Einleitung
Die St.-Crucis-Kirche in Bad Sooden-Allendorf erhebt sich als höchstes Bauwerk der Stadt und ihr Wahrzeichen. Nach jahrzehntelanger Witterungseinflüsse steht das Gebäude nun umfassenden Renovierungsmaßnahmen gegenüber. Dieses Projekt umfasst sowohl die dringend notwendige Dachsanierung als auch die Innenerneuerung mit Einrichtung einer Winterkirche. Die Arbeiten werden von der Landeskirche Kurhessen-Waldeck maßgeblich finanziert, ergänzt durch Eigenleistungen der Kirchengemeinde und ehrenamtliches Engagement. Der vorliegende Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses umfassenden Renovierungsprojekts, von den technischen Details der Dachsanierung bis zum Engagement der freiwilligen Helfer.
Historische Bedeutung und aktueller Zustand
Die St.-Crucis-Kirche ist nicht nur ein religiöses Zentrum der Gemeinde, sondern auch ein architektonisches Wahrzeichen von Bad Sooden-Allendorf. Mit einer Firsthöhe von 24 Metern und einer Dachfläche von 1.350 Quadratmetern prägt das Gebäude die Skyline der Stadt. Trotz ihrer imposanten Erscheinung hat das Gotteshaus über die Jahre unter den Witterungsbedingungen gelitten. Wie die Pfarrer Hubertus Spill und Thomas Schanze mitteilten, wurden in der Vergangenheit bereits Schäden durch Stürme verursacht, darunter ein Wasserschaden an der Kanzel, dessen Restaurierung 20.000 Euro kostete.
Die dringendsten Probleme zeigten sich am Dach: teilweise brüchige Ziegel und durchgerostete Verklammerungen machten eine umfassende Sanierung unumgänglich. Die Notwendigkeit der Arbeiten wurde über einen Zeitraum von 15 Jahren erkannt, nun wird das Gebäude endlich wetterfest gemacht. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Kirche trotz dieser Schäden ihre Funktion als Gotteshaus beibehalten wird – während der zweieinhalbmonatigen Bauzeit bleibt sie über einen barrierefreien Zugang durch die Taufkapelle erreichbar.
Das Dachsanierungsprojekt
Die Dachsanierung stellt das derzeit größte und teuerste Projekt dar. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 580.000 Euro, wobei die Dacheindeckung allein mit 337.000 Euro zu Buche schlägt. Weitere größere Einzelposten sind der Gerüstbau (55.000 Euro) und die Planungskosten in Höhe von mehr als 40.000 Euro. Die Finanzierung erfolgt zum größten Teil durch die Landeskirche Kurhessen-Waldeck, unterstützt vom Kirchenkreis und durch Eigenleistungen der Kirchengemeinde St. Crucis.
Für die Eindeckung wurde in Absprache mit der Denkmalpflege ein matter, anthrazitfarbener Ziegel ausgewählt, der sich optisch in das Gesamtbild des Wahrzeichens einfügt. Als besondere Neuerung kommt zusätzlich ein Unterdach aus Holz mit spezieller Abdichtung zum Einsatz – eine Maßnahme, die doppelten Schutz gegen Witterungseinflüsse bieten soll. Diese Kombination aus traditionellem Material und moderner Technik stellt sicher, dass die Kirche auch zukünftig den Witterungsbedingungen standhalten kann.
Die Bauzeit ist bewusst auf zweieinhalb Monate begrenzt, um die Beeinträchtigungen für die Gemeinde so gering wie möglich zu halten. Während dieser Zeit finden die Gottesdienste soweit möglich unter freiem Himmel als Klappstuhlgottesdienste statt. Die Kirche selbst bleibt durch die Taufkapelle barrierefrei zugänglich, sodass ihre liturgische Funktion aufrechterhalten bleibt.
Innenerneuerung und Winterkirche
Nach Abschluss der Dachsanierung steht als nächstes die Renovierung der Orgel auf dem Programm. Das dritte große Projekt der Kirchengemeinde ist der Einbau einer Winterkirche im Bereich des Turmeingangs. Pfarrer Hubertus Spill zeigt sich zuversichtlich, dass dieses Vorhaben gelingen wird, da die Landeskirche Kurhessen-Waldeck eine großzügige Fördermöglichkeit aufgezeigt hat.
Die Innenrenovierung für die Winterkirche wurde auf die Projektliste der Stiftung "Kirchenerhaltungsfonds der Evangelischen Kirche Kurhessen und Waldeck" für 2014 aufgenommen. Besonders erfreulich ist, dass die Stiftung jede Spende von mindestens 2.556,46 Euro (entspricht ursprünglich 5.000 DM) verdoppeln wird. Diese Förderung macht es der Gemeinde möglich, zusätzliche Mittel für die Innenrenovierung zu akquirieren. Weitere Fördermittel können erhalten werden, wenn sich die Gemeinde selbst stark mit Aktivitäten für ihr Projekt einsetzt.
Die Winterkirche wird einen neuen, multifunktionalen Raum im Bereich des Turmeingangs schaffen, der das ganze Jahr über genutzt werden kann. Dies erhöht die Nutzbarkeit des Kirchengebäudes erheblich und schafft zusätzliche Räumlichkeiten für Gemeindeveranstaltungen, Gebete und kleinere Gottesdienste, besonders in der kalten Jahreszeit.
Das Engagement der "Baulöwen"
Ein unverzichtbarer Bestandteil der Renovierungsarbeiten ist das Engagement der sogenannten "Baulöwen" – eine Gruppe ehrenamtlicher Helfer, die seit vielen Jahren verschiedene Bauarbeiten in der Kirche übernehmen. Die Männer beschreiben ihre Tätigkeit als "Herzensangelegenheit", mit der sie ihre Kirche mitgestalten und "schick machen" wollen. Seit dem vergangenen Jahr haben sie allein 2.000 Stunden in das Kirchenschiff investiert – eine beeindruckende Leistung, die zeigt, wie sehr sich die Ehrenamtlichen für ihr Gotteshaus einsetzen.
Was die Ehrenamtlichen alle eint, ist die volle Hingeabe für ihre Kirche. Viele der Mitglieder sind tief verwurzelt in der Gemeinde und verbinden persönliche Lebensereignisse mit dem Gotteshaus: "Ich wurde in dieser Kirche getauft, konfirmiert und habe dort auch geheiratet", erzählt Walter Bremser exemplarisch. Diese persönliche Bindung motiviert die Gruppe, auch in ihrer Freizeit Zeit für die Renovierungsarbeiten aufzuwenden.
Unter verstehen sich die "Baulöwen" gut. Seit vielen Jahren arbeiten sie als Team zusammen, einige der Mitglieder kennen sich sogar aus früheren Vereinstätigkeiten. Diese langjährige Zusammenarbeit hat sich zu einer eingespielten Truppe entwickelt, deren Arbeit reibungslos funktioniert. Die Aufgaben der Ehrenamtlichen sind vielfältig: von der Entfernung von Verkleidungen über das Freilegen von Böden bis hin zum Streichen von Wänden. Ohne dieses Engagement wäre die Umsetzung der Renovierungsprojekte kaum in diesem Umfang und Zeitrahmen möglich.
Auswirkungen auf die Gemeinde und Zugänglichkeit
Die umfangreichen Bauarbeiten haben verschiedene Auswirkungen auf das Gemeindeleben und die Zugänglichkeit der Kirche und ihres Umfelds. Der Kirchplatz wird während der Bauzeit gesperrt sein, was für Eltern, die ihren Nachwuchs zum Kindergarten bringen, zu Problemen führen wird. Als Alternative wird kurzzeitiges Parken an der Steinstraße erlaubt sein. Auch der Zugang zum Friedhof wird während der Bauzeit gesperrt sein.
Um die Einschränkungen für die Gemeindeglieder zu minimieren, zieht das Kirchencafé "Himmelspforte" auf die Westseite unterhalb des Turms. Von dort aus ist auch der Bibelgarten erreichbar, der kürzlich von ehrenamtlichen Mitgliedern des Bibelgarten-Teams gestaltet wurde. Die Gruppe hat einen Tisch und eine Gruppe mit 13 Sitzsteinen aufgestellt, die das Abendmahl symbolisieren und einen neuen Ort der Besinnung und Gemeinschaft schaffen.
Diese Umstrukturierungen zeigen, wie die Kirche versucht, während der Baumaßnahme alternative Orte für Gemeindeaktivitäten zu schaffen und das soziale Leben am Laufen zu halten. Gleichzeitig werden durch die Gestaltung des Bibelgartens neue Räume für Begegnung und spirituelle Reflektion geschaffen, die auch nach Abschluss der Bau erhalten bleiben.
Zukünftige Projekte und Herausforderungen
Die Renovierung der St.-Crucis-Kirche ist ein mehrjähriger Prozess mit verschiedenen Baustufen. Nach der Dachsanierung und dem Einbau der Winterkirche stehen weitere Projekte an. So ist die Restaurierung der Orgel geplant, die bereits in mehrere Abschnitte unterteilt ist. Allein für die Orgel sind vier verschiedene Arbeitsphasen vorgesehen, die jeweils unerwartete Kosten mit sich bringen können.
Wie Ursula Rolapp berichtet, sammelt der Gemeindekirchenrat daher weiterhin Spenden, um diese zusätzlichen Kosten decken zu können. Die Orgel mit ihren 28 Registern, darunter einige seltene Exemplare, stellt einen besonderen Schatz der Kirche dar, dessen Erhalt für die Gemeinde von großer Bedeutung ist.
Weitere Herausforderungen zeigen sich bei den Erkerfenstern der Kirche. Diese wurden 1983 entfernt, um das Dach einfacher abzudichten, was jedoch zu einer sehr dunklen Kirche im Inneren führte. In den neunziger Jahren wurden die Erker wieder neu gebaut, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Mittlerweile haben zwei davon jedoch wieder Schäden, die bei der ersten Neuanstrichaktion seit den neunziger Jahren sichtbar wurden.
Auch die Turmuhr bedarf Aufmerksamkeit. Ein inzwischen neu fertiggestelltes zweites Zifferblatt wurde installiert, nachdem das alte Zifferblatt durch einen Sturm beschädigt wurde. Diese verschiedenen Baustellen zeigen, dass die Erhaltung eines solchen historischen Bauwerks ein kontinuierlicher Prozess ist, der langfristige Planung und finanzielle Ressourcen erfordert.
Fazit
Die Sanierung der St.-Crucis-Kirche in Bad Sooden-Allendorf ist ein umfassendes Projekt, das verschiedene Aspekte von Bauwesen, Denkmalpflege und Gemeinschaftsengagement vereint. Mit der Dachsanierung wird das Wahrzeichen der Stadt endlich wetterfest gemacht, während die Einrichtung einer Winterkirche neue Nutzungsmöglichkeiten schafft. Die Finanzierung durch die Landeskirche Kurhessen-Waldeck in Kombination mit Eigenleistungen der Gemeinde und dem unermüdlichen Einsatz der "Baulöwen" zeigt, wie kirchliche Bauprojekte erfolgreich umgesetzt werden können.
Das Projekt demonstriert, dass die Erhaltung historischer Bauwerke eine Gemeinschaftsaufgabe ist, die professionelle Planung, finanzielle Unterstützung und persönliche Engagement verbindet. Die während der Bauzeit notwendigen Einschränkungen werden durch die Schaffung alternativer Räumlichkeiten wie des umgestalteten Bibelgartens und des provisorischen Kirchencafés kompensiert.
Die St.-Crucis-Kirche wird nach Abschluss aller Arbeiten nicht nur äußerlich wiederhergestellt, sondern auch innerlich für neue Formen des Gemeindelebens gerüstet sein. Das Projekt zeigt eindrücklich, wie Tradition und Innovation Hand in Hand gehen können, um ein historisches Gotteshaus für zukünftige Generationen zu erhalten und gleichzeitig seine Funktionalität für das heutige Gemeindeleben zu sichern.
Quellen
- HNA.de - Umgestalteter Kirchplatz vor St. Crucis in Bad Sooden-Allendorf
- HNA.de - Neues Dach für die St.-Crucis-Kirche kostet 580.000 Euro
- HNA.de - Stiftung verdoppelt Geld für Innenrenovierung der St.-Crucis-Kirche
- HNA.de - Baulöwen renovieren ehrenamtlich die St.-Crucis-Kirche in Allendorf
- Pix1.de - Spenden für die Kirche in Wölfis