Hotel Goldener Hirsch in Salzburg: Eine Balance aus Denkmalschutz und Modernisierung

Einleitung

Das Hotel Goldener Hirsch in Salzburgs berühmter Getreidegasse stellt seit Jahrhunderten eine Institution der österreichischen Hotellandschaft dar. Nach einer aufwendigen, fast einjährigen Renovierungsphase öffnete das Traditionshaus im Juli 2019 wieder seine Türen für Gäste aus aller Welt. Die Generalsanierung unter der Leitung des Schweizer Unternehmers Dr. Hans-Peter Wild stellte eine besondere Herausforderung dar, da sie den sensiblen Umgang mit einem Gebäude erforderte, das seit über 20 Jahren Teil des UNESCO-Weltkulturerbes "Historisches Zentrum der Stadt Salzburg" ist und unter Denkmalschutz steht. Dieser Artikel beleuchtet die umfangreichen Bauarbeiten, die technischen Herausforderungen und die Philosophie hinter der gelungenen Kombination von historischem Charme und modernster Technik.

Historische Bedeutung und Sanierungsherausforderungen

Das Hotel Goldener Hirsch ist ein rund 600 Jahre altes Gebäude, das erstmals vor mehr als sechs Jahrhunderten urkundlich erwähnt wurde. Als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und unter strengem Denkmalschutz stehend, erforderte jede Veränderung einen besonderen Respekt vor der historischen Bausubstanz. Die Herausforderung für das Projektteam bestand darin, die Erwartungen des Eigentümers Dr. Hans-Peter Wild zu erfüllen, der das Hotel im August 2016 für 20 Millionen Euro erworben hatte und eine "sanfte Renovierung" geplant hatte.

Wie Projektleiter Karsten Sippel erläuterte, lauteten die ursprünglichen Ziele: "Traditionelles Flair erhalten, modernste Technik installieren, Denkmalschutz berücksichtigen". Bereits bei der Übernahme des Hotels hatte Wild den hohen Renovierungsbedarf erkannt und angekündigt, die Luxusimmobilie umfassend zu modernisieren, dabei aber das traditionelle Flair auf jeden Fall erhalten zu wollen.

Im Laufe der Planungsphase wurde jedoch deutlich, dass der Zustand des Gebäudes erheblich schlechter war als erwartet. Die teilweise inakzeptable Bausubstanz erwies sich als größere Herausforderung als angenommen. So fehlte beispielsweise einigen tragenden Wänden ein Fundament, und die völlig veraltete Infrastruktur machte eine bauliche und technische Grundsanierung und Rundum-Erneuerung des Hotels notwendig. Aus einer geplanten "sanften Renovierung" wurde somit eine umfassende Grunderneuerung, die trotz massiver Eingriffe in jeder Phase die Auflagen des Denkmalschutzes beachtete und der Historie des Hauses Rechnung trug.

Eine weitere, unvorhergesehene Herausforderung ergab sich bei den Ausgrabungsarbeiten für die Unterkellerung bisher nicht unterkellerte Bereiche. Beim Ausheben der dreieinhalb Meter tiefen Grube traten zahlreiche archäologische Funde zutage, die von Spezialisten gesichtet, dokumentiert und gesichert werden mussten. Dieser Prozess verzögerte das Vorhaben erheblich und erforderte zusätzliche Koordination mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden.

Planung und Projektleitung

Die komplexen Aufgaben der Sanierung wurden vom Dresdner Architekturbüro smart architects GmbH geleitet, das gemeinsam mit dem Salzburger Architekten Wolfgang Pessl die Projektleitung übernahm. Für die Umsetzung des Vorhabens stellte man ein Team von 20 Architekten, Fachplanern und Ingenieuren zusammen und koordinierte die Arbeit von 48 Firmen, vornehmlich aus der Region Salzburg und Umgebung.

Die Herausforderung bestand darin, die Anforderungen des Denkmalschutzes mit den Notwendigkeiten einer zeitgemßen Luxushotelinfrastruktur zu verbinden. Besonders sensibel mussten die Eingriffe an der historischen Fassade und den originalen Räumlichkeiten geplant werden. Der Hotel-Direktor Wolfgang Putz formulierte die Herausforderung prägnant: "Ihr müsst's renovieren, dürft's aber nix ändern" – ein Zitat, das die Erwartungen der Stammgäste und den Denkmalschutzvorgaben gleichermaßen Rechnung trägt.

Die Planungsphase umfasste detaillierte Untersuchungen des Bauzustands, die Aufstellung eines Sanierungskonzepts und die Koordination mit den verschiedenen Fachplanern. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Planung der technischen Anlagen, die komplett erneuert werden mussten, ohne das historische Erscheinungsbild zu beeinträchtigen. Dazu gehörten nicht nur sichtbare Veränderungen, sondern auch die Verlegung von 240 Kilometer Kabel für die gesamte technische Infrastruktur des Hotels.

Renovierungsumfang und technische Aspekte

Die Sanierung des Goldenen Hirsch umfasste das gesamte Gebäudeensemble, das ursprünglich aus sechs Häusern besteht, sowie das gegenüberliegende Kupferschmiedhaus. Der Umfang der Arbeiten war außergewöhnlich umfangreich und betraf alle Bereiche des Hotels.

Bausanierung und Statik

Eine der größten Herausforderungen war die Sanierung der Bausubstanz. Wie bei so alten Gebäuden üblich, waren diverse statische Mängel zu beheben. Ein besonders kritischer Punkt war der Mangel an Fundamenten bei einigen tragenden Wänden, der durch spezielle statische Maßnahmen behoben werden musste. Die Arbeiten erforderten eine präzise Planung, um die Stabilität des historischen Bauwerks während der Sanierungsphase zu gewährleisten.

Technische Infrastruktur

Die technische Infrastruktur des Hotels war komplett veraltet und wurde erneuert. Dazu gehörten:

  • Die komplette Verlegung von 240 Kilometer Kabel für Elektroinstallation, Datenübertragung und Sicherheitstechnik
  • Die Erneuerung aller Wasser- und Abflussleitungen
  • Die Installation einer modernen Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik
  • Die Schaffung einer zeitgemßen Brandmelde- und Löschanlage
  • Die Verlegung eines neuen Aufzugsystems

Besonders bei der Verlegung der neuen Leitungen mussten die historischen Bausubstanzen und die Auflagen des Denkmalschutzes beachtet werden. In vielen Fällen waren spezielle Verlegeverfahren notwendig, um die historischen Wände und Böden nicht zu beschädigen.

Unterkellerung und Archäologie

Die Erweiterung des Kellergeschosses stellte eine besondere Herausforderung dar. Beim Ausheben der dreieinhalb Meter tiefen Grube traten zahlreiche archäologische Funde zutage, die von Fachleuten dokumentiert und gesichert werden mussten. Dieser Prozess verzögerte das Vorhaben und erforderte zusätzliche Koordination mit den zuständigen Behörden, bedeutete aber auch eine wertvolle Chance, die Geschichte des Ortes besser zu verstehen.

Die Funde gaben Einblicke in die über 600-jährige Geschichte des Gebäudes und seiner Bewohner. Diese dokumentierten Funde wurden in die Gestaltung des neuen Kellergeschosses integriert, so dass Gäste heute die Möglichkeit haben, die historische Schicht des Hotels zu erleben.

Innengestaltung und Gästebereich

Die Renovierung der 64 Zimmer und Suiten (bzw. 70 Zimmer und Suiten laut anderer Quellen) erfolgte mit besonderem Augenmerk auf die Erhaltung des traditionellen Flairs bei gleichzeitiger Modernisierung. Jeder Raum wurde sorgfältig geplant und ausgeführt, um den Charakter des Hauses zu bewahren.

Zimmereinrichtungen

Die Zimmer und Suiten wurden mit Vollholzböden ausgestattet, die sowohl zur historischen Substanz des Gebäudes passen als auch modernen Komfort bieten. Die Auswahl der Stoffe und Materialien orientierte sich am ursprünglichen Stil des Hauses, verwendete jedoch modernere Materialien für bessere Haltbarkeit und Pflegeleichtigkeit. Die Bäder wurden komplett erneuert und mit zeitgemßen Armaturen und Ausstattungen ausgestattet, die dennoch zum historischen Charakter der Räume passen.

Öffentliche Bereiche

Die öffentlichen Bereiche des Hotels wurden ebenfalls grundlegend renoviert, behielten aber ihre charakteristische Atmosphäre:

  • Die Rezeption wurde vergrößert und auf die gegenüberliegende Seite verlagert, um einen besseren Empfangsbereich zu schaffen
  • Gäste, die vom Herbert-von-Karajan-Platz kommen, gelangen nun über einen neuen Eingang in das Hotel, ohne wie zuvor das Restaurant durchqueren zu müssen
  • Die charakteristischen Schlüsselkästen hängen wie gehabt über der Rezeption, werden jedoch nun mit indirekter Beleuchtung in Szene gesetzt
  • Mit dem neuen zusätzlichen Aufzug sind Reisende schneller in ihren Zimmern
  • Angrenzend an den Rosa Salon, in dem nicht nur das Frühstück für Hotelgäste serviert wird, sondern auch Veranstaltungen stattfinden, ist ein Kaminzimmer entstanden, das als gemütlicher Rückzugsort dient
  • Meetings und Feierlichkeiten für bis zu 16 Personen finden ab sofort auch im neuen "Weinkabinett" statt, einem eleganten Bankettraum im Erdgeschoss des Hauses

Die Weinsammlung des Hotels hat im neuen "Weinkabinett" ihren Platz gefunden und veredelt die Wände gemeinsam mit historischem Holz. Dieser Raum kombiniert historische Elemente mit moderner Funktionalität und bietet einen besonderen Rahmen für Veranstaltungen und Weinproben.

Restaurantkonzepte

Die beiden Restaurants des Hotels, das Hauben-Restaurant Goldener Hirsch und das Herzl, wurden im Rahmen der Renovierung ebenfalls neu konzipiert, behielten aber ihre kulinarische Ausrichtung bei.

Hauben-Restaurant Goldener Hirsch

Das Hauben-Restaurant wird seit der Renovierung von Chefkoch Martin Bednarik geleitet, der sich auf eine Kombination aus Altbewährtem und innovativen Kreationen konzentriert. Die Küche des Hauben-Restaurants verbindet thus österreichische Tradition mit zeitgemßen Innovationen und spiegelt die Philosophie der gesamten Hotelrenovierung wider: Bewährtes bewahren, aber mutig in die Zukunft blicken.

Herzl Restaurant

Das Herzl Restaurant strahlt in urigem Design und verwöhnt Feinschmecker weiterhin mit traditioneller österreichischer Küche. Die Küche bleibt ihrem ursprünglichen Konzept treu und bietet Gästen authentische österreichische Gerichte in einem gemütlichen Ambiente.

Küchenbereich

Die Küchen beider Restaurants wurden im Rahmen der Renovierung im Haupthaus mit der Patisserie zusammengelegt. Diese Konsolidierung ermöglichte eine effizientere Arbeitsabläufe und bessere Logistik, ohne die kulinarische Qualität zu beeinträchtigen.

Kosten und Zeitplan

Die Renovierung des Goldenen Hirsch war ein finanziell und organisatorisch anspruchsvolles Projekt. Der Schweizer Unternehmer Dr. Hans-Peter Wild investierte über 30 Millionen Euro in die Sanierung und Modernisierung des Traditionshotels. Dieser Betrag überstieg die ursprünglichen Planungen erheblich, was auf die unvorhergesehenen baulichen Herausforderungen zurückzuführen ist.

Nachdem der Besitzer in sein zweites Salzburger Luxushotel, das Schloss Mönchstein, bereits Millionen investiert hatte, bereitete er für den Goldenen Hirsch einen zweistelligen Millionenbetrag vor. Die tatsächlichen Kosten lagen jedoch deutlich höher und erreichten die 30-Millionen-Euro-Marke.

Die Bauarbeiten begannen im Sommer 2018 und sollten ursprünglich rechtzeitig vor der Festspielzeit im Frühsommer 2019 abgeschlossen werden. Tatsächlich konnte das Hotel pünktlich im Juli 2019 wiedereröffnet werden, was angesichts der zahlreichen unvorhergesehenen Herausforderungen als beachtliche Leistung gilt. Trotz etlicher unerwarteter Schwierigkeiten und enormer zusätzlicher Kosten konnte das Hotel in kürzester Zeit und in einem beispiellosen Kraftakt auf den neuesten Stand gebracht werden.

Die Projektleitung hatte die besondere Herausforderung, die Renovierung so durchzuführen, dass das Hotel für die wichtigste Saison des Jahres – die Zeit der Salzburger Festspiele – wieder betriebsbereit war. Diese zeitliche Vorgabe machte eine besonders effiziente Planung und Umsetzung notwendig.

Fazit

Die Renovierung des Hotel Goldener Hirsch in Salzburg stellt ein gelungenes Beispiel für den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz dar. Das Projekt beweist, dass es möglich ist, ein über 600 Jahre altes Gebäude, das unter Denkmalschutz steht und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist, umfassend zu modernisieren, ohne seinen charakteristischen Charme zu verlieren.

Die gelungene Balance zwischen Denkmalschutz und Modernisierung ist das Ergebnis sorgfältiger Planung und exzellenter Ausführung. Das Projektteam um Projektleiter Karsten Sippel und die Architekten des Dresdner Büros smart architects GmbH in Zusammenarbeit mit Wolfgang Pessl aus Salzburg bewies, dass historische Bausubstanz mit moderner Technik und Komfort verbunden werden kann.

Für den Bau- und Renovierungsbereich bietet das Projekt wertvolle Lehren: Bei Sanierungen von historischen Gebäuden ist eine flexible Planung notwendig, die auf unvorhergesehene Herausforderungen reagieren kann. Gleichzeitig ist die enge Zusammenarbeit mit Denkmalschutzbehörden und Fachplanern entscheidend, um die historische Substanz zu erhalten und gleichzeitig die notwendige Modernisierung umzusetzen.

Der Erfolg des Projekts zeigt sich auch in der positiven Resonanz der Gäste und der Fachwelt. Der Goldene Hirsch ist heute ein Beispiel dafür, wie Tradition und Moderne erfolgreich vereint werden können und bleibt eine wichtige Institution der Salzburger Hotellandschaft.

Quellen

  1. hoga-presse.de - Hotel Goldener Hirsch in Salzburg nach Renovierung wieder geöffnet
  2. salzburg-altstadt.at - Wiedereröffnung Goldener Hirsch
  3. ahgz.at - Goldener Hirsch Renovierung biegt in die Zielgerade
  4. orf.at - "Goldener Hirsch" wird aufwendig renoviert
  5. salzburg24.at - Salzburger Hotel für 30 Millionen Euro saniert

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