Umbau des ehemaligen Karstadt-Gebäudes in Hannover: Von Kaufhaus zu Multi-Event-Haus

Einleitung

Die Innenstädte in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen durch die Veränderung des Einzelhandels und die damit verbundenen Leerstände. Ein prominentes Beispiel ist das ehemalige Karstadt-Gebäude in der Georgstraße in Hannover, das seit fast vier Jahren leer steht. Der Eigentümer arbeitet derzeit an verschiedenen Nutzungskonzepten, um die Immobilie wiederzubeleben. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Pläne, den Baufortschritt und die technischen Aspekte der geplanten Umwandlung des Gebäudes.

Aktueller Stand des Karstadt-Gebäudes in Hannover

Das ehemalige Karstadt-Gebäude in der Georgstraße in Hannover ist seit fast vier Jahren ungenutzt. Die Immobilie mit einer Fläche von gut 16.000 Quadratmetern steht als eines der größten leerstehenden Gebäude in der Innenstadt Hannovers. Passanten beobachten derzeit eine große Baustellenabsperrung am Gebäude, insbesondere auf der Seite des Martin-Luther-Platzes. Eine Ecke des Hauses ist großzügig mit einer weißen Plane abgedeckt und mit Bauzäunen umstellt.

Laut einem Sprecher des Immobilieneigentümers Solidas handelt es sich dabei um dringende Sanierungsarbeiten. Die Arkaden müssen abgedichtet werden, da enorm viel Feuchtigkeit in das Untergeschoss und in die Anlieferung auf der Seite der Bürgermeister-Fischer-Straße eindringt. Diese Sanierungsarbeiten sind notwendig, bevor mit der eigentlichen Umnutzung begonnen werden kann.

Parallel dazu laufen bereits Vorbereitungen für die Ansiedlung neuer Mieter. Der Rückbau des Gebäudeinneren, bei dem Karstadt viel Interieur zurückgelassen hatte, ist fast abgeschlossen. Der Innenausbau für neue Mieter soll in Kürze starten. Bereits seit Mai ist bekannt, dass der Schuhhändler Deichmann 900 der rund 2.500 Quadratmeter im Erdgeschoss künftig belegen wird. Die Fläche, die zwischen dem Café-Twist und dem Haupteingang liegt und sich nach hinten bis fast zum Ausgang auf den Martin-Luther-Platz erstreckt, wird vom Unternehmen übernommen. Für weitere Flächen stehen die Eigentümer in intensiven Gesprächen mit Interessenten, wobei es als wahrscheinlich gilt, dass Aldi im Gebäude bleibt.

Renovationspläne: Das Konzept des Multi-Event-Hauses

Laut Berichten der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) arbeitet der Eigentümer an einem innovativen Konzept für die Immobilie: die Umwandlung in ein "Multi-Event-Haus". Dieses Konzept sieht vor, dass das Gebäude nicht wieder als traditionelles Kaufhaus genutzt wird, sondern als Standort für vielfältige und unterschiedliche Einrichtungen.

Konkrete Ideen, die bei einem firmeninternen Treffen diskutiert wurden, umfassen:

  • Sportstätten wie eine Boulderhalle
  • Freizeitangebote wie Kinos
  • Gastronomiebetriebe verschiedener Art
  • Ein Bürgeramt der Stadt Hannover
  • Institute der Universität
  • Eine Postfiliale

Diese Nutzungsmix soll das Gebäude zu einem lebendigen Ort in der Innenstadt machen, der verschiedene Bevölkerungsgruppen anspricht und eine neue Nutzung für die große Fläche schafft. Der Eigentümer des Gebäudes ist Friedrich Knapp aus Braunschweig, der sich bisher jedoch nicht öffentlich zu den Plänen geäußert hat.

In der Nähe gibt bereits ein ähnliches Konzept: Die ehemalige Kaufhof-Filiale in Hannover wird derzeit als "aufhof" für übergangsweise Ausstellungen, Diskussionsrunden und Workshops genutzt. Die Stadt hat dieses Projekt gerade erst verlängert, was zeigt, dass solche multifunktionalen Räume in der Innenstadt nachgefragt sind.

Technische Details der Renovierung

Das Bestandsgebäude mit einem Tief- und drei Obergeschossen erfordert eine umfassende Modernisierung, einschließlich der Fassaden. Laut den verfügbaren Informationen wurde der komplette Innenbereich inklusive der Fahrtreppen umgebaut. Die Gebäudespitze wurde neu errichtet und erhielt einen Panoramaaufzug. Eine Besonderheit ist die Grundflächenerweiterung durch die Aufstockung um eine Etage, die zusätzliche Nutzfläche schafft.

Bei der Sanierung des Tiefgeschosses war die Vergrößerung der lichten Geschosshöhe notwendig. Hierfür wurden die Bestandsstützen im Tiefgeschoss provisorisch abgefangen, verlängert und neu gegründet. Die Umbaumaßnahmen erfolgten während des laufenden Kaufhausbetriebs, was besondere Herausforderungen mit sich brachte.

Für eine zügige Bauausführung und um die Tragfähigkeit des lastableitenden Bestandes sicherzustellen, wurde der Umbau in leichter Konstruktion realisiert. Trotzdem waren in Teilbereichen neue Gründungsmaßnahmen innerhalb des Bestandsgebäudes notwendig. Der Leistungsumfang umfasste die Tragwerksplanung der Leistungsphasen 1-6, was eine umfassende Planung vom Vorprojekt bis zur Bauüberwachung beinhaltet.

Vergleich mit dem Klöpperhaus in Hamburg

Ein weiteres Beispiel für die Umnutzung ehemaliger Kaufhäuser ist das Klöpperhaus in der Hamburger Mönckebergstraße. Dieses stand seit Anfang 2023 leer und war bis in die 1960er Jahre ein Kontorhaus, bevor es von Galeria Karstadt übernommen wurde. Nach der Pleite des Kaufhausunternehmens steht das Gebäude nun vor einer neuen Nutzung.

Ein Immobilienunternehmen hat sich an die Renovierungsarbeiten gemacht, die Mitte 2026 abgeschlossen sein sollen. Im Gegensatz zum Hannoveraner Projekt, das auf eine gemischte Nutzung setzt, soll das Hamburger Gebäude fast ausschließlich aus Büroflächen bestehen. Dies zeigt, dass je nach Standort und Marktlage unterschiedliche Strategien für die Nachnutzung von ehemaligen Kaufhäusern verfolgt werden.

Die Renovierung des Klöpperhauses ist ebenfalls aufwändig und soll den alten Prunkbau erhalten, während er für moderne Büronutzungen adaptiert wird. Dies unterstreicht die Bedeutung von denkmalgerechten Sanierungen bei historischen Gebäuden, die oft besondere Anforderungen an die Planer und ausführenden Unternehmen stellen.

Herausforderungen und Überlegungen bei der Renovation

Die Umwandlung ehemaliger Kaufhäuser in neue Nutzungen stellt besondere Herausforderungen dar. Zum einen handelt es sich um große Gebäude mit oft komplexer Tragstruktur, die für andere Nutzungen angepasst werden müssen. Zum anderen sind die Gebäude häufig in zentralen Lagen, was die Bauarbeiten erschwert und hohe Anforderungen an die Logistik stellt.

Bei dem Hannoveraner Projekt ist die Lage besonders anspruchsvoll, da das Gebäude direkt in der Georgstraße, einer der wichtigsten Einkaufsstraßen Hannovers, liegt. Die Baustelle muss daher so gestaltet werden, dass der Verkehr und die Zugänglichkeit für andere Geschäfte so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.

Eine weitere Herausforderung ist die Umnutzung der großen Verkaufsflächen in kleinere Einheiten für unterschiedliche Mieter. Dies erfordert eine sorgfältige Planung der Raumaufteilung und der technischen Infrastruktur, um die Bedürfnisse der potenziellen Nutzer zu erfüllen.

Die Abdichtung der Arkaden gegen Feuchtigkeit ist ein weiteres wichtiges Thema, das nicht nur die Bausubstanz schützt, sondern auch die Nutzbarkeit der Räume sicherstellt. Solche Sanierungsarbeiten sind oft aufwändig und teuer, aber für die langfristige Nutzung des Gebäudes unerlässlich.

Fazit

Die Renovierung des ehemaligen Karstadt-Gebäudes in Hannover stellt ein wichtiges Projekt für die Stadtentwicklung dar. Das Konzept des "Multi-Event-Hauses" bietet eine innovative Lösung für den Leerstand großer Einzelhandelsflächen in der Innenstadt. Die geplante Nutzung mit Sportstätten, Kino, Gastronomie, Bürgeramt, Uni-Instituten und Postfiliale könnte das Gebäude zu einem lebendigen und vielseitigen Ort machen.

Die technischen Herausforderungen der Sanierung sind erheblich, insbesondere die Modernisierung des Bestandsgebäudes mit einem Tief- und drei Obergeschossen, der Umbau des Innenbereichs, die Aufstockung und die Abdichtung der Arkaden. Die Arbeiten erfolgen teilweise während des laufenden Betriebs, was besondere Anforderungen an die Planung und Ausführung stellt.

Der Vergleich mit dem Hamburger Klöpperhaus zeigt, dass unterschiedliche Nutzungskonzepte für ähnliche Gebäude möglich sind. Während in Hannover eine gemischte Nutzung angestrebt wird, soll das Hamburger Gebäude fast ausschließlich als Bürofläche genutzt werden.

Die Pläne für das Hannoveraner Gebäude sind noch in einer frühen Phase, und es bleibt abzuwarten, inwiefern die Ideen weiter ausgearbeitet und umgesetzt werden. Doch das Projekt zeigt, dass mit innovativen Konzepten und sorgfältiger Planung auch große leerstehende Gebäude in wertvolle Immobilien für die Stadtentwicklung umgewandelt werden können.

Quellen

  1. Leerstehendes Karstadtgebäude in der City - Inhaber arbeitet an Nutzungsideen
  2. Karstadt-Gebäude in Augsburg - Eigentümer erneuert Arkaden und startet Innenausbau
  3. Umbau Karstadt Haupthaus Hannover
  4. Nach Galeria Karstadt Pleite - Klöpperhaus in der Mönckebergstraße wird renoviert
  5. Hannover - Neue Pläne fürs ehemalige Karstadt-Haus
  6. Hannover - Was wird aus dem ehemaligen Karstadt-Haus?

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