Einleitung
Die Hamburger Kunsthalle, eines der bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands, befindet sich derzeit in einer umfassenden Sanierungsphase, die sowohl den Erhalt ihrer wertvollen Kunstbestände als auch den Klimaschutz zum Ziel hat. Das Projekt, das bis 2027 abgeschlossen sein soll, konzentriert sich insbesondere auf die energetische Modernisierung der Oberlichter in der Lichtwark-Galerie und des Glasdachs über dem Ausstellungsbereich im 3. Obergeschoss der Galerie der Gegenwart. Diese Maßnahmen sollen nicht nur die Bedingungen für die Präsentation und Erhaltung der Kunstwerke erheblich verbessern, sondern auch den Energieverbrauch des Gebäudes deutlich senken. Die Sanierung ist Teil einer langfristigen Strategie des Museums, Nachhaltigkeit und Betriebsökologie voranzutreiben, wie es auch im Rahmen der bundesweiten Initiative "Elf zu Null – Hamburger Museen handeln" praktiziert wird.
Hintergrund und Kontext
Die Hamburger Kunsthelle engagiert sich bereits seit mehreren Jahren für mehr Nachhaltigkeit in ihren Betriebsabläufen. Seit 2019 konnte das Museum seinen Stromverbrauch um über 30 Prozent senken, was durch Modernisierungen an den Klima- und Kälteanlagen erreicht wurde. Diese Anlagen sind für den größten Anteil des Stromverbrauchs des Museums verantwortlich. Das Engagement des Hauses wurde durch die Aufnahme in die bundesweit einmalige Initiative "Elf zu Null – Hamburger Museen handeln" gewürdigt, bei der elf Museen, Ausstellungshäuser und Gedenkstätten die Themen Nachhaltigkeit und Betriebsökologie angehen. Die Initiative war wesentlich an der Entwicklung eines neuen bundesweiten Klimabilanzstandards für den Kulturbereich beteiligt, der mithilfe eines CO2-Rechners Emissionen einheitlich messbar und bundesweit vergleichbar macht.
Prof. Dr. Alexander Klar, Direktor der Hamburger Kunsthalle, betont die Bedeutung des Projekts: "Die wechselnden Farben des Tageslichts in unseren Galerien zu sehen, gehört zu den besonderen Charakteristika der Hamburger Kunsthalle. Die Sanierung ermöglicht es uns, die Schönheit des Tageslichtmuseums mit den höchsten konservatorischen Standards zu verbinden und zugleich unseren CO2-Fußabdruck weiter deutlich zu verringern."
Umfang der Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierungsmaßnahmen konzentrieren sich auf zwei z Bereiche des Kunstmuseums:
Lichtwark-Galerie: Hier werden die Oberlichter energetisch saniert. Die Maßnahmen zielen darauf ab, Wärmeverluste in den Wintermonaten und eine Aufheizung der Räume in den Sommermonaten zu reduzieren.
Galerie der Gegenwart: Das Glasdach über dem Ausstellungsbereich im 3. Obergeschoss wird ebenfalls energetisch saniert, um die gleichen Effekte wie in der Lichtwark-Galerie zu erreichen.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitplan der Arbeiten. Die Sanierung der Oberlichter in der Lichtwark-Galerie erfolgt schrittweise und wird voraussichtlich bis Winter 2026 abgeschlossen sein. Die Galerie der Gegenwart wird von Mitte April bis voraussichtlich Winter 2025 von außen eingerüstet. Diese Einrüstung wird nicht nur für die eigentlichen Sanierungsarbeiten genutzt, sondern auch für die Fassadenreinigung und für Renovierungsarbeiten an den seitlichen Fenstern des quadratischen Gebäudes.
Technische Aspekte der Sanierung
Die technischen Maßnahmen der Sanierung sind aufwendig und auf die spezifischen Bedürfnisse eines Kunstmuseums zugeschnitten. Ein zentraler Aspekt ist die Modernisierung der Wärmedämmung, die sowohl in den Winter- als auch in den Sommermonaten zu signifikanten Energieeinsparungen führen wird. Durch die Reduzierung von Wärmeverlusten im Winter und der Erwärmung der Räume im Sommer sinkt der Verbrauch für Heizenergie und Kälteerzeugung zur Klimatisierung der Ausstellungsräume erheblich. Dies führt direkt zu einem geringeren CO2-Ausstoß des Museums.
Ein weiteres wichtiges technisches Element ist der Einsatz einer speziellen Isolierverglasung mit innenliegendem dreidimensionalen Sonnenschutzraster. Diese Technologie ermöglicht eine Reduzierung des Lichteintrages in die Ausstellungsräume, ohne die ästhetische Qualität des natürlichen Lichts zu beeinträchtigen. Gleichzeitig werden die Anforderungen an Standards im Hinblick auf den Lichtschutz von Kunstwerken optimaler erfüllt. Dazu gehört insbesondere der Schutz vor schädigenden UV-Anteilen des Lichts, die für viele Kunstwerke eine große Gefahr darstellen.
Die Kombination dieser Maßnahmen verbessert die Bedingungen zum Erhalt der Kunstwerke erheblich und stellt gleichzeitig sicher, dass Besucher weiterhin die besondere Qualität des Tageslichts in den Galerien erleben können, die Prof. Dr. Alexander Klar als eines der besonderen Charakteristika der Hamburger Kunsthalle bezeichnet.
Vorteile der Sanierung
Die Sanierungsmaßnahmen der Hamburger Kunsthalle bieten mehrere entscheidende Vorteile:
Kunstschutz: Durch die verbesserte Isolierverglasung und den integrierten Sonnenschutz werden die Kunstwerke besser vor schädlichen Lichteinflüssen, insbesondere UV-Strahlung, geschützt. Dies trägt maßgeblich zur Erhaltung der wertvollen Sammlungen bei.
Energieeffizienz: Die Maßnahmen gegen Wärmeverluste und Überhitzung senken den Verbrauch für Heizenergie und Kälteerzeugung deutlich. Dies führt nicht nur zu Kosteneinsparungen, sondern reduziert auch den CO2-Ausstoß des Museums.
Klimaschutz: Die Reduzierung des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Die Hamburger Kunsthelle leistet damit einen aktiven Beitrag zu den Klimazielen der Stadt Hamburg und der Bundesregierung.
Museumsbetrieb während der Sanierung: Ein besonderes Merkmal des Projekts ist, dass die Kunsthalle während der gesamten Sanierungsphase mit allen Sammlungsbereichen und Ausstellungen geöffnet bleibt. Nur vereinzelte und wechselnde Räume der Sammlungspräsentation in der Lichtwark-Galerie werden temporär geschlossen sein, um die Arbeiten durchzuführen.
Erhalt des architektonischen Charakters: Die Sanierungsmaßnahmen sind darauf ausgelegt, die besondere Ästhetik der Räume, insbesondere die Qualität des Tageslichts, zu erhalten und zu verbessern, ohne den architektonischen Charakter zu beeinträchtigen.
Umsetzung und Öffentlichkeitsarbeit
Die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen erfolgt in enger Abstimmung mit verschiedenen Partnern. Die Sprinkenhof GmbH, eine städtische Gesellschaft, realisiert das Projekt gemeinsam mit der Hamburger Kunsthalle. Die Zusammenarbeit zwischen dem Museum und der städtischen Gesellschaft stellt sicher, dass sowohl die Anforderungen des Kunstschutzes als auch die technischen Standards für energetische Sanierungen erfüllt werden.
Ein besonderes Anliegen der Projektleitung ist die Kommunikation mit den Besuchern und der Öffentlichkeit. Die Kunsthalle betont ausdrücklich, dass das Museum während der gesamten Sanierungsphase geöffnet bleibt und alle Ausstellungen zugänglich sind. Nur in Ausnahmefällen müssen einzelne Bereiche temporär geschlossen werden. Diese Transparenz soll sicherstellen, dass Besucher die Veränderungen nachvollziehen können und sich nicht vom möglichen Baustellenbetrieb abschrecken lassen.
Zusätzlich zur reinen Information bietet die Kunsthalle spezielle Führungen und Formate an, um die Hintergründe der Sanierung und die Bedeutung von Klimaschutz im Kulturbereich zu vermitteln. Ein solches Format ist "Klima im Wandel", bei dem kulturgeschichtliche Wendepunkte im Denken über das Verhältnis von Mensch und Natur sowie sichtbare Veränderungen in der Landschaft und Gesellschaft thematisiert werden.
Finanzierung des Projekts
Die energetische Sanierung der Hamburger Kunsthalle wird durch verschiedene finanzielle Quellen gefördert, was die hohe Priorität unterstreicht, die das Projekt für die Stadt Hamburg und die Bundesregierung hat. Die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahmen belaufen sich auf 7,4 Millionen Euro, die sich aus folgenden Quellen zusammensetzen:
2,54 Millionen Euro aus Bundesmitteln, bereitgestellt durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen des Programms INK - Investitionen in nationale bedeutsame Kultureinrichtungen in Deutschland.
4,86 Millionen Euro von der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen des Mieter-Vermieter-Modells.
Diese Finanzierungsstruktur zeigt die enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Land bei der Umsetzung von Projekten von nationaler kultureller Bedeutung. Die Mittel werden gezielt eingesetzt, um sowohl den Erhalt der Kunstbestände als auch die Umsetzung von Klimaschutzzielen zu gewährleisten.
Fazit
Die energetische Sanierung der Hamburger Kunsthelle ist ein vorbildliches Projekt, das zeigt, wie der Erhalt von Kulturgütern mit modernen Klimaschutzzielen verbunden werden kann. Durch die Kombination von hochentwickelter Technologie wie Isolierverglasung mit integriertem Sonnenschutz und sorgfältiger Planung, die den Museumsbetrieb während der Sanierungsphase sicherstellt, gelingt es dem Haus, seine doppelte Mission zu erfüllen: die Bewahrung der Kunstschätze für zukünftige Generationen und die aktive Mitgestaltung des Klimaschutzes.
Das Projekt ist Teil einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie des Museums, die bereits jetzt sichtbare Erfolge vorweisen kann. Die seit 2019 erreichte Reduzierung des Stromverbrauchs um über 30 Prozent zeigt, dass das Engagement des Hauses nicht nur auf dem Papier existiert, sondern in konkrete Maßnahmen umgesetzt wird.
Die Sanierung der Oberlichter in der Lichtwark-Galerie und der Galerie der Gegenwart wird bis 2027 abgeschlossen sein und wird die Hamburger Kunsthalle nicht nur als Kunstort, sondern auch als Vorreiter für nachhaltiges Kulturfunktionieren etablieren. Das Projekt demonstriert, wie historische Bauten modernisiert werden können, ohne ihren charismatischen Charakter zu verlieren, und gleichzeitig einen Beitrag zur Lösung der globalen Herausforderungen des Klimawandels leisten.