Nachverdichtung in Hamburg-Horn: SAGA schafft bezahlbaren Wohnraum durch innovative Aufstockung

Einleitung

Im Hamburger Stadtteil Horn entsteht derzeit eines der innovativsten Projekte der urbanen Nachverdichtung in Deutschland. Die SAGA Unternehmensgruppe realisiert im Quartier Horner Geest durch Aufstockungen und Anbauten an bestehenden Mehrfamilienhäusern 142 neue, öffentlich geförderte Wohnungen. Besonders bemerkenswert ist die Bauweise: Die Erweiterungen erfolgen in moderner Holzmodulbauweise, bei der vorgefertigte Module wie Bauklötze aufgestapelt werden. Dieses Projekt zeigt exemplarisch, wie auf städtischem Bestand verdichtet werden kann, ohne dass die bestehenden Mieter umziehen müssen. Die Maßnahme ist Teil des städtebaulichen Konzepts "Zukunftsbild Horner Geest 2030" und trägt zur Lösung des Wohnungsmangels in Hamburg bei.

Das Projekt im Detail

Das Vorhaben der SAGA befindet sich im Dahrendorfweg im Hamburger Stadtteil Horn und umfasst die Erweiterung von sechs Mehrfamilienhäusern. Die Nachverdichtung erfolgt zweigleisig: Einerseits werden die Gebäude zweigeschossig aufgestockt, andererseits werden fünfgeschossige Anbauten realisiert. Diese Kombination ermöglicht eine nahezu Verdopplung der Wohnungsanzahl auf dem bestehenden Grundstück.

Ein bemerkenswertes Detail des Projekts ist die sogenannte "Stapelfete", die SAGA gemeinsam mit Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein gefeiert hat. Dieser symbolische Akt unterstreicht die Besonderheit der Bauweise, bei der die neuen Wohnungen nicht konventionell errichtet, sondern wie Bauklötze aufgestapelt werden. Jede Wohnung besteht dabei aus drei bis vier Modulen, die wie große Legosteine aussehen und mit einem Kran auf das Gebäude gehoben werden.

Die Bauarbeiten sind bereits in vollem Gange, und die ersten neuen Mieter sollen im Herbst in die fertiggestellten Wohnungen einziehen können. Das gesamte Projekt orientiert sich am städtebaulichen Masterplan "Stromaufwärts an Elbe und Bille" und leistet mit seiner roten Fassade "einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Backsteinstadt", so die SAGA in einer Mitteilung.

Die innovative Bauweise: Holzmodulbau

Die Besonderheit des Horn-Projekts liegt in der Verwendung der Holzmodulbauweise. Im Vergleich zur konventionellen Bauweise bietet diese Methode mehrere entscheidende Vorteile. Die vorgefertigten Module werden in Serie produziert und dann vor Ort wie Bauklötze aufgestapelt. Christian Czerny vom Holzmodulhersteller LiWooD hebt die Effizienz dieser Nachverdichtungsform hervor: "Bestehende Infrastruktur wird genutzt, Ressourcen geschont, und gewachsene Quartiere gestärkt. Die Maßnahme kann einen Beitrag zur Stabilisierung des Wohnungsmarkts leisten."

Die Entscheidung für Holz als Baumaterial ist bewusst getroffen worden. Holz als nachwachsender Rohstoff ist nicht nur ökologisch vorteilhaft, sondern ermöglicht auch eine schnellere Bauzeit. Die Module werden in kontrollierter Fertigungshalle hergestellt, was eine höhere Qualität und geringere Fehlerquote als auf der Baustelle ermöglicht. Zudem ist Holz ein guter Wärmedämmstoff, was den Energieeffizienzstandard der Gebäude unterstützt.

Die bestehende Architektur der Gebäude – mit ihrer schlichten Kubatur und Fertigteilbauweise – bietet laut SAGA gute Voraussetzungen für die modulare Ergänzung. Vorab mussten jedoch die Fundamente der Häuser verstärkt werden, um die neuen Lasten tragen zu können. Diese technische Herausforderung wurde durch statische Berechnungen und entsprechende Verstärkungsmaßnahmen gelöst.

Vorteile der Nachverdichtung

Die gewählte Bauweise bietet im Vergleich zu Abriss und Neubau mehrere signifikante Vorteile. Einerseits werden durch die Nutzung bestehender Infrastruktur Kosten eingespart, andererseits wird der Stadtraum weniger belastet. Die Maßnahme führt zu geringeren Eingriffen in die städtische Struktur, reduziert die Flächenversiegelung und ermöglicht Einsparungen bei Energie- und Erschließungskosten.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass die Bestandsmieter ihre Wohnungen nicht verlassen müssen. Bei herkömmlichen Sanierungs- oder Neubauprojekten ist dies oft der Fall, was zu erheblichen Belastungen für die Bewohner führt. Die SAGA betont daher, dass die Maßnahme sozial verträglich umgesetzt wird, während die Bestandswohnungen gleichzeitig modernisiert werden – insbesondere in den Bädern.

Darüber hinaus trägt das Projekt zur Stärigung des bestehenden Quartiers bei. Durch die Erhaltung der gewachsenen Struktur und die Integration neuer Wohnungen entsteht ein sozial durchmischtes Umfeld für verschiedene Bevölkerungsgruppen. Die SAGA sieht das Projekt daher als Modell für künftige Entwicklungen in der Hansestadt.

Technische Spezifikationen

Die neuen Wohnungen entsprechen hohen technischen Standards und erfüllen die Anforderungen des KfW-55-Energiestandards. Das bedeutet, dass der Primärenergiebedarf der Gebäude um 55 Prozent unter dem Referenzwert der EnEV (Energieeinsparverordnung) liegt. Diese hohe Energieeffizienz wird durch die Kombination aus Holzmodulbauweise, guter Wärmedämmung und geplanter Photovoltaikanlagen auf den begrünten Flachdächern erreicht.

Die Mietpreise sind bewusst bezahlbar gehalten. Die anfängliche Nettokaltmiete beträgt 7,10 Euro pro Quadratmeter. Die Wohnungen entstehen im 1. Förderweg, was sie für öffentliche Fördermittel qualifiziert. Die Wohnungsgrößen variieren von zwei bis vier Zimmern und sind damit für Singles, Paare und Familien geeignet. In den Anbauten sind darüber hinaus barrierereduzierte Wohnungen per Aufzug erreichbar geplant.

Die Ausstattung der Wohnungen ist ebenfalls durchdacht: Alle Neubauwohnungen erhalten einen Balkon oder eine Terrasse. Zur Straße hin passen sich die Neubauten der umgebenden Backsteinoptik an, zum Innenhof erhalten die Fassaden hellen Putz. Die Flachdächer sollen begrünt und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Die Wohnungen werden mit Fernwärme versorgt, was eine umweltfreundliche Energieversorgung gewährleistet.

Integration in die städtebauliche Entwicklung

Das Projekt ist Teil der Umsetzung des städtebaulichen Konzepts "Zukunftsbild Horner Geest 2030", das gezielt Potenziale für Aufstockung und Nachverdichtung im Hamburger Osten identifiziert hat. Laut Karen Pein, Senatorin für Stadtentwicklung, ist "die Entwicklung des Hamburger Ostens uns als Senat ein besonderes Anliegen. Gerade in Stadtteilen wie Horn sichern wir bezahlbare Wohnungsangebote und ergänzen den Bestand durch gezielte Neubauvorhaben."

Das Horn-Projekt ist eingebettet in ein umfassendes Entwicklungskonzept für den Stadtteil. Neben den Wohnungsneubauen gibt es umfassende RISE-Investitionen in die soziale Infrastruktur, darunter ein neues Stadtteilzentrum "Horner Freiheit". Auch das große Infrastrukturprojekt zur Verlängerung der U-Bahnlinie U4 Richtung Horner Geest ist Teil dieses Gesamtkonzepts. Senatorin Pein bezeichnet diesen Ansatz als "ganzheitlich", da nicht nur Wohnraum, sondern auch die soziale und verkehrliche Infrastruktur verbessert wird.

Die rote Fassade der Neubauten orientiert sich an der traditionellen Backsteinarchitektur Hamburgs und leistet damit "einen Beitrag zum Erhalt unseres 'roten Hamburg'", so die SAGA. Diese architektonische Entscheidung unterstreicht den Respekt vor dem städtebaulichen Erbe, während gleichzeitig innovative Wohnkonzepte realisiert werden.

Soziale Aspekte und Akzeptanz

Ein zentraler Aspekt des Projekts ist die soziale Verträglichkeit. Immer wieder wird in Quellen betont, dass die Bestandsmieter ihre Wohnungen nicht verlassen müssen. Dies ist ein erheblicher Vorteil gegenüber herkömlichen Sanierungs- oder Neubauprojekten, bei denen oft umfangreiche Umquartierungen erforderlich sind.

Allerdings wird auch kritisch hinterfragt, ob die Bewohner die Belastungen durch die Bauarbeiten tatsächlich hinnehmen werden. In einer Quelle wird angemerkt: "Ob die Rechnung aufgeht – oder ob sich die Bewohner scharenweise über Lärm und Dreck beschweren, wird sich bald zeigen." Diese Unsicherheit zeigt, dass innovative Bauweisen auch Herausforderungen in der Akzeptanz bei den Bewohnern mit sich bringen können.

Die SAGA hat jedoch bereits mit den Maßnahmen begonnen, die Belastungen für die Bestandsmieter zu minimieren. Dazu gehören koordinierte Baupläne, die auf die Belange der Bewohner Rücksicht nehmen, und transparente Kommunikation über die Abläufe und Zeitpläne.

Die neuen Wohnungen sind bewusst für verschiedene Zielgruppen konzipiert. Während die Wohnungen im Bestand vor allem von bestehenden Mietern bezogen werden, richtet sich das Angebot der Neubauwohnungen an Singles, Paare und Familien. Diese soziale Durchmischung wird als wichtiger Beitrag zur Lebensqualität im Quartier gesehen.

Zukunftsperspektiven und Modellcharakter

Die SAGA sieht das Projekt in Horn als Modell für künftige Entwicklungen in Hamburg. Die Nachverdichtung auf bestehenden Baugrundstücken wird in wachsenden Städten wie Hamburg immer wichtiger, da verfügbare Flächen begrenzt sind und der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum steigt.

Die Holzmodulbauweise eröffnet dabei neue Möglichkeiten. Sie ist nicht nur schneller als die konventionelle Bauweise, sondern auch flexibler in der Gestaltung und ermöglicht eine hohe Qualität. Die Module können je nach Bedarf variiert und kombiniert werden, was unterschiedliche Wohnungstypen und -größen ermöglicht.

Für andere deutsche Städte könnte das Horn-Projekt ebenfalls wegweisend sein. Es zeigt, dass Nachverdichtung nicht nur mit Neubau, sondern auch mit intelligenten Erweiterungen bestehender Gebäude möglich ist. Die Kombination aus ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Vorteuten macht diese Bauweise besonders attraktiv.

Allerdings wird auch deutlich, dass solche Projekte eine gute Planung und enge Abstimmung mit allen Beteiligten erfordern. Die Verstärkung der Fundamente, die Logistik der Modulmontage und die Koordination mit den Bewohnern sind komplexe Aufgaben, die professionelles Know-how voraussetzen.

Fazit

Das Projekt der SAGA in Hamburg-Horn zeigt exemplarisch, wie moderne Bauweisen und innovative städtebauliche Konzepte zur Lösung der Wohnungskrise beitragen können. Durch die Nachverdichtung bestehender Gebäude in Holzmodulbauweise werden 142 neue, bezahlbare Wohnungen geschaffen, ohne dass die Bestandsmieter umziehen müssen. Das Projekt verbindet soziale Aspekte, ökologische Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz auf vorbildliche Weise.

Die Einbindung in das Gesamtkonzept "Zukunftsbild Horner Geest 2030" zeigt, dass Wohnungsbau nur im Kontext mit sozialer und verkehrlicher Infrastruktur erfolgreich sein kann. Die bewusste architektonische Anlehnung an die traditionelle Backsteinarchitektur Hamburgs unterstreicht den Respekt vor dem städtebaulichen Erbe, während gleichzeitig innovative Wohnkonzepte realisiert werden.

Obwohl das Projekt noch relativ jung ist und die langfristige Akzeptanz bei den Bewohnern noch abgewartet werden muss, bietet es doch wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Nachverdichtungsprojekte in wachsenden Städten. Die Kombination aus Nachverdichtung, modularer Bauweise und sozialer Verträglichkeit könnte zu einem Standard für die städtebauliche Entwicklung in Deutschland werden.

Quellen

  1. Stapelfete für 142 öffentlich geförderte Wohnungen in Horn
  2. SAGA fliegt neue Wohnungen aufs alte Haus – und die Mieter bleiben drin!
  3. Grundsteinlegung für 220 öffentlich geförderte Wohnungen in Horn
  4. SAGA baut 220 neue Wohnungen im Hamburger Stadtteil Horn
  5. Neue Wohnungen auf alten Dächern – SAGA verdichtet in Hamburg Horn
  6. SAGA verdichtet Bestand in Hamburg Horn mit gestapelten Holzmodulen

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