Gorch Fock I: Die Sanierung eines historischen Seegiganten - Technische Herausforderungen und Finanzierungsmodelle

Einleitung

Die "Gorch Fock I" prägt lange die Stralsunder Silhouette und ist ein bedeutendes Stück deutscher Seefahrtsgeschichte. Derzeit befindet sich der mehr als 80 Jahre alte Traditionssegler auf der Stralsunder Volkswerft, wo er einer umfassenden Grundsanierung unterzogen wird. Dieses komplexe Projekt stellt erhebliche technische Herausforderungen und erfordert erhebliche finanzielle Ressourcen. In diesem Artikel werden die wichtigsten Aspekte der Sanierung – von den technischen Details bis hin zu den Finanzierungsmodellen – beleuchtet.

Geschichte und Hintergrund der Gorch Fock I

Die "Gorch Fock I" wurde nach Angaben des Fördervereins 1933 in Hamburg bei Blohm+Voss in nur 100 Tagen gebaut und ist damit ein historisches Schiff von besonderer Bedeutung. Das Schiff segelte unter deutscher, sowjetischer und ukrainischer Flagge, bevor es 2003 vom Verein Tall Ship Friends vom ukrainischen Bildungsministerium gekauft wurde. Damals trug es noch den Namen "Towarischtsch" (Genosse). Nach der Ankunft in Stralsund wurde das Schiff wieder auf den Namen "Gorch Fock" getauft, der auf den gleichnamigen Schriftsteller zurückgeht.

Die Gorch Fock I begründete eine Schiffsklasse, die insgesamt sechs Schiffe umfasste. Dazu gehört auch das jüngste Schwesterschiff, das 1958 gebaute und derzeitige Segelschulschiff der Deutschen Marine, das ebenfalls den Namen "Gorch Fock" trägt.

Das Schiff ist mehr als 82 Meter lang und hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die nun durch die umfassende Sanierung ein neues Kapitel erfährt. Die Sanierung ist jedoch nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch ein kulturpolitisches Vorhaben von großer Bedeutung für die Hansestadt Stralsund.

Die Sanierung: Technische Details und Herausforderungen

Die Sanierung der "Gorch Fock I" ist ein technisch anspruchsvolles Projekt, bei dem erhebliche Arbeiten durchgeführt werden müssen. Derzeit steht der Segler zu großen Teilen eingerüstet in der großen Schiffbauhalle der Stralsunder Werft. Etwa 70 Mitarbeiter der Stralsunder Tochter des norwegischen Unternehmens Fosen Yard arbeiten laut Stadt an dem Schiff.

Ein wichtiger Meilenstein wurde erreicht: die Außenhaut des Schiffes ist wieder komplett. Gegen Ende der zurückliegenden Woche setzten Arbeiter eine Platte in der Mitte des Schiffes wieder ein, die zur Entfernung von Maschinenteilen herausgenommen war. Insgesamt mussten etwa 70 Quadratmeter Außenhaut getauscht werden.

Aktuell werden neben der Außenhaut inklusive Schotten, Decks und die Takelage am Boden erneuert. Die Masten sind bereits abgenommen, gereinigt, geschliffen, geschweißt und neu angestrichen worden. Sie müssen noch montiert sowie die Schiffsaußenhaut samt Ruder konserviert werden.

Wie bei alten, sanierungsbedürftigen Häusern stellte sich bei der Gorch Fock heraus, dass anfangs nur Weniges repariert werden sollte, aber dann hinter die Planken geschaut wurde und festgestellt wurde, dass sie grundsaniert werden muss. Bis auf den Kiel muss fast alles ersetzt werden.

Nach einer Studie des Beschaffungsamts sollen 95 Prozent des Schiffs erneuert werden, was faktisch einem Neubau gleichkommt. Die Takelage, ein wesentlicher Teil des Schiffs, wird ebenfalls komplett erneuert. Dies sind Arbeiten von höchster Komplexität, die spezielles Fachwissen und Erfahrung erfordern.

Die technische Herausforderung besteht darin, die historische Substanz des Schiffes zu erhalten, während gleichzeitig die notwendigen Modernisierungen für die Sicherheit und die zukünftige Nutzung als Museumsschiff durchgeführt werden. Dies erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen Erhalt und Modernisierung.

Finanzierung der Sanierung: Fördermittel und Eigenanteile

Die Sanierung des Schiffes finanziert sich durch eine Kombination aus öffentlichen Fördermitteln und Eigenanteilen. Für die Grundsanierung sollen rund zehn Millionen Euro aufgewendet werden, um die Schwimmfähigkeit für die kommenden 25 Jahre, die Sicherheit der Takelage und den Brandschutz zu gewährleisten.

Das Geld stammt größtenteils aus EU- und Landesfördermitteln. Der Eigenanteil wird von dem Verein Tall Ship Friends e.V. übernommen, dem das Schiff vor der Stadt gehörte. Der Verein soll die "Gorch Fock I" auch künftig als Museumsschiff im Stralsunder Stadthafen betreiben.

Laut Stadt Stralsund sollen die Fördermittel zunächst bis Ende des Jahres abgerufen werden müssen. Durch einen Änderungsbeschluss ist das jetzt allerdings bis 2026 möglich. Die Stadt möchte dennoch, dass die "Gorch Fock I" zum Saisonstart im kommenden Frühling wieder an der Hafenkante festmacht.

Für den Ausbau zum Museumsschiff hatte der Bund mehr als zehn Millionen Euro zugesagt. Die Antragsunterlagen dafür werden derzeit zusammengestellt. Die Stadt hatte den Bedarf für grundlegende Arbeiten zur Gewährleistung der Schwimmfähigkeit und der Sicherheit in der Vergangenheit mit 10,6 Millionen Euro beziffert.

Der Eigenanteil, den die Stadt Stralsund aufzubringen hat, wird vom jetzigen Schiffseigner, dem Verein Tall Ship Friends, aus dem Verkaufserlös aufbringen. Der Verein hatte in der Vergangenheit Kosten in Höhe von 22 Millionen Euro genannt, die nötig sind, um das Schiff langfristig wieder segelfähig zu machen.

Die Bundesregierung fördert die Sanierung des Stralsunder Segelschulschiffs Gorch Fock (I) mit rund 13,5 Millionen Euro. Die Mittel sollen in die Grundsanierung sowie den Aufbau eines barrierefreien Bordmuseums fließen. Dies ist den Bemühungen der für Stralsund zuständigen Bundestagsabgeordneten Anna Kassautzki (SPD) in Berlin zu verdanken.

Zeitplan und Projektmanagement

Die Sanierung des Schiffes folgt einem strukturierten Zeitplan, der sich jedoch aufgrund der Komplexität der Arbeiten mehrfach angepasst hat. Eigentlich war es das Ziel der Hansestadt Stralsund, alle Arbeiten an der "Gorch Fock I" bis Ende des Jahres abzuschließen. Das Schiff liegt seit Juni in der Volkswerft der Hansestadt Stralsund, die Eigentümerin des Seglers ist.

Die Fortschritte der Sanierung verlaufen planmäßig: Die Reparatur der Außenhaut des Traditionsseglers ist größtenteils abgeschlossen. Zur Zeit wird das Schiff außen und innen konserviert. Im Anschluss soll die gesamte Takellage erneuert werden.

Anfangs arbeiteten etwa 25 Werftarbeiter an dem Schiff, mittlerweile sind es 70. Die Zahl der Mitarbeiter zeigt den Umfang der Arbeiten, die notwendig sind, um das Schiff wieder in einen betriebssicheren Zustand zu versetzen.

Die Stadt plant, dass alle Arbeiten in der Werft bis März abgeschlossen sein sollen. Dann wird wohl auch der Ausbau zum Museumsschiff folgen. Die "Gorch Fock I" soll dort zur Saison kommenden Jahres wieder für Besucher geöffnet sein.

Ziel ist es, dass die "Gorch Fock I" zum Saisonstart im kommenden Frühling wieder an der Hafenkante festmacht. Alle Arbeiten in der Werft sollen demnach bis März abgeschlossen werden.

Zweck und Zukunft: Das Konzept des Museumsschiffs

Nach der Sanierung soll die "Gorch Fock I" als Museumsschiff im Stralsunder Stadthafen betrieben werden. Dies ist eine wichtige Entscheidung, die die Zukunft des Schiffes nach der Sanierung bestimmt.

Der Verein Tall Ship Friends e.V., dem das Schiff gehört, wird den Betrieb des Museumsschiffes übernehmen. Die "Gorch Fock I" soll dort zur Saison kommenden Jahres wieder für Besucher geöffnet sein.

Die Bundesregierung fördert die Sanierung des Stralsunder Segelschulschiffs Gorch Fock (I) mit rund 13,5 Millionen Euro. Die Mittel sollen in die Grundsanierung sowie den Aufbau eines barrierefreien Bordmuseums fließen.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das Schiff nach den Arbeiten nicht segelfähig sein wird. Dazu sind laut Verein weitere Investitionen notwendig. Dies bedeutet, dass die Sanierung auf der Stralsunder Volkswerft nur der erste Schritt ist, um das Schiff zu erhalten. Langfristig ist eine weitere Finanzierung notwendig, um das Schiff wieder segelfähig zu machen.

Vergleich mit der Marine-Gorch Fock

Die "Gorch Fock I" hat eine besondere Beziehung zum gleichnamigen Schiff der Deutschen Marine. Die Gorch Fock I begründete eine Schiffsklasse, die insgesamt sechs Schiffe umfasste, darunter auch das jüngste 1958 gebaute Schwesterschiff und derzeitige Segelschulschiff der Deutschen Marine.

Als die ursprüngliche Gorch Fock der Marine sanierungsbedürftig wurde, wurde der rumänische Großsegler "Mircea" übergangsweise als Ausbildungsschiff für die angehenden Offiziere der Deutschen Marine eingesetzt. Es ist ein fast baugleiches Schwesterschiff der Gorch Fock.

Die Sanierung der Marine-Gorch Fock war ebenfalls von erheblichen Verzögerungen und Kostensteigerungen betroffen. Die Kosten für die Instandsetzung der Marine-Gorch Fock wurden mit bis zu 135 Millionen Euro kalkuliert. Am Ende war die Rede von einem faktischen Neubau – 95 Prozent des Schiffs sollte erneuert werden.

Laut einer Studie des Beschaffungsamts lägen die Kosten eines tatsächlichen Neubaus bei rund 170 Millionen Euro. Die Tauglichkeit der Studie wurde im Nachhinein in Frage gestellt. Ein späterer Prüfbericht belegte zudem, dass schon damals im Ministerium ein Abbruch der Sanierung thematisiert und die Werft als "bereits jetzt überfordert" bezeichnet wurde.

Kontroversen und Lehren aus dem Projekt

Die Sanierung der Gorch Fock war nicht ohne Kontroversen. Es gab Korruptionsvorwürfe, Vorwürfe der Vorteilnahme und der Schlampigkeit. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelte im Zusammenhang mit dem Wirtschaftskrimi um die "Gorch Fock".

Ein Problem war, dass die Tauglichkeit der Studie über die Kosten des Neubaus im Nachhinein in Frage gestellt wurde. Ein späterer Prüfbericht belegte zudem, dass schon damals im Ministerium ein Abbruch der Sanierung thematisiert und die Werft als "bereits jetzt überfordert" bezeichnet wurde. Informationen sollen jedoch vorenthalten worden sein.

Die Elsflether Werft, die ursprünglich mit der Sanierung beauftragt war, musste im Zuge von Unregelmäßigkeiten rund um die Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" Insolvenz anmelden. Die Bremer Lürssen-Werft kaufte später die insolvente Elsflether Werft. Der Kaufpreis soll bei 3,57 Millionen Euro liegen. Laut IG-Metall sollen alle 130 Beschäftigten übernommen werden.

Diese Erfahrungen zeigen, wie wichtig eine sorgfältige Planung, transparente Kommunikation und eine realistische Einschätzung der Kosten und des Arbeitsaufwands bei solchen Großprojekten sind.

Fazit

Die Sanierung der "Gorch Fock I" ist ein komplexes und anspruchsvolles Projekt, das erhebliche technische Herausforderungen und finanzielle Ressourcen erfordert. Das Schiff, das 1933 in Hamburg gebaut wurde und eine bewegte Geschichte hinter sich hat, wird derzeit auf der Stralsunder Volkswerft grundsanier. Dabei werden etwa 70 Quadratmeter Außenhaut getauscht und die Takelage erneuert.

Die Finanzierung erfolgt durch eine Kombination aus EU- und Landesfördermitteln sowie Eigenanteilen des Vereins Tall Ship Friends. Nach der Sanierung soll das Schiff als Museumsschiff im Stralsunder Stadthafen betrieben werden.

Die Sanierung bietet die Möglichkeit, ein wichtiges Stück deutscher Seefahrtsgeschichte zu erhalten und für zukünftige Generationen zugänglich zu machen. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie wichtig eine sorgfältige Planung und ein realistischer Zeitplan bei der Sanierung historischer Gebäude und Schiffe sind.

Die "Gorch Fock I" wird nach der Sanierung zwar nicht segelfähig sein, aber als Museumsschiff eine wichtige kulturelle Bedeutung haben. Langfristig ist jedoch eine weitere Finanzierung notwendig, um das Schiff wieder in einen segelfähigen Zustand zu versetzen.

Die Sanierung der "Gorch Fock I" ist somit nicht nur ein technisches, sondern auch ein kulturelles Projekt von Bedeutung, das dazu beiträgt, die maritime Geschichte Deutschlands lebendig zu erhalten.

Quellen

  1. n-tv.de - Sanierung der "Gorch Fock 1" - Außenhaut wieder komplett
  2. butenunbinnen.de - Gorch-Fock-Sanierung: Chronologie
  3. ndr.de - Sanierung der "Gorch Fock I" zieht sich hin
  4. gorchfock1.de - 13,5 Millionen Euro für Sanierung der Gorch Fock 1

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