Neubau statt Sanierung: Der Ersatz für das marode Hallenbad Sonnenberg in Stuttgart

Einleitung

Das Hallenbad Sonnenberg in Stuttgart, seit 1975 ein zentraler Ort für Schwimmen, Schul- und Vereinssport sowie Freizeitaktivitäten der Bevölkerung, steht vor einem entscheidenden Wandel. Nachdem das Gebäude trotz einer Sanierung im Jahr 2017 sowohl bautechnisch als auch gebäudetechnisch in einem sehr schlechten Zustand ist und die technischen sowie badewasserspezifischen Anlagen komplett erneuert werden müssten, hat die Stadt Stuttgart entschieden, das marode Gebäude nicht weiter zu sanieren, sondern durch einen Neubau zu ersetzen. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe des Projekts, den gestarteten Architekturwettbewerb und die ausgewählten Lösungskonzepte für die Zukunft des Hallenbads.

Der Zustand des Hallenbads Sonnenberg

Das Hallenbad Sonnenberg ist seit fast fünf Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil der städtischen Infrastruktur. Es bietet verschiedenen Nutzergruppen ein breites Angebot: Schüler, Vereine und die Öffentlichkeit nutzen die Einrichtungen für Sport und Freizeit. Die aktuelle Anlage umfasst ein 25-Meter-Mehrzweckbecken mit fünf Bahnen und Startblöcken, ein separates Springerbecken mit Sprunganlage (5m, 3m- und 1m-Brett), ein Nichtschwimmerbecken sowie einen kleinen Kinderbereich.

Trotz der Sanierung im Jahr 2017 befindet sich das Gebäude in einem desolaten Zustand. Die Bewertung der Fachexperten ist eindeutig: Eine weitere Sanierung wird als unwirtschaftlich angesehen. Die technischen Anlagen, insbesondere die badwasserspezifischen Einrichtungen, sind vollständig zu erneuern. Diese Einschätzung hat zur Konsequenz, dass das Bestandsgebäudem durch einen Neubau ersetzt werden soll.

Die aktuelle Nutzung des Bades zeigt seine Popularität bei der Bevölkerung. Es wird als "beliebtes Familienbad für Klein und Groß" beschrieben, das "harmonisch in die Landschaft eingefügt" ist. Neben dem öffentlichen Badebetrieb findet auch ein nicht-öffentlicher Betrieb für Schulen und Vereine statt, was die multifunktionale Bedeutung der Anlage unterstreicht.

Der Wettbewerb für den Ersatzneubau

Um die beste städtebauliche, architektonische, freiräumliche sowie wirtschaftlich-funktionale Lösung für den Neubau zu finden, wurde ein Realisierungswettbewerb im Rahmen eines VgV-Verfahrens (Vergabeordnung über die Vergabe von Liefer- und Dienstleistungen im öffentlichen Bereich) ausgeschrieben. Das besondere an diesem Projekt ist, dass es mit der BIM-Methode (Building Information Modeling) geplant und ausgeführt werden soll.

Die Wettbewerbsaufgabe umfasste den Neubau eines Funktionshallenbads mit zwei 25-Meter-Schwimmbecken, ein Sprungbecken für Einzel- und Synchronspringen sowie ein Kinder- und Planschbecken in akustisch getrennten Bereichen. Diese Anlage soll einen parallelen ganzjährig an allen Wochentagen stattfindenden Betrieb von Schul- und Vereinssport sowie öffentlichem Badepublikum ermöglichen.

Die Jury, bestehend aus Fachleuten, Vertretern des Gemeinderats und der Verwaltung, tagte unter dem Vorsitz von Professorin Christa Reicher von der Fakultät für Architektur der RWTH Aachen. In der Preisgerichtssitzung am 7. Mai wurden die Preisträger bekanntgegeben.

Der Siegerentwurf

Den ersten Preis erhielt das Stuttgarter Architekturbüro a+r Architekten GmbH. Der Entwurf überzeugte die Jury mit klaren Strukturen und nachhaltiger Bauweise. Laut Professorin Reicher geht der Siegerentwurf "äußerst überzeugend und kreativ mit den Herausforderungen um, indem der Ersatzneubau sich gut in die Nachbarschaft einfügt, eine attraktive 'Wasserlandschaft' im Inneren schafft und die Zukunftsaspekte des Bauens klug in den Entwurf integriert."

Die Besonderheiten des Siegerentwurfs liegen in seiner klaren Gebäudestruktur, die aus zwei riegelförmigen Baukörpern und einem gemeinsamen Eingangsbereich für Schulen, Vereine sowie das öffentliche Badepublikum besteht. Das Gebäude verzahnt sich fließend mit der Umgebung und reagiert angemessen sowohl auf die Innen- als auch auf die Außenraumanforderungen.

Besonders hervorzuheben ist die nachhaltige Bauweise des Entwurfs. Mit einer klaren Holzbaukonstruktion im Badebereich und Recyclingbeton im Untergeschoss entspricht der Beitrag den hohen klimapolitischen Zielen der Stadt Stuttgart. Ein durchdachtes Energiekonzept rundet das nachhaltige Konzept ab.

Weitere prämierte Entwürfe

Neben dem ersten Preis wurden weitere Auszeichnungen vergeben:

  • Der zweite Preis ging an Sacker Architekten GmbH aus Freiburg
  • Der dritte Preis wurde an Fritz Planung GmbH aus Bad Urach vergeben
  • Zwei Anerkennungen erhielten AEP Architekten Eggert Generalplaner mit Schulitz Architekten GmbH aus Stuttgart sowie Lehmann Architekten GmbH BDA-DWB aus Offenburg

Die prämierten Entwürfe wurden vom 13. bis 15. Mai im Sportbad NeckarPark und vom 21. Mai bis 8. Juni im Bürgerhaus Möhringen ausgestellt, um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, sich über die geplanten Neubauten zu informieren.

Finanzielle Rahmenbedingungen

Ein zentrales Problem des Projekts ist die Finanzierung. Für den Neubau des Hallenbads Sonnenberg werden mindestens 40 Millionen Euro benötigt. Dies stellt die Stadt Stuttgart vor eine besondere Herausforderung, da sie aufgrund von "Überlegungen zur Haushaltssicherung" sparen muss. Diese finanzielle Notlage wirft die Frage auf, ob und wann das Projekt tatsächlich realisiert werden kann.

Die Kombination aus hohen Baukosten und der Sparpolitik der Stadt macht die Zukunft des Hallenbad-Neubaus ungewiss. Obwohl der Wettbewerb entschieden ist und ein Siegerentwurf vorliegt, bleibt abzuwarten, ob die notwendigen Mittel bereitgestellt werden können.

Der aktuelle Betrieb des Hallenbads Sonnenberg

Während die Planungen für den Neubau laufen, bleibt das Hallenbad Sonnenberg für die Öffentlichkeit geöffnet. Die aktuelle Ausstattung umfasst:

  • Schwimmerbecken: 25,00 m × 12,50 m, Wassertiefe 1,35 m - 2,00 m, 26 °C
  • Springerbecken: 12,50 m × 10,60 m, Wassertiefe 3,80 m mit 1 m-, 3 m- und 5m-Plattform sowie 1 m- und 3 m-Sprungbrett
  • Nichtschwimmerbecken: 11,60 m × 10,00 m; 28 °C (unter der Woche aufgrund von Kursen nur eingeschränkt nutzbar)
  • Planschbecken: 3,00 m × 5,00 m, Wassertiefe 0,60 m
  • Kinderrutsche
  • Tischtennis

Die Öffnungszeiten variieren je nach Wochentag: - Montag-Dienstag: 13:00-19:00 Uhr - Mittwoch: 6:30-22:00 Uhr - Donnerstag: 7:00-22:00 Uhr - Freitag: 13:00-22:00 Uhr - Samstag: 7:00-19:00 Uhr - Sonntag: 8:00-17:00 Uhr

An Feiertagen wie Heiligabend, Weihnachten, Silvester, Neujahr, Heilige Drei Könige sowie Karfreitag bleibt das Bad geschlossen. Ein wichtiger Hinweis für Besucher: Der Einlassschluss ist eine Stunde vor Badeschluss, der Badeschluss selbst liegt 20 Minuten vor Schließung des Bades.

Aktuell ist die Männerdusche aufgrund technischer Probleme außer Betrieb, und auf die Knabendusche wird verwiesen.

Fazit

Das Hallenbad Sonnenberg steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Angesichts des desolaten baulichen Zustands und der Unwirtschaftlichkeit einer weiteren Sanierung hat sich die Stadt Stuttgart für einen Ersatzneubau entschieden. Ein Architekturwettbewerb hat mit dem Stuttgarter Büro a+r Architekten einen Siegerentwurf ermittelt, der durch nachhaltige Bauweise, innovative Gestaltung und gute Integration in die Umgebung überzeugt.

Dennoch bleibt die größte Herausforderung die Finanzierung des Projekts, das mit Kosten von mindestens 40 Millionen Euro veranschlagt ist. Angesichts der Haushaltsnotlage der Stadt ist ungewiss, wann und ob der Neubau tatsächlich realisiert werden kann. In der Zwischenzeit bleibt das marode Hallenbad für die Bevölkerung geöffnet und erfüllt weiterhin wichtige Funktionen für Sport, Freizeit und soziales Miteinander in Stuttgart.

Quellen

  1. Property Magazine
  2. Wettbewerbe Aktuell
  3. Stuttgart.de
  4. KRZBB
  5. Stuttgarter Zeitung
  6. Stuttgarter Bäder

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