Gut Hohen Luckow: Die aufwendige Sanierung des historischen Gutshofes durch die Familie Merckle

Einleitung

Gut Hohen Luckow in Mecklenburg-Vorpommern stellt ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Kombination von historischem Denkmalschutz und moderner Nutzung dar. Das mit seiner barocken Pracht beeindruckende Herrenhaus, dessen Wurzels bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, wurde in den 1990er Jahren von der Familie Merckle erworben und anschließend aufwendig restauriert. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Gutes, die komplexe Sanierungsmaßnahmen sowie die aktuellen Nutzungskonzepte unter den neuen Eigentümern. Die Transformation des ehemaligen landwirtschaftlichen Lehr- und Versuchsgutes der DDR-Zeit zu einem multifunktionalen Kultur- und Tourismusstandort unter Bewahrung des historischen Charakters zeigt eindrucksvolle Möglichkeiten der Denkmalpflege und nachhaltigen Bewirtschaftung.

Historische Entwicklung von Gut Hohen Luckow

Die Geschichte des Gutes Hohen Luckow reicht bis in das frühe 14. Jahrhundert zurück, als Heinrich von Bassewitz als erster dokumentierter Besitzer des Anwesens genannt wird. Die Familie von Bassewitz bewirtschaftete das Gut über einen bemerkenswert langen Zeitraum von fast 500 Jahren, bevor sie es 1810 an die Hamburger Kaufmannsfamilie von Stenglin verkaufte.

Im Jahr 1707 beauftragte Christoph von Bassewitz den Bau des heutigen Herrenhauses, das als repräsentativer Herrensitz konzipiert wurde. Das Gebäude beeindruckt bis heute mit seiner architektonischen Gestaltung und wurde im 19. Jahrhundert um zwei signifikante Türme erweitert, die heute zu den markantesten Merkmalen des Ensembles gehören. Die Familie von Brocken übernahm die Bewirtschaftung des Gutes ab 1840 und prägte dessen weitere Entwicklung entscheidend.

Eine wesentliche Zäsur in der Geschichte des Gutes stellte das Jahr 1945 dar. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Gut Hohen Luckow im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet. Das Gut wurde fortan als volkseigenes Lehr- und Versuchsgut mit Tier- und Pflanzenproduktion sowie einer Pferdezucht genutzt. Während der DDR-Zeit wurde die Anlage von der Verwaltung kontinuierlich renoviert und gepflegt, so dass sie die politische Wende 1989 relativ gut überstand.

Nach der Wende erfolgte 1989 der Verkauf des Gutes, bevor es 1994 wieder in private Hand überging. Seit diesem Zeitpunkt steht das Gut im Besitz der Familie Merckle, die sich der Aufgabe stellte, den ursprünglichen Charakter des historischen Ensembles zu pflegen und gleichzeitig neue Nutzungskonzepte zu entwickeln.

Die umfassende Sanierung des Herrenhauses

Die Übernahme durch die Familie Merckle markierte den Beginn einer der aufwendigsten Denkmalrestaurierungen in Mecklenburg-Vorpommern. Das prächtig restaurierte Herrenhaus lockt heute Besucher mit seiner barocken Pracht und bietet Einblicke in die faszinierende Geschichte des Anwesens.

Herausforderungen der Denkmalpflege

Die Restaurierung des Herrenhautes stellte die beteiligten Fachexperten vor besondere Herausforderungen. Als denkmalgeschütztes Ensemble umfasst der Schutzstatus nicht nur das Hauptgebäude, sondern auch die umliegenden Wirtschaftsgebäude und den historischen Park. Bei der Sanierung legten die Experten größten Wert auf den Erhalt der originalen Bausubstanz aus dem 18. Jahrhundert, während gleichzeitig die nötigen Anpassungen für eine moderne Nutzung vorgenommen werden mussten.

Besondere Schwierigkeiten ergaben sich bei der Sanierung des Daches, das sowohl historische Elemente bewahren als auch den modernen Anforderungen an Witterungsbeständigkeit und Dämmung genügen musste. Die Wiederherstellung der historischen Raumstrukturen im Inneren des Gebäudes erforderte akribische Recherchearbeit, um die ursprüngliche Gestaltung zu rekonstruieren.

Durchgeführte Sanierungsmaßnahmen

Die umfassende Restaurierung des Herrenhauses umfasste eine Reihe spezifischer Maßnahmen:

  • Erneuerung der Dachkonstruktion: Die Dächer des Herrenhauses wurden komplett saniert, wobei historische Dachformen und Materialien erhalten blieben, aber mit moderner Dämmtechnik unterbaut wurden.
  • Restaurierung der Stuckdecken: Die wertvollen Stuckdecken im Inneren, insbesondere im berühmten Rittersaal, wurden von Fachleuten fachgerecht restauriert, um die ursprüngliche Pracht wiederherzustellen.
  • Rekonstruktion historischer Wandmalereien: Anhand erhaltener Fragmente und historischer Aufnahmen wurden Wandmalereien rekonstruiert, die das barocke Interieur des Hauses vervollständigen.
  • Einbau moderner Haustechnik: Das Herrenhaus wurde mit moderner Haustechnik ausgestattet, wobei streng darauf geachtet wurde, dass die Anlagen denkmalpflegerischen Auflagen genügten und möglichst unauffällig integriert wurden.

Finanzielle Aspekte der Sanierung

Die Kosten für die Restaurierung des Herrenhauses beliefen sich auf mehrere Millionen Euro. Das Projekt wurde durch Fördermittel von Bund und Land unterstützt, wobei der aktuelle Eigentümer zusätzlich erhebliche private Mittel in den Erhalt des Kulturdenkmals investierte. Diese Kombination aus öffentlicher Förderung und privatem Engagement ermöglichte die umfassende Sanierung des Ensembles, das heute als Vorzeigeobjekt für den Denkmalschutz in Mecklenburg-Vorpommern gilt.

Die gelungene Restaurierung macht Gut Hohen Luckow heute zu einem beliebten Reiseziel in der Region. Besucher können die sorgfältig restaurierten Räume im Rahmen von Führungen besichtigen und so die Geschichte des Anwesens und die Kunst der Denkmalpflege hautnah erleben.

Aktuelle Nutzung und Bewirtschaftung

Die Übernahme durch die Familie Merckle markierte nicht nur den Beginn der Sanierungsarbeiten, sondern auch eine Neuorientierung der Nutzung des Gutsgeländes. Heute wird Gut Hohen Luckow als multifunktionales Unternehmen bewirtschaftet, das traditionelle Landwirtschaft mit modernen Nutzungskonzepten verbindet.

Landwirtschaftlicher Betrieb

Die Landwirtschaft auf Gut Hohen Luckow hat eine lange Tradition, die auch unter den neuen Eigentümern fortgesetzt wird. Der Gut Hohen Luckow Eigentümer verwaltet ein beeindruckendes landwirtschaftliches Unternehmen mit 2.300 Hektar Ackerfläche und 155 Hektar Grünland. Mit modernster Technik ausgestattet, zählt es zu den größten Betrieben der Region.

Die Milchviehwirtschaft mit Holstein-Friesian-Küchen erzielt eine Jahresmilchleistung von etwa 12.000 Litern pro Kuh und stellt einen wichtigen wirtschaftlichen Pfeiler des Gutes dar. Zur Diversifizierung des Unternehmens gehören eine Biogasanlage mit 390 kW Leistung und Windkraftanlagen, die jährlich 162.962 MWh Strom erzeugen. Diese nachhaltigen Energieprojekte unterstreichen das Bemühen der Eigentümer, moderne Wirtschaftskonzepte mit ökologischer Verantwortung zu verbinden.

Das Gut beschäftigt über 100 Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen und bildet regelmäßig Nachwuchskräfte aus, was zur Stärkung der regionalen Wirtschaft beiträgt. Die genauen Einnahmen und Gewinne des Gutes sind nicht öffentlich, da es Teil des nicht börsennotierten Merckle-Konzerns ist.

Tourismus und Beherbergung

Ein wichtiger Bestandteil der heutigen Nutzung ist der Tourismus. Gut Hohen Luckow hat sich zu einem beliebten Reiseziel in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt. Die Vielfalt der Unterkünfte bietet Optionen für unterschiedliche Bedürfnisse:

  • Acht alte Ferienhäuser, die über 270 Jahre Geschichte erzählen
  • Der Seevogelhof und das Tiny House Bay Cabin, die 2021 hinzukamen
  • Die Pommernhäuser bieten Optionen für Familien jeder Größe, darunter das Haus am See und das Colonistenhaus mit Sauna

Die touristische Infrastruktur wurde kontinuierlich erweitert, ohne den historischen Charakter des Ensembles zu beeinträchtigen. Neben dem Herrenhaus sind einige weitere Gebäude für Besucher ausgebaut, die hier eine kleine Ausstellung sowie ein Café vorfinden, das an Werktagen geöffnet ist. Ein Teil des Herrenhauses wird zudem als Ferienunterkünfte vermietet.

Kulturelle Nutzung und Veranstaltungen

Das Herrenhaus ist Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen, die Besucher aus der ganzen Region anziehen. Das Kulturprogramm im Herrenhaus umfasst Konzerte, Ausstellungen und historische Führungen. Besonders hervorzuheben ist der berühmte Rittersaal im Obergeschoss, der mit reichen Stuckreliefs und einem umlaufenden Fries von gemalten Wappen als Ahnengalerie glänzt. Dieser repräsentative Raum wird heute für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und auch für Hochzeiten genutzt.

Weltbekannt wurde Hohen Luckow, als am Vorabend des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007 Bundeskanzlerin Angela Merkel hier ein kleines Dinner mit Konzert für ihre Gäste abhielt, darunter George W. Bush, Wladimir Putin, Tony Blair und Nicolas Sarkozy. Die Gäste lauschten übrigens auf Vorschlag der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern dem Geigenspiel der Preisträgerin Julia Fischer.

Der historische Park und Kunstprojekte

Hinter dem Herrenhaus erstreckt sich ein weitläufiger Park, der ursprünglich im Barockstil angelegt, später aber in einen englischen Landschaftspark umgewandelt wurde. Besonders von der Gartenseite sind die zwei Türme des Herrenhauses zu sehen, die erst im 19. Jahrhundert angebaut wurden.

Die Unternehmerfamilie Merckle hat vor allem Skulpturen mecklenburgischer Künstler aufgekauft und im Park ausgestellt. Einige Skulpturen im Park sind sogar schon in der Vorwendezeit entstanden, wie der schreiende Hengst von Joachim Jastram aus dem Jahr 1986. Der Künstler lebte und arbeitete von 1920 bis 2011 in Mecklenburg. Heute bietet der Park von Hohen Luckow auch eine Ausstellungsfläche für Künstler, deren Werke an verschiedenen Orten zu finden sind.

Soziales Engagement der Gutseigentümer

Das soziale Engagement von Gut Hohen Luckow spielt eine wichtige Rolle für die regionale Entwicklung Mecklenburg-Vorpommerns. Die Eigentümer setzen sich aktiv für die Förderung der lokalen Gemeinschaft ein.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Bewahrung des kulturellen Erbes. Die Gutseigentümer investieren in die Restaurierung historischer Gebäude und fördern lokale Kunstprojekte. Die Bewirtschaftung des Gutes schafft Arbeitsplätze für die Menschen vor Ort. In der Landwirtschaft, im Tourismus und in der Verwaltung entstehen neue Stellen, was die Wirtschaft in der strukturschwachen Region stärkt.

Ein besonderes Anliegen der Gutseigentümer ist die Förderung junger Menschen. Sie vergeben Stipendien an begabte Schüler aus der Region und unterstützen Bildungsprojekte an lokalen Schulen. Zudem kooperiert Gut Hohen Luckow mit der Universität Rostock beim Juniorstudium-Programm.

Fazit

Die Geschichte und Entwicklung von Gut Hohen Luckow zeigt eindrucksvoll, wie historische Kulturlandschaften erfolgreich bewahrt und gleichzeitig für die Zukunft nutzbar gemacht werden können. Die aufwendige Sanierung des Herrenhauses durch die Familie Merckle stellt ein herausragendes Beispiel für zeitgemäße Denkmalpflege dar, bei der die originalen Bausubstanzen sorgfältig erhalten und mit moderner Technik ergänzt wurden.

Die Verbindung von traditioneller Landwirtschaft, nachhaltiger Energieerzeugung, Tourismus und kultureller Nutzung schafft ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept, das gleichzeitig den historischen Charakter des Ensembles bewahrt. Das soziale Engagement der Eigentümer unterstreicht die Verbundenheit mit der Region und trägt zur Stärkung des lokalen Umfelds bei.

Gut Hohen Luckow ist damit mehr als nur ein restauriertes historisches Ensemble – es ist ein lebendiger Ort, der Geschichte, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft verbindet und für die Zukunft nachhaltig positioniert ist. Die gelungene Sanierung und Nutzung des Gutes bietet wertvolle Anregungen für ähnliche Projekte im Bereich der Denkmalpflege und regionalen Entwicklung.

Quellen

  1. UAMR - Wem gehört Gut Hohen Luckow?
  2. Bettys Vacation - Gut Hohen Luckow Mecklenburg-Vorpommern
  3. Festspiele MV - Spielstätte Hohen Luckow Schloss

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