Einleitung
Das Hessen-Center in Frankfurt-Bergen-Enkheim befindet sich derzeit in einer umfassenden Transformationsphase, die sowohl bauliche Veränderungen als auch eine strategische Neuausrichtung umfasst. Das Einkaufszentrum, das seit 1971 besteht und im Besitz des Hamburger Unternehmens ECE ist, wurde in seiner Geschichte mehrmals erweitert und renoviert. Die aktuelle Modernisierung zielt darauf ab, die Attraktivität des Centers zu steigern und sich an veränderte Kundenbedürfnisse anzupassen. Dieser Artikel beleuchtet die Historie des Centers, die aktuellen Renovierungsmaßnahmen, die Strategie zur Neubelegung der Verkaufsflächen sowie die Auswirkungen auf die umliegenden Stadtteile.
Historische Entwicklung und aktueller Status
Das Hessen-Center wurde am 1. April 1971 eröffnet und befindet sich an der Borsigallee 26 im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim. Die Standortwahl wurde maßgeblich durch die günstige Gewerbesteuer der damals selbständigen Stadt Bergen-Enkheim sowie die verkehrsgünstige Lage an der von der Straßenbahn befahrenen Ausfallstraße Frankfurter Straße, heute Borsigallee, bestimmt. Die Stadt Bergen-Enkheim investierte den Erlös aus dem Verkauf des gemeindeeigenen Grundstücks in den Bau der Stadthalle in Bergen und einer städtischen Badeanlage.
In seiner Geschichte wurde das Hessen-Center mehrmals erweitert und renoviert. Die erste Erweiterung erfolgte von 1980 bis 1981, gefolgt von einer umfangreichen Sanierung zwischen 1997 und 1998. Im Jahr 2008 wurde das Center um einige hundert Quadratmeter vergrößert. Heute zählt das Hessen-Center zu den fünf großen Einkaufszentren Frankfurts, ist aber mit 36.000 m² Verkaufsfläche das kleinste unter ihnen. Das Center beherbergt 115 Geschäfte und beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter. Täglich besuchen durchschnittlich 15.094 Kunden das Einkaufszentrum.
Die Verkehrsanbindung des Hessen-Centers ist gut entwickelt. Seit 1992 ist die U-Bahn-Linie U7 über das Ostend, und seit Dezember 2008 zusätzlich die U-Bahn-Linie U4 über Bornheim mit der Frankfurter Innenstadt verbunden. Zahlreiche Buslinien (40, 42, 551, X57, X95, MKK-23, MKK-25) verbinden das Center mit umliegenden Stadtteilen und Orten in der Region wie Bad Vilbel, Maintal, Offenbach und Hanau. Für Pkw stehen 1.600 Parkplätze und 100 Fahrradparkplätze zur Verfügung.
Renovierungsmaßnahmen und Verbesserungen
Seit Januar 2019 laufen umfassende Umbauarbeiten im Hessen-Center, die ursprünglich bis Ende 2019 abgeschlossen sein sollten. Ein zentrales Element der Modernisierung ist der Neubau des Parkdecks, das rund 1.800 Stellplätze bieten soll. Die Parkplätze werden eine Mindestbreite von 2,75 Metern aufweisen, um auch moderne Fahrzeuge komfortabel aufnehmen zu können. Neu hinzukommen Ladestationen für Elektrofahrzeuge, die die Attraktivität des Centers für umweltbewusste Kunden steigern sollen. Der Zugang zum ersten Obergeschoss des Centers wird direkt aus dem Parkdeck erfolgen, was die Kundenführung verbessern und die Aufenthaltsqualität erhöhen wird.
Neben den baulichen Maßnahmen im Parkbereich wird auch die Ausstattung im Inneren des Hessen-Centers verbessert. Geplant sind neue Loungebereiche, in denen sich Besucher erholen können, sowie ein optimiertes Wegeleitsystem, das die Orientierung im dreigeschossigen Gebäude erleichtern soll. Ein modernes Design- und Beleuchtungskonzept soll für eine ansprechendere Atmosphäre sorgen und das Einkaufserlebnis für die Kunden aufwerten.
Die ECE Projektmanagement, die das Center betreiben, verfolgt mit diesen Maßnahmen das Ziel, die Attraktivität des Einkaufszentrums zu steigern und sich gezielt jüngere Kunden und Familien als Zielgruppe zu erschließen. Die Modernisierung ist eine Reaktion auf veränderte Kundenbedürfnisse und den zunehmenden Wettbewerb durch den Online-Handel sowie durch andere Einkaufszentren in der Region.
Mieterstrategie und Neubelegung von Verkaufsflächen
Ein wesentlicher Bestandteil der Neuausrichtung des Hessen-Centers ist die Strategie zur Neubelegung der Verkaufsflächen. Insbesondere nach dem Auszug des Anker-Mieters Galeria Kaufhof im Jahr 2020 stand das Center vor großen Herausforderungen. Galeria Kaufhof hatte drei Etagen des Centers angemietet, von denen nach dem Auszug zunächst nur eine Etage an den Discounter Woolworth vermietet werden konnte.
Im Jahr 2023 zeichnete sich jedoch eine Wende ab. Mit dem französischen Sportartikelhersteller Decathlon konnte ein neuer Anker-Mieter gewonnen werden. Decathlon wird eine 2.500 Quadratmeter große Verkaufsfläche im Erdgeschoss des Centers beziehen, die zuvor von Galeria Kaufhof genutzt wurde. Läßt sich Center-Managerin Burcu Cekirdek verlauten, werde Decathlon "eine Bereicherung für unser Center" sein. Die Eröffnung ist für den Sommer dieses Jahres geplant.
Neben Decathlon werden weitere neue Geschäfte das Hessen-Center bereichern. Am 21. März eröffnete die Schuh- und Kleidermarke SNIPES ein Geschäft im Erdgeschoss, gefolgt von "Olymp & Hades" am 17. April. Dieser Shop verkauft Kleidung und Schuhe verschiedener Modemarken. Beide Geschäfte befinden sich auf der gleichen Ebene und belegen jeweils größere Flächen, wie Cekirdek mitteilt. Obwohl konkrete Angaben zu den Quadratmeterzahlen derzeit nicht gemacht werden können, ist deutlich, dass das Center mit diesen Neuzugängen an Attraktivität gewinnt.
Die Center-Managerin sieht in diesen jüngsten Vertragsabschlüssen einen zunehmenden Erfolg der Nachvermietungsstrategie. Die Vermietungsabteilung arbeite "mit Hochdruck daran, passende Mieter zu gewinnen, langfristige Partnerschaften zu etablieren und gleichzeitig den Branchenmix zu optimieren". Aktuell gebe es Verhandlungen mit weiteren Interessenten, die aber noch nicht spruchreif seien.
Trotz dieser positiven Entwicklung weist das Hessen-Center weiterhin Leerstände auf. Nach dem Einzug von Decathlon, SNIPES und "Olymp & Hades" werden voraussichtlich noch 20 der 115 Verkaufsflächen unvermietet sein. Dies spiegelt einen Trend der vergangenen Jahre wider, der durch die Corona-Pandemie und die Inflation verstärkt wurde. Im Jahr 2019 wurde noch von drei freien Geschäften berichtet, im Herbst 2023 waren es 15 Leerstände, kurz nachdem Woolworth in die ehemalige Galeria-Etage gezogen war. Aktuell sind es 23 unvermietete Flächen, was zeigt, dass der Weg zur vollständigen Belegung noch nicht beendet ist.
Auswirkungen auf die umliegenden Stadtteile
Die Existenz und Entwicklung des Hessen-Centers hat erhebliche Auswirkungen auf die umliegenden Stadtteile und deren Einzelhandelslandschaft. Insbesondere für den Einzelhandel in den direkt benachbarten, historisch gewachsenenen Subzentren Fechenheim, Bornheim (Berger Straße) und Dörnigheim sowie für das Zentrum der Standortgemeinde selbst – die Altstadt von Bergen und vor allem von Enkheim – hatte die Eröffnung des Centers weitreichende Konsequenzen.
Die Konkurrenz durch das große Einkaufszentrum führte dazu, dass viele traditionelle Geschäfte in den umliegenden Stadtteilen schließen mussten, da sie mit der breiten Auswahl und den längeren Öffnungszeiten des Centers nicht konkurrieren konnten. Besonders betroffen war die Innenstadt von Hanau, die bis heute messbar unter der Konkurrenz des Einkaufszentrums leidet.
Die aktuelle Modernisierung und Neuausrichtung des Hessen-Centers könnte diese Entwicklung weiter verstärken oder umkehren, je nachdem, wie sich die Kundenzahlen nach der Renovierung entwickeln. Sollte das Center an Attraktivität gewinnen, könnte dies den Druck auf die Einzelhändler in den umliegenden Stadtteilen weiter erhöhen. Andererseits könnte eine gezielte Ansprache lokaler Kunden und eine stärkere Verankerung im Stadtteil Bergen-Enkheim auch positive Effekte für die Region haben.
Die Verkehrsanbindung des Centers durch öffentliche Verkehrsmittel könnte dazu beitragen, dass das Hessen-Center nicht nur Kunden aus Frankfurt, sondern auch aus dem Umland anzieht. Die Anbindung durch die U-Bahn-Linien U4 und U7 sowie die zahlreichen Buslinien ermöglicht einen komfortablen und umweltfreundlichen Zugang zum Einkaufszentrum.
Fazit
Das Hessen-Center in Frankfurt-Bergen-Enkheim befindet sich derzeit in einer Phase der grundlegenden Erneuerung und Neuausrichtung. Die umfangreichen Renovierungsmaßnahmen, darunter der Neubau des Parkdecks mit modernen Einrichtungen für Elektrofahrzeuge, verbesserte Ausstattung im Inneren des Centers sowie ein neues Design- und Beleuchtungskonzept, zielen darauf ab, die Attraktivität des Einkaufszentrums zu steigern und sich an veränderte Kundenbedürfnisse anzupassen.
Die Mieterstrategie des Centers-Management hat bereits erste Erfolge gezeitigt. Mit Decathlon konnte ein neuer Anker-Mieter gewonnen werden, der eine wichtige 2.500 Quadratmeter große Verkaufsfläche im Erdgeschoss belegen wird. Ergänzt wird dies durch weitere neue Geschäfte wie SNIPES und "Olymp & Hades", die das Branchenmix des Centers erweitern und für neue Kundengruppen interessant machen.
Dennoch bleibt das Hessen-Center vor Herausforderungen. Die Zahl der Leerstände ist mit 23 unvermieteten Flächen weiterhin hoch, was die schwierige Lage des Einzelhandels in den vergangenen Jahren widerspiegelt. Die Zukunft des Centers wird entscheidend davon abhängen, ob die Modernisierung die erwartete Attraktivitätssteigerung bringt und ob es gelingt, die verbliebenen Flächen an geeignete Mieter zu vermieten.
Die Auswirkungen auf die umliegenden Stadtteile bleiben ambivalent. Einerseits stärkt das modernisierte Center seine Position als Einkaufsstandort, was den Druck auf traditionelle Einzelhändler in den umliegenden Stadtteilen erhöhen könnte. Andererseits bietet es auch Arbeitsplätze und trägt zur Wirtschaftskraft der Region bei. Eine ausgewichtete Entwicklung, die sowohl das Center als auch die umliegenden Stadtteile berücksichtigt, wäre wünschenswert.