bei allen Projekten wurden energieeffiziente Lösungen wie Wärmedämmverbundsysteme und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung umgesetzt.
Barrierefreiheit: Durch die Integration von Aufzügen und die Schaffung barrierefreier Toiletten in allen Etagen wurde die gesamte Schulanlage für alle Nutzer zugänglich gemacht.
Kosteneffizienz: Durch die Priorisierung von Maßnahmen und den Verzicht auf überflüssige Eingriffe konnten die Kosten im Rahmen gehalten werden. Die Projekte zeigen, dass sorgfältige Planung und frühzeitige Klärung von Anforderungen teure Nachträge vermeiden helfen.
Funktionalität: Die Sanierungen verbesserten nicht nur die energetische Effizienz, sondern auch die pädagogischen Rahmenbedingungen durch moderne Fachräume, gut ausgestattete Gemeinschaftsbereiche und eine ansprechende Architektur.
Integration in den Schulbetrieb: Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass die umfangreichen Sanierungen der Grundschule Horn parallel zum laufenden Schulbetrieb durchgeführt werden konnten, ohne diesen signifikant zu beeinträchtigen.
Die Projekte in Horn liefern wertvolle Erfahrungen für zukünftige Schulbausanierungen und zeigen, dass mit sorgfältiger Planung, nachhaltiger Bauweise und guter Kommunikation auch anspruchsvolle Sanierungsvorhaben erfolgreich umgesetzt werden können.