Bauoffensive bei der Bundeswehr: Renovierung und Neubau im Zeichen der Truppenvergrößerung

Einleitung

Die Bundeswehr steht vor gewaltigen Herausforderungen bei der Modernisierung und Erweiterung ihrer Infrastruktur. Während die Truppe derzeit auf etwa 181.000 Soldatinnen und Soldaten geschrumpft ist, besteht das politische Ziel, die Zahl bis 2031 auf über 203.000 zu erhöhen. Gleichzeitig klagen viele Kasernen über einen erheblichen Sanierungsstau und marode Bausubstanz. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Zustand der Bundeswehr-Immobilien, die geplanten Bauprojekte und die Herausforderungen bei der Erweiterung der militärischen Infrastruktur in Deutschland.

Aktueller Zustand der Bundeswehr-Immobilien

Die Bundeswehr verwaltet bundesweit etwa 1.500 Liegenschaften mit über 35.000 Gebäuden. Viele dieser Anlagen befinden sich jedoch in einem bedenklichen Zustand. Wie die Wehrbeauftragte Eva Högl in ihrem jüngsten Bericht feststellt, sind zahlreiche Bundeswehrstandorte in einem "beklagenswerten Zustand" und dringend einer Sanierung bedürftig.

Als Negativbeispiel wird die Südpfalz-Kaserne in Germersheim genannt, wo Soldatinnen und Soldaten der Luftwaffe ausgebildet werden. Viele Gebäude, insbesondere Lehr- und Unterrichtsräume, befinden sich in einem schlechten Zustand. Es kommt zu Schimmel in Stuben und Sanitärräumen, Wasserschäden sowie zu bröckelndem Putz an den Wänden. Die Sanierungskosten für diese Kaserne allein belaufen sich auf über 125 Millionen Euro.

Trotz dieser Dringlichkeit kommen die geplanten Vorhaben wie der Neubau von Unterkünften und die Sanierung von Schießanlagen, Material- und Munitionslagern nur langsam voran. Mit einer Fertigstellung dieser Projekte ist frühestens ab 2030 zu rechnen. Ein wesentlicher Hinderungsgrund ist, dass für die Umsetzung solcher Bauvorhaben primär die Bauverwaltungen der Länder zuständig sind, die oft völlig überlastet sind.

Die Heinrich-Hertz-Kaserne in Birkenfeld, die 2013 aufgelöst wurde, zeigt jedoch, dass auch eine positive Entwicklung möglich ist. Diese Kaserne wird derzeit in einen Gewerbepark und Wohnungen umgewandelt. Dabei werden Teile des alten Kasernenkomplexes erhalten und saniert. Die Entwicklungsgesellschaft, die das Gelände vor drei Jahren vom Bund gekauft hat, verweist auf unterirdische Bunkeranlagen, die für den Zivilschutz genutzt werden könnten.

Personalbedarf und Infrastrukturerweiterung

Die Bundeswehr steht vor erheblichen personalpolitischen Herausforderungen. Nach Angaben des Reservistenverbandes fehlen allein in diesem Jahr 20.000 Soldaten. Bei einer seit zehn Jahren nahezu unveränderten Truppenstärke von etwa 181.000 Soldaten ist das Ziel, die Zahl bis 2031 auf mehr als 203.000 zu erhöhen, weit entfernt.

Die Bundeswehr könnte mit ihren derzeitigen Kapazitäten jedes Jahr zusätzlich 5.000 Wehrdienstleistende aufnehmen, teilt eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums mit. Sollte die Debatte um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht Fahrt aufnehmen – der Koalitionsvertrag schließt diese zwar "vorerst" aus, präferiert aber einen Wehrdienst auf freiwilliger Basis –, müssten weitere Liegenschaften genutzt und zusätzliche Infrastruktur aufgebaut werden.

Sicherheitsexperte Joachim Weber bezweifelt, dass auf Basis des jetzigen Systems eine deutliche Vergrößerung der Bundeswehr funktioniert. Er plädiert daher dafür, "irgendeine Form von Wehrpflicht wieder einzuführen". Das Modell des freiwilligen Wehrdienstes habe sich nicht bewährt. Die Bundeswehr schaffe es trotz großer Anstrengungen nicht, ausreichend Nachwuchs zu rekrutieren. Zudem sei die Zahl der Abbrecher zu hoch, viele Rekruten würden oft schon nach kurzer Zeit die Truppe wieder verlassen.

"Wenn es die vergangenen drei Jahre nicht geschafft wurde, Zehntausende von Leuten zu begeistern, in die Kasernen zu strömen, wo sollen die dann in den nächsten Jahren herkommen", so Weber. Für einen eventuellen Neuaufbau des Systems – Wehrerfassung, Verwaltung bis hin zur Kasernierung einer größeren Anzahl von Menschen – brauche es viel Zeit und Geld.

Umnutzung von Bundeswehr-Standorten

Die Bundeswehr betreibt derzeit noch 275 Standorte. Etwa 200 ehemalige militärische Liegenschaften sind über das gesamte Bundesgebiet verteilt, die sich grundsätzlich weiterhin für die Bundeswehr eignen. 13 dieser Standorte werden noch von der Truppe betrieben.

Die Bundeswehr plant nach eigenen Angaben bis auf Weiteres keine Liegenschaften mehr abzugeben. Vielmehr sei das Ziel, die "auch flächenmäßigen Voraussetzungen für einen weiteren Aufwuchs" zu schaffen. Ob ehemalige Bundeswehr-Standorte künftig wieder militärisch genutzt werden können, muss bei Bedarf im Einzelfall geprüft werden. Dies hängt auch von den vertraglichen Bedingungen und dem jeweiligen baulichen Zustand ab.

Die Umnutzung von Militärgeländen hat jedoch auch Auswirkungen auf die Kommunen. Die Gemeinde Leck im Kreis Nordfriesland plant auf den Flächen des ehemaligen Fliegerhorsts ein neues Gewerbegebiet. Die Kommune hat bereits erste Kaufgespräche mit Firmen und Mietern geführt und über 20 Millionen Euro in das Projekt investiert. Sollte die Bundeswehr den gesamten Flugplatz beanspruchen, wäre das nach Aussage von Bürgermeister Andreas Deidert (CDU) ein "ziemliches Desaster". Die Gemeinde hat nach eigenen Angaben jedoch noch keine Kenntnis darüber, ob die Bundeswehr den gesamten Flugplatz oder nur die nicht verkauften Flächen beanspruchen möchte. Das Innenministerium ist nach eigenen Angaben inzwischen informiert worden und setzt sich mit den Kommunen in Verbindung, wenn Bedarf besteht.

Gemeinsames Bauprogramm von BImA und Bundeswehr

Um die Infrastruktur der Bundeswehr zu modernisieren und zu erweitern, wurde ein gemeinsames Bauprogramm zwischen der Bundesimmobilienagentur (BImA) und der Bundeswehr ins Leben gerufen. Der offizielle Startschuss für dieses Programm wurde am 25. Juni 2025 in der General-Steinhoff-Kaserne in Berlin feierlich begangen. Mit dem Pilotprojekt sollen etwa 7.150 moderne Unterkunftsstuben geschaffen werden.

Das Bauprogramm profitiert von Grundlagendokumenten, die in Zusammenarbeit des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) mit der zuständigen Leitstelle der Landesbauverwaltung Hessen erstellt wurden. Dazu gehören vor allem neue verbindliche Planungsvorgaben für Unterkünfte und deren Standardisierung. Künftig wird es vier Gebäudegrößen geben, die als bundesweite, einheitliche Grundlage für sämtliche Neubauten Anwendung finden. Mit der Einführung dieser vier Standard-Typengebäude wird ein wesentlicher Grundstein für das Bauprogramm unter Nutzung der Möglichkeiten von größtmöglicher industrieller Vorfertigung gelegt.

Die BImA ist als Eigentümerin aller Grundstücke sowie Gebäude des Bundes ein idealer Partner, um Bauprojekte für die Bundeswehr zu realisieren. Durch die umfangreiche Unterstützung der BImA können die Landesbauverwaltungen den Fokus auf weitere, wichtige Infrastrukturvorhaben legen – von Munitionslagern über Flugplätze und Wartungs- und Ausbildungshallen bis hin zu Energie- und Versorgungseinrichtungen.

Überlegungen für neue Standorte

Bei der Planung neuer oder der Erweiterung bestehender Bundeswehrstandorte gibt es verschiedene Überlegungen. Sicherheitsexperte Christian Mölling betont, dass es darauf ankomme, auf welche Art die Bundeswehr vergrößert werden soll. "Ob eine moderne Armee als Stützpunkt auf der grünen Wiese aufgebaut wird mit Schlafplätzen oder ob es besser ist, die Leute in eine bestehende Infrastruktur in der Stadt zu integrieren, weil die sowieso Heimschläfer sind. Dahinter steht die Frage der Grundkonzeption."

Besonders wichtig für die Standortwahl sei die Nähe zu Übungs- und Schießplätzen. Dass die Standorte möglichst weit im Osten liegen sollten, hält Mölling für keinen Vorteil, denn: "Je näher sie an die Front kommen, umso schneller sind sie ja mit ihrer Infrastruktur unter Feuer."

In den nächsten Tagen wollen Bund und Kommunen verhandeln, welche Standorte vom Umwandlungsstopp betroffen sind. Die Entscheidung über die zukünftige Infrastrukturstruktur der Bundeswehr wird daher sowohl militärische als auch zivile und regionale Aspekte berücksichtigen müssen.

Fazit

Die Bundeswehr steht vor gewaltigen Herausforderungen bei der Modernisierung und Erweiterung ihrer Infrastruktur. Einerseits besteht ein erheblicher Sanierungsstau bei vielen Kasernen, andererseits muss die Infrastruktur an das Ziel der Truppenvergrößerung angepasst werden. Die geplante Bauoffensive zwischen BImA und Bundeswehr sowie die Überlegungen zur Umnutzung ehemaliger Militärgelände sind wichtige Schritte in diese Richtung.

Die Umsetzung dieser Pläne wird jedoch von verschiedenen Faktoren abhängen: der Finanzierung der Bauprojekte, der Verfügbarkeit von Fachpersonal, der Zusammenarbeit mit den Ländern und Kommunen sowie letztlich auch von der politischen Entscheidung über die zukünftige Personalstruktur der Bundeswehr – ob weiterhin auf freiwilliger Basis oder eventuell mit einer Form der Wehrpflicht.

Die Modernisierung der Bundeswehr-Immobilien ist somit nicht nur eine bauliche, sondern auch eine strategische Herausforderung, die sorgfältige Planung und Abstimmung erfordert.

Quellen

  1. Tagesschau: Bundeswehr, Wehrpflicht, Kasernen
  2. NDR: Bund will Bundeswehr-Flächen behalten
  3. ZDF: Bundeswehr-Wohnungen, Kasernen, Wohnungsbau
  4. Bundesimmobilien: Gemeinsames Bauprogramm von BImA und Bundeswehr

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