Konsumausgaben in Europa: Auswirkungen auf Renovierung und Wohnen

Einleitung

Die Konsumausgaben der privaten Haushalte in Europa sind ein wesentlicher Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung und das Verbraucherverhalten. In diesem Artikel werden die aktuellen Daten und Trends zu den Konsumausgaben in der Europäischen Union und den umliegenden Ländern analysiert. Insbesondere werden die Auswirkungen wirtschaftlicher Ereignisse auf das Konsumverhalten, die Bedeutung des Wohnens als zentraler Ausgabenbereich sowie die Verbindung zwischen Sparquoten und Renovierungsaktivitäten beleuchtet. Die Daten zeigen, dass die Konsumausgaben in Europa in den letzten Jahren erheblichen Schwankungen unterlagen, beeinflusst durch die COVID-19-Pandemie und andere wirtschaftliche Faktoren.

Konsumausgaben in Europa: Übersicht und Trends

Im Jahr 2021 verzeichneten die bevölkerungsreichsten und gleichzeitig wirtschaftsstärksten Volkswirtschaften Europas die höchsten absoluten Konsumausgaben. Deutschland lag mit 1,7 Billionen Euro an erster Stelle, gefolgt von Frankreich mit 1,27 Billionen Euro und Italien mit 1,17 Billionen Euro. Diese Werte geben jedoch nur Aufschluss über die Größe der nationalen Märkte insgesamt, nicht jedoch über das individuelle Konsumbudget der Bürger oder die Verteilung der Konsumausgaben nach Verwendungszweck.

Bei den Pro-Kopf-Konsumausgaben nehmen die Schweiz und Luxemburg europaweit die Spitzenplätze ein. Die Schweizer:innen wiesen durchschnittliche Konsumausgaben von rund 37.210 Euro pro Einwohner auf, noch vor den Luxemburger:innen mit 35.080 Euro pro Kopf (jeweils im Jahr 2021). Der Durchschnitt der EU-Bürger:innen lag bei rund 16.210 Euro pro Kopf für Konsumzwecke. Die niedrigsten Konsumausgaben pro Kopf in Europa verzeichneten die EU-Erweiterungsländer Türkei, Albanien und Nordmazedonien.

Die absoluten Konsumausgaben der privaten Haushalte in der Europäischen Union (EU-27) summierten sich im Jahr 2021 auf rund 7,26 Billionen Euro bzw. auf rund 6,15 Billionen Euro in den Mitgliedstaaten der Eurozone. Bis 2019 stiegen die gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte in der EU kontinuierlich auf rund 7,34 Billionen Euro. Im ersten Corona-Jahr 2020 erfolgte jedoch ein Einbruch auf rund 6,79 Billionen Euro. Es war bis auf das Jahr 2008 (Euro-Finanzkrise) überhaupt erst das zweite Jahr, in dem die Konsumausgaben in der EU rückläufig waren.

Die Konsumausgaben der privaten Haushalte in der Europäischen Union (EU-27) sind im Jahr 2022 auf rund 7,8 Billionen Euro gestiegen. Die höchsten Konsumausgaben im Jahr 2022 entfielen auf Deutschland, Frankreich und Italien. Rund 1,7 Billionen Euro tragen die privaten Haushalte in Deutschland zu den Konsumausgaben in der EU bei. Der Malta weist mit rund 8 Milliarden Euro die geringsten Konsumausgaben auf.

Wirtschaftliche Einflüsse auf Konsumverhalten

Die aktuellen Veränderungen der Konsumausgaben der privaten Haushalte im ersten Quartal 2023 zeigen für Europa keinen einheitlichen Trend. Insgesamt stiegen die Konsumausgaben in den EU-Ländern gegenüber dem Vorjahresquartal leicht um rund 0,5 Prozent (Eurozone: 0,8 Prozent). Die Türkei, als EU-Beitrittskandidat, verzeichnete mit einer Steigerung von rund 15,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal die höchste Zunahme der Konsumausgaben in Europa im Q1 2023, allerdings war dies gleichzeitig das schwächste Wachstum der Türkei seit dem dritten Quartal 2021. In Tschechien fielen die Konsumausgaben stärker als im Rest Europas aus - um rund 6,3 Prozent gingen die Konsumausgaben zurück.

Die Sparquoten der privaten Haushalte in der Europäischen Union sind im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr 2019 deutlich gestiegen. Betrug die durchschnittliche Sparquote der EU-27 im Jahr 2019 noch rund 12,15 Prozent, stieg sie im Pandemiejahr 2020 auf durchschnittlich 18,55 Prozent rapide an. Die Berg- und Talfahrt von Sparquote und Konsumausgaben in Europa lässt sich jedoch nur mit Blick auf die Quartalszahlen erkennen. Wenn die Konsumausgaben in Europa sanken, stieg die Bruttosparquote der privaten Haushalte und umgekehrt.

Im ersten Quartal 2020 brachen die Konsumausgaben in der EU durchschnittlich um rund 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ein, wobei der Rückgang in den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich hoch ausfiel. In den EU-Ländern Italien (-7,1 Prozent), Spanien (-5,9 Prozent), Österreich (-5,9 Prozent) und Frankreich (-4,6 Prozent), in denen sich das Virus bereits sehr früh und schnell verbreitete, fiel der Konsumrückgang im ersten Quartal 2020 deutlich stärker aus als im Rest Europas.

Wohnen als zentraler Ausgabenbereich

Hohe Konsumausgaben für Wohnen und Wohnnebenkosten wurden auch für 2022 weiterer Anstieg prognostiziert. Die Verteilung der Konsumausgaben nach Bereichen unterscheidet sich je nach Land und kann für jedes Land einzeln geprüft werden.

Die Ausgaben für Wohnen stellen einen wesentlichen Teil der Konsumausgaben privater Haushalte dar. In Zeiten steigender Energiepreise und der grünen europäischen Energiewende, die durch die Sanktionen gegen Russland infolge des Krieges in der Ukraine forciert wird, gewinnt das Thema Wohnen und Renovierung zunehmend an Bedeutung. Die explodierenden europäischen Energiepreise machen energieeffiziente Sanierungen und Renovierungen für viele Haushalte zu einem dringenden Thema, obwohl die hohen Kosten gleichzeitig zu einer Zurückhaltung bei anderen Konsumausgaben führen können.

Die wirtschaftlichen Daten zeigen, dass die Konsumausgaben für Bauten im Jahr 2022 bei 446,567 Milliarden Euro lagen, im Jahr 2023 bei 453,008 Milliarden Euro und für 2024 wird ein Wert von 450,662 Milliarden Euro prognostiziert. Im preisbereinigten Vergleich (Kettenindex mit 2020 = 100) sanken die Konsumausgaben für Bauten jedoch von 93,44 im Jahr 2022 auf 86,65 im Jahr 2023 und werden für 2024 auf 81,94 geschätzt.

Jahr Konsumausgaben für Bauten (in Mrd. €) Preisbereinigter Index (2020=100)
2022 446,567 93,44
2023 453,008 86,65
2024 450,662 (geschätzt) 81,94 (geschätzt)

Sparquoten und ihre Bedeutung für Renovierungen

Die Sparquoten der privaten Haushalte sind ein wichtiger Indikator für die Bereitschaft, in Renovierungen und Sanierungen zu investieren. Die durchschnittliche Sparquote der EU-27 stieg im Jahr 2020 von 12,15 Prozent im Jahr 2019 auf 18,55 Prozent an. Dieser Anstieg spiegelt die Unsicherheit während der Pandemie wider, in der viele Haushalte einen größeren Teil ihres Einkommens als Vorsorge für die Zukunft zurückhielten.

Nach der Krise ist vor der Krise: Die Berg- und Talfahrt bei Konsumausgaben und Sparquote in Europa zeigt, wie sich das Verbraucherverhalten in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Lage ändert. In einer allgemeinen Wirtschaftskrise behalten die privaten Haushalte einen größeren Anteil ihres Einkommens aus Sorge vor Arbeitslosigkeit ein, sie sparen das Einkommen. Bei optimistischer Stimmung geben die privaten Haushalte einen größeren Anteil ihres Einkommens aus, sie konsumieren.

Für die Renovierungsbranche bedeutet dies, dass in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und hoher Sparquoten die Nachfrage nach Renovierungsleistungen oft zurückgeht, während in wirtschaftlich besseren Zeiten mit höherer Konsumbereitschaft die Investitionen in Wohnraum steigen.

Aktuelle Entwicklungen und Prognosen

Die aktuellen europäischen Schätzungen enthalten Benchmark-Revisionen von Tschechien, Dänemark, Frankreich, Irland, den Niederlanden und Schweden. Verglichen mit der Pressemitteilung vom 26. April wurde die Wachstumsrate des realen Pro-Kopf-Einkommens der privaten Haushalte für das vierte Quartal 2023 für den Euroraum von +0,6% auf +0,7% und für die EU von +0,4% auf +0,6% revidiert. Die Wachstumsrate des realen Pro-Kopf-Konsums der privaten Haushalte wurde für den Euroraum von -0,1% auf +0,1% und für die EU von 0,0% auf +0,2% revidiert.

Die saisonbereinigte Sparquote der privaten Haushalte für das erste Quartal 2024 wurde von 15,3% auf 15,4% nach oben revidiert. Die Investitionsquote blieb unverändert bei 9,5%.

Die Konsumausgaben insgesamt werden für 2022 auf 2.962,239 Milliarden Euro, für 2023 auf 3.123.713 Milliarden Euro und für 2024 auf 3.234.744 Milliarden Euro geschätzt. Die privaten Konsumausgaben lagen 2022 bei 2.094.029 Milliarden Euro, stiegen 2023 auf 2.218.511 Milliarden Euro und werden für 2024 auf 2.282.962 Milliarden Euro prognostiziert.

Im preisbereinigten Vergleich (Kettenindex mit 2020 = 100) lag der Index für private Konsumausgaben 2022 bei 108,63, sank 2023 auf 107,92 und wird für 2024 auf 108,49 geschätzt.

Jahr Private Konsumausgaben (in Mrd. €) Preisbereinigter Index (2020=100)
2022 2.094,029 108,63
2023 2.218,511 107,92
2024 2.282,962 (geschätzt) 108,49 (geschätzt)

Verbraucherstimmung und Konsum in Europa: Daten & Fakten

Das Jahr 2020 war eine Zäsur und ist als ein Jahr der Extreme in die Geschichte eingegangen. Das Coronavirus verbreitete sich von China ausgehend innerhalb kürzester Zeit in unserer globalisierten Welt. Regierungen weltweit waren gefordert, Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu erlassen. Das öffentliche Leben wurde im vergangenen Jahr in den EU-Ländern immer wieder heruntergefahren (Lockdowns), um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Temporäre Grenzschließungen, restriktive Ein- und Ausreisebestimmungen sowie Beherbergungsverbote für touristische Zwecke, ließen den Tourismussektor zusammenbrechen. Ein Großteil der Dienstleistungen für Privatpersonen aus den Bereichen Freizeit und Kultur mussten vorübergehend ihren Betrieb einstellen. Auch der gesamte Non-Food-Retail (Einzelhandel) war von den Maßnahmen betroffen. Der Kollateralschaden der skizzierten Maßnahmen war ein Einbruch der privaten Konsumausgaben in Europa in diversen Bereichen.

2021 und 2022 sind teils starke Nachholeffekte in einzelnen Konsumbranchen zu beobachten gewesen, gleichzeitig haben sich durch den Krieg in der Ukraine Lebensmittel in Europa deutlich verteuert. Im Zusammenhang mit den Sanktionen gegen Russland sind die europäischen Energiepreise explodiert und die grüne europäische Energiewende wird forciert, um neue Abhängigkeiten für den europäischen Energiemarkt zu vermeiden.

Fazit

Die Analyse der Konsumausgaben in Europa zeigt, dass das Verbraucherverhalten stark von wirtschaftlichen Ereignissen und der allgemeinen Verbraucherstimmung beeinflusst wird. Die COVID-19-Pandemie führte zu einem deutlichen Einbruch der Konsumausgaben im Jahr 2020, begleitet von einem Anstieg der Sparquoten. In den folgenden Jahren erholten sich die Konsumausgaben wieder, wobei die Entwicklungen jedoch von Land zu Land unterschiedlich ausfielen.

Während die absoluten Konsumausgaben in den großen Volkswirtschaften Deutschlands, Frankreichs und Italiens am höchsten sind, liegen die Schweiz und Luxemburg bei den Pro-Kopf-Konsumausgaben an der Spitze. Die Ausgaben für Wohnen und Wohnnebenkosten stellen einen wesentlichen Teil der Konsumausgaben dar und werden auch für 2022 weiter ansteigen erwartet.

Für die Renovierungsbranche bedeutet dies, dass die Nachfrage von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der Verbraucherstimmung abhängt. In Zeiten hoher Sparquoten und wirtschaftlicher Unsicherheit werden Renovierungen oft aufgeschoben, während in wirtschaftlich besseren Zeiten die Investitionen in Wohnraum steigen. Die aktuellen Prognosen deuten auf eine leichte Erholung des Konsums hin, was sich positiv auf die Nachfrage nach Renovierungsleistungen auswirken könnte.

Quellen

  1. Statista: Kaufkraft und Konsum in Europa
  2. Statista: Konsumausgaben der privaten Haushalte in der EU
  3. Eurostat: Pressemitteilung zu Spar- und Investitionsquoten
  4. Destatis: Inlandsprodukt-Verwendung (BIP)

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