Renovierung verstehen: Definitionen, Unterschiede und rechtliche Rahmenbedingungen

Einleitung

Im Bauwesen und in der Immobilienbranche existiert eine Vielzahl von Begriffen, die Maßnahmen an bestehenden Gebäuden beschreiben. Oft werden diese Begriffe synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Bedeutungen und Implikationen haben. Einer der am häufigsten verwendeten, aber auch am missverständlichsten verstandenen Begriffe ist die Renovierung. Die Unschärfe bei der Begriffsdefinition hat mehrere Gründe: Der Grad des Umbaus, gemessen am Umfang der zu erhaltenden Bausubstanz, reicht von kleinmaßstäblichen Reparaturen bis zu grundlegenden Kernsanierungen. Zudem resultieren die Eingriffe in die Bausubstanz aus unterschiedlichen Beweggründen – ästhetischen, technischen oder nutzungsspezifischen. Hinzu kommt eine traditionell ungenaue Wortwahl, die eine eindeutige, scharf abgegrenzte Zuordnung von Begriff zu Maßnahme unmöglich macht. Dieser Artikel klärt die Definition von Renovierung, grenzt sie von ähnlichen Begriffen ab und beleuchtet die rechtlichen Aspekte, insbesondere im Mietrecht.

Definition von Renovierung

Der Begriff Renovierung leitet sich vom lateinischen "renovare" und frühneuhochdeutschen "renovieren" ab und bedeutet "erneuern". Im Bauwesen bezeichnet Renovierung Maßnahmen zur Instandsetzung von Bauwerken, bei denen Schäden und Mängel aufgrund von Abnutzung durch den gewöhnlichen Gebrauch beseitigt werden. Das Ziel ist es, den ursprünglichen Stand der Nutzbarkeit wiederherzustellen oder einen besseren, dem aktuellen Stand der Technik bzw. aktuellen Bauvorschriften näheren oder entsprechenden Zustand zu schaffen. Letzteres wird bereits als Sanierung bezeichnet.

Im Gegensatz zur Sanierung fügt Renovierung dem Bestand nichts Neues hinzu oder tauscht Altes gegen Neues aus, sondern erhält durch fachgerechte "Pflege" den Wert und die Funktion des Bestandsgebauedes. Eine typische Renovierung erfolgt bei Mietobjekten und umfasst nach der Zweiten Berechnungsverordnung ausschließlich "Schönheitsreparaturen" – Tapezieren, Anstreichen oder Kalken der Wände und Decken, das Streichen der Fußböden, Heizkörper einschließlich Heizrohre, der Innentüren sowie der Fenster und Außentüren von innen.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Im Bauwesen existiert neben dem Begriff Sanierung eine Vielzahl weiterer Begriffe, die ähnliche oder gleiche Bedeutungen haben: Umbau, Instandsetzung, Modernisierung, Rückbau, Bauen im Bestand, Restaurierung, Rekonstruktion. Die Unterschiede zwischen diesen Begriffen sind oft fließend, lassen sich aber wie folgt abgrenzen:

Sanierung

Sanierung ist eine umfassendere Art der Renovierung, bei der in der Regel größere bauliche Veränderungen und Reparaturen vorgenommen werden, um den Zustand des Gebäudes zu verbessern. Während Renovierung oft eine kosmetische Aufwertung oder Modernisierung ohne größere bauliche Veränderungen darstellt, geht Sanierung über reine Instandhaltungsmaßnahmen hinaus und beinhaltet häufig auch die Anpassung an aktuelle technische Standards.

Modernisierung

Modernisierung bezieht sich auf Maßnahmen, die den Wohnwert oder die Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes verbessern, oft durch die Einführung neuer Techniken oder Standards. Dies kann die Installation einer neuen Heizung, die Modernisierung der Elektroinstallation oder die Verbesserung der Dämmung umfassen. Modernisierung ist in der Regel mit größeren Eingriffen in die Bausubstanz verbunden als eine einfache Renovierung.

Instandhaltung

Unter Instandhaltung versteht der Gesetzgeber "Kosten, die während der Nutzungsdauer zur Erhaltung des bestimmungsgemäßen Gebrauchs aufgewendet werden müssen, um die durch Abnutzung, Alterung und Witterungseinwirkung entstehenden baulichen oder sonstigen Mängel ordnungsgemäß zu beseitigen." Die kleinen Instandhaltungen umfassen nur das Beheben kleiner Schäden an den Installationsgegenständen für Elektrizität, Wasser und Gas, den Heiz- und Kocheinrichtungen, den Fenster- und Türverschlüssen sowie den Verschlussvorrichtungen von Fensterländern. Es ist wichtig zu beachten, dass versäumte Instandhaltungen gerade bei nicht einsehbaren Flächen wie zum Beispiel Flachdächern zu großen Schäden führen können.

Restaurierung

Restaurierung bedeutet die Fertigstellung eines unvollendeten Bauwerks. Der Begriff entstand in der Zeit der Romantik, als das Interesse an Kulturdenkmälern der Vergangenheit in den Blickpunkt rückte. Er wurde wesentlich durch den französischen Architekten und Kunsthistoriker Eugène Viollet-le-Duc geprägt, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts mittelalterliche Schlösser restaurieren ließ. Ebenso wurde der Kölner Dom nach fast 300 Jahren Baustillstand vollendet. Restaurierung ist der Rekonstruktion sehr ähnlich, nur dass bei ersterer noch Originalbauteile vorhanden sind, welche zeittypisch ergänzt werden. Ihre Nähe zur Rekonstruktion macht sie ähnlich umstritten: "Die Restaurierung ist eine Maßnahme, die Ausnahmecharakter behalten sollte. Ihr Ziel ist es, die ästhetischen und historischen Werte des Denkmals zu bewahren und zu erschließen. Sie gründet sich auf der Respektierung des überlieferten Bestandes und auf authentische Dokumente."

Rekonstruktion

Rekonstruktion als Entwurf bedeutet neben der Aufarbeitung der vorhandenen Quellen zum Originalgebäude auch eine künstlerische Nachahmung des Baustils einer gewissen Epoche durch den heutigen Architekten. Es ist also keine ausschließlich wissenschaftliche Aufgabe, sondern erfordert auch gestalterische Fähigkeiten.

Rechtliche Aspekte der Renovierung

Renovierung im Mietrecht Deutschlands

Im Mietrecht ist Renovierung ein Synonym für Schönheitsreparaturen (Tapezieren, Streichen). Die Durchführung ist nach den in Deutschland üblichen vorgedruckten Mietverträgen meist Sache des Mieters. Allerdings ist nach höchstrichterlicher Rechtsprechung diese Standardklausel für reine Instandsetzungsarbeiten (Reparaturen) nicht zulässig, mit Ausnahme bei Kleinreparaturen.

Kleinreparaturen sind geringfügige, bauliche Maßnahmen, die ohne wesentliche Beeinträchtigung der Mieter zu erbringen sind und deren Kosten eine bestimmte Höhe nicht überschreiten. Dazu gehören typischerweise das Austauschen von defkten Armaturen, das Austauschen von defkten Glühbirnen, das Schließen kleiner Löcher in Wänden oder das Austauschen von beschädigten Schlössern.

Renovierung im Mietrecht Österreichs

In Österreich gilt laut Mietrecht, dass reversible Veränderungen, die der Mieter in der Wohnung vornimmt, auch ohne Einholung des Vermieters erlaubt sind. Diese Änderungen beziehen sich vorwiegend auf Wohnungsoberflächen, wo es irrelevant ist, ob das Mietobjekt vollumfänglich, teilweise oder gar nicht unter das besagte Mietrechtsgesetz fällt. Bei teilweiser oder nicht vorhandener Anwendung des Mietrechtsgesetzes (MRG) fällt das Ganze in den Zuständigkeitsbereich des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB).

Praktische Aspekte der Renovierung

Renovierung bei Auszug

Wenn eine Person aus einer Wohnung oder einem Haus auszieht, ist es üblich, dass sie eine Renovierung durchführt, bevor sie den Schlüssel zurückgibt. Dies kann notwendig sein, um Schäden zu beheben, die durch den normalen Gebrauch verursacht wurden, oder um das Gebäude in einen ansprechenden Zustand für den nächsten Mieter oder Besitzer zu versetzen. Es ist wichtig, die Anforderungen des Vermieters oder des Verkäufers zu kennen, um sicherzustellen, dass die Renovierung den Anforderungen entspricht.

Zeitbasierte Renovierungsbedürfnisse

Nach 30 Jahren kann es notwendig sein, bestimmte Elemente des Gebäudes zu sanieren oder zu erneuern, um den Zustand des Gebäudes zu erhalten oder zu verbessern. Dies kann beispielsweise das Dach, die Fassade, die Elektrik oder die Heizung betreffen. Die Lebensdauer dieser Bauteile variiert je nach Material und Qualität:

Bauteil Typische Lebensdauer
Dach 30-50 Jahre
Fassade 40-80 Jahre
Fenster 25-40 Jahre
Heizung 20-30 Jahre
Elektrik 30-40 Jahre

Wichtige Aspekte bei der Renovierung bestimmter Bereiche

Dachrenovierung

Bei einer Renovierung des Daches ist es wichtig, dass das Dach auf seine Funktionalität und Stabilität überprüft wird. Ein undichtes Dach kann zu Schäden im Inneren des Gebäudes führen. Außerdem ist es wichtig, dass das Dach den aktuellen Anforderungen an den Wärmeschutz und die Dämmung entspricht. Eine fachgerechte Dachrenovierung beinhaltet in der Regel die Überprüfung und gegebenenfalls den Austausch von Dachziegeln, die Kontrolle und Abdichtung von Anschlüssen, die Überprüfung der Dachdämmung und die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Entwässerung.

Fassadenrenovierung

Die Fassade ist das äußere Erscheinungsbild eines Gebäudes und spielt eine wichtige Rolle für den Wärmeschutz. Bei einer Renovierung sollte daher auf eine ordnungsgemäße Dämmung geachtet werden. Außerdem ist es wichtig, dass die Fassade den aktuellen Anforderungen an den Brandschutz und den Schallschutz entspricht. Eine Fassadenrenovierung kann das Streichen, Verputzen oder das Anbringen von Fassadenelementen umfassen, je nach Material und Zustand der bestehenden Fassade.

Fensterrenovierung

Fenster sind ein wesentlicher Bestandteil der Gebäudehülle und beeinflussen sowohl den Wärmeschutz als auch den Schallschutz erheblich. Bei der Renovierung von Fenstern ist es wichtig, auf eine gute Dichtigkeit zu achten, um Wärmeverluste und Zugluft zu vermeiden. Gleichzeitig sollte auf eine angemessene Schalldämmung geachtet werden, besonders in belebten Gebieten. Bei älteren Fenstern kann eine Renovierung das Austauschen von Dichtungen, das Lackieren oder das Ersetzen von beschädigten Teilen umfassen.

Heizungsrenovierung

Die Heizung ist ein zentrales System im Gebäude und hat erheblichen Einfluss auf den Energieverbrauch und den Wohnkomfort. Bei einer Renovierung der Heizung sollte geprüft werden, ob das System noch den aktuellen technischen Standards entspricht und ob eine Modernisierung, wie zum Beispiel der Einbau einer Thermostatregelung oder der Austausch alter Heizkörper, sinnvoll ist. Eine effiziente Heizungsanlage kann nicht nur die Wohnkomfort verbessern, sondern auch die Energiekosten deutlich senken.

Fazit

Renovierung ist ein zentraler Begriff im Bauwesen, der sich von ähnlichen Begriffen wie Sanierung, Modernisierung oder Instandhaltung durch den Fokus auf die Erhaltung des Bestands ohne grundlegende bauliche Veränderungen unterscheidet. Renovierungsmaßnahmen dienen dazu, den ursprünglichen Zustand der Nutzbarkeit wiederherzustellen oder einen dem aktuellen Stand der Technik entsprechenden Zustand zu schaffen.

Rechtlich gesehen ist Renovierung im Mietrecht insbesondere mit den Konzepten der Schönheitsreparaturen und Instandhaltung verbunden. In Deutschland sind nach höchstrichterlicher Rechtsprechung Standardklauseln in Mietverträgen, die dem Mieter die reine Instandsetzung auferlegen, nicht zulässig. In Österreich hingegen dürfen Mieter reversible Veränderungen an Wohnungsoberflächen ohne Einholung des Vermieters vornehmen.

Praktisch gesehen ist eine Renovierung oft bei Auszügen nach längerem Gebrauch notwendig, um Schäden zu beheben und das Gebäude für den nächsten Nutzer in einen guten Zustand zu versetzen. Nach etwa 30 Jahren Lebensdauer können bestimmte Bauteile wie Dach, Fassade, Fenster oder Heizung eine umfassende Renovierung benötigen, um die Funktionalität und den Wert des Gebäudes zu erhalten.

Die klare Abgrenzung von Renovierung zu anderen Baumassnahmen ist nicht nur aus juristischer Sicht wichtig, sondern auch für die korrekte Planung und Kalkulation von Bauvorhaben. Eine präzise Begrifflichkeit hilft Missverständnissen zwischen Auftraggebern, Planern und ausführenden Unternehmen vorzubeugen und die Erwartungen aller Beteiligten an den Umfang und das Ergebnis der Maßnahme in Einklang zu bringen.

Quellen

  1. Renovierung - Wikipedia
  2. Renovierung bei Auszug - Interhyp
  3. Renovierung - Definitionen und Begriffe - Jansen

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