Einleitung
Die Geschichte der Kirche St. Bartholomäus in Wartenfels ist eine faszinierende Erzählung von Zerstörung, Verfall und schließlich einer bemerkenswerten Wiedergeburt. Die ursprüngliche Kirche wurde im 15. Jahrhundert zerstört und durch ein neues Gotteshaus ersetzt, das jedoch über Jahrhunderte nur unzureichend unterhalten werden konnte. Dieser Artikel beleuchtet die dramatische Entwicklung des Kirchengebäudes von seiner Zerstörung 1444 bis zum vollständigen Neubau in den 1860er Jahren, der maßgeblich durch den Einsatz von Pfarrer Wörler ermöglicht wurde. Die historischen Dokumente zeugen nicht nur von den baulichen Herausforderungen, sondern auch von den menschlichen und finanziellen Anstrengungen, die für die Rettung des Gotteshauses unternommen wurden.
Ursprünge und Zerstörung des ersten Gotteshauses
Die erste Kirche in Wartenfels hatte eine kurze und unglückliche Geschichte. Im Jahr 1444 wurde das ursprüngliche Wartenfelser Gotteshaus zusammen mit dem Schloss im Zuge der Lichtenberger Fehde zerstört. Dieser Konflikt markierte einen tiefen Einschnitt in die Kirchengeschichte des Ortes und ließ die Gemeinde ohne angemessenes Gotteshaus zurück. Die Zerstörung geschah zu einer Zeit, in der Bauten aus Stein und Holz besonders anfällig für Kriegseinwirkungen waren, und der Wiederaufbau stellte eine enorme finanzielle und logistische Herausforderung dar.
Die unmittelbare Folge dieser Zerstörung war der Bau einer neuen Kirche an exakt derselben Stelle. Dieser Neubau zeugt vom starken Glauben und dem Willen der damaligen Gemeindemitglieder, trotz der widrigen Umstände ihr religiöses Zentrum wiederherzustellen. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass dieser erste Neubau aus bescheidenen Mitteln errichtet wurde, was sich später als problematisch erweisen sollte.
Jahrhundelangem Verfall und der drohende Einsturz
In den folgenden Jahrhunderten litt die Kirche unter chronischer Unterfinanzierung. Die Pfarrei verfügte über nur unzureichende finanzielle Mittel, um notwendige Instandhaltungs- und Renovierungsarbeiten durchzuführen. Stattdessen wurde das Gebäude jeweils nur notdürftig ausgebessert, wenn größere Schäden auftraten. Diese Strategie des "Reparierens statt Erneuerns" führte über die Jahre zu einer fortschreitenden Degradation der Bausubstanz.
Die Konsequenzen dieser jahrzehntelangen Vernachlässigung wurden schließlich unverkennbar. Das Gotteshaus wurde so baufällig, dass im Jahr 1841/42 der Kirchturm wegen akuter Einsturzgefahr abgetragen werden musste. Dieser Eingriff war kein geplanter Umbau, sondern eine Notmaßnahme, die die prekäre bauliche Lage des Gebäudes verdeutlicht. Der Turmverlust stellte einen weiteren Einschnitt in die architektonische Integrität der Kirche dar und minderte ihre Funktion und Ästhetik erheblich.
Die Situation verschlechterte sich weiter, bis schließlich im Jahr 1861 die gesamte Kirche geschlossen werden musste. Der damalige Ortsschreiber berichtete über diesen bedeutsamen Moment, der das Ende der kirchlichen Nutzung des alten Gebäudes markierte. Die Schließung war nicht nur ein Eingriff in das religiöse Leben der Gemeinde, sondern auch ein Symbol für den Zustand des Bauwerks, das nun vollkommen unbrauchbar geworden war.
Die Initiative von Pfarrer Wörler: Beginn einer neuen Ära
Die Wende kam mit der Ankunft von Pfarrer Wörler im Jahr 1859, der nach seiner Kaplanszeit in Bayreuth nach Wartenfels kam. Seine Persönlichkeit und sein Engagement sollten sich als entscheidend für das Schicksal der Kirche erweisen. Wörler erkannte die Dringlichkeit der Situation und setzte sich mit unermüdlichem Einsatz für einen vollständigen Neubau des Gotteshauses ein.
Seine guten Beziehungen zur Regierung von Oberfranken erwiesen sich als wertvollstes Kapital. Durch diese Kontakte erreichte er eine außergewöhnliche Genehmigung: In 61 Pfarreien des Landes durften Hauskollekten zu Gunsten des Kirchenbaus durchgeführt werden. Diese Maßnahme schuf eine breite finanzielle Basis, die über die lokalen Ressourcen der Wartenfelser Pfarrei weit hinausging. Zusätzlich erhielt die Pfarrei Spenden von Privatpersonen und verschiedenen Institutionen, was das Budget weiter aufstockte.
Die finanzielle Absicherung war jedoch nur eine Seite der Medaille. Gleichzeitig mussten auch strittige Fragen geklärt werden, insbesondere die nach dem exakten Standort des Neubaus. Im Gespräch war nicht nur der ursprüngliche Standort der alten Kirche, sondern auch der Platz des ehemaligen Schlosses. Diese Diskussionen über den Bauplatz verlangten nach Kompromissen und Entscheidungen, die sowohl historische als auch praktische Erwägungen berücksichtigen mussten.
Baubeginn und äußere Gestaltung der neuen Kirche
Nach Beilegung der Streitigkeiten über den Standort wurden im März 1863 die ersten Aufträge für den Neubau vergeben. Am 8. Juni 1863 wurde feierlich der Grundstein für den Bau der neuen Kirche gelegt. Dieser symbolische Akt markierte den Beginn der eigentlichen Bauphase und war ein Moment der Hoffnung für die gesamte Gemeinde.
Die äußere Gestaltung der neuen Kirche folgte dem zeitgenössischen Geschmack des 19. Jahrhunderts. Ein charakteristisches Merkmal waren die spitzbogigen Fenster mit neugotischem Maßwerk, das den gotischen Stil revivalisierte. Ausnahmen bildeten lediglich die Rundöffnungen über den mittig angeordneten Seiteneingängen, die bewusst anders gestaltet wurden und eine kontrastierende Formensprache aufwiesen.
Die Baugeschichte des Daches und des Turms verlief zügig. Bereits am 15. September 1864 war der Dachstuhl fertiggestellt, und im Oktober desselben Jahres wurde der Turm aufgerichtet. Diese schnelle Umsetzung der wichtigsten konstruktiven Elemente zeigt, wie effizient die Bauarbeiten vorangingen, sobald die organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen geschaffen waren. Der Turm stellte nicht nur einen architektonischen Akzent dar, sondern erfüllte auch wichtige Funktionen für das Gemeindeleben, etwa durch die Läuteglocken.
Innenausstattung und künstlerische Gestaltung
Das Innere der neu errichteten Kirche wurde aufwendig gestaltet und zeugt von dem Bestreben, einen würdigen und ästhetisch ansprechenden Raum für die Gottesdienste zu schaffen. Die Kirche verfügte über drei Holzemporen, die nicht nur zusätzlichen Platz für die Gläubigen schufen, sondern auch die Akustik und die räumliche Wirkung des Innenraums beeinflussten.
Besonders hervorzuheben sind die drei Altäre, die zwischen 1864 und 1866 vom Münchner Bildhauer Anselm Sickinger geschaffen wurden. Diese Kunstwerke repräsentierten den damaligen Stand der kirchlichen Bildhauerei und trugen wesentlich zur gestalterischen Qualität des Kirchenraums bei. Die Altäre dienten nicht nur liturgischen Zwecken, sondern waren auch zentrale Punkte der visuellen und spirituellen Ausrichtung des Raums.
Weitere bedeutende Ausstattungselemente waren die Kanzel, die Beichtstühle und das Gemeindegestühl, die allesamt vom Wartenfelser Schreinermeister Tempel angefertigt wurden. Diese Einrichtungselemente zeugen von der lokalen handwerklichen Tradition und passten sich funktional und gestalterisch in den Gesamtraum ein. Die Kreuzwegstationsbilder schließlich stammten von dem Kunstmaler Matthäus Schröder aus Landsberg und vervollständigten die künstlerische Ausstattung der Kirche.
Der Tod von Pfarrer Wörler und sein Vermächtnis
Die Bauphase der neuen Kirche wurde von einer persönlichen Tragödie überschattet. Nach langem Krankenlager starb Pfarrer Wörler an seinem 42. Geburtstag, dem 22. Dezember 1864. Er überlebte die Weihe des neu gebauten Gotteshauses nur um sieben Tage und konnte das Ergebnis seines jahrelangen Engagements nicht mehr miterleben.
Wörlers Tod stellte einen tiefen Einschnitt dar, nicht nur für die persönliche Gemeinde, sondern auch für den Bauprozess. Dennoch hatte er durch seine unermüdliche Arbeit die Grundlage für den Erfolg des Projekts geschaffen. Sein Engagement, seine visionäre Planung und seine Fähigkeit, Unterstützung zu mobilisieren, hatten die Wende eingeleitet, die zur Wiederherstellung der Kirche führte.
Als Zeichen der Würdigung und des Dankes fand Pfarrer Wörler seine letzte Ruhestätte in der Pfarrkirche selbst – vor dem linken Seitenaltar. Diese Wahl des Begräbnisorts zeigt die besondere Verbundenheit des verstorbenen Geistlichen mit dem von ihm geschaffenen Gotteshaus und wurde zu einem bleibenden Symbol seines Wirkens und seiner Verdienste um die Wartenfelser Gemeinde.
Vollendung und Weihe des Gotteshauses
Nach dem Tod von Pfarrer Wörler gingen die Bauarbeiten weiter, wenn auch unter veränderten Rahmenbedingungen. Der Innenausbau wurde fortgesetzt und schließlich im Jahr 1867 abgeschlossen. Dieser Prozess umfasste nicht nur die Fertigstellung der bereits erwähnten Kunstwerke, sondern auch weitere Details, die die Funktionalität und Ästhetik des Kirchenraums vervollständigten.
Am 8. September 1867 wurde das vollendete Gotteshaus feierlich geweiht. Die Weihe erfolgte durch Erzbischof Michael von Deinlein aus Bamberg, was die kirchliche Bedeutung des Ereignisses unterstrich. Die feierliche Zeremonie markierte den Abschluss eines langen und beschwerlichen Weges vom verfallenden Bauwerk zu einem repräsentativen Gotteshaus, das den Anforderungen der Gemeinde gerecht wurde.
Die Weihe war nicht nur ein religiöses Ereignis, sondern auch ein gesellschaftliches Highlight, das die gesamte Gemeinde zusammenführte. Sie symbolisierte den Beginn einer neuen Ära für die Kirche St. Bartholomäus und für das religiöse Leben in Wartenfels. Nach Jahren des Verfalls und der Unsicherheit stand nun ein fester, schöner und funktionaler Ort für die gottesdienstliche Versammlung zur Verfügung.
Dokumentation und Archivierung der Baumaßnahmen
Die Baumaßnahmen zur Errichtung des neuen Turms und zum Umbau der Kirche in Wartenfels wurden sorgfältig dokumentiert und archiviert. Die entsprechenden Akten mit der Signatur Regierung von Oberfranken, Kammer des Innern (K 3 G II) 16421/II umfassen den Zeitraum von 1869 bis 1893 und befinden sich heute im Staatsarchiv Bamberg.
Diese Dokumente bilden eine wertvolle historische Quelle für die Baugeschichte der Kirche. Sie enthalten Informationen über die Verwaltung des Bauprojekts, die finanziellen Abrechnungen, die beteiligten Handwerker und Künstler sowie die Entscheidungssprozesse, die zum finalen Erscheinungsbild des Gotteshauses führten. Die Klassifizierung der Akten als "Stiftungsbauten (Baupflicht!)" unterstreicht die besondere Verantwortung, die mit der Erhaltung kirchlicher Bauten verbunden war.
Die Existenz dieser umfassenden Dokumentation ermöglicht es heute, den Bauprozekt nachzuvollziehen und die Entscheidungen nachzuvollziehen, die zu dem heutigen Erscheinungsbild der Kirche geführt haben. Sie sind nicht nur für Historiker von Interesse, sondern auch für alle, die sich für die bauliche Entwicklung von Kirchen im 19. Jahrhundert interessieren.
Aktuelle Situation und Ausblick
Die heutige Pfarrei Wartenfels ist über verschiedene Kanäle erreichbar. Eine aktuelle Information vom 14. Juli 2024 weist darauf hin, dass die Pfarrei ab sofort über eine neue E-Mail-Adresse zu erreichen ist: [email protected]. Die bisherige Adresse wurde zeitnah abgeschaltet. Gläubige werden gebeten, in der Betreffzeilen den Namen ihrer Pfarrei anzugeben, um die Zuordnung zu erleichtern.
Diese moderne Kommunikationsform zeigt, dass die Pfarrei auch in der Gegenwart ihren Dienst leistet und den Anschluss an die Zeit hält. Die Kirche St. Bartholomäus, die nach jahrzehntelangem Verfall und einem fulminanten Wiederaufbau heute das Ortsbild prägt, bleibt ein lebendiges Zentrum der Gemeinde.
Fazit
Die Geschichte der Kirche St. Bartholomäus in Wartenfels ist eine bemerkenswerte Erzählung von Zerstörung, Verfall und erfolgreicher Wiederauferstehung. Vom ersten Bau im 15. Jahrhundert über die Zerstörung im Lichtenberger Krieg, den jahrzehntelangen Verfall bis hin zum vollständigen Neubau in den 1860er Jahren spiegelt die Entwicklung der Kirche die wechselhafte Geschichte des Ortes wider.
Der entscheidende Wendepunkt war das Engagement von Pfarrer Wörler, der durch sein visionäres Wirken und seine Fähigkeit, Unterstützung zu mobilisieren, den Neubau ermöglichte. Die Kirche, die heute das Ortsbild Wartenfels prägt, ist nicht nur ein architektonisches Denkmal, sondern auch ein Zeugnis menschlichen Engagements und des unerschütterlichen Glaubens.
Die Dokumentation der Baumaßnahmen in den Archiven des Staatsarchivs Bamberg hat diese Geschichte für die Nachwelt bewahrt. Sie ermöglicht es, den Weg vom verfallenden Bauwerk zum repräsentativen Gotteshaus nachzuvollziehen und die Bedeutung dieses Projekts für die Wartenfelser Gemeinde zu verstehen.
Die Kirche St. Bartholomäus steht heute als Symbol für die M des Glaubens und die Kraft der Gemeinschaft, die in der Lage ist, selbst nach tiefem Verfall etwas Neues und Schönes zu erschaffen.