Zukunftsanpassung und Sanierung des Meerwasser-Hallenwellenbads Hooksiel

Einleitung

Das Meerwasser-Hallenwellenbad in Hooksiel, eine zentrale Einrichtung für die touristische und lokale Infrastruktur der Gemeinde Wangerland, befindet sich derzeit in einem kritischen Transformationsprozess. Nach über 40 Jahren Betrieb steht das traditionsreiche Schwimmbad vor erheblichen baulichen Herausforderungen, die eine umfassende Sanierung erforderlich machen. Gleichzeitig durchläuft die Betreibergesellschaft, die insolvente Wangerland Touristik GmbH (WTG), ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung, das die Zukunft des gesamten Areals entscheidend beeinflussen wird. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Renovierungsarbeiten, die technischen Herausforderungen sowie die Zukunftsperspektiven für die bedeutende Sport- und Freizeiteinrichtung.

Historische Entwicklung und aktuelle Herausforderungen

Das Meerwasser-Hallenwellenbad in Hooksiel ist eine über 40 Jahre alte Anlage, die im Laufe der Zeit erhebliche Alterungserscheinungen aufweist. Laut Hallenbad-Leiter Ralf Kröner haben Salzwasser, Chlor und aggressive Luft im Laufe der Zeit das Mauerwerk, die Pumpen und Leitungen stark in Mitleidenschaft gezogen. "Hier rostet immer etwas," beschreibt Kröner das ständige Problem der Korrosion und Materialermüdung.

Diese Herausforderungen sind bei Meerwasser-Schwimmbädern keine Seltenheit. Die Kombination aus Salzwasser, Chlor und Sauerstoff in der Luft führt zu einem stark korrosiven Umfeld, das spezielle Materialanforderungen an die gesamte Bausubstanz stellt. Bei älteren Anlagen, die nicht von Anfang an auf diese Belastungen ausgelegt waren, zeigen sich besonders deutlich die Folgen dieser chemischen und physikalischen Prozesse.

Das Bad musste am 11. November 2024 vorübergehend geschlossen werden, um dringend notwendige Sanierungsarbeiten durchzuführen. Diese Schließung fiel in eine sensible Zeit, direkt in die niedersächsischen Herbstferien, was zu erheblichen Bedenken in der Gemeinde und im Tourismusgewerbe führte. Der neu gegründete Fremdenverkehrsverein Wangerland äußerte Sorgen vor kurzfristigen Umsatzeinbußen und langfristigen Schäden für die Region.

Umfangreiche Sanierungsarbeiten

Die Sanierungsarbeiten, die nach der Schließung des Bads im November 2024 begannen, konzentrierten sich auf mehrere kritische Bereiche. Für den Laien am auffälligsten war die Arbeit am großen Schwimmbecken, das vorübergehend weitgehend geleert wurde. Hier wurden in den vergangenen Tagen sämtliche Fugen neu mit Silikon abgedichtet, um das Eindringen von Wasser in die Bausubstanz zu verhindern und die Dichtigkeit des Beckens wiederherzustellen.

Parallel dazu wurde eine völlig neue Wasserzufuhr installiert. Das System nutzt nun das natürliche Angebot der Nordsee: Über eine 600 Meter lange Pipeline wird Wasser während der Hochwasserzeiten aus der Jade gesaugt. Dieses gelangt zunächst zu einem Gebäude am FKK-Strand und wird von dort über eine weitere 2,7 Kilometer lange Pipeline zum Hallenbad gepumpt. Bei normaler Wetterlage erreicht das Bad je Hochwasser zwischen 20 und 60 Kubikmeter Meerwasser. Bei ablandigem Wind und Sturm sind die Mengen geringer – so konnten beispielsweise an einem Tag nur 15 Kubikmeter eingespeist werden.

Das Wasser wird dabei nicht direkt in das Becken in der Schwimmhalle gesaugt. Es gelangt zunächst in verschiedene Zwischenbehälter, bevor es über unzählige Rohrleitungen durch zwei Filteranlagen läuft und schließlich ins Becken gepumpt wird. Dieser mehrstufige Prozess ist notwendig, um das Wasser zu filtern und aufzubereiten, bevor es den Badegästen zur Verfügung gestellt wird.

Die Wiederbefüllung des 1100 Kubikmeter fassenden Beckens – was etwa 9166 Badewannen à 120 Liter entspricht – ist ein langwieriger Prozess. Zweimal täglich, jeweils 2,5 Stunden vor und 2,5 Stunden nach Hochwasser, wird Meerwasser angesaugt. Bis zum geplanten Wiedereröffnungstermin am Montag, 16. Dezember 2024, sollte das Becken jedoch vollständig gefüllt sein.

Soziale und wirtschaftliche Bedeutung

Die Schließung des Hallenwellenbads hatte erhebliche Auswirkungen auf verschiedene Nutzergruppen. Die DLRG-Ortsgruppe und die Schulen waren von der Schließung des einzigen Hallenbads der Gemeinde besonders betroffen. Bürgermeister Mario Szlezak (SPD) stellte zwar klar, dass das Schulschwimmen weiterhin gesichert sei und er im Austausch mit den Grundschulen und der DLRG stehe, "dass wir die notwendigen Schwimmzeiten organisieren können", doch die Unsicherheit über die Zukunft der Einrichtung war für viele Nutzer belastend.

Auch für den Tourismus in der Region ist das Hallenbad von großer Bedeutung. Die Hoteliers in der Gemeinde Wangerland fürchteten, dass Gäste wegbleiben und auf andere Ferienorte ausweichen würden. Der neu gegründete Fremdenverkehrsverein Wangerland rechnete mit kurzfristigen Umsatzeinbußen und langfristigen Schäden für das gesamte Wangerland.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Einrichtung wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass die Wangerland Touristik GmbH trotz Insolvenz vorerst an der Öffnung des Bads festhält. Wie Geschäftsführer Torsten Riedel mitteilt, wurde entschieden, das Meerwasser-Hallenwellenbad vorerst geöffnet zu lassen, da sich erstmals eine belastbare Fortführungsoption abzeichnet. "Durch die vorerst gesicherte Öffnung bleiben auch die Trainingszeiten der DLRG sowie das Schulschwimmen erhalten," so Riedel weiter. Es ist zudem vorgesehen, dass diese im Falle einer erfolgreichen Übernahme vom zukünftigen Investor mit übernommen werden.

Zukunftsperspektiven: Verkauf und Neuausrichtung

Die Wangerland Touristik GmbH geht im Rahmen ihres Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung einen entscheidenden Schritt in Richtung nachhaltiger Zukunftsgestaltung. Die WTG hat ein ergebnisoffenes Interessenbekundungsverfahren für das Grundstück "Zum Hallenbad 2" in Hooksiel gestartet. Das Areal umfasst das derzeit stillgelegte Meerwasser-Hallenwellenbad, einschließlich der zugehörigen Gebäude und Ausstattung. Die Grundstücksfläche beträgt rund 20.800 Quadratmeter und ist im geltenden Bebauungsplan als Sondergebiet "Freizeitanlagen" ausgewiesen.

"Unser Ziel ist es, einen Investor zu gewinnen, der das Wangerland langfristig bereichert und neue Impulse für die touristische Entwicklung setzt", erklärt Torsten Riedel, Geschäftsführer der WTG. Das Bieterverfahren läuft bis zum 03. November 2025. Interessenten sollen beschreiben, was sie mit dem Schwimmbad vorhaben, ob sie es abreißen oder erhalten möchten. Sollte ein Investor ein Hotel oder Ferienwohnungen bauen wollen, müsste das jedoch noch genehmigt werden.

Anfang Dezember sollen dann konkrete Pläne der Interessenten vorliegen, aus denen deutlich wird, wie lange ein möglicher Umbau dauert, wie viel investiert wird und wie hoch die Kosten sind. Danach werde entschieden, wer den Zuschlag bekommt.

Bereits liegt laut Riedel ein belastbares – jedoch in dieser Phase noch nicht bindendes – Angebot zum möglichen Erwerb des Nordsee-Campingplatzes Hooksiel unter Weiterführung des Meerwasser-Hallenwellenbades eines namhaften Anbieters vor. Es besteht auch weiterhin die Möglichkeit, dass im weiteren Bieterverfahren noch zusätzliche Angebote eingehen werden.

Technische und wirtschaftliche Bewertung

Die vorübergehende Schließung und Sanierung des Hallenwellenbads in Hooksiel wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, mit denen ältere öffentliche Schwimmbadanlagen konfrontiert sind. Die Kombination aus Alterungserscheinungen, korrosiver Umweltbelastung und wirtschaftlichen Unsicherheiten stellt hohe Anforderungen an die Betreiber und Eigentümer.

Die Entscheidung, das Bad trotz Insolvenz der Betreibergesellschaft vorerst zu sanieren und offen zu halten, zeigt die hohe Priorität, die die Gemeinde der Einrichtung einräumt. Die soziale und wirtschaftliche Bedeutung übersteigt dabei rein betriebswirtschaftliche Erwägungen. Die Sicherung von Schulschwimmen und Rettungsschwimmausbildung sowie der Erhalt des Tourismusstandorts Wangerland sind zentrale Faktoren in dieser Entscheidung.

Die technischen Sanierungsmaßnahmen konzentrieren sich auf kritische Punkte wie die Abdichtung des Beckens und die Erneuerung der Wasserversorgung. Die neue Wasserzufuhr über eine Pipeline aus der Jade stellt eine interessante Lösung dar, die die Abhängigkeit von aufwändigen und teuren Meerwasserentsalzungsanlagen reduziert. Gleichzeitig zeigt die Notwendigkeit dieser aufwändigen Maßnahmen die Grenzen der Sanierbarkeit älterter Anlagen auf.

Fazit

Das Meerwasser-Hallenwellenbad in Hooksiel befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt. Die dringend notwendige Sanierung nach über 40 Jahren Betrieb stellt eine große Herausforderung dar, bietet aber auch die Chance für eine zukunftsfähige Neuausrichtung. Die Entscheidung, das Bad trotz der wirtschaftlichen Probleme der Betreibergesellschaft zu sanieren und offen zu halten, unterstreicht die hohe Priorität, die die Gemeinde der Einrichtung einräumt.

Die Zukunft des Hallenbads hängt nun entscheidend vom Investor ab, der im Rahmen des laufenden Verfahrens gefunden werden wird. Die Option der Weiterführung als Schwimmbad steht dabei im Wettbewerb mit anderen Nutzungskonzepten, die auf dem als "Freizeitanlagen" ausgewiesenen Grundstück möglich wären. Die hohe soziale und wirtschaftliche Bedeutung der Einrichtung für die Region spricht jedoch dafür, dass auch zukünftige Betreiber die Funktion als Schwimmbad oder zumindest als Teil eines größeren Freizeitkomplexes beibehalten werden.

Die vorübergehende Schließung hat die Verwundbarkeit der Infrastruktur deutlich gemacht, gleichzeitig aber auch die Solidarität und den Willen der Gemeinde gezeigt, diese wichtige Einrichtung zu erhalten. Die Wiedereröffnung am 16. Dezember 2024 wird ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung sein, der jedoch nur der Auftakt zu einem langfristigen Entwicklungsprozess sein kann.

Quellen

  1. Wangerland - Neues Interessenbekundungsverfahren eröffnet
  2. Tagesschau - Schwimmbad Hooksiel: Wangerland Touristik sucht Käufer
  3. Hooksiel-Life - Region im Hallenwellenbad Etappensieg gegen Salzwasser und Chlor
  4. Wangerland - Neue Perspektiven für das Meerwasser-Hallenwellenbad in Hooksiel
  5. NDR - Insolvenz durch Luxus-Spa: Schwimmbad in Hooksiel schließt
  6. NWZonline - Meerwasser-Hallenwellenbad in Hooksiel: Wiedereröffnung nach Revision und Investitionen

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