Hallenbad Sonnenberg: Sanierung oder Neubau - Nachhaltige Zukunft für Stuttgarter Schwimmbad

Einleitung

Das Hallenbad Sonnenberg in Stuttgart steht vor einem entscheidenden Wendepunkt in seiner Geschichte. Das 1976 eröffnete Schwimmbad, das über Jahrzehnte hinweg einen wichtigen Beitrag zum Sport- und Freizeitangebot der Stadt geleistet hat, befindet sich aufgrund seines Alters und seines Zustands vor einer grundlegenden Erneuerung. Nach eingehenden Untersuchungen hat sich die Stadt Stuttgart für einen vollständigen Neubau entschieden, anstatt eine aufwendige Sanierung des maroden Gebäudes durchzuführen. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe dieser Entscheidung, die gewonnene Architekturkonkurrenz und die Pläne für die zukünftige Gestaltung der Schwimmanlage.

Geschichte und aktueller Zustand des Hallenbads Sonnenberg

Das Hallenbad Sonnenberg wurde im Jahr 1976 eröffnet und repräsentiert den Baustil und die Funktionalitätsansprüche seiner Zeit. Es wurde als klassisches Funktionshallenbad konzipiert, das Schulen, Vereinen und der Öffentlichkeit gleichermaßen zur Verfügung stehen sollte. Bei seiner Eröffnung verfügte das Bad über ein attraktives Angebot, das aus vier Becken, einer Sprunganlage und einem bei Familien beliebten kleinen Variobecken mit Hubboden bestand. Ein kleiner Außenbereich ergänzte die Anlage und schuf zusätzliche Aufenthaltsqualität.

Das Bad erfüllt bis heute wichtige Funktionen für die Versorgung von Schulen, Vereinen und dem öffentlichen Badepublikum. Es dient als zentrale Schwimmstätte für die Einzugsgebiete S-Degerloch und S-Möhringen und wird auch von Familien aus der Stuttgarter Innenstadt frequentiert. Die Wasserbelegungszeiten und die Durchführung von Schwimmkursen sind fester Bestandteil des städtischen Sportangebots.

Trotz seiner Bedeutung befindet sich das Gebäude in einem desolaten Zustand. Selbst nach einer Sanierung im Jahr 2017 sind sowohl die bautechnischen als auch die gebäudetechnischen Anlagen in einem sehr schlechten Zustand. Die technischen und badewasserspezifischen Anlagen sind komplett zu erneuern. Längst haben sich auch die Anforderungen an die Hygiene, die Barrierefreiheit und die Energieeffizienz verändert, die mit dem Bau aus den 1970er Jahren nicht mehr erfüllt werden können.

Besonders kritisch ist der Zustand der Umkleiden und Sanitärräume, die als "ausgelaugt, wenig appetitilch anmutend" beschrieben werden. Die fehlende Attraktivität dieser Bereiche sowie des Spielbereichs hat dazu geführt, dass viele Badegäste, darunter auch regelmäßige Schwimmerinnen und Schwimmer, das Hallenbad meiden. Die Sauberkeit und Reinheit, die in einem Schwimmbad unerlässlich sind, wird als nicht mehr gegeben empfunden. Auch die Ausstattung mit Handtuch-Haltern und Ablagen entspricht nicht mehr den Anforderungen der Badegäste.

Entscheidung für Neubau statt Sanierung

Im Jahr 2020 wurde eine umfassende Voruntersuchung durchgeführt, um die wirtschaftliche Vergleichbarkeit einer Generalsanierung mit einem vollständigen Neubau zu bewerten. In diese Untersuchung wurden nicht nur die reinen Baukosten, sondern auch die Anforderungen an die Klimabilanz des Gebäudes einbezogen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung waren entscheidend für die weitere Planung des Projekts.

Die Analyse zeigte, dass die Mehrkosten für einen Ersatzneubau im Vergleich zu einer umfassenden Sanierung nicht wesentlich höher ausfallen würden. Dies lag vor allem an dem hohen Sanierungsaufwand, der bei einem Gebäude in diesem Zustand notwendig wäre. Ein vollständiger Neubau bietet darüber hinaus entscheidende Vorteile: Die Bauzeit und die Kosten sind genauer kalkulierbar, und es besteht die Möglichkeit, ein zukunftsweisendes Energiekonzept uneingeschränkt umzusetzen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Berücksichtigung der Klimaziele der Stadt Stuttgart. Ein Neubau ermöglicht die Implementation modernster Technologien im Bereich der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, die bei einer Sanierung nur begrenzt realisierbar wären. Die Entscheidung fiel daher zugunsten eines Ersatzneubaus, der sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch die sinnvollere Lösung darstellt.

Die in der Voruntersuchung geschätzten Kosten betrugen rund 38,7 Millionen Euro (Stand: 2021). Diese Summe wird im weiteren Verlauf der Planung noch final berechnet, gibt aber bereits eine gute Orientierung für das Budget des Projekts.

Der Architektenwettbewerb

Um die beste städtebauliche, architektonische, freiräumliche sowie wirtschaftlich und funktionale Lösung für den Ersatzneubau zu finden, schrieb die Stadt Stuttgart einen nicht offenen Realisierungswettbewerb aus. Bei diesem Verfahren handelt es sich um ein VgV-Verfahren (Vergabeordnung über die Vergabe im öffentlichen Auftrag) mit architektonischem Realisierungswettbewerb.

Insgesamt nahmen 20 Büros am Wettbewerb teil, was die hohe Attraktivität des Projekts und das Interesse an der Gestaltung dieses wichtigen öffentlichen Baus unterstreicht. Die Jury, bestehend aus Fachleuten, Vertretern des Gemeinderats und der Verwaltung, tagte am 7. Mai 2025 unter dem Vorsitz von Frau Professor Christa Reicher von der Fakultät für Architektur der RWTH Aachen. Die Besetzung der Jury mit hochkarätigen Fachexperten und politischen Vertretern gewährleistete eine umfassende Bewertung der eingereichten Entwürfe aus verschiedenen Perspektiven.

Die Wettbewerbsaufgabe umfasste den Neubau eines Funktionshallenbads mit zwei 25-Meter-Schwimmbecken, ein Sprungbecken für Einzel- und Synchronspringen sowie ein Kinder- und Planschbecken. Besonderes Augenmerk lag auf der akustischen Trennung der Bereiche, um einen parallelen ganzjährig an allen Wochentagen stattfindenden Betrieb von Schul- und Vereinssport sowie öffentlichen Badepublikum zu ermöglichen.

Das Projekt wird mit der BIM (Building Information Modeling)-Methode geplant und ausgeführt. Diese moderne Arbeitsmethode ermöglicht eine präzise Planung, Kollisionsvermeidung und effiziente Abstimmung aller am Bau Beteiligten. Die Bewerbung als Arbeitsgemeinschaft (ARGE) war bei diesem Wettbewerb möglich, was auch von einigen Teilnehmenden genutzt wurde, um ihre Kompetenzen zu bündeln.

Der Siegerentwurf von a+r Architekten

Der erste Preis des Wettbewerbs ging an das Stuttgarter Architekturbüro a+r Architekten GmbH. Der Entwurf überzeugte die Jury durch seine klare Struktur, nachhaltige Bauweise und gelungene Einbindung in die Umgebung. Professorin Reicher, Vorsitzende der Jury, betrug: "Der erste Preis für das Hallenbad Sonnenberg geht äußerst überzeugend und kreativ mit den Herausforderungen um, indem der Ersatzneubau sich gut in die Nachbarschaft einfügt, eine attraktive 'Wasserlandschaft' im Inneren schafft und die Zukunftsaspekte des Bauens klug in den Entwurf integriert."

Der Siegerentwurf zeichnet sich durch eine klare Gebäudestruktur aus, bestehend aus zwei riegelförmigen Baukörpern und einem gemeinsamen Eingangsbereich für Schulen und Vereine sowie das öffentliche Badepublikum. Diese Organisation des Grundrags ermöglicht eine effiziente und zugleich benutzerfreundliche Trennung der verschiedenen Nutzergruppen, ohne das Bad in isolierte Bereiche zu zersplittern.

Das Gebäude verzahnt sich fließend mit der Umgebung und reagiert angemessen sowohl auf die Innen- als auch auf die Außenraumanforderungen. Die Materialwahl trägt zur Nachhaltigkeit bei: Mit einer klaren Holzbaukonstruktion im Badebereich und Recyclingbeton im Untergeschoss entspricht der Beitrag von a+r Architekten den hohen klimapolitischen Zielen der Stadt Stuttgart. Die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen im sichtbaren Bereich und Recyclingmaterial im nicht sichtbaren Bereich zeigt einen durchdachten und verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.

Besonders hervorzuheben ist das durchdachte Energiekonzept des Entwurfs, das den Betrieb des Schwimmbads nachhaltig gestaltet und langfristig Betriebskosten einsparen wird. Obwohl die konkreten technischen Details des Energiekonzepts in den vorliegenden Quellen nicht näher beschrieben werden, wird durch die Betonung dieses Aspekts deutlich, dass Nachhaltigkeit ein zentrales Kriterium bei der Bewertung der Wettbewerbsbeiträge war.

geplante Ausstattung des neuen Hallenbads

Der neue Hallenbad Sonnenberg wird den Anforderungen eines modernen Schwimmbads gerecht werden und ein breites Spektrum an Angeboten für verschiedene Nutzergruppen bereithalten. Die Planung sieht vor, zwei 25-Meter-Schwimmbecken zu realisieren, die sowohl für den Schul- und Vereinssport als auch für den öffentlichen Betrieb genutzt werden können. Diese Becken werden mit den notwendigen Startblöcken ausgestattet sein, um einen regelkonformen Schwimmsportbetrieb zu ermöglichen.

Ein separates Springerbecken für Einzel- und Synchronspringen rundet das Sportangebot ab. Dieses Becken wird über die erforderlichen Sprungbretthöhen (5m, 3m und 1m) verfügen, um den Anforderungen des modernen Wassersports gerecht zu werden. Der Bereich für das Springerbecken wird akustisch von den anderen Bereichen getrennt, um den parallelen Betrieb verschiedener Nutzergruppen zu ermöglichen.

Besonderes Augenmerk wird auf die Familienfreundlichkeit des neuen Bads gelegt. Ein Kinder- und Planschbecken bietet den kleinsten Badegästen eine sichere und ansprechende Umgebung zum Plantschen und Schwimmen lernen. Auch dieser Bereich wird akustisch vom restlichen Bad getrennt, um die Ruhe für die Sportler zu gewährleisten.

Die Trennung der Bereiche ist ein zentrales Element der Planung, um einen effizienten Betrieb des Hallenbads zu ermöglichen. Durch die akustische Trennung können Schulen und Vereine gleichzeitig mit dem öffentlichen Badepublikum das Bad nutzen, ohne sich gegenseitig zu stören. Dies ist insbesondere wichtig, um die hohe Auslastung des Bades, wie sie in der Vergangenheit bereits bestand, auch in Zukunft sicherzustellen.

Zeitplan und Umsetzung

Die Realisierung des neuen Hallenbads Sonnenberg ist für den Zeitraum von 2029 bis 2032 geplant. Dieser Zeitplan berücksichtigt die notwendigen Planungsphasen, Ausschreibungsverfahren und die eigentliche Bauphase. Die lange Vorlaufzeit ist notwendig, um die komplexen Anforderungen des Projekts, insbesondere im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele und die BIM-Planungsmethode, umsetzen zu können.

Die Projektrealisierung erfolgt auf Basis des bereits durchgeführten Wettbewerbs, bei dem a+r Architekten den ersten Preis gewonnen haben. In den kommenden Jahren wird das gewählte Architekturbüro die Planung vertiefen und die Details des Entwurfs ausarbeiten. Dabei wird die BIM-Methode konsequent eingesetzt, um eine präzise und fehlerfreie Planung zu gewährleisten.

Die Baukosten werden voraussichtlich im Bereich von rund 38,7 Millionen Euro liegen (Stand: 2021). Diese Summe wird im weiteren Verlauf der Planung noch final berechnet und angepasst. Die Stadt Stuttgart muss für dieses Projekt erhebliche Mittel bereitstellen, steht dabei aber vor der Herausforderung, angesichts allgemeiner Sparmaßnahmen im Haushalt die notwendigen Finanzen zu mobilisieren.

Bedeutung für Stuttgart

Das Hallenbad Sonnenberg hat für die Stadt Stuttgart eine besondere Bedeutung, die weit über die reine Sportfunktion hinausgeht. Es ist ein wichtiger Bestandteil der Infrastruktur für die Stadtteile Degerloch und Möhringen und wird auch von Bewohnern weiter entfernter Stadtteile genutzt. Die Anbindung des Bades an den Schul- und Vereinssport macht es zu einem unverzichtbaren Standort für die sportliche Ausbildung von Kindern und Jugendlichen.

Familienfreundlichkeit ist ein zentrales Anliegen der Stadt Stuttgart, und ein intaktes Hallenbad ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Versprechens. Das neue Hallenbad Sonnenberg wird nach Fertigstellung einen modernen, sauberen und ansprechenden Rahmen für gemeinsame Freizeitaktivitäten von Familien bieten. Die Berücksichtigung der Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen und Nutzergruppen stellt sicher, dass das Bad für die gesamte Bevölkerung attraktiv bleibt.

Auch für ältere Mitbürger ist das Hallenbad eine wichtige Einrichtung, die Gesundheitsvorsorge und soziale Teilhancement ermöglicht. Die Planung berücksichtigt auch die Bedürfnisse dieser Nutzergruppe, etwa durch spezielle Schwimmzeiten ohne Kinderbetrieb oder barrierefreie Zugänge.

Fazit

Der Neubau des Hallenbads Sonnenberg ist ein notwendiges und zukunftsweisendes Projekt für Stuttgart. Die Entscheidung gegen eine Sanierung und für einen vollständigen Neubau basiert auf einer fundierten wirtschaftlichen Analyse und den Möglichkeiten, moderne Nachhaltigkeitsstandards umzusetzen. Der Siegerentwurf von a+r Architekten überzeugt durch seine klare Struktur, nachhaltige Materialwahl und die gelungene Integration in die Umgebung.

Das neue Hallenbad wird nicht nur die technischen Mängel des alten Bades beheben, sondern auch die Anforderungen an moderne Schwimmbäder erfüllen. Die Trennung der Bereiche für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit ermöglicht einen effizienten Betrieb, während die familienfreundliche Ausstattung das Bad zu einem attraktiven Freizeitzentrum macht.

Die Realisierung des Projekts in den Jahren 2029 bis 2032 wird die städtische Infrastruktur nachhaltig verbessern und den Bürgerinnen und Bürgern von Stuttgart sowie den umliegenden Stadtteilen eine hochwertige Sport- und Freizeiteinrichtung bieten. Angesichts der Bedeutung des Bades für die Sportförderung und die Familienfreundlichkeit der Stadt ist der Neubau eine wichtige Investition in die Lebensqualität Stuttgarts.

Quellen

  1. Stadtweit: Hallenbad Sonnenberg
  2. Neubau Hallenbad Sonnenberg: Stuttgart prämiert nachhaltigen Entwurf
  3. Neubau Hallenbad Sonnenberg Stuttgart: Wettbewerbsergebnis
  4. Bürgerhaushalt Stuttgart: Vorschlag Hallenbad Sonnenberg
  5. Stuttgarter Zeitung: Hallenbad Sonnenberg - Wettbewerb entschieden, aber ist überhaupt Geld vorhanden?

Ähnliche Beiträge