Sanierung und Restaurierung der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Bullay an der Mosel

Einleitung

Die Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Bullay an der Mosel ist ein bedeutendes sakrales Bauwerk mit einer reichen Geschichte, die mehrere Jahrhunderte umfasst. Wie viele historische Gebäude, hat auch diese Kirche im Laufe ihrer Existenz zahlreiche Umgestaltungen und Sanierungen erfahren, um ihre Funktion als Gotteshaus zu erhalten und an die Erfordernisse der Zeit anzupassen. Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklung des Bauwerks und die wichtigsten Sanierungsmaßnahmen, insbesondere die jüngeren umfangreichen Renovierungen in den Jahren 2014, 2018 und 2019.

Historische Entwicklung der Kirche

Die Geschichte der Bullayer Kirche beginnt im Jahr 1617, als eine kleine Kapelle mit angrenzendem Friedhof am heutigen Lindenplatz errichtet wurde. Dieses katholische Kirchlein galt als selbstständige Pfarrkirche und war eine der ältesten an der Mosel. Bis zu diesem Zeitpunkt war Bullay lediglich als kirchliche Kapellengemeinde existiert und der Pfarrei Merl unterstellt.

Bis zum Jahr 1867 befand sich das Kirchlein in einem schlechten Zustand und konnte kaum die Hälfte der Einwohner Bullays aufnehmen. Dies machte den Bau einer neuen Kirche notwendig. Das alte Kirchlein wurde schließlich 1877 abgerissen.

Die Planungen für einen Neubau begannen im November 1869, als erste Pläne verworfen wurden. Im April 1870 wurde der Architekt August Rinklake aus Düsseldorf mit dem Bau einer Kirche im gotischen Stil beauftragt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 27. August 1871. Der Bau der Kirche wurde durch Maurermeister Röder aus Alf ausgeführt. Das Kirchenschiff war in Ost-West-Linie zur Mosel hin ausgerichtet. Auf einen Glockenturm wurde zunächst verzichtet, stattdessen wurde nur eine Turmspitze auf dem Kirchenschiff errichtet. Die Kosten für Rohbau, Empore und Kirchengestühl beliefen sich auf 11.772 Thaler.

Im September 1873 wurde die Kirche eingesegnet und der Nutzung übergeben. Die feierliche Einweihung erfolgte jedoch erst im September 1975 durch Bischof Dr. Eberhard von Trier. Die Kirche erhielt den Namen "Kirche der heiligen Maria Magdalena" und war weiterhin der Pfarrei Merl unterstellt.

Die Kirche enthielt einen Magdalenen-Kirchenaltar, eine Kreuzigungsgruppe aus dem 16. Jahrhundert sowie eine spätbarocke Magdalenenfigur. Die aus dem Jahr 1880 stammende Orgel wurde 1922 durch ein neues Instrument ersetzt.

Eine tiefgreifende Umgestaltung erfolgte unter Vikar Heinrich Lüssem im Jahr 1936. Das ehemalige Längsschiff der Kirche wurde nun als Breite genommen und die Kirche in Richtung Süden erweitert. Dies führte zu einer Verdreifachung des Raumes. Auf einen Turm musste weiterhin aus finanziellen Gründen verzichtet werden. Die Glocken hingen an einem überdachten Gerüst im Pfarrgarten.

Am 18. August 1943 wurde Bullay zur Pfarrei erklärt, nachdem es mehrere hundert Jahre nur als kirchliche Kapellengemeinde galt und dieser Merl unterstellt war. Bereits 1949 begannen die Arbeiten am Fundament eines Kirchturms. Der Turm, einschließlich Glockenstuhl und einer neuen Glocke, wurde in den Jahren 1952 und 1953 innerhalb kurzer Zeit fertiggestellt. Das elektrische Geläut verfügt über drei Glocken: eine aus der alten Kirche von 1776, eine 1930 umgegossene Glocke und eine Glocke von 1951. Das Geläut wurde erstmals am Weihnachtsfest 1953 erklingen gelassen.

Da die Kirche im Krieg durch Artillerietreffer stark gelitten hatte und fast die gesamte Verglasung vernichtet war, erfolgte 1956 die Erneuerung des Außenputzes. Der bergeseitige Eingang wurde völlig neu gestaltet und das Innere der Kirche renoviert.

Sanierungsmaßnahmen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Im Zusammenhang mit dem II. Vatikanischen Konzil, das 1965 endete, wurden in der Bullayer Kirche umfangreiche Veränderungen vorgenommen, die 1975 abgeschlossen wurden. Diese Umgestaltung war eine Reaktion auf die liturgischen Reformen des Konzils und führte zu einer Modernisierung des Kircheninneren.

Die wichtigsten Maßnahmen dieser Phase waren:

  • Einzug einer Kassettendecke
  • Modernisierung der Orgel- und Emporenverkleidung
  • Entfernung der Kanzel und der Kommunionbank
  • Aufstellung eines neuen Altars

Der neue Altar und der Ambo wurden aus portugiesischem rosafarbenem Marmor gefertigt und vom Bildhauer Hanns Scherl aus Wittlich gestaltet. Das Altarbild stellt Jesus beim Brechen des Brotes mit den Emmaus-Jüngern dar, ein Motiv, das die Eucharistiefeier symbolisiert.

Ein besonderes Ereignis in dieser Zeit war die Beisetzung einer Reliquie der Seligen Mutter Rosa Flesch im Altar der Kirche am 22. Juli 2012, dem Patronatsfest. Margaretha Flesch wurde am 24. Februar 1826 in Schönstatt bei Vallendar geboren und starb am 25. März 1906 im Kloster Marienhaus bei Waldbreitbach. Sie war die Gründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen von der allerseligsten Jungfrau Maria von den Engeln. Mutter Rosa wurde 2008 von der katholischen Kirche seliggesprochen.

Ein weiteres wichtiges Kunstwerk in der Kirche ist das Retabel (Seitenaltar/Altaraufsatz), eine Bildwand aus Sandstein, die in der Bildhauerwerkstatt Hofmann in Trier gefertigt wurde und 1618 errichtet wurde. Stifter war Pastor Daniel Engelen. Das Retabel hat in der Kriegs- und Nachkriegszeit viele Jahre auf dem Speicher gelegen und wurde nach der Restaurierung am Pfingstfest 1975 an der derzeitigen Stelle wieder aufgestellt. Die Inschrift lautet übersetzt: "Zur Ehre Gottes, des Dreieinigen und des Höchsten und des Mächtigsten und zur Ehre der Jungfrau Maria Magdalena und der anderen heiligen Petrus und Paulus trug dafür Sorge, dass dieser Altar errichtet wurde der ehrwürdige Herr Daniel Engelen, Rektor aus Mergenburgh (Marienburg) Pastor in Boley (Bullay) im Jahre 1618. Er war standhaft im Glauben und in der Hoffnung und in der Liebe".

Umfangreiche Sanierung 2018

Eine der jüngsten und umfassendsten Sanierungen der Pfarrkirche St. Maria Magdalena fand von Januar bis Juli 2018 statt. Diese Maßnahme war notwendig geworden, um diverse bauliche Mängel zu beheben und die Kirche für die Zukunft zu rüsten.

Die Sanierung wurde in mehreren Phasen durchgeführt:

  1. Vorbereitungsarbeiten:

    • Die Kirche wurde in einer "fantastischen Gemeinschaftsaktion mit vielen helfenden Händen" ausgeräumt, wie es in der Pfarrgemeinde beschrieben wurde. Dies zeigt den starken Zusammenhalt und die Engagementbereitschaft der Gemeindemitglieder.
  2. Außenarbeiten:

    • Die Kirche wurde komplett eingerüstet, um die Arbeiten an Fassade und Dach durchzuführen.
  3. Innensanierung:

    • Der alte Putz musste in der gesamten Kirche bis etwa einen Meter Höhe oberhalb des Fußbodens abgeschlagen und neu aufgetragen werden.
    • An einigen Rissen in den Wänden erfolgte eine Putzerneuerung.
    • Viele alte Farbschichten wurden abgetragen.
    • Besonders problematisch war eine nicht durchlässige Farbschicht, die für die entstandenen Schäden ursächlich war. Diese wurde entfernt und durch diffusionsoffene Materialien ersetzt.
  4. Technische Modernisierung:

    • Die wabenförmigen Verkleidungen an der Holzdecke wurden bis in den Chorraum durchgezogen.
    • Es wurden neue Stromleitungen innerhalb des gesamten Kirchenraumes verlegt, um die Elektroanlagen auf den neuesten Stand zu bringen.
  5. Innenausstattung:

    • Der gesamte Innenraum der Kirche wurde neu gestrichen.
    • Neue Kirchenstühle für die Marienkapelle wurden beschafft.
    • Auflagen für die Kirchenbänke wurden angeschafft.
    • In der Marienkapelle wurde eine voll zu öffnende Glasabtrennung eingebaut, um diesen Raum separat heizen zu können.

Besonders erwähnenswert ist die Sorgfalt, mit der die Orgel während der Bauarbeiten geschützt wurde. Sie wurde "staubsicher" verpackt, um Schäden durch Baustaub zu vermeiden.

Die Sanierung des Eingangsbereichs war bereits 2014 erfolgt. Dank einer großzügigen Spende der Frauengemeinschaft Bullay konnten hierbei Wasserschäden im Mauerwerk beseitigt werden. Diese Maßnahme ermöglichte auch ein würdiges Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege, das zuvor durch die Bauschäden beeinträchtigt war.

Mit einem Pfarrfest am 26. August 2018 feierte die Gemeinde den Abschluss der Renovierungsarbeiten. Die Kirche präsentiert sich seitdem in einem modernisierten Zustand, der sowohl die historische Substanz bewahrt als auch die Erfordernisse einer zeitgemäßen Nutzung erfüllt.

Restaurierung des Retabels 2019

Im Jahr 2019, ein Jahr nach der umfassenden Sanierung der Kirche, wurde das wertvolle Retabel aufwendig restauriert. Diese Maßnahme erfolgte im Rahmen der kontinuierlichen Pflege der kirchlichen Kunstschätze.

Die Restaurierungsarbeiten umfassten folgende Schritte:

  • Reinigung des gesamten Altaraufsatzes
  • Erneuerung abgeplatzter Stellen
  • Fachgerechte Ergänzung der Farbgestaltung
  • Neuvergoldung einzelner Bereiche

Durch diese Maßnahmen erstrahlt das Retabel wieder in "alter Herrlichkeit", wie in der Gemeindebeschreibung hervorgehoben wird. Die Restaurierung stellte nicht nur die ästhetische Wirkung des Kunstwerks her, sondern trug auch zu dessen Erhaltung für zukünftige Generationen bei.

Besondere Ausstattung und Kunstwerke

Die Pfarrkirche St. Maria Magdalena birgt eine Reihe von Kunstwerken und Ausstattungsstücken von besonderem kunsthistorischem Wert:

  1. Das Retabel (1618):

    • Eine Bildwand aus Sandstein aus der Bildhauerwerkstatt Hofmann in Trier
    • Gestiftet von Pastor Daniel Engelen
    • Nach jahrelagerung auf dem Speicher und teilweiser Zerstörung wurde es 1975 ergänzt und renoviert
    • 2019 umfassend restauriert
  2. Kreuzigungsgruppe (um 1520):

    • Ein bedeutendes Kunstwerk aus dem 16. Jahrhundert
    • Überstand die Jahrhunderte und verschiedene Umgestaltungen der Kirche
  3. Maria Magdalena-Figur (1750-1770):

    • Eine spätbarocke Plastik
    • Zeigt die charakteristische Formensprache des Spätbarock
  4. Altar und Ambo (1975):

    • Aus portugiesischem rosafarbenem Marmor
    • Gestaltet von Bildhauer Hanns Scherl aus Wittlich
    • Das Altarbild zeigt Jesus beim Brechen des Brotes mit den Emmaus-Jüngern
  5. Orgel:

    • Ursprünglich aus dem Jahr 1880
    • 1922 durch ein neues Instrument ersetzt
    • Wurde 2018 "staubsicher" verpackt während der Sanierungsarbeiten
  6. Glocken:

    • Drei Glocken im Kirchturm
    • Eine Glocke aus der alten Kirche von 1776
    • Eine 1930 umgegossene Glocke
    • Eine Glocke von 1951
    • Elektrisches Geläut, seit 1953 in Betrieb
  7. Reliquie der Seligen Mutter Rosa Flesch:

    • Wurde am 22. Juli 2012 im Altar beigesetzt
    • Mutter Rosa wurde 2008 seliggesprochen

Diese Ausstattungsstücke dokumentieren die kunsthistorische Entwicklung der Kirche über mehrere Jahrhunderte und machen sie zu einem wertvollen kulturellen Erbe der Region.

Fazit

Die Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Bullay an der Mosel ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Entwicklung eines sakralen Bauwerks über mehrere Jahrhunderte. Von den Anfängen als kleine Kapelle im Jahr 1617 über den gotischen Neubau in den 1870er Jahren bis hin zu den umfangreichen Um- und Erweiterungsbauten in den 1930er und 1950er Jahren zeigt die Kirche eine bemerkenswerte Entwicklungsgeschichte.

Die jüngsten Sanierungsmaßnahmen, insbesondere die umfassende Renovierung von 2018 und die Restaurierung des Retabels im Jahr 2019, demonstrieren den sorgsamen Umgang mit dem historischen Bauwerk. Durch die Kombination aus notwendigen Modernisierungen und der Bewahrung der historischen Substanz wurde die Kirche für die Zukunft gerüstet, ohne ihren charakteristischen Charakter zu verlieren.

Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Gemeindemitglieder, das sich nicht nur bei der Vorbereitung der Sanierungsarbeiten durch das Ausräumen der Kirche zeigte, sondern auch durch die Spenden wie die großzügige Gabe der Frauengemeinschaft Bullay für die Renovierung des Eingangsbereichs 2014.

Die Kirche mit ihren wertvollen Kunstwerken und ihrer reichen Geschichte bleibt ein zentrales religiöses und kulturelles Zentrum für Bullay und die gesamte Region an der Mosel. Die kontinuierliche Pflege und Sanierung des Bauwerks sichert, dass es auch kommenden Generationen als Ort des Gebets, der Gemeinschaft und der kulturellen Identität dienen kann.

Quellen

  1. Pfarrgemeinde Bullay
  2. Aktuelles aus der Pfarrgemeinde
  3. Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Bullay - Visit Mosel

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