Kostenexplosion bei Schulrenovierungen: Fallstudie aus Gilching

Einleitung

Die Renovierung und Erweiterung von Schulgebäuden stellt eine der größten finanziellen Herausforderungen für viele Gemeinden dar. Ein eindrückliches Beispiel hierfür ist die James-Krüss-Grundschule in Gilching, bei der die ursprünglich geplanten Baukosten um 35% überschritten wurden. Dieser Artikel untersucht die Hintergründe dieser Kostenexplosion, die Reaktionen der Lokalpolitik sowie alternative Ansätze bei Schulrenovierungen, um Einblicke in die Planungs- und Kalkulationsprozesse bei Bauvorhaben dieser Größenordnung zu geben.

Die Kostenexplosion in Gilching

Die James-Krüss-Grundschule in Gilching war für eine Erweiterung um acht Klassenzimmer und zusätzliche Gruppenräume geplant. Die ursprüngliche Kalkulation lag bei 3,2 Millionen Euro. Eine neue Entwurfsplanung des zuständigen Architekturbüros Stefan Dinkel aus Gilching schlug jedoch mit 4,31 Millionen Euro zu Buche – eine Erhöhung von 1,1 Millionen Euro oder 35%. Diese deutliche Kostensteigerung vor allem im technischen Bereich und bei den Außenanlagen sorgte in der Gemeinderatssitzung für große Verärgerung und Unverständnis.

Die Reaktion der Kommunalpolitiker war geschockt. CSU-Fraktionssprecher Manfred Herz äußerte, dass es nicht sein könne, dass die "Ansätze völlig daneben lagen" und betonte, dass eine "so hohe Fehlerquote" irreführend und dramatisch sei. Auch für andere Räte waren die neuen Berechnungen "nicht nachvollziehbar". Besonders bemängelt wurde die "nicht fundierte" Sitzungsvorlage, weshalb die große Mehrheit der Gemeinderäte nicht bereit war, der Erhöhung zuzustimmen und zusätzlich 881.000 Euro im Haushalt 2016 einzuplanen.

SPD-Politiker Fritz Wauthier fragte nach möglichen "Einsparpotenzialen" bei dem Schulhaus-Projekt, was die allgemeine Unsicherheit und das Misstrauen gegenüber den neuen Kalkulationen widerspiegelt. Die Situation war so ernst, dass beschlossen wurde, die Entscheidung über die Kostensteigerung auf die nächste Sitzung am 19. Mai zu verschieben, um die Details prüfen zu können.

Architektonische Rechtfertigungen und Fachmeinungen

Architekt Stefan Dinkel versuchte in der Gemeinderatssitzung, die Kostensteigerung zu rechtfertigen. Er erklärte, dass bei der ersten Entwurfsplanung lediglich die Kosten für den "Baukörper" betrachtet worden seien. Die Kalkulation habe sich daher geändert, als weitere Aspekte berücksichtigt wurden. Dinkel erhielt Rückendeckung von Bauamtsleiter Max Huber, der betonte, dass eine "energetische qualitätsvolle Bauweise", auch mit LED-Sparbeleuchtung und ungespritzter Holzfassade, "eben viel Geld" koste. Zudem wies er darauf hin, dass noch "Zuschüsse und Förderungen" möglich seien.

Peter Unger von den Grünen sprach von einer "gelungenen Planung", auch wenn er von den viel höheren Kosten zuerst "etwas schockiert" gewesen sei. Er könne die Kosten jedoch besser nachvollziehen. Trotz dieser Unterstützung für die Planungsqualität hatten die meisten Ratsmitglieder weiterhin Bedenken, den neuen Baukosten zuzustimmen.

Der Architekt sicherte jedoch zu, dass trotz der Verzögerung die dringend notwendige Erweiterung des Gebäudes rechtzeitig zum Schuljahresbeginn 2017/2018 fertiggestellt sein werde. Diese Zusicherung war wichtig, um das pädagogische Ziel nicht zu gefährden und die zeitliche Dringlichkeit des Projekts zu unterstreichen.

Alternative Ansätze bei Schulrenovierungen

Die Debatte um die Gilchinger Schule wirft Fragen nach alternativen Ansätzen bei Schulrenovierungen auf. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, dass es möglich ist, bei Sanierungen Kosten im Bereich von 2.074 Euro pro Quadratmeter Bruttogrundfläche zu realisieren. In diesem Fall nutzten die Architekten das vorhandene Potenzial: Natursteinböden wurden geschliffen, Klinkerwände geschlämmt und vorhandene Wanddämmungen partiell aufgedämmt. So blieb Budget für die energetische Sanierung der Dächer, neue Fenster und hochwertige Holz-Einbauten.

Bei einem anderen Projekt plante das Team für 1.962 Euro brutto pro Quadratmeter Bruttogrundfläche die Erneuerung der Flurüberdachung mit Holzmodulen, einer Begrünung darüber und Akustikelementen darunter, sowie Oberlichter und Lichtkuppeln. Die Bestandswände und Fenster blieben in diesem Fall unberührt, was erhebliche Kosten einsparte.

Architekt Peter Brückner vom Architekturbüro Brückner & Brückner betont: "Es wird viel zu viel abgerissen." Sein Team sanierte ein Gymnasium in Neustadt an der Waldnaab, ein Sichtbetonbau von 1977 mit unzureichend gedämmter, undichter Hülle und dunklen, abgenutzten Innenräumen. Viele Gründe hätten eigentlich für einen Abriss gesprochen, doch Brückner wollte beweisen, "dass eine Sanierung auch bei einem ungeliebten Bau der 1970er geht und nachhaltig wie wirtschaftlich ist".

Ein weiteres Beispiel stammt aus Essenheim in Rheinland-Pfalz, wo eine 1983 erbaute Grundschule undichte Dächer, eine schlechte Energiebilanz und Akustikprobleme aufwies. Ein Neubau wurde auf rund acht Millionen Euro kalkuliert – zu teuer für eine kleine Landgemeinde. Nach Starkregen stand das Wasser sogar auf dem Dach, was eine zwingende Entscheidung erforderte.

Architekt Timm Helbach, ehemaliger Schüler der Schule, war überzeugt, dass eine Sanierung machbar, günstiger und nachhaltiger wäre. Die räumlichen Qualitäten sprachen für den Bestand: Die Kassen lagen in einzelnen Häusern und hatten unter dem Steildach eine enorme Raumhöhe. "Das sind große und helle Klassen, die im Neubau deutlich kleiner wären", so Helbach. Die Probleme waren nicht die Klassenhäuser, sondern die "gefangenen Flurdächer dazwischen, deren Dachentwässerung und die Anschlussstellen, die schlechte Akustik und das fehlende Tageslicht in den Fluren darunter."

Wichtige Schritte bei der Sanierungsplanung

Die Erfahrungen aus verschiedenen Schulrenovierungsprojekten zeigen, dass bestimmte Schritte besonders wichtig sind:

  1. Bestand kennen und Maßnahmen priorisieren: Die Qualitäten von Raum und Bausubstanz zu erkennen, war bei der Sanierung des Hölderlin-Gymnasiums in Heidelberg entscheidend. Das Gymnasium zieht sich über mehrere Gebäude im engen Blockrand, gebaut zwischen 1877 und 1978. "Die gewünschte Generalsanierung war nur mit einer gründlichen Bestandsaufnahme überhaupt definierbaren", so die projektleitende Architektin Anna Krüger.

  2. Anforderungen und Wünsche früh klären: Um für eine Sanierung zu werben, brauchte es "gute Argumente und positiv besetzte Beispiele, die sind unersetzbar". Daher gingen die Planenden, das Kreisamt und die Schulgemeinde zunächst per Bus zu vergleichbaren Projekten, um die Vorteile einer Sanierung gegenüber einem Neubau aufzuzeigen.

  3. Baustellenbegehungen auch für Kinder: Einbeziehung der zukünftigen Nutzer in den Planungsprozess kann die Akzeptanz für Sanierungsmaßnahmen erhöhen und zusätzliche Perspektiven liefern.

  4. Bauumfang verkleinern: Oft ist es sinnvoller, den Bauumfang zu verkleinern und sich auf die wesentlichen Sanierungsmaßnahmen zu konzentrieren, anstatt sofort an einen kompletten Neubau zu denken.

Fördermöglichkeiten für Schulsanierungen

Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Kommunen dauerhaft nicht nur beim Bau, sondern auch bei der Sanierung von Schulen sowie bei Ganztagsbaumaßnahmen. In diesem Jahr hilft das Land den kommunalen Schulträgern mit etwa 172 Millionen Euro bei ihrer originären Aufgabe. Fast 91 Millionen Euro fließen dabei in 133 Sanierungsmaßnahmen, gut 76 Millionen in 49 Schulbaumaßnahmen und knapp fünf Millionen in 18 Maßnahmen für den Ganztagsausbau.

Die Regelförderung beträgt 33 Prozent des zuwendungsfähigen Bauaufwands. Gegebenenfalls kann wegen der überörtlichen Bedeutung der Schulbaumaßnahme eine zusätzliche Zuwendung wegen auswärtiger Schülerinnen und Schüler gewährt werden. Neben Schulbau- und Sanierungsmaßnahmen fördert das Land auch Maßnahmen des Ganztagsausbaus.

Die Ministerin betont: "Es ist gut und wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler in angemessenen Gebäuden lernen können. Daher freue ich mich, dass wir auch mit Landesmitteln dazu beitragen, den Zustand der Schulgebäude zu verbessern und an die aktuellen pädagogischen Anforderungen anzupassen. Zudem werden unsere Schulen energetischer und moderner. So wird der Lebensraum Schule noch lebenswerter."

Anbieter für Renovierungen und Sanierungen

Für Gemeinden und private Bauherren, die Renovierungs- und Sanierungsprojekte planen, ist die Auswahl geeigneter Fachfirmen entscheidend. In Gilching und der Umgebung gibt es verschiedene spezialisierte Anbieter. Die Hachinger Bau GmbH aus Unterhaching ist ein Bauträger, der in München mit Umland tätig ist und sowohl im Bereich Bauträger, Rohbau als auch Renovierung/Sanierung tätig ist. Mit 29 Jahren Tradition und 30 Mitarbeitern verfügt das Unternehmen über erhebliche Erfahrung im Bausektor.

Weitere spezialisierte Anbieter sind im Bereich Maler-, Lackier- und Putzarbeiten tätig, einschließlich Schimmelpilz-Sanierung und Fassadenarbeiten. Solche Fachfirmen sind insbesondere bei der energetischen Sanierung, bei der Fassadengestaltung und bei speziellen Sanierungsaufgaben wie der Schimmelpilzbekämpfung wichtig.

Fazit

Der Fall der James-Krüss-Grundschule in Gilching zeigt eindrücklich, wie komplex und risikobehaftet die Planung von Schulrenovierungen sein kann. Die 35%ige Kostensteigerung von ursprünglich 3,2 auf 4,31 Millionen Euro verdeutlicht die Herausforderungen, bei denen zunächst überschlägige Kalkulationen den tatsächlichen Anforderungen nicht gerecht werden. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung aus anderen Projekten, dass durch sorgfältige Bestandsanalyse, priorisierte Maßnahmen und intelligente Sanierungskonzepte Kosten im Bereich von etwa 2.000 Euro pro Quadratmeter realisierbar sind.

Wichtig ist, frühzeitig die Qualitäten des Bestands zu erkennen und die spezifischen Probleme genau zu analysieren. Oft lohnt sich der Erhalt der Bausubstanz, wie die Beispiele aus Neustadt an der Waldnaab und Essenheim zeigen. Die Einbindung zukünftiger Nutzer und Besichtigung vergleichbarer Projekte kann zusätzliche Argumente für eine nachhaltige Sanierung liefern.

Förderprogramme der Länder können die Finanzierung von Schulsanierungen erheblich entlasten. In Baden-Württemberg beträgt die Regelförderung beispielsweise 33% der zuwendungsfähigen Baukosten. Die Auswahl erfahrener Fachfirmen ist dabei ebenso entscheidend wie eine transparente und fundierte Planung, die von Anfang an alle relevanten Aspekte berücksichtigt.

Letztendlich geht es bei Schulrenovierungen nicht nur um finanzielle Aspekte, sondern auch um die Schaffung zeitgemäßer Lernumgebungen, die den pädagogischen Anforderungen entsprechen und gleichzeitig energetisch nachhaltig sind. Der Gilchinger Fall zeigt, dass hier ein sensibler Balanceakt zwischen Qualität, Kosten und Zeitrahmen erforderlich ist.

Quellen

  1. Gilching: Kosten verursachen Bauchschmerzen
  2. Schulen sanieren: Baukosten niedrig?
  3. Wiederaufbau und Sanierung in Gilching
  4. 172 Millionen Euro für Bau und Sanierung von Schulen

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