Einleitung
Die ehemalige Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm stellt ein bedeutendes architektonisches und kulturelles Erbe dar. Das von Max Bill entworfene Gebäudeensemble ist als Kulturdenkmal von höchster Bedeutung ausgewiesen und wurde kürzlich einer umfassenden Sanierung unterzogen, die es wieder in seinen Originalzustand von 1954 versetzte. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Gebäudes, die Herausforderungen der Sanierung, die neuen Nutzungskonzepte und die architektonischen Besonderheiten dieses bedeutenden Bauwerks.
Historischer Kontext
Die Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG Ulm) wurde 1953 von Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher, Max Bill und weiteren Persönlichkeiten in Ulm gegründet. Die Institution knüpfte an die Lehre und Erfahrungen des Bauhauses an, einer Hochschule, die in den Bereichen Kunst, Architektur und Gestaltung neue Wege beschritten hatte. Dabei gab es nicht nur inhaltliche, sondern auch personelle Verbindungen zwischen den beiden Einrichtungen.
Nach einer anfänglichen Aufnahme des Lehrbetriebs in den Räumen der Ulmer Volkshochschule baute der Architekt Max Bill, damals Rektor der Hochschule für Gestaltung, einen Neubau auf dem Kuhberg im Westen der Stadt Ulm. Von dieser Anhöhe aus ist die Altstadt Ulms sichtbar, und das Grundstück liegt neben der ehemaligen Festung Fort Oberer Kuhberg, in der sich in der NS-Zeit ein Konzentrationslager befand.
Die HfG bot nach einem Grundstudium verschiedene Fachbereiche an, darunter Produktgestaltung, Visuelle Kommunikation, Bauen, Information (bis 1964) und Film (ab 1962). Während ihres Bestehens bewegte sich die Hochschule zwischen wirtschaftsnaher Produktion zusammen mit Unternehmen wie Braun und methodologischer Forschung. International genoss sie einen hervorragenden Ruf und war Wegbereiter und Vorbild sowohl für zukünftige Design-Studiengänge an Hochschulen für Gestaltung als auch für das Berufsbild des Designers.
1968 wurde die Schule geschlossen, nachdem Konflikte über die Ausrichtung der Schule und finanzielle Probleme die Einrichtung in eine Krise geführt hatten. Nach der Schließung wurden die Räume an die Universität Ulm vermietet, und die HfG rückte in Ulm aus der öffentlichen Wahrnehmung.
Die Sanierung: Herausforderungen und Kosten
Nachdem die Universität Ulm 2009/2010 aus dem Gebäude ausgezogen war, hatte die Stiftung "Hochschule für Gestaltung HfG Ulm" – die Nachfolgerin der Geschwister-Scholl-Stiftung – die Möglichkeit, das Gebäude mit einem neuen Konzept zu bespielen. Zunächst galt es jedoch, die Räumlichkeiten gemäß den strengen Vorgaben des Denkmalschutzes zu sanieren. Dies war sowohl baulich als auch finanziell ein anspruchsvolles Projekt.
Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes am Hochsträß wurde rechtzeitig zur Fertigstellung vollständig abgeschlossen, und das Gebäude ist zu 100 Prozent vermietet. Die Gesamtkosten der Sanierung betrugen 7,1 Millionen Euro, wobei die HfG-Stiftung allein fünf Millionen Euro aufbringen musste. Das Land Baden-Württemberg gewährte einen Zuschuss von zwei Millionen Euro, und die Stadt Ulm unterstützte das Projekt mit einem Kostenzuschuss, mit dem unter anderem die Klimatisierung des HfG-Archivs finanziert werden konnte.
Ulms Baubürgermeister Alexander Wetzig, der auch Vorsitzender der Stiftung ist, erklärte: "Wir sind schon froh, dass wir aus der Nutzung die anfallenden Grundkosten decken können." Die wirtschaftliche Situation der Stiftung ist angespannt, da Zins und Tilgung die Einnahmen aus der Vermietung aufzehren. Daher muss sich die Stiftung erst wirtschaftlich erholen, ehe wieder Aktivitäten des Internationalen Forums für Gestaltung (IFG) möglich sind. Laut Wetzig seien die "schönen Tage vorbei", was die finanziellen Möglichkeiten des IFG betrifft.
Neue Nutzungskonzepte
Nach der aufwändigen Sanierung hat die Stiftung nun wieder mehr finanziellen Spielraum und hat das Gebäude für das Publikum geöffnet. Das Konzept der Öffnung sieht verschiedene Nutzungsbereiche vor:
HfG-Archiv Ulm
Ein zentraler Bestandteil des neuen Konzepts ist das HfG-Archiv Ulm, das als Teil des Museums Ulm nun mit den Deposita, einer Dauerausstellung zur Geschichte der HfG Ulm und einem Wechselausstellungsraum wieder an den originären Ort seiner Entstehung zurückgekehrt ist. Besucher können die Dauerausstellung und Sonderausstellungen besuchen und in Archivalien recherchieren. Besichtigungen der Gebäude sind mit oder ohne Führung möglich und können mit dem Besuch des Archivs verbunden werden.
Gewerbliche Mieter
Neben dem Archiv sind Gestaltungsbüros aus den Bereichen Innenarchitektur, Produktgestaltung, Kommunikationsdesign, Schmuckdesign und Marketing in das Haus eingezogen. Die Stiftung vermietet gezielt an Gewerbetreibende mit gestalterischem Hintergrund, die die Räume bewusst auswählen. Diese Konzentration auf designorientierte Unternehmen schafft eine inspirierende Atmosphäre und fördert den Austausch zwischen den Akteuren.
Veranstaltungszentrum
Das ehemalige Hochschulgebäude dient auch als Veranstaltungszentrum. Die Räumlichkeiten werden für temporäre Events wie Familien- oder Firmenfeiern geöffnet, was zusätzliche Einnahmen für die Stiftung generiert und gleichzeitig das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich macht. Die Räumlichkeiten eignen sich besonders gut für Veranstaltungen im gestalterischen und kulturellen Bereich, was zur Wahrung des Geistes der ehemaligen Hochschule beiträgt.
Aicher-Scholl-Kolleg
Ein weiterer Nutzer im Gebäude ist das Aicher-Scholl-Kolleg der vh ulm, das die Bildungstradition der HfG fortführt und weiterentwickelt.
Architektonische Besonderheiten
Das von Max Bill entworfene Gebäudeensemble weist spezifische architektonische Merkmale auf, die bei der Sanierung berücksichtigt wurden. Das bauliche Konzept der HfG Ulm sieht bewusst nur wenige Materialien vor, was die Klarheit und Funktionalität der Architektur unterstreicht.
Eine fotografische Begleitung der Sanierung in den Jahren 2010 bis 2018 ging über eine reine Baudokumentation hinaus. Es handelte sich um eine kreative Betrachtung der Sanierung, die mit Hilfe von Stilmitteln des Neuen Sehens und der Neuen Sachlichkeit durchgeführt wurde. Die Farbgestaltung der Aufnahmen ist in drei Gruppen unterteilt: Außenbereich, Innenbereich und Mensch in der Architektur. Diese thematische Gliederung visualisiert die Zusammengehörigkeit und schafft eine Verbindung zwischen Bauzeit und Gegenwart.
Auf diese Weise konnte nicht nur die Sanierung fotografisch dokumentiert, sondern auch das gestalterische Konzept des Gebäudes auf seine Wirkung über 60 Jahre nach seiner Eröffnung untersucht werden. Die ursprünglich aus den 20er Jahren stammenden fotografischen Methoden wurden bewusst gewählt, um die Bedeutung der HfG als logische Fortentwicklung der Bauhauszeit zu verdeutlichen.
Die Ausstellung zeigt Fotos unterschiedlicher Stadien der Sanierung der letzten Jahre und dokumentiert den aktuellen Zustand des Gebäudes. Zur Verdeutlichung der Materialwahl sind die Fotos in der Ausstellung nach den wichtigsten Werkstoffen gegliedert.
Die Architekturabteilung der HfG, anfangs noch vom Gründungsrektor und Bauhausschüler Max Bill geleitet, entwickelte sich unter Konrad Wachsmann und Herbert Ohl rasch zum Hotspot des "Industrialisierten Bauens". Wissenschaftlich und international vernetzt, wurden gemeinsam mit der Bauindustrie zukunftsweisende Konzepte für das Bauen in einer zunehmend technisierten Welt erarbeitet. Ziel war es, Architektur – gleichsam als "programmierte Hoffnung" – wissenschaftlich, interdisziplinär und sozial verantwortlich zu entwickeln.
Zukunftsaussichten
Die Sanierung hat das Gebäude für die Zukunft gerüstet, aber die finanzielle Situation bleibt für die Stiftung eine Herausforderung. Die Einnahmen aus der Vermietung reichen gerade aus, um die Zinsen und Tilgungen zu decken. Dennoch hat die Stiftung seit dem vergangenen Jahr wieder mehr Möglichkeiten, eigene Veranstaltungen und Förderungen im Bereich Gestaltung auszurichten.
Das Gebäude dient als Zentrum für Gestaltung HfG Ulm und bündelt die Archive, die Ausstellungstätigkeiten, gewerbliche Nutzer und Veranstaltungsräume unter einem Dach. Diese Konzentration schafft Synergien und ermöglicht eine vielseitige Nutzung des historischen Bauwerks.
Zukünftige Ausstellungen, wie die für 2025 geplante Veranstaltung "Programmierte Hoffnung. Architekturexperimente an der HfG Ulm" in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt, werden das architektonische Erbe weiter beleuchten und einem breiten Publikum zugänglich machen.
Fazit
Die Sanierung des HfG-Gebäudes in Ulm stellt ein gelungenes Beispiel für den Umgang mit bedeutendem architektonischem Erbe dar. Die Rückkehr zum Originalzustand von 1954 unter strengen Denkmalschutzauflagen war eine anspruchsvolle Aufgabe, die erfolgreich gemeistert wurde. Das Gebäude ist nicht nur architektonisch und historisch bedeutend, sondern wird heute wieder als lebendiges Zentrum für Gestaltung genutzt.
Die Kombination aus Archiv, Ausstellungsräumen, gewerblichen Nutzern und Veranstaltungsmöglichkeiten schafft eine dynamische Nutzung, die dem Geist der ehemaligen Hochschule gerecht wird. Obwohl die finanzielle Situation der Stiftung angespannt bleibt, bietet das neue Konzept nachhaltige Perspektiven für den Erhalt und die Weiterentwicklung dieses wichtigen kulturellen und architektonischen Erbes.
Die HfG Ulm demonstriert, wie historische Gebäude durch sorgfältige Sanierung und innovative Nutzungskonzepte für die Zukunft bewahrt und neu belebt werden können. Sie bleibt somit nicht nur ein Denkmal der Vergangenheit, sondern auch ein lebendiger Ort der Gegenwart und Zukunft.