Kirche Maria Sieben Schmerzen in Haar: Renovierung und neue Nutzung des Jugendstil-Denkmals

Einleitung

Die Kirche Maria Sieben Schmerzen in Haar, ein einzigartiges Jugendstil-Denkmal, hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Nach einer Phase der Umnutzung und Renovierung dient das historische Bauwerk seit April 2023 einer neuen Kirchengemeinde als sakraler Raum. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Gebäudes, die durchgeführten Renovierungsarbeiten und die aktuelle Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Sakralbaus. Die Kirche, die einst Teil der Anstalt für Heil- und Pflegezwecke war, zeigt exemplarisch, wie historische Baudenkmäler einer zeitgemäßen Verwendung zugeführt werden können, ohne ihren kulturellen Wert zu verlieren.

Geschichte und architektonische Merkmale

Die Kirche Maria Sieben Schmerzen Mariä in Haar wurde in den Jahren 1910/12 erbaut und im selben Jahr geweiht. Das Bauwerk entstand inmitten des Gebäudekomplexes der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt und stellt einen bedeutenden Vertreter des Jugendstils im oberbayerischen Raum dar. Als Baudenkmal unter der Nummer D-1-84-123-23 eingetragen, zählt das Gebäude zum kulturellen Erbe des Landkreises München.

Architektonisch handelt es sich um einen Longitudinalbau im Jugendstil, der aus mehreren charakteristischen Elementen besteht: - Das Langhaus als zentraler Raum für die Gemeinde - Ein eingezogener Chor mit Fünfachtelschluss im Nordosten - Ein Vorbau mit dem Portal an der Fassade im Südwesten - Der Glockenturm an der Nordwestwand des Langhauses

Die besondere gestalterische Ausprägung im Jugendstil macht das Gebäude zu einem architektonischen Kleinod, das nicht nur sakralen, sondern auch kunsthistorischen Wert besitzt. Die detaillierte Gestaltung der Fassade und die Innenraumgestaltung zeugen von der handwerklichen Kunstfertigkeit der damaligen Baumeister und der Bedeutung, die man auf ästhetische Gestaltung legte.

Renovierungsarbeiten und Instandhaltung

Während der Baumaßnahmen im angrenzenden Jugendstilpark war die Kirche Maria Sieben Schmerzen geschlossen. Die Bauarbeiten im Park führten dazu, dass das Sakralbauwerk von der Wasser- und Wärmeversorgung abgeschnitten war, was eine vorübergehende Schließung erforderlich machte. Nach Abschluss der Arbeiten im Park stand die Wiederinbetriebnahme der Kirche an, die jedoch verschiedene Instandhaltungsarbeiten notwendig machte.

Die durchgeführten Renovierungsmaßnahmen umfassten mehrere Bereiche des Gebäudes:

Orgelrenovierung

Eine der wichtigsten Maßnahmen war die gründliche Reinigung und Sanierung der Kirchenorgel. Das historische Instrument, mit technischen Besonderheiten wie Koppeln (II/I, I/P, II/P, Superoktavkoppel II/I und Suboktavkoppel II/I) und Spielhilfen (freie Kombination, Registerschweller, Jalousieschweller), wurde fachgerecht restauriert, um seine klangliche Qualität und Funktionstüchtigkeit wiederherzustellen.

Dachreparatur

Das Kirchendach wurde instand gesetzt, um den wertvollen Innenraum vor Witterungseinflüssen zu schützen. Bei Dacharbeiten an historischen Baudenkmälern kommt besonderes Augenmerk auf den Erhalt der originalen Bausubstanz und die Verwendung passender Materialien an, um die Authentizität des Bauwerks zu bewahren.

Turmsanierung

Der Kirchturm erhielt einen neuen Anstrich, der nicht nur ästhetische sondern auch schützende Funktionen erfüllt. Bei solchen Arbeiten an denkmalgeschützten Türmen ist oft eine Farbanpassung an den ursprünglichen Zustand oder eine fachgerechte Konservierung der bestehenden Fassierung erforderlich.

Außenanlagen

Aktuell stehen gärtnerische Arbeiten auf dem Grundstück der Kirche an. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Außenanlagen zu pflegen und zu gestalten, um das Gesamterscheinungsbild des denkmalgeschützten Ensembles zu wahren.

Eigentumsverhältnisse und neue Nutzung

Eigentümer des Gebäudes ist der Bezirk Oberbayern, der nach Abschluss der Renovierungsarbeiten eine neue Nutzung für das Gebäude suchte. Bisher hatte der Pfarrverband Haar die Kirche genutzt, verzichtete jedoch nach der Erschließung des Jugendstilparks auf eine Rückkehr in das Gebäude.

Seit April 2023 dient die Kirche der christlich-eritreisch-orthodoxen Kirchengemeinde als sakraler Raum. Am 27.04.2023 unterzeichneten Bezirkstagspräsident Josef Mederer und die Vorstandsmitglieder der Gemeinde, Pfarrer Abedom Werede und Frewoin Tesfaledet, offiziell den Mietvertrag, der diese neue Nutzung regelt.

Diese Lösung stellt einen gelungenen Kompromiss dar, der einerseits den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes sichert und andererseits einer wachsenden Gemeinde einen angemessenen sakralen Raum bietet. Die Entscheidung für eine Mietlösung ermöglicht dem Bezirk Oberbayern, das Gebäude langfristig zu erhalten, während die Gemeinde einen repräsentativen Ort für ihre religiösen Aktivitäten erhält.

Besondere ökologische Aspekte

Die Kirche Maria Sieben Schmerzen weist bemerkenswerte ökologische Merkmale auf, die über ihre reine sakrale Funktion hinausgehen. Im Dachstuhl des Gebäudes wurden spezielle Einbauten zur Einnistung von Fledermäusen untergebracht. Diese Maßnahme unterstützt die Gemeinde Haar bei der Erfüllung bauplanungsrechtlicher Anforderungen im Bereich Artenschutz.

Fledermäuse stehen in vielen Regionen Deutschlands unter Naturschutz, und ihre Habitate sind durch Baumaßnahmen oft bedroht. Durch die gezielte Schaffung von Nistmöglichkeiten in historischen Gebäuden wie der Kirche Maria Sieben Schmerzen können diese geschützten Tiere einen wichtellen Rückzugsraum finden.

Darüber hinaus wurde kürzlich bei der Kirche auch ein Falkenpärchen gesichtet. Der Falke, ebenfalls eine geschützte Vogelart, nutzt das Gebäude und seine unmittelbare Umgebung als Jagdrevier. Diese Beobachtungen unterstreichen den ökologischen Wert der Kirche und ihres Umfelds, das über die rein bauliche Bedeutung hinausgeht.

Kulturträger und kulturelle Veranstaltungen

Die Kirche Maria Sieben Schmerzen hat nicht nur sakrale, sondern auch bedeutende kulturelle Funktionen erfüllt. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Kleine Theater Haar, das in den vergangenen Jahren regelmäßig Konzerte und Ausstellungen in der Kirche veranstaltet hat. Zu den Gästen zählten namhafte Ensembles wie der Tölzer Knabenchor sowie die Jahresausstellung des SeelenArt-Kunstprojekts.

Mit der neuen eritreisch-orthodoxen Kirchengemeinde wurde vertraglich vereinbart, dass ausgewählte Veranstaltungen weiterhin in der Kirche stattfinden können. Diese Regelung sichert die kulturelle Funktion des Raums und trägt zur Vielfalt des kulturellen Lebens in Haar bei. Die Kirche dient damit als Ort des interreligiösen und kulturellen Dialogs, was besonders in einer Zeit wachsender kultureller Vielfalt in Deutschland von großer Bedeutung ist.

Die Nutzung historischer Sakralbauten für kulturelle Veranstaltungen stellt eine innovative Form der Belebung und Erhaltung von Denkmalen dar. Sie ermöglicht einer breiten Öffentlichkeit den Zugang zu diesen Räumen und fördert das Verständnis für ihren kulturellen und historischen Wert.

Fazit

Die Kirche Maria Sieben Schmerzen in Haar zeigt exemplarisch, wie ein historisches Baudenkmal erfolgreich einer neuen Nutzung zugeführt werden kann, ohne seinen kulturellen Wert zu verlieren. Die durchgeführten Renovierungsarbeiten – von der Orgel über das Dach bis hin zum Turmanstrich – haben das Gebäude für eine weitere Nutzung vorbereitet, während seine charakteristischen Merkmale des Jugendstils bewahrt blieben.

Die Entscheidung, die Kirche an die christlich-eritreisch-orthodoxe Gemeinde zu vermieten, stellt eine zukunftweisende Lösung dar, die den Erhalt des Baudenkmals sichert und gleichzeitig einer wachsenden Gemeinde einen angemessenen sakralen Raum bietet. Gleichzeitig bleibt die Kirche als kultureller Veranstaltungsort erhalten, was ihren multifunktionalen Charakter unterstreicht.

Besonders hervorzuheben ist die ökologische Komponente der Kirche, die durch die speziellen Einbauten für Fledermäuse und die Sichtung eines Falkenpaares einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz leistet. Diese Verbindung von Denkmalschutz und ökologischer Verantwortung zeigt, wie historische Gebäude auch im 21. Jahrhundert eine zeitgemäße Funktion erfüllen können.

Die Entwicklung der Kirche Maria Sieben Schmerzen ist ein positives Beispiel für den Umgang mit kirchlichem Baudenkmal in einer sich wandelnden Gesellschaft. Sie zeigt, wie Tradition und Innovation, Erhalt und Entwicklung in Einklang gebracht werden können, zum Nutzen von Kultur, Religion und Naturschutz.

Quellen

  1. Wochenanzeiger
  2. b304.de
  3. Wikipedia - Sieben Schmerzen Mariä (Haar)

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