Vom Brandruine zum Wallkontor: Die Neugestaltung des Bremer Wall nach dem Harms-Brand

Die Neugestaltung des Areals am Bremer Wall nach dem verheerenden Brand des Modehauses Harms im Jahr 2015 stellt ein bemerkenswertes Beispiel für Stadtentwicklung und Bauprojekte nach Katastrophen dar. Dieser Artikel beleuchtet die Ereignisse vom Brand über den Abriss bis zum Neubau und der Wiedereröffnung der Wallpassage neun Jahre später.

Der Brand und seine Folgen

Am 6. auf den 7. Mai 2015 zerstörte ein Großbrand das traditionsreiche Modehaus "Harms am Wall" in der Bremer Innenstadt. Die Brandursache blieb bis heute ungeklärt. Der Feuerinferno verursachte einen zweistelligen Millionenschaden und verwandelte die schicke Flaniermeile Am Wall stellenweise in eine vernarbte Stadtlandschaft mit lästigen Baugittern, verrußten Brandruinen, gesperrten Gehwegen und Fahrbahnen.

Die Geschichte des Gebäudes ist von rechtlichen Auseinandersetzungen geprägt. Hans Eulenbruch hatte das Modehaus F.H. Harms 2001 erworben. Sein Vermieter verkaufte die Gebäude jedoch 2009 an die Müller & Bremermann GmbH & Co. KG, was zu jahrelangen Streitigkeiten und Prozessen führte. Eulenbruch forderte erfolglos Sanierungen und behauptete, der Eigentümer wolle ihn aus dem Haus drängen. Nach dem Brand wurde Eulenbruch wegen schwerer Brandstiftung angeklagt, im März 2017 jedoch mangels Beweisen freigesprochen.

Der Abriss und die Neuplanung

Unmittelbar nach dem Brand stand die Innenstadt Bremens vor einer großen Herausforderung. Die Ruinen der Gebäude mit den Hausnummern 157 bis 161 stellten nicht nur ein Sicherheitsrisiko dar, sondern beeinträchtigten auch das Stadtbild und die commerzielle Nutzung der beliebten Einkaufsstraße.

Gleich nach Ostern 2015 rollten die Abrissbagger an und begannen mit dem Abbruch der drei Ruinen. Dies machte Platz für ein einziges neues Gebäude, das den Komplex "Wallkontor" bilden sollte. Die ursprünglichen Pläne sahen 5.500 Quadratmeter Fläche für Geschäfte und Büros hinter einer Naturstein-Fassade mit vielen Fenstern vor. Durch das Gebäude sollte eine neue Passage zur Museumsstraße führen, die Wall und Schüsselkorb miteinander verbinden.

Marco Bremermann, Geschäftsführer des Eigentümers Müller & Bremermann GmbH & Co. KG, äußerte sich damals: "2020 soll alles fertig sein. Wir wollen die Einschränkungen zeitlich möglichst kurz halten, bitten um Verständnis."

Der Bau des Wallkontors

Das neue Wallkontor entstand als modernes Bürogebäude mit einer hochwertigen Architektur, die das Ensemble am Wall ergänzen sollte. Senatsbaudirektorin Prof. Dr. Iris Reuther äußerte sich positiv: "Wir freuen uns, dass es gelungen ist, das Ensemble am Wall mit einer hochwertigen Immobilie zu ergänzen."

Das fertige Gebäude weicht jedoch von den ursprünglichen Plänen ab. Anstatt 5.500 Quadratmeter für Geschäfte und Büros, umfasst das neue Gebäude 7.500 Quadratmeter reinen Bürofläche, verteilt auf acht Stockwerke. Platz für Geschäfte gibt es im Wallkontor nicht mehr.

Besonderes Augenmerk wurde auf die Gestaltung der Passage gelegt. Informationstafeln in der Passage zeigen archäologische Funde, die während der Bauarbeiten gemacht wurden – darunter Reste eines Wehrturms der alten Stadtmauer und eines Grubenhauses aus dem Mittelalter. Die Passage führt über 20 Stufen von der Straße Am Wall bis zur Museumstraße und dient nicht dem Kauf, sondern der reinen Verbindung zwischen verschiedenen Stadtteilen.

Die Wiedereröffnung der Wallpassage

Am 6. Mai 2024, genau neun Jahre nach dem verheerenden Brand im Bremer Traditionskaufhaus "Harms am Wall", wurde die neue Wallpassage offiziell eröffnet. Die Wahl des Datums war kein Zufall, sondern symbolisierte den Abschluss des langen Wiederaufbauprozesses.

Gemeinsam eröffneten Bauherr Marco Bremermann und Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) die Passage, die nun den Durchgang durch das Bürohaus Wallkontor ermöglicht. Für die Entwicklung der Innenstadt sei dies ein weiteres wichtiges Puzzleteil, so Bovenschulte. Mit der Passage gebe es nun eine zusätzliche Möglichkeit, schnell zwischen Wall und Schüsselkorb hin- und herzulaufen.

Bürgermeister Bovenschulte konnte sich eine Anspielung auf die Vergangenheit nicht verkneinen: "Das ganze wirkte wie eine Brandwunde in der Innenstadt", sagte er und dankte Investor Marco Bremermann für sein Engagement. Die Passage sei ein Mosaikstein, von denen die Innenstadtentwicklung viele brauche.

Bedeutung für die Bremer Innenstadt

Die Neugestaltung des Areals am Wall hat eine große Bedeutung für die Entwicklung der Bremer Innenstadt. Die Wiederherstellung der Passage verbessert die Fußgängerverbindung zwischen verschiedenen Teilen der Innenstadt und stärkt die Attraktivität der Einkaufsstraße.

Das Wallkontor selbst fügt sich mit seiner hochwertigen Architektur in das städtebauliche Ensemble ein. Die acht Stockwerke mit reinen Büroflächen tragen zur Diversität der Nutzungen im Stadtb bei und sorgen für neues Leben im Bereich nach dem verheerenden Brand.

Fazit

Die Umwandlung der Brandruine des Modehauses Harms in das moderne Wallkontor mit der neuen Wallpassage zeigt, wie Städte nach Katastrophen wieder aufgebaut werden können. Neun Jahre nach dem verheerenden Brand ist die "Brandwunde" in der Bremer Innenstadt nun geschlossen. Die neue Passage verbessert die Fußgängerverbindung und das Bürogebäude bietet moderne Arbeitsflächen in zentraler Lage. Das Projekt verdeutlicht die Bedeutung von Beharrlichkeit und Engagement bei der Wiederaufbau von beschädigten Stadtbereichen.

Quellen

  1. BILD - Alles neu am Wall
  2. buten un binnen - Wallpassage Bremen Eröffnung
  3. Harms am Wall
  4. Weserreport - Wallpassage eröffnet
  5. buten un innen Video - Wallpassage Brandneueröffnung

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