Revitalisierung der Kokerei Hansa: Transformation eines Industriedenkmals für die Internationale Gartenausstellung 2027

Einleitung

Die Kokerei Hansa in Dortmund-Huckarde stellt ein bedeutendes Industriedenkmal dar, das eine faszinierende Entwicklung durchläuft: Von der Stilllegung 1992 über die schrittweise Sanierung bis hin zur aktuellen Transformation für die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027. Dieser Artikel beleuchtet die umfassende Revitalisierung des Geländes, bei dem historische Baudenkmäler mit moderner Nutzungskonzeption verbunden werden. Die Kokerei, die einst als größte Anlage ihrer Art im Ruhrgebiet galt, erhält durch die Sanierungsmaßnahmen eine neue Zukunft als kultureller und touristischer Anziehungspunkt, der die Industriegeschichte mit zeitgemäßer Freizeitinformatik verbindet.

Geschichte der Kokerei Hansa

Die Kokerei Hansa entstand zwischen 1927 und 1928 als Großkokerei im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen im Dortmunder Bergbau. Sie ersetzte mehrere kleinere Kokereien der Zechen Hansa, Westhausen und Germania im Dortmunder Nordwesten. Die ersten beiden Koksofenbatterien mit jeweils 65 Öfen wurden zwischen 1927 und 1928 errichtet. In den Jahren 1940 bis 1941 kamen die Batterien III und IV mit jeweils 80 Öfen hinzu, wodurch die Anlage als Zentralkokerei durch die Dortmunder Bergbau AG betrieben wurde. Die letzte Erweiterung erfolgte 1968 mit der Batterie 0, die 30 Öfen umfasste.

In ihrer Blütezeit beschäftigte die Kokerei bis zu 1100 Mitarbeiter. Die Produktion wurde jedoch durch Kriegsschäden unterbrochen: Die Batterien I und II wurden 1945 so stark beschädigt, dass sie bis 1955 jeweils mit 62 Öfen erneuert werden mussten. Die Kokerei bezog zunächst Steinkohle aus der benachbarten Zeche Hansa, später aus verschiedenen anderen Zechen im Ruhrgebiet. Das bei der Koksproduktion anfallende Rohgas – täglich etwa 2.000.000 m³ – wurde in einer speziellen Kohlenwertstoffanlage aufbereitet und teilweise an die Hüttenwerke Union bzw. Phoenix geliefert. Im Gegenzug erhielt die Kokerei Gichtgas der Hüttenwerke als Unterfeuerungsgas.

Nach Stilllegung der Produktion am 15. Dezember 1992 – bereits 1986 war die Produktion in zwei Batterien eingestellt worden – wurde die Kokerei Hansa durch die neu errichtete Kokerei Kaiserstuhl abgelöst, die damals modernste Kokerei der Welt. Seit 1995 befindet sich das Denkmal im Besitz der Stiftung Industriedelagepflege und Geschichtskultur. Die meisten Anlagenteile sind seit 1998 unter Denkmalschutz gestellt und Teil der Route Industriekultur.

Frühe Sanierungsmaßnahmen (2005-2011)

Nach der Stilllegung der Kokerei wurden umfassende Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, um das Industriedenkmal zu erhalten und für zukünftige Nutzungen vorzubereiten. Diese Maßnahmen lassen sich in zwei Bereiche unterteilen: den Abriss nicht denkmalgeschützter Anlagenteile und die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude.

Der Abriss nicht zum Denkmal gehörender Teile erfolgte in mehreren Phasen. Gegen Ende 2005 wurden die Kokstrockenkühlanlage (KTK) und der Kohlenturm II gesprengt. Ebenfalls 2005 verschwand der 175.000 m³ fassende Gasgroßbehälter und die Batterie IV aus dem Kokereibild. Im Jahr 2013 wurden die fünf Vorkühler, die drei EGR-Filter, die zwei Ammoniakwascher und das Maschinenhaus mit den Gassaugern abgerissen. Vor dem Abriss wurden zwei denkmalgeschützte Gassauger in das verbleibende Denkmal umgesetzt.

Die Sanierung der denkmalgeschützten Teile begann bereits 2005 mit der Restaurierung der Kompressorenhalle, die fünf DEMAG-Gaskolbenkompressoren beherbergt. Diese Arbeiten wurden im April 2005 abgeschlossen und die Halle durch den damaligen NRW-Kulturminister Michael Vesper der Öffentlichkeit übergeben. Seitdem dient die Halle nicht nur als technisches Denkmal, sondern auch als Ausstellungsort für Kunstausstellungen.

Nach der Wiederherstellung der Kompressorenhalle und der Dach- und Fachsanierung an den Gebäuden der Kohlenwertstoffanlagen wurden 2011 die vier Holz-Naturzugkühltürme denkmalgerecht saniert. Diese Arbeiten waren Teil eines umfassenden Konzepts, das historische Industriearchitektur zu erhalten und sie für neue Nutzungen zu öffnen.

Aktuelle Revitalisierung für die IGA 2027

Die aktuelle Revitalisierungsphase der Kokerei Hansa steht im Zeichen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen und konzentrieren sich auf mehrere Teilprojekte, die das Gelände in einen zukunftsweisenden Park umwandeln sollen.

Ein zentrales Element der aktuellen Sanierung ist die Umgestaltung des 1952 als Sägewerk für die benachbarte Zeche Hansa errichteten Magazingebäudes. Aufgrund der im Rahmen der IGA nach Süden verlegten und neu gestalteten Eingangsbereichs kommt diesem bisher in Randlage befindlichen Gebäude eine nun sehr zentrale Rolle zu: Es soll das Eingangsgebäude zur IGA werden. Die Arbeiten gliedern sich in zwei Themengebiete: die denkmalgerechte Dach- und Fachsanierung der Gebäudehülle und den nutzungsspezifischen Ausbau für die neuen Anforderungen. Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur hat die assmann gruppe mit der Durchführung des Vergabeverfahrens für Generalplanungsleistungen beauftragt.

Parallel dazu entsteht nördlich der Kokerei der Kokereipark auf der Brachfläche. Die ersten Baufahrzeuge sind bereits im Einsatz, Baustraßen werden asphaltiert und Fundamente sowie Rampen für die Brücke Haldensprung vorbereitet. Diese Brücke wird 160 m lang und überbrückt drei Gleisanlagen: die Mooskamp-Bahn, die Deutsche Bahn und die Dortmunder Eisenbahn.

Ab August 2023 beginnen die eigentlichen Bauarbeiten für den Kokereipark. Hierfür sind verschiedene Aufenthaltsbereiche und Angebote für Sport, Spiel und Erholung geplant. Einer der größten Bestandteile des Zukunftsgartens wird die "Wolke" sein, eine begehbare Spiel- und Erlebnisskulptur aus sieben ineinander verschränkten Stahlringen mit einem Durchmesser von bis zu 27 Metern und Kletternetzen.

Für den Kokereipark ist außerdem ein Bewegungsgarten mit verschiedenen Sportangeboten für alle Altersgruppen geplant. Dazu gehören eine Pumptrack-Anlage, Sitzgelegenheiten sowie Plätze zum Fußball- und Basketballspielen. Die Bauarbeiten sollen bis Ende 2025 beendet sein, dann wird das Gelände der IGA Metropole Ruhr 2027 gGmbH übergeben, die als Dachorganisation für die eigentliche Garten-Ausstellung zuständig ist.

Zukünftige Nutzung nach der IGA 2027

Nach der IGA 2027, die von April bis Oktober stattfinden wird, wird das Gelände für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Rückbauarbeiten werden die Parkanlage öffentlich und eintrittsfrei für alle zugänglich gestalten. Somit trägt das Projekt langfristig zum Strukturwandel und zur Stadtentwicklung bei.

Die Kokerei Hansa wird auch nach der IGA ihre vielfältigen Nutzungsformen beibehalten. Bereits heute dient das Gelände als kultureller und touristischer Anlaufpunkt:

  • Seit 2001 befindet sich auf dem Gelände der Lokwerkstatt das Nahverkehrsmuseum Dortmund des Vereins Westfälische Almetalbahn e. V., das Besichtigungen und Charterfahrten mit historischen Dortmunder Straßenbahnen anbietet.
  • Am 15. März 2008 wurde auf dem Gelände im alten Turbokompressorengebäude "Bergwerk" die größte Kletterhalle Nordrhein-Westfalens eröffnet.
  • Seit 2010 wird die ehemalige Lehrwerkstatt auf der so genannten weißen ("sauberen") Seite der Kokerei als Ausstellungsraum genutzt.
  • Das Hochhaus Hansa auf dem Gelände ist ein Kunst- und Ausstellungsprojekt der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur und des artlab21-Instituts für Kunstentwicklung.

Diese vielfältigen Nutzungsformen werden die Kokerei Hansa auch nach der IGA als lebendiges Industriedenkmal erhalten und weiterentwickeln.

Bedeutung für den Strukturwandel und die Denkmalpflege

Die Revitalisierung der Kokerei Hansa ist ein herausragendes Beispiel für den erfolgreichen Strukturwandel im Ruhrgebiet. Das ehemalige Industriegelände, das einst die Kohle für die Stahlproduktion aufbereitete, wird zu einem kulturellen und touristischen Anziehungspunkt, der Industriegeschichte mit moderner Freizeitgestaltung verbindet.

Die Sanierungsarbeiten folgen dabei einem sensiblen Ansatz, der den Erhalt des industriellen Erbes mit neuen Nutzungsformen verbindet. Die denkmalgerechte Sanierung historischer Bauten wie der Kompressorenhalle, der Holz-Naturzugkühltürme und des Magazingebäudes zeigt, wie Industriedenkmale in die Gegenwart integriert werden können. Gleichzeitig schaffen die neuen Nutzungen wie die Kletterhalle, das Nahverkehrsmuseum und die geplanten Parkanlagen einen lebendigen Umgang mit der Industriegeschichte.

Die Kokerei Hansa ist Teil der Route Industriekultur und zeigt exemplarisch, wie ehemalige Industriestandorte zu Orten der Identität und des kulturellen Erbes werden können. Die Transformation für die IGA 2027 beschleunigt diesen Prozess und schafft eine neue Qualität der Nutzung, die über die bisherigen Angebote hinausgeht.

Fazit

Die Revitalisierung der Kokerei Hansa ist ein eindrucksvolles Beispiel für die gelungene Transformation eines Industriedenkmals. Von ihrer Gründung 1927/28 über ihre Blütezeit bis zur Stilllegung 1992 und die anschließende Sanierung hat die Kokerei eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Die aktuellen Maßnahmen für die IGA 2027 stellen einen weiteren Meilenstein in dieser Entwicklung dar.

Das Projekt zeigt, wie historische Industriearchitektur erhalten und für zukunftsweisende Nutzungen geöffnet werden kann. Die denkmalgerechte Sanierung bestehender Bauten wie des Magazingebäudes, das zum Eingangsgebäude der IGA werden soll, verbindet Denkmalschutz mit moderner Architektur und Nutzung. Gleichzeitig entstehen mit dem Kokereipark neue Freiräume für Sport, Spiel und Erholung, die nach der Ausstellung der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen werden.

Die Kokerei Hansa wird damit zu einem Symbol für den Strukturwandel im Ruhrgebiet, der Industriegeschichte mit zeitgemäßer Freizeitgestaltung verbindet. Die bereits etablierten Nutzungen wie das Nahverkehrsmuseum, die Kletterhalle und die Ausstellungsräume ergänzen diese Entwicklung und machen das Gelände zu einem lebendigen Ort der Industriekultur.

Die Revitalisierung der Kokerei Hansa ist somit nicht nur ein Projekt für die IGA 2027, sondern eine nachhaltige Entwicklung, die das kulturelle Erbe des Ruhrgebiets für zukünftige Generationen bewahrt und gleichzeitig neue Perspektiven für die Stadtentwicklung aufzeigt.

Quellen

  1. assmann gruppe - Kokerei Hansa Revitalisierung
  2. Wikipedia - Kokerei Hansa
  3. Nordstadtblogger - Der Bau des Kokereiparks beginnt

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