Einleitung
Der katholische Kindergarten Sonnenschein in Knittlingen hat in den letzten Jahren eine umfassende Sanierung und Erweiterung erfahren, die ihn auf die aktuellen Anforderungen der modernen Kinderbetreuung ausrichtet. Das Projekt, das als eines der größten Baumaßnahmen in der Gemeinde gilt, schafft dringend benötigte Betreuungsplätze und verbessert gleichzeitig die räumlichen Bedingungen für Kinder und pädagogisches Personal. Die Bauarbeiten, die im Sommer 2018 begannen und im Herbst 2019 abgeschlossen wurden, umfassten sowohl die Erweiterung des Bestandsgebäudes aus dem Jahr 1965 als auch eine umfassende Sanierung der vorhandenen Räumlichkeiten. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe des Projekts, die Planungs- und Bauphase sowie die technischen und finanziellen Aspekte der Maßnahme, die für Bauherren und Gemeinden ähnlicher Projekte als Referenz dienen kann.
Ausgangslage und Bedarfsermittlung
Die Notwendigkeit für eine umfassende Erweiterung des Kindergartens Sonnenschein resultierte aus mehreren Faktoren. Zunächst einmal hatte die Auslastung der bestehenden Einrichtungen in der Kernstadt von Knittlingen ihre Grenzen erreicht. Der kontinuierlich steigende Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder im Vorschulalter erforderte dringend zusätzliche Kapazitäten.
Besonders problematisch war dabei die Situation an zwei Standorten: Die städtische Kindertagesstätte in der Goethestraße konnte aufgrund von Vorgaben der Betriebserlaubnis nicht weiter erweitert werden. Gleichzeitig war auch der katholische Kindergarten Sonnenschein vollständig ausgelastet, was eine dringende Erweiterungsnotwendigkeit beider Einrichtungen deutlich machte.
Im Vorfeld der Baumaßnahmen wurde in Abstimmung mit der bürgerlichen festgestellt, dass die Erweiterung des Kindergartens Sonnenschein um zwei Krippengruppen dringend erforderlich war, um den erwarteten Bedarf an Betreuungsplätzen decken zu können. Diese Einschätzung erfolgte entsprechend den geltenden Richtlinien und in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Katholischer Kindertagesstätten, die gemeinsam ein passendes Raumprogramm erarbeiteten und umsetzten.
Die Planung zielte darauf ab, die Kapazität des Kindergartens von ursprünglich 70 Kindern (20 U3 und 50 Ü3) auf 80 Kinder zu erhöhen, was einer Erweiterung um 25 Prozent entspricht. Diese Erhöhung der Betreuungsplätze war essenziell, um den Anforderungen der wachsenden Bevölkerung in Knittlingen gerecht zu werden und den Eltern adäquate Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder zu bieten.
Planungsphase und Projektkonzept
Die Planungsphase für die Sanierung und Erweiterung des Kindergartens Sonnenschein war ein mehrjähriger Prozess, der bereits 2015 mit ersten Überlegungen zu einer Grundsanierung der Einrichtung begann. Zwei Jahre später, im Jahr 2017, wurde der Architekt Andreas Kiefner mit seinen Mitarbeitern beauftragt, ein geeignetes Konzept für die Sanierung und den Neubau von zwei Krippengruppen zu erstellen.
In zahlreichen Besprechungen mit der Stadt Knittlingen und der Fachberaterin für katholische Kindertagesstätten Christa Rieger-Musch wurde das Konzept schrittweise optimiert und an die spezifischen Bedürfnisse der Einrichtung angepasst. Der Prozess war geprägt von der Notwendigkeit, die räumlichen Anforderungen einer modernen Kinderbetreuung mit den baulichen Gegebenheiten des Bestandsgebäudes aus dem Jahr 1965 in Einklang zu bringen.
Ein wesentlicher Aspekt der Planung war die Neuorganisation der Raumnutzung. Dabei wurde die bisher im Gebäude integrierte Hausmeisterwohnung rückgebaut und die Fläche dem Kindergarten zugeordnet. Als Ausgleich wurde zuvor Ersatzwohnraum im Pfarrhaus geschaffen, um die Versorgungssicherheit für die Gemeinde zu erhalten.
Das Raumprogramm sah vor, das bestehende Gebäude entsprechend dem Gebäudeprofil nach Osten zu erweitern, wobei bewusst auf eine Unterkellerung verzichtet wurde. Diese Entscheidung war wahrscheinlich sowohl aus Kostengründen als auch aus bautechnischen Überlegungen getroffen worden. Für den Anbau musste der alte Außenspielbereich abgebrochen werden, was zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung der Baustelle und zur Neuorganisation der Außenanlagen erforderte.
Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Schaffung eines Bereichs zum gemeinsamen Mittagessen gelegt, der sowohl für die Kinder als auch für das pädagogische neue Möglichkeiten der Gemeinschaftsbildung und des sozialen Lernens bieten sollte. Diese multifunktionalen Räumlichkeiten sollten die pädagogische Arbeit unterstützen und den Kindern eine angenehme Umgebung für gemeinsame Mahlzeiten und Aktivitäten bieten.
Bauphase und Herausforderungen
Die eigentliche Bauphase startete Anfang 2018 und stellte alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Eines der größten Probleme war die Fortführung des Kindergartenbetriebs während der umfangreichen Bauarbeiten. Um eine kontinuierliche Betreuung der Kinder sicherzustellen, wurde der Kindergarten vorübergehend in den Gemeindesaal der Kirchengemeinde verlegt.
Diese Verlegung erforderte zusätzliche Maßnahmen, um eine kindgerechte Betreuung vorzubereiten und sicherzustellen. Der Gemeindesaal musste entsprechend umgerüstet werden, um den pädagogischen Anforderungen gerecht zu werden. Gleichzeitig mussten die Kinder und ihre Erzieherinnen an die neuen Räumlichkeiten und Abläufe gewöhnt werden, was eine erhebliche organisatorische und emotionale Belastung für alle Beteiligten darstellte.
Die Bauarbeiten selbst umfassten ein breites Spektrum an Maßnahmen:
- Erweiterungsbau: Nach Osten wurde ein Anbau an das Bestandsgebäude erstellt, der Platz für zwei zusätzliche Gruppen schuf.
- Rückbau der Hausmeisterwohnung: Die integrierte Wohnung wurde zurückgebaut und die Fläche dem Kindergarten zugeordnet.
- Sanierung des Bestandsgebäudes: Umfangreiche Umbau- und Sanierungsarbeiten wurden im vorhandenen Gebäude durchgeführt.
- Neugestaltung der Außenanlagen: Nach dem Abriss des alten Außenspielbereichs wurde ein neuer Außenbereich geschaffen.
- Schaffung eines Gemeinschaftsbereichs: Ein Bereich zum gemeinsamen Mittagessen wurde realisiert.
Die Bauarbeiten wurden im Sommer 2018 begonnen und konnten im Herbst 2019 erfolgreich abgeschlossen werden. Im Anschluss daran zogen die Kinder und ihre Erzieherinnen in ihr neues Heim ein. Die offizielle Einweihung des Gebäudes fand später statt und wurde mit einem Gebet durch Pfarrer Uchechukwu Nnajiofor eingeleitet, der alle Räume des neuen Kindergartens segnete. Die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Silke Eberle, begrüßte die versammelte Gesellschaft und stellte den Entstehungsweg des Kindergartens über mehrere Jahre dar.
Technische Umsetzung und Besonderheiten
Die technische Umsetzung des Projekts stellte besondere Anforderungen an die Planer und ausführenden Unternehmen. Ein wesentlicher Aspekt war die Integration des Anbaus in das Bestandsgebäude aus dem Jahr 1965, was eine präzise Abstimmung der baulichen Gegebenheiten erforderte.
Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die Schaffung einer kindgerechten und pädagogisch wertvollen Umgebung gelegt. Die Räumlichkeiten wurden so gestaltet, dass sie den Anforderungen des offenen pädagogischen Konzepts entsprechen, das im Kindergarten Sonnenschein praktiziert wird. Dieses Konzept fördert die Selbstständigkeit und die soziale Kompetenz der Kinder durch flexible Raumgestaltung und vielfältige Lernmöglichkeiten.
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts war auch die Verbesserung der Energieeffizienz des Gebäudes. Durch die Sanierungsmaßnahmen konnte der Energieverbrauch des Kindergartens gesenkt werden, was nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch zu langfristigen Kosteneinsparungen führt.
Die Ausstattung der Räumlichkeiten orientiert sich an den aktuellen pädagogischen Konzepten und den Bedürfnissen der Kinder. So wurde beispielsweise ein Bereich für das gemeinsame Mittagessen geschaffen, der sowohl für die Mahlzeiten als auch für andere gemeinsame Aktivitäten genutzt werden kann. Die Gruppenräume wurden großzügig und flexibel gestaltet, um verschiedene pädagogische Ansätze zu ermöglichen.
Darüber hinaus wurden im Rahmen des Projekts auch Maßnahmen zur Verbesserung der Außenanlagen umgesetzt. Nach dem Abriss des alten Außenspielbereichs wurde ein neuer, sicherer und ansprechender Außenbereich geschaffen, der den Kindern vielfältige Bewegungs- und Spielmöglichkeiten bietet.
Finanzierung und Kosten
Die Finanzierung des Projektes stellte eine erhebliche Herausforderung für alle Beteiligten dar. Die Gesamtkosten für die Sanierung der beiden Bestandsgebäude plus Neubau wurden auf rund 3,3 Millionen Euro geschätzt. Allein die geplanten Sanierungsmaßnahmen schlugen mit etwa 800.000 Euro zu Buche.
Der Gemeinderat der Stadt Knittlingen gab in seiner jüngsten Ratssitzung einstimmig grünes Licht für die weiteren Planungen. Allerdings musste das Gremium bald noch entscheiden, ob die Stadt das Projekt finanziert oder ob ein Investor gesucht wird. Diese Entscheidung hatte erhebliche Auswirkungen auf die weitere Vorgehensweise und die Kostentragfähigkeit des Projekts.
Die Finanzierung solcher Projekte ist in der Regel eine komplexe Angelegenheit, bei der verschiedene Förderprogramme, kommunale Mittel und Eigenanteile der Träger zusammengeführt werden müssen. Im Fall des Kindergartens Sonnenschein handelte es sich um ein gemeinsames Projekt der Stadt Knittlingen und der katholischen Kirchengemeinde, was die Finanzierungsstruktur zusätzlich komplex gestaltete.
Die Höhe der Kosten ist auf die umfangreichen Baumaßnahmen zurückzuführen, die sowohl die Erweiterung des Gebäudes als auch die umfassende Sanierung des Bestands einschlossen. Besonders kostspielig waren dabei die Rückbau- und Umbauarbeiten sowie die Schaffung von Ersatzwohnraum im Pfarrhaus, die notwendig wurden, um die Hausmeisterwohnung für den Kindergartenbetrieb freizumachen.
Ergebnis und Zukunftsperspektiven
Das Ergebnis des Projekts ist ein moderner, kindgerechter Kindergarten, der den Anforderungen der modernen Kinderbetreuung gerecht wird. Durch die Erweiterung konnten zwei zusätzliche Gruppen untergebracht werden, was die Betreuungsplatzkapazität deutlich erhöht hat. Gleichzeitig wurde die Qualität der pädagogischen Arbeit durch die verbesserten räumlichen Bedingungen nachhaltig gestärkt.
Die offizielle Einweihung des Gebäudes markierte den Abschluss eines mehrjährigen Prozesses, der von Planung, Finanzierung und Bau geprägt war. Die Segnung aller Räume durch Pfarrer Uchechukwu Nnajiofor und die Ansprache von Silke Eberle, der Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, unterstrich die Bedeutung des Projekts für die gesamte Gemeinde.
Für die Zukunft sind weitere Verbesserungen geplant. So hat der Kindergarten im August 2022 die BeKi-Zertifizierung erhalten, die auf drei wesentlichen Verbesserungen basiert:
- Pro Monat mehrmaliges Zubereiten von gemeinsamen, warmen Mahlzeiten mit den Kindern, sowie täglicher Zugang zu Obst und Gemüse für alle Kinder der Einrichtung.
- Durchführung von Kinderkonferenzen und Essensplaneinkäufen mit den Kindern.
- Stärkung des Nachhaltigkeitsbewusstseins und Anlegen eines Hochbeets.
Diese Maßnahmen unterstreichen den pädagogischen Anspruch des Kindergartens und zeigen, wie die verbesserten räumlichen Bedingungen durch innovative pädagogische Konzepte ergänzt werden.
Für die Stadt Knittlingen stellt das Projekt einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der Kinderbetreuung dar. Durch die Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze wird die Attraktivität der Stadt für Familien mit Kindern weiter gestärkt, was sich positiv auf die demografische Entwicklung auswirken kann.
Fazit
Die Sanierung und Erweiterung des katholischen Kindergartens Sonnenschein in Knittlingen ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie dringende bauliche Maßnahmen umgesetzt werden können, um die Qualität der Kinderbetreuung nachhaltig zu verbessern. Das Projekt, das mit Gesamtkosten von rund 3,3 Millionen Euro zu den größten Baumaßnahmen in der Gemeinde zählt, hat nicht nur die Betreuungsplatzkapazität erhöht, sondern auch die räumlichen Bedingungen für Kinder und pädagogisches Personal deutlich verbessert.
Die Herausforderungen während der Bauphase, insbesondere die Fortführung des Kindergartenbetriebs während der Bauarbeiten, wurden durch eine engagierte Planung und Umsetzung gemeistert. Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Knittlingen, der katholischen Kirchengemeinde und den Fachplanern hat gezeigt, dass solche Vorhaben nur durch gemeinsames Engagement erfolgreich realisiert werden können.
Das Ergebnis ist eine moderne, kindgerechte Einrichtung, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird und den Kindern eine gute Grundlage für ihre Entwicklung bietet. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Investitionen in die Kinderbetreuung Investitionen in die Zukunft der gesamten Gemeinde sind.
Für andere Gemeinden und Träger stellt das Projekt in Knittlingen eine wertvolle Referenz dar, die zeigt, wie umfangreiche Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen geplant und umgesetzt werden können, um die Qualität der Kinderbetreuung zu verbessern und den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Quellen
- Mühlacker Tagblatt - Kindergarten Sonnenschein erweitert
- Mein Enzkreis - Kindergarten Sonnenschein erstrahlt in neuem Glanz
- PZ-News - Kindergarten-Umbau wird zum Millionenprojekt
- Stadt Knittlingen - Kurzportrait Kindergarten Sonnenschein
- Lern-BW - Katholischer Kindergarten Sonnenschein
- SE Mühlacker-Nord - Katholischer Kindergarten Sonnenschein