Umfassende Sanierung der Maria-Magdalena-Kirche in Thedinghausen: Von Sicherheit bis Orgelrestaurierung

Einleitung

Die evangelisch-lutherische Maria-Magdalena-Kirche in Thedinghausen, ein bedeutendes historisches Bauwerk im Landkreis Verden, befindet sich derzeit in einer umfassenden Sanierungsphase. Das 1870 im neugotischen Stil errichtete Gotteshaus mit seinem markanten 42 Meter hohen Turm wird seit Mitte Januar 2014 renoviert, um seine bauliche Substanz zu sichern und den Raum für zukünftige Gemeindearbeit zu erhalten. Die Arbeiten umfassen mehrere Bereiche: von der Installation von Sicherheitsglas an der maroden Empore über die Ausmalung des Innenraums bis hin zur aufwendigen Restaurierung der Hillebrandt-Orgel. Dieses Projekt stellt nicht nur eine technische Herausforderung dar, sondern erfordert auch eine sorgfältige Abstimmung verschiedener Finanzierungsquellen und Fachhandwerker. Die geschätzten Kosten von rund 160.000 Euro werden von mehreren Trägern getragen, darunter der Kirchenkreis Verden, die Gemeinde und Samtgemeinde Thedinghausen sowie verschiedene Stiftungen und private Spender. Während der Bauarbeiten finden die Gottesdienste in Lunsen statt, und die Gemeinde blickt gespannt auf den geplanten Abschluss der Arbeiten bis Mai 2014.

Geschichte und architektonische Merkmale der Kirche

Die Maria-Magdalena-Kirche in Thedinghausen ist ein Zeugnis der wechselvollen Kirchengeschichte im Ort. Die Geschichte des Gotteshauses reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als an dieser Stelle eine Kapelle errichtet wurde. Diese stürzte jedoch 1593 ein. Der erste Nachfolgebau entstand 1610, erwies sich aber bereits 1630 als baufällig und stürzte ebenfalls ein. Der dritte Versuch war eine Fachwerkkirche mit Backsteinturm, die 1643 errichtet wurde. Das heute bestehende Gebäude wurde schließlich 1870 im neugotischen Baustil nach einem Entwurf von Ernst Wiehe errichtet.

Die Kirche ist als Saalkirche konzipiert mit einem schlanken, quadratischen Kirchturm im Westen. An den Turm schließt sich ein zweigeschossiges Langhaus an, das durch Strebepfeiler in fünf Joche gegliedert ist. Der eingezogene Chor hat einen polygonalen Abschluss und beidseitig Apsiden, zwischen denen sich der Altar befindet. Das Kirchenschiff und der Chor werden durch ein Gitter getrennt. Im Glockenstuhl des Turms hängen die Kirchenglocken übereinander. Die einzige Glocke, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hat, wurde 1926 von der Glockengießerei Otto hergestellt. 1953 fertigte diese Gießerei zwei neue Glocken, 1954 kam eine weitere hinzu.

Die Kirche steht auf dem Kirchfriedhof von Thedinghausen und gehört zum Kirchenkreis Verden im Sprengel Stade der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Die Kirchengemeinde Thedinghausen umfasst insgesamt acht Dörfer und legt besonderen Wert auf die musikalische Arbeit, sowohl im Bereich der traditionellen als auch der populären Kirchenmusik.

Umfangreiche Sanierungsarbeiten

Die aktuelle Sanierung der Thedinghauser Kirche ist ein dringend notwendiges Unterfangen, das die letzten 60 Jahre der Nutzung berücksichtigt. Ursprünglich war nur eine Ausmalung des Kirchenschiffs geplant, doch bei den Voruntersuchungen zeigten sich weitere Mängel, die eine umfassendere Renovierung erforderlich machten. "Gerade in der Anfangszeit haben wir viele Überraschungen erlebt", berichtet Pastorin Cathrin Schley. "Da kam dann eins zum anderen."

Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Verglasung der maroden Empore. Die bisherige Holzbalkenkonstruktion erwies sich als so unsicher, dass dringender Handlungsbedarf bestand. "An der Empore ist es zu gefährlich. Die Holzbretter werden entfernt, dafür Sicherheitsglas eingebaut", schildert Cathrin Schley die Unfallgefahr auf dem Holzsäulenkonstrukt. Der Auftrag für diese Arbeiten wurde bereits an den Tischler Sven Cordes vergeben, wobei ein fester Termin noch nicht feststand.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Sanierung sind die Malerarbeiten im Innenraum. Derzeit ist der Innenraum der Kirche kaum wiederzuerkennen - Altar, Stühle, das große Kreuz und viele weitere Kostbarkeiten sind unter Plastikplanen versteckt. Ein riesiges Gerüst ragt zwölf Meter hoch bis direkt unter das Gewölbe. Handwerker sind an allen Ecken mit Beschäftigungen: Putz wird losgeklopft, alte Farbe von den Wänden gerubbelt und in die Jahre gekommene Leitungen ausgebessert.

Besonders aufwendig gestalteten sich die Arbeiten am Deckengewölbe. "In der Decke sind Risse", erklärt Pastorin Schley. "Da der Untergrund nicht ganz stabil ist, hat sich die Kirche im Lauf der Zeit gesetzt und dadurch sind die Risse entstanden." Diese Risse mussten fachgerecht ausgebessert werden, was eine präzise Arbeit erforderte, um die strukturelle Integrität des Gewölbes zu erhalten.

Bei den Arbeiten wurden weitere Überraschungen entdeckt: Übermalte Ornamente im Sandstein des Deckengewölbes, die wahrscheinlich aus der Zeit der Kirchenweihe im Jahr 1870 stammen. Diese wurden vermutlich bei der letzten großen Renovierung in den Jahren 1956/1957 übermalt. "Leider ist es uns aus finanziellen Gründen nicht möglich, die Malereien wieder herzustellen", bedauert Schley. Die Entdeckung dieser historischen Elemente unterstreicht den Wert der Kirche als kulturelles Erbe, auch wenn ihre vollständige Restaurierung aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel nicht möglich ist.

Restaurierung der Hillebrandt-Orgel

Ein besonderes Highlight der Sanierungsarbeiten ist die Restaurierung der Hillebrandt-Orgel, die eine der bedeutendsten kulturellen Einrichtungen der Kirche darstellt. Die Orgel ist ein zentrales Element des kirchlichen Lebens, und ihr Zustand hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verschlechtert. "Die Orgelpfeifen sind 1968 das letzte Mal ersetzt worden", hat Schley bei ihren Diensten in der Thedinghauser Kirche schon klare Mängel in der Akustik festgestellt.

Die Restaurierung der Orgel erfordert eine äußerst sorgfältige Vorgehensweise. Das Tasteninstrument muss komplett zerlegt werden, um an die Orgelpfeifen zu gelangen. Dabei handelt es sich um etwa 1.800 Pfeifen (in einer Quelle werden 1.860 Pfeifen genannt, was möglicherweise auf unterschiedlichen Zählmethoden beruht), die einzeln herausgenommen, gereinigt und teilweise repariert werden müssen. Nach der Reinigung werden die Pfeifen neu gestimmt, um die optimale Klangqualität wiederherzustellen.

Besonders aufwendig ist die Reinigung der Pfeifen, die in Handarbeit mit speziellen Bürsten durchgeführt wird. "Die Orgel wird nach der großen Innenrenovierung der Kirche seit Ende April gereinigt, repariert und später auch neu intoniert", berichtet eine Quelle. Während dieser Arbeiten sind ungewöhnliche Geräusche in der Kirche zu hören - statt schöner Orgeltöne zischt es und vereinzelt hört man Töne, die eher an ein Nebelhorn erinnern. Ein Kompressor läuft, und die Pfeifen der Orgel werden im Freien durchgepustet und gründlich gesäubert.

Ein weiterer Aspekt der Orgelrestaurierung ist die Schallisolierung des Orgelmotors, der in den letzten Jahren immer lauter geworden ist. "Der Orgelmotor wird neu schallisoliert, damit die Laufgeräusche im Leerlauf der Orgel kaum noch wahrnehmbar sind", heißt es in einer Quelle. Außerdem werden die Ventile und Dichtungen überarbeitet beziehungsweise ausgetauscht, um die Funktionalität der Orgel langfristig zu sichern.

Die Restaurierung erfolgt größtenteils vor Ort, da der Grundzustand der Orgel gut ist. Nur wenige Arbeiten müssen in der Werkstatt von Orgelbau Hillebrand in Hannover durchgeführt werden. Die Orgel ist zurzeit komplett zerlegt, nur die von außen sichtbaren Orgelpfeifen stehen noch im alten Holzgehäuse, das von der Vorgängerorgel stammt.

Finanzierung des Projekts

Die Sanierung der Maria-Magdalena-Kirche in Thedinghausen ist ein finanziell anspruchsvolles Projekt, dessen Realisierung durch eine Vielzahl von Finanzierungsquellen ermöglicht wird. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 160.000 Euro, wobei die genaue Summe je nach Quelle variiert (eine Quelle nennt 120.000 Euro für die Kirchensanierung, eine andere 160.000 Euro für alle Bauarbeiten).

Der größte Anteil der Finanzierung stammt vom Kirchenkreis Verden, der etwa die Hälfte der Kosten übernimmt. Superintendentin Elke Schölper erklärt: "Wir zahlen insgesamt 51.950 Euro für die Thedinghauser Kirche. Dabei handele es sich um Arbeiten, die dem Erhalt der baulichen Substanz dienen." Sie betont, dass die Baumittel der Kirche sehr knapp sind und daher keine reinen Verschönerungsarbeiten finanziert werden können.

Für die Ausmalung steuert der Kirchenkreis 80 Prozent bei. Weitere wichtige Finanzierungsquellen sind die Gemeinde und Samtgemeinde Thedinghausen, die jeweils 5.000 Euro für die Ausmalung und 3.000 Euro für die Orgelrestaurierung beisteuern. Darüber hinaus sind die Kreissparkassenstiftung, die Kirchenstiftung und private Sponsoren an der Finanzierung beteiligt.

Für die Orgelrestaurierung, die etwa 43.000 Euro kostet, trägt die Landeskirche 30 Prozent der Kosten. Die Finanzierung des Projekts ist ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit verschiedener Ebenen - von der überregionalen Landeskirche über den Kirchenkreis und die kommunalen Körperschaften bis hin zu privaten Spendern.

Die Finanzierungsstruktur zeigt, dass die Erhaltung historischer Bausubstanz eine gemeinsame Aufgabe ist, die verschiedene Akteure aus dem öffentlichen und privaten Bereich gemeinsam tragen müssen. Gleichzeitig verdeutlicht die Finanzierung die Priorität, die der Erhalt der baulichen Substanz vor rein ästhetischen Verbesserungen hat.

Auswirkungen auf die Gemeinde

Die umfassende Sanierung der Maria-Magdalena-Kirche hat erhebliche Auswirkungen auf das Gemeindeleben in Thedinghausen. Während der Bauarbeiten, die bis Mai 2014 andauern sollen, finden die Gottesdienste nicht mehr in der Kirche selbst, sondern in Lunsen statt. Diese vorübergehende Verlagerung erfordert Anpassungen im Gemeindealltag und stellt eine Herausforderung für die Gläubigen dar.

Besonders betroffen ist das geplante Hochzeitspaar, das am 10. Mai den kirchlichen Segen in der Maria-Magdalena-Kirche empfangen möchte. Ob dieser Termin eingehalten werden kann, ist zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch ungewiss. Pastorin Cathrin Schley äußert sich vorsichtig: "Ob zum 10. Mai alle Arbeiten erledigt sind, wird sich erst in den kommenden Wochen herausstellen."

Trotz der Unannehmlichkeiten während der Bauzeit sieht die Gemeinde auch Chancen in der Sanierung. Die Wiederherstellung der baulichen Substanz sichert die langfristige Nutzung des historischen Gotteshauses. Die Restaurierung der Orgel wird die musikalische Arbeit in der Gemeinde verbessern, die als besonderer Schwerpunkt hervorgehoben wird. "In der Kirchengemeinde gibt es viele Angebote für alle Altersgruppen, ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der musikalischen Arbeit. Neben der traditionellen Kirchenmusik hat die populäre Kirchenmusik ihren Raum", heißt es in einer Quelle.

Ein weiteres Element des Gemeindelebens ist die "Kramerei", das diakonische Kaufhaus der Gemeinden Thedinghausen, Riede und Lunsen, das sich direkt gegenüber vom Gemeindehaus befindet. Seit 2013 bietet es unter dem Motto "Kaufen und Spenden - für alle!" Second-Hand-Waren an und unterstützt so soziale Projekte in der Region. Diese Einrichtung bleibt von den Bauarbeiten unberührt und zeigt, dass das Gemeindeleben auch während der Kirchenrenovierung weitergeht.

Die Sanierung bietet zudem die Gelegenheit, das Bewusstsein für den historischen Wert des Gebäudes zu schärfen. Die Entdeckung der übermalten Ornamente aus dem 19. Jahrhundert hat das Interesse an der Kirchengeschichte geweckt und könnte zukünftige Initiativen zur Erforschung und Präsentation der Kirchengeschichte fördern.

Fazit

Die Sanierung der Maria-Magdalena-Kirche in Thedinghausen ist ein notwendiges und umfassendes Projekt, das die bauliche Substanz des historischen Gotteshauses für zukünftige Generationen sichert. Die Arbeiten reichen von der Installation von Sicherheitsglas an der maroden Empore über die Ausbesserung von Rissen im Deckengewölbe bis zur aufwendigen Restaurierung der Hillebrandt-Orgel mit ihren etwa 1.800 Pfeifen. Die Entdeckung übermalter Ornamente aus der Erbauungszeit 1870 unterstreicht den kulturellen Wert des Gebäudes, auch wenn eine vollständige Restaurierung dieser Elemente aufgrund finanzieller Einschränkungen nicht möglich ist.

Die Finanzierung des Projekts durch den Kirchenkreis, die Gemeinde, die Samtgemeinde und verschiedene Stiftungen zeigt die gemeinsame Verantwortung für den Erhalt kirchlicher Bausubstanz. Die vorübergehende Verlagerung der Gottesdienste nach Lunsen stellt eine Herausforderung für das Gemeindeleben dar, bietet aber auch die Gelegenheit, alternative Formen des kirchlichen Miteinander zu stärken.

Die Restaurierung der Orgel als zentrales Element der Kirchenmusik wird die kulturelle Arbeit in der Gemeinde nachhaltig verbessern. Das Projekt insgesamt ist ein Beispiel dafür, wie historische Bauten mit modernen Anforderungen an Sicherheit und Funktionalität in Einklang gebracht werden können, ohne ihren charakteristischen Charakter zu verlieren. Die Maria-Magdalena-Kirche wird nach Abschluss der Sanierungen nicht nur sicherer und funktionaler, sondern auch als Zeugnis der Kirchengeschichte Thedinghausens für zukünftige Generationen bewahrt.

Quellen

  1. Weser-Kurier: Neuer Klang in der Maria-Magdalena-Kirche
  2. Weser-Kurier: Frischer Anstrich für das Gotteshaus
  3. Wikipedia: Maria-Magdalena-Kirche (Thedinghausen)
  4. Kreiszeitung: Aufwendige Orgelrenovierung Thedinghauser Maria-Magdalena-Kirche
  5. Kirchenkreis Verden: Steckbrief Thedinghausen

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