Die Sanierung des Hauses der Kunst in München: Architektur, Geschichte und zukünftige Visionen

Einleitung

Das Haus der Kunst an der Münchner Prinzregentenstraße stellt eine der architektonisch und historisch herausforderndsten Sanierungsaufgaben in Europa dar. Zwischen 1933 und 1937 von den Nationalsozialisten errichtet, zeigt das Gebäude heute zeitgenössische und moderne Kunst – genau die Werke, die seine Erbauer ursprünglich aus dem kollektiven Gedächtnis hatten löschen wollen. Die nun geplante umfassende Renovierung geht weit über eine reine Bausanierung hinaus und berücksichtigt auch städtebauliche Aspekte sowie die zukünftige Nutzung des Gebäudes als Institution. Nach einem zweistufigen Vergabeverfahren wurde der britische Stararchitekt Sir David Chipperfield mit den Planungsarbeiten beauftragt, dessen Konzepte jedoch nach über einem Jahr seit der Entscheidung bereits wieder veraltet sein könnten. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, Pläne und Herausforderungen der Sanierung des Hauses der Kunst.

Historische Bedeutung und aktueller Zustand

Das Haus der Kunst wurde zwischen 1933 und 1937 im Auftrag der Nationalsozialisten errichtet und 1937 eröffnet. Diese historische Herkunft prägt das Gebäude bis heute und macht seine Sanierung zu einem besonder sensiblen Unterfangen. Wie Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst betonte, war die Erbauung des Gebäudes von "Provinzialität, Primitivität und Kriminalität" geprägt. Seit 1946 haben die Museumsverantwortlichen jedoch alles daran gesetzt, den ursprünglichen Zweck des Hauses ins Gegenteil zu verkehren, indem es heute genau die Kunst zeigt, die die Nationalsozialisten verfolgt hatten.

Über die Jahrzehnte hinweg wurde das Gebäude nur provisorisch instandgesetzt, was zu einem dringenden Sanierungsbedarf führte. Das Haus verfügt über keine eigene Sammlung, sondern dient als Ausstellungsfläche für zeitgenössische und moderne Kunst. Die Renovierung wird derzeit als eine der "herausforderndsten und spannendsten Aufgaben" für Architekten und Bauherrn in Europa betrachtet, da es nicht nur um die bauliche Grundsanierung geht, sondern auch um die Weiterentwicklung des Hauses zu einem "globalen Hot Spot zeitgenössischer Kunst" und die Berücksichtigung des städtebaulichen Kontexts.

Ein besonderes Anliegen der Betreiber, dem Freistaat Bayern, ist es, nicht nur Kunstfreunde aus aller Welt anzuziehen, sondern auch die Münchner Bevölkerung stärker für das Haus zu begeistern. Dieser doppelte Ansatz macht die Sanierung zu einem komplexen Projekt, das sowohl architektonische als auch konzeptionelle Überlegungen erfordert.

Auswahl des Architekten: David Chipperfield

Nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren wurde im September entschieden, dass das Architekturbüro David Chipperfield Architects die Sanierung des Hauses der Kunst übernehmen wird. Die Entscheidung fiel nach einer zweistufigen Auswahlprozess, in dem vier weitere renommierte Architekturbüros in die Endrunde kamen:

  • Braun + Partner Architekten, München
  • heneghan.peng.architects, Dublin (IE), Berlin
  • gmp Architekten - von Gerkan, Marg und Partner, Hamburg, Aachen, Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg

Die Auswahlkommission, bestehend aus dem Staatlichen Bauamt München 1 (das federführend die Sanierungsmaßnahme betreibt), dem Bayerischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, der Obersten Baubehörde München sowie Vertretern des Hauses der Kunst und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, entschied sich für Chipperfield aufgrund seiner großen Erfahrung im Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden und der Qualität seiner bisher verantworteten Museumsbauten.

Dr. Wolfgang Heubisch, Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, kommentierte die Entscheidung positiv: "Einmal mehr hat sich ein weltweit führender Architekt für eine Architekturaufgabe in München interessiert, worüber wir uns sehr freuen. Unsere Kulturlandschaft in Bayern wird hierdurch eine weitere Bereicherung erfahren." Hervorragende Referenzen in den Bereichen Museumsbau und Bauen für die öffentliche Hand sowie internationale Erfahrung mit der Renovierung und Sanierung von herausragenden Architekturdenkmälern wurden als beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit angesehen.

Alexander Schwarz, Partner bei David Chipperfield Architects Berlin, betonte die besondere historische Dimension des Projekts: "Heute, da sich die Erinnerung an seine Erbauung zu Geschichte wandelt, haben wir die Möglichkeit, die Gegenwart des Haus der Kunst neu zu sehen. Dies eröffnet Perspektiven für das Haus als Baudenkmal und als Institution."

Konzeptionelle Ansätze der Renovierung

Nach Einschätzung von David Chipperfield verlangt die Aufgabe weniger nach der Handschrift eines Architekten, sondern nach einer intelligenten Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen derzeitiger und künftiger Nutzungsformen. Dabei spielen drei zentrale Aspekte eine entscheidende Rolle:

  1. Das Verhältnis des Hauses der Kunst zum Stadtraum und dem angrenzenden Englischen Garten
  2. Programm und zukünftige Nutzung des Gebäudes
  3. Die Architektur des Gebäudes selbst

Diese dreidimensionale Herangehensweise zeigt, dass die Sanierung als umfassendes Konzept gedacht ist, das über rein bauliche Maßnahmen hinausgeht. Die Pläne sollen nicht nur den baulichen Zustand verbessern, sondern auch die Beziehung des Gebäudes zu seiner Umgebung neu definieren und seine zukünftige programmatische Ausrichtung berücksichtigen.

Okwui Enwezor, seit Oktober 2011 Direktor des Hauses der Kunst, begrüßte die Entscheidung für Chipperfield: "Die Renovierung des Haus der Kunst bietet nicht nur die seltene Gelegenheit über die wunderbar proportionierten Räume nachzudenken, sondern gleichermaßen für eine institutionelle Veränderung und Weiterentwicklung des Hauses. Sie bietet die einmalige Chance, das in der Architektur und Geschichte des Haus der Kunst verborgene Potenzial für zeitgenössische Kunst zu heben und für und über München hinaus sichtbar zu machen."

Die Renovierung wird somit als Chance verstanden, das Gebäude sowohl architektonisch als auch institutionell neu zu denken und seine besondere Geschichte in die Zukunft zu überführen.

Konkrete Sanierungspläne

Die konkreten Pläne für die Sanierung des Hauses der Kunst sind vielfältig und berücksichtigen verschiedene Aspekte der Nutzung und Erschließung des Gebäudes:

Umnutzung des Terrassensaals: Im derzeit leeren Terrassensaal sollen ein öffentlich zugängliches Lounge-Café und ein neues Restaurant einziehen. Beide Einrichtungen sollen bewusst gestaltet werden, um Lust zu machen, "einfach mal einen Nachmittag im Haus der Kunst zu verbringen". Diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Haus als Ort der Begegnung und des Verweilens zu etablieren und damit auch das lokale Publikum stärker anzusprechen.

Neugestaltung der Erschließung vom Englischen Garten: Ein Dorn im Auge des Architekten ist der derzeitige Parkplatz, der das Haus der Kunst vom Englischen Garten trennt und den Blick von der Terrasse auf Münchens Grünanlage stark beeinträchtigt. Um dieses Problem zu lösen, plant Chipperfield den Bau einer Tiefgarage, die den Parkplatz unterirdisch ersetzen würde. Gleichzeitig möchte er zahlreiche Bäume fällen, damit das Haus der Kunst wieder vom Englischen Garten aus sichtbar wäre und als Ziel anpeilbar wäre.

Wiederherstellung der ursprünglichen Fassadengestaltung: An der Prinzregentenstraße plant Chipperfield, die ursprünglich großzügigen Treppen vor dem Gebäude wiederherzustellen und die in den 1950er Jahren gepflanzten Bäume zu beseitigen. "Wie ein Vorhang" verbergen diese Bäume nach Aussage des Architekten derzeit das Gebäude. "Wir müssen diese Bäume thematisieren", so Chipperfield, wobei er betonte, dass dies zwar nicht die entscheidende Frage bei der Sanierung des Hauses sei, aber im Zuge einer intensiven Auseinandersetzung mit allen Details zwangsläufig auch an diesen Punkt komme.

Diese konkreten Pläne zeigen, dass die Sanierung nicht nur technische Aspekte berücksichtigt, sondern auch die Wahrnehmung des Gebäudes im urbanen Kontext und seine symbolische Bedeutung für die Stadt neu definieren will.

Herausforderungen durch Denkmalschutz

Ein wesentlicher Faktor, der die Sanierung des Hauses der Kunst komplex macht, ist der Denkmalschutzstatus des Gebäudes. Wie der damalige Museumsdirektor in einem Interview betonte, "geht es schon damit los, dass das Haus unter Denkmalschutz steht. Es hat eine historische Resonanz, die in der Gegenwart schwer wiegen kann."

Diese Situation stellt die Planer vor besondere Herausforderungen, da einerseits die historische Substanz erhalten bleiben muss, andererseits aber moderne Anforderungen an die Nutzung und Erschließung berücksichtigt werden müssen. Der Direktor verglich das Haus mit dem Museum La Triennale in Mailand, das ebenfalls in den 1930er Jahren erbaut wurde und trotz programmatischer Veränderungen nie total saniert wurde.

Die historische Dimension des Gebäudes erfordert eine sensible Herangehensweise, die sowohl die problematische Entstehungsgeschichte als auch die spätere Umnutzung als Ort der Gegenwartskunst berücksichtigt. Die Sanierung wird somit zu einem Balanceakt zwischen Bewahrung und Erneuerung.

Ein weiteres Problem, das sich durch den langen Planungsprozess ergibt, ist die mögliche Veraltung der Pläne. Wie die Abendzeitung München berichtete, ist die Entscheidung für Chipperfield zwar schon vor zehn Jahren gefallen und vom Landtag genehmigt worden, "in absehbarer Zeit dürften sie veraltet sein." Der damalige Museumsdirektor kommentierte diese Situation: "Das ist ein Problem, aber ich muss mit diesem Haus arbeiten und habe nur die Möglichkeit, im Gespräch zu bleiben."

Zukunftsperspektiven nach der Sanierung

Die Sanierung des Hauses der Kunst bietet nicht nur die Möglichkeit, den baulichen Zustand zu verbessern, sondern auch die zukünftige Ausrichtung des Hauses neu zu definieren. Wie Staatsminister Spaenle betonte, sollen durch die Maßnahmen nicht nur Kunstfreude aus aller Welt an die Prinzregentenstraße gelockt werden, sondern auch die Münchner Bevölkerung stärker für das Haus gewonnen werden.

Die Pläne von David Chipperfield zielen darauf ab, das Gebäude sowohl an der Prinzregentenstraße einladender zu gestalten als auch für Fußgänger aus dem Englischen Garten besser zu erschließen. Diese Verbesserung der Zugänglichkeit soll dazu beitragen, das Haus stärker in den städtischen Kontext zu integrieren und es zu einem lebendigen Teil des urbanen Raums zu machen.

Institutionell soll die Sanierung laut Okwui Enwezor eine "institutionelle Veränderung und Weiterentwicklung des Hauses" ermöglichen. Die Renovierung wird als Chance gesehen, das in der Architektur und Geschichte des Hauses verborgene Potenzial für zeitgenössische Kunst zu heben und sichtbar zu machen – sowohl für München als auch international.

Die zukünftige Nutzung des Hauses nach der Sanierung wird daher nicht nur durch die baulichen Gegebenheiten bestimmt, sondern auch durch die programmatische Ausrichtung, die sich aus der historischen Entwicklung und der aktuellen Positionierung des Hauses als Ausstellungsort für zeitgenössische und moderne Kunst ergibt.

Fazit

Die Sanierung des Hauses der Kunst in München ist ein komplexes Vorhaben, das weit über eine reine Bausanierung hinausgeht. Das zwischen 1933 und 1937 von den Nationalsozialisten erbaute Gebäude ist nicht nur dringend renovierungsbedürftig, sondern birucht auch aufgrund seiner problematischen Entstehungsgeschichte eine besondere Sensibilität bei der Planung.

Die Auswahl des britischen Stararchitekten Sir David Chipperfield nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren unterstreicht den Anspruch des Projekts. Seine Pläne, die den Bau sowohl an der Prinzregentenstraße einladender gestalten als auch die Erschließung vom Englischen Garten verbessern sollen, berücksichtigen drei zentrale Aspekte: das Verhältnis zum Stadtraum, die zukünftige Nutzung und die Architektur selbst.

Konkrete Maßnahmen wie die Umwandlung des Terrassensaals in ein Café und Restaurant, der Bau einer Tiefgarage und die Wiederherstellung der ursprünglichen Fassadengestaltung zeigen den ganzheitlichen Ansatz der Sanierung. Gleichzeitig stellt der Denkmalschutzstatus des Gebäudes besondere Anforderungen an die Planer.

Die Sanierung bietet die seltene Gelegenheit, nicht nur über die architektonischen Räume nachzudenken, sondern auch über die zukünftige Ausrichtung des Hauses als Institution. Sie soll dabei helfen, das Potenzial des Gebäudes für zeitgenössische Kunst zu heben und die Beziehung des Hauses zur Stadt und zu seinem Publikum neu zu definieren.

Obwohl die Pläne bereits vor längerer Zeit beschlossen wurden und möglicherweise veraltet sind, bleibt die Sanierung des Hauses der Kunst ein wichtiges Projekt für Münchens Kulturlandschaft, das architektonische, historische und programmatische Asekte miteinander verbindet.

Quellen

  1. Kunstausschuss: Staatsminister Spaenle und Stararchitekt David Chipperfield berichten über Renovierungspläne für das Haus der Kunst
  2. Chipperfield setzt sich durch
  3. Leiter Andrea Lissoni will das Haus der Kunst in München weiter öffnen

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