Einleitung
Die Pfarr- und Klosterkirche Mariä Himmelfahrt in Windberg stellt ein bedeutendes kulturhistorisches Ensemble dar, dessen Anfänge ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Das im Bayerischen Wald gelegene Kloster wurde am ursprünglichen Sitz der Grafen von Bogen unter Mitwirkung des Bischofs Otto I. von Bamberg gegründet. Die Kirche, eine dreischiffige Basilika mit Querschiff, erfuhr im 18. Jahrhundert eine barocke Umgestaltung durch den Prälaten Berhard Strelin (1735-1777). In den Jahren vor 2019 befand sich der Innenraum der Kirche in einem bedrohlichen Zustand mit aufsteigender Feuchtigkeit, Schimmelpilzbefall und Salzausblühungen. Um dieses uralte Gotteshaus zu erhalten, wurde eine umfassende Innenrenovierung durchgeführt, die im Mai 2019 abgeschlossen wurde. Dieser Artikel beleuchtet die Herausforderungen, die angewandten Restaurierungs- und Sanierungstechniken sowie die besonderen Aspekte dieses denkmalpflegerischen Projekts.
Historische Bedeutung und Baugeschichte
Das Kloster Windberg wurde im 12. Jahrhundert am ursprünglichen Sitz der Grafen von Bogen gegründet. Der Chorraum der Kirche wurde am 21. und 22. Mai 1142 durch den Olmützer Bischof Heinrich Zdík geweiht. Graf Albert II. von Bogen nahm persönlich an dieser Weihe teil. Das Kloster wurde zu Ehren der Jungfrau Maria geweiht und 1146 zur Abtei erhoben. Nach dem Ausbau der Klosterkirche erfolgte am 28. November 1167 die Einweihung durch den Prämonstratenserabt von Leitomischl und Olmützer Bischof Johannes IV.
Die Kirche selbst ist eine dreischiffige Basilika mit Querschiff, die größtenteils im 12. Jahrhundert entstand. Das Kircheninnere wurde im 18. Jahrhundert durch den Prälaten Berhard Strelin (1735-1777) barock umgestaltet. Diese historische Entwicklung prägt das heutige Erscheinungsbild der Kirche, das romanische Strukturen mit barocker Ausstattung vereint.
Seit fast 900 Jahren ist die Geschichte Windbergs untrennbar mit dem Prämonstratenserkloster verbunden. Das Klosterdorf Windberg bildet ein in Bayern einzigartiges Ensemble von profanen und sakralen Gebäuden. Rund um die romanische Klosterkirche und das eigentliche Klostergebäude befanden sich alle für das Leben im Kloster wichtigen Gebäude – von der Klosterverwaltung über den Klosterrichter bis hin zu Handwerkswerkstätten und Stallungen. Diese Grundstruktur ist noch heute gut erkennbar. Bei der Dorferneuerung von 1995 bis 2005 wurde der Dorfkern des Klosterdorfes Windberg restauriert und renoviert, wobei die historische Bausubstanz prächtig instand gesetzt wurde. Die Mehrzahl der Gebäude, die früher die große Klosteranlage rund um die Kirche bildeten, sind heute in Privatbesitz.
Ausgangssituation der Innenrenovierung
Bei Beginn der Renovierungsarbeiten befand sich der Innenraum der Pfarr- und Klosterkirche Windberg in einem desolaten Zustand. Die Probleme waren vielfältig und betrafen sowohl die Bausubstanz als auch die Ausstattung der Kirche:
- Feuchtigkeitsschäden: Aufsteigende Feuchtigkeit führte zu erheblichen Schäden an den Wänden und Decken.
- Schimmelpilzbefall: Überall in der Kirche war Schimmel ein Problem, der nicht nur die Bausubstanz gefährdete, sondern auch die Gesundheit der Besucher beeinträchtigte.
- Salzausblühungen: An den Deckengewölben gab es zahlreiche salzbelastete Stellen, die die Putzschäden verstärkten.
- Putzhohlstellen: Die Decken wiesen zahlreiche Hohlstellen im Putz auf, die die Stabilität gefährdeten.
- Statische Probleme: Die Treppe zu den Emporen über dem Chorgestühl war nicht mehr stabil und der Balkenrost der Emporen war durch unsachgemäße Umbauten stark geschwächt.
- Verschmutzung: Die Raumschale und die gesamte Ausstattung waren stark verrußt und verschmutzt.
Diese komplexe Problemlage erforderte ein schlüssiges Gesamtkonzept, das nicht nur die materielle Substanz wahren, sondern auch die Aussage und Ausstrahlung des Sakralraums erhalten und wo nötig wiederzugewinnen sollte. Wie der Architekt Michael Nadler in seiner Rede zur Einweihung am 12.05.2019 betonte: "Bei einer Kirchenrenovierung gilt es nicht nur materielle Substanz zu wahren, sondern auch Aussage und Ausstrahlung des Sakralraums zu erhalten und wo nötig, wiederzugewinnen und der Gegenwart entsprechend zu erneuern."
Planungsphase und Projektabwicklung
Die Planungsphase für die Innenrenovierung der Windberger Kirche dauerte länger als die eigentliche Verwirklichung der Arbeiten. Dies unterstreicht die Komplexität des Projekts und die Notwendigkeit einer sorgfältigen Vorbereitung. Ein entscheidender Schritt war die Durchführung eines Künstlerwettbewerbs, in dem gemeinsam mit Ordinariat, Kirchenverwaltung und StBa der beste Entwurf für die Renovierung gekürt wurde. Das Ehepaar Lutzenberger gewann diesen Wettbewerb mit einem einfühlsamen Konzept, das die historischen Gegebenheiten mit den Anforderungen einer zeitgemäßen Liturgiefeier verband.
Die Planung und Ausführung der Renovierungsarbeiten lag in den Händen des Architekturbüros Nadler, Sperk, Reif Architektenpartnerschaft BDA aus Landshut. Das Projektteam stand vor der Herausforderung, die historische Bausubstanz zu erhalten, gleichzeitig aber auch die Funktionalität der Kirche für moderne Anforderungen zu sichern.
Ein besonderes Augenmerk galt dem Kostenrahmen des Projekts. Wie der Architekt in seiner Rede erwähnte, konnte das genehmigte Kostenbudget von insgesamt 3,0 Mio. Euro nicht überschritten werden. Diese finanzielle Disziplin war bemerkenswert angesichts der Komplexität der Arbeiten und der besonderen Anforderungen an die Denkmalpflege.
Technische Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierungsarbeiten konzentrierten sich auf mehrere Bereiche, die jeweils spezifische Herausforderungen und Lösungsansätze erforderten:
Sanierung der Putzflächen und Malereien
Die geschädigten Putzflächen, besonders im Sockelbereich, wurden saniert, um die aufsteigende Feuchtigkeit zu bekämpfen und die Stabilität der Wände wiederherzustellen. Bei den Wand- und Deckenmalereien wurden umfangreiche konservatorische Maßnahmen durchgeführt. Die Malereien wurden konsolidiert und retuschiert, um ihre ursprüngliche Wirkung wiederherzustellen, ohne dabei die historische Substanz zu verfälschen.
Statische Ertüchtigung
Ein wesentlicher Aspekt der Sanierung war die statische und konstruktive Ertüchtigung der Tragstrukturen. Sämtliche Emporen und die Kanzel wurden saniert, um ihre Tragfähigkeit wiederherzustellen. Besonders kritisch war der Zustand des Balkenrostes der Emporen, der durch unsachgemäße Umbauten in der Vergangenheit stark geschwächt worden war. Hier mussten ingenieurtechnische Lösungen gefunden werden, die die historische Bausubstanz respektierten, aber gleichzeitig die notwendige Stabilität gewährleisteten.
Klimatisierung und Heizungssystem
Ein entscheidender Faktor für die Erhaltung des renovierten Zustands ist die Klimatisierung der Kirche. Die Kirche wurde durchgehend temperiert, um gute klimatische Bedingungen zu erhalten und zukünftige Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden. Hierfür wurde das bestehende Heizungssystem komplett umgestaltet: Die Wandheizkörper wurden abgebaut und durch eine Bodentemperierung ersetzt. Dieses System ermöglicht eine gleichmäßigere Wärmeverteilung ohne lokale Wärmestauungen an den Wänden, die zu Feuchtigkeitsproblemen führen könnten.
Reinigung der Ausstattungsgegenstände
Sämtliche Ausstattungsgegenstände der Kirche wurden gründlich gereinigt, um den Ruß und Schmutz der Jahrhunderte zu entfernen und ihre ursprüngliche Wirkung wiederherzustellen. Diese Arbeit erforderte größte Sorgfalt, um die historischen Materialien nicht zu beschädigen.
Restaurierung der gefassten Ausstattung
Ein besonderer Schwerpunkt der Renovierung war die Restaurierung der polychrom gefassten und vergoldeten Ausstattung der Kirche. Diese Stücke stammen hauptsächlich aus dem späten 17. und 18. Jahrhundert und zeugen von der barocken Umgestaltung der Kirche durch den Prälaten Berhard Strelin.
Restaurierte Objekte
Zur Bearbeitung kamen folgende wichtige Ausstattungsstücke:
- Der barocke Hochaltar als zentrales Element der Kirchenausstattung
- Die Kanzel als Predigtplattform
- Zwei Nebenaltäre
- Die Emporenbrüstungen
- Die Portale der Kirche
- Der Orgelprospekt
- Diverse Einzelskulpturen
Restaurierungsmethoden
Das Restaurierungskonzept sah eine behutsame Vorgehensweise vor, die die historische Substanz erhielt, aber gleichzeitig schädliche Einflüsse beseitigte. Die Maßnahmen umfassten:
- Reinigung aller gefassten Oberflächen, einschließlich polychromer Fassung, Marmorierungen, Polierweißfassungen, Vergoldungen und Versilberungen
- Festigung der beschädigten Holzsubstanz
- Instandsetzung schadhafter Holzverbindungen
- Entfernung von Versporungen durch Pilzbefall
- Kitten und Retuschieren von Fehlstellen in der Fassung
Die Restaurierungsarbeiten wurden von Fachkräften mit großer Expertise durchgeführt. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit des Kirchenmalers Armin Funk von der Fa. Kallinger, der sich nach 60 Wochen Arbeit auf dieser Baustelle in Windberg fast zu Hause fühlte und mit etwas Wehmut zurückschaut. Diese Detailarbeit war entscheidend für den Gesamterfolg des Projekts.
Neugestaltung des liturgischen Bereichs
Neben der Sanierung und Restaurierung bestehender Elemente wurde auch der liturgische Bereich der Kirche erneuert. Gottesdienst-Räume müssen die Feier der Liturgie in zeitgemäßen Formen ermöglichen. Diese Anforderung manifestierte sich in der Neuanschaffung des Zelebrationsaltars, des Ambos und des Priestersitzes.
Diese Elemente wurden im Kontext des Künstlerwettbewerbs ausgewählt und harmonisieren mit der historischen Ausstattung der Kirche, während sie gleichzeitig den Anforderungen der modernen Liturgie gerecht werden. Die Aufstellung des Altars und des Ambos erfol bereits im August 2017, wie die Projektdokumentation zeigt.
Herausforderungen der Denkmalpflege
Die Renovierung der Windberger Kirche stellte besondere Anforderungen an die Denkmalpflege, die über eine normale Sanierung hinausgehen:
Balance zwischen Erhaltung und Modernisierung
Eine zentrale Herausforderie war die Balance zwischen dem Erhalten der historischen Substanz und der Anpassung an moderne Anforderungen. Dies galt sowohl für die baulichen Maßnahmen als auch für die liturgische Nutzung der Kirche. Wie der Architekt Michael Nadler betonte, muss bei einer Kirchenrenovierung "Aussage und Ausstrahlung des Sakralraums" erhalten und wo nötig wiederzugewinnen werden.
Fachkräftemangel im Handwerk
Ein weiteres Problem, das bei der Renovierung deutlich wurde, ist der Mangel an qualifizierten Fachkräften im Bereich der Denkmalpflege. Der Architekt wies in seiner Rede darauf hin: "Denkmalpflege bedeutet auch, diejenigen zu pflegen, die mit ihrer Handwerkskunst diese Arbeit erst ermöglichen, diese Fachleute werden nämlich immer weniger." Diese Feststellung unterstreicht die Bedeutung von Projekten wie der Windberger Kirchenrenovierung für den Erhalt handwerklicher Traditionen.
Langfristige Erhaltungskonzepte
Ein wesentlicher Aspekt der Sanierung war die Entwicklung von Konzepten für die langfristige Erhaltung des renovierten Zustands. Dazu gehört nicht nur die Sanierung der Bausubstanz, sondern auch die Einrichtung eines Klimatisierungssystems, zukünftige Wartungspläne für die Ausstattung und die Schulung der Kirchengemeinde im Umgang mit den historischen Objekten.
Fazit
Die Innenrenovierung der Pfarr- und Klosterkirche Mariä Himmelfahrt in Windberg stellt ein gelungenes Beispiel für zeitgemäße Denkmalpflege dar. Das Projekt bewies, dass es möglich ist, eine über 850 Jahre alte Kirche zu sanieren und gleichzeitig ihre historische Substanz und Aussagekraft zu bewahren. Die Herausforderungen waren vielfältig – von der Bekämpfung von Feuchtigkeitsschäden und Schimmelpilzbefall bis zur statischen Sicherung der historischen Bausubstanz.
Besonders bemerkenswert ist der sorgfältige Umgang mit der barocken Ausstattung der Kirche. Die Restaurierung der polychrom gefassten und vergoldeten Elemente erforderte höchste handwerkliche Kunstfertigkeit und Expertise. Gleichzeitig wurde die Kirche für die Anforderungen der modernen Liturgie nutzbar gemacht, ohne ihren sakralen Charakter zu verlieren.
Das Projekt zeigt auch die Bedeutung einer gründlichen Planungsphase und die Notwendigkeit, qualifizierte Fachkräfte für die Umsetzung zu gewinnen. Die Tatsache, dass das genehmigte Kostenbudget von 3,0 Mio. Euro nicht überschritten wurde, unterstreicht die Effizienz und Professionalität, mit der das Projekt umgesetzt wurde.
Die Wiedereröffnung der Kirche am 12. Mai 2019 markiert nicht nur den Abschluss der Bauarbeiten, sondern auch einen neuen Abschnitt in der langen Geschichte des Klosters Windberg. Wie der Architekt Michael Nadler formulierte: "Wir haben der langen Baugeschichte dieser Kirche, wie beim Wachstum eines Baums einen Jahresring hinzugefügt." Diese Renovierung wird zukünftigen Generationen ermöglichen, die historische Bedeutung des Ortes zu erfahren und in ihm eine lebendige Gemeindearbeit fortzuführen.
Quellen
- Nadler Reif Architekten - Pfarr- und Klosterkirche Mariä Himmelfahrt Windberg
- StBa Bayern - Pfarr- und Klosterkirche Windberg: Sanierung des Innenraums
- Onnen Restaurierung - Restaurierung der gefassten Ausstattung
- Kloster Windberg - Klosterdorf
- Wikipedia - Kloster Windberg
- Kloster Windberg - Kirchenrenovierung aktuell