Sanierung und Modernisierung des Kromlauer Parks: Von der historischen Rakotzbrücke zum modernen Erlebnispark

Einleitung

Der Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau in der Gemeinde Gablenz, Sachsen, ist eine der größten Rhododendren-Freilandanlagen Deutschlands und erstreckt sich über eine Fläche von etwa 200 Hektar. Über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt ist der Park vor allem durch die spektakuläre Rakotzbrücke, auch "Teufelsbrücke" genannt, deren Halbkreis sich im See darunter als vollständiger Kreis spiegelt. Dieses architektonische Wahrzeichen der Lausitz lockt jährlich Tausende von Touristen an und diente sogar als Kulisse für den Märchenfilm "Der Zauberlehrling".

In den letzten Jahren hat der Kromlauer Park eine umfassende Sanierung und Modernisierung erfahren, die den Erhalt dieses bedeutenden Kultur- und Naturdenkmals für die kommenden Jahrzehnte sichern soll. Mit Unterstützung aus dem Förderprogramm "Zukunft Stadtgrün" und weiteren öffentlichen Mitteln hat die Gemeinde Gablenz zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um den romantischen Park wieder als Touristenmagnet zu beleben und gleichzeitig die Sicherheit für Besucher zu gewährleisten. Dieser Artikel beleuchtet die umfassende Sanierung des Kromlauer Parks mit besonderem Fokus auf die Rettung der Rakotzbrücke und die Entwicklung des gesamten Geländes zu einem modernen Erlebnispark für Jung und Alt.

Historische Entwicklung des Kromlauer Parks

Die Geschichte des Kromlauer Parks reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und ist eng mit wechselnden Eigentumsverhältnissen und visionären Gartenbaukonzepten verbunden. Ursprünglich gehörte das Gut Kromlau mit der später berühmt gewordenen Rakotzbrücke verschiedenen Eigentümern. Friedrich Herrmann Rötschke tauschte das Gut Kromlau mit seiner Rakotzbrücke etwa 30 Jahre nach Erwerb gegen andere Bauplätze. In den Folgejahren wechselten die Eigentumsverhältnisse mehrfach, bevor 1889 Ruhe einkehrte, als Graf von und zu Egloffstein-Arklitten das Gelände erwarb.

Der Graf beauftragte den Gartenbauinspektor Georg Eichler mit der Pflege der Anlage. Unter seiner Leitung wurde der Park entscheidend erweitert und umgestaltet. Eichler ergänzte die bisherigen Baum- und Strauchgewächse mit Rhododendren und Azaleen, die in großem Umfang gepflanzt wurden und zum harmonischen Erscheinungsbild des Parks beitrugen. Darüber hinaus legte der Gartengestalter bestimmte Blumenzüchtungen zum Verkauf an, die willkommene Nebenverdienste generierten und der weiteren Entwicklung des Parks zugutekamen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Landschaftspark mit der bekannten Rakotzbrücke in Volkseigentum über. Erst Mitte der 1960er Jahre bekam er wieder neue Aufmerksamkeit. In dieser Zeit wurde der Park wieder gepflegt und rekonstruiert, wobei die Rakotzbrücke weiterhin ein besonderer Anziehungspunkt blieb. Die jahrhundertelange Entwicklung prägt den bis heute erhaltenden Charakter des Parks, der eine einzigartige Verbindung aus historischer Gartenkunst und natürlicher Landschaft darstellt.

Die Rakotzbrücke: Architektonisches Wahrzeichen in Gefahr

Die Rakotzbrücke ist zweifellos das bekannteste Wahrzeichen des Kromlauer Parks und ein architektonisches Meisterwerk. Die markante Bogenbrücke aus Stein fasziniert Besucher seit Generationen durch ihre besondere Konstruktion, die im perfekten Halbkreis des Sees darunter einen vollständigen Kreis erzeugt. Dieses optische Phänomen macht die Brücke zu einem der fotogensten Orte der Lausitz und zieht jährlich unzählige Touristen und Fotografen an.

Trotz ihrer Bedeutung befand sich die Brücke in einem beunruhigenden Zustand. Wie Bürgermeister Dietmar Noack betonte, war die Rettung der Rakotzbrücke längst überfällig: "Es ist eigentlich schon fünf nach Zwölf. Von der Brücke haben sich bereits Steine gelöst". Diese Feststellung unterstreicht die Dringlichkeit der Sanierungsmaßnahmen. Aus Sicherheitsgründen musste das Gelände um die gefährdete Brücke herum eingezäunt werden, und Besucher wurden eindringlich gewarnt, die Bogenbrücke zu betreten, da Lebensgefahr bestand.

Die besondere architektonische Bedeutung der Rakotzbrücke wird durch ihre mediale Präsenz unterstrichen. Vor zwei Jahren wurden dort Szenen für den Märchenfilm "Der Zauberlehrling" gedreht, was die Popularität des Bauwerks weiter steigerte. Für die kleine Gemeinde Kromlau mit ihren knapp über 300 Einwohnern ist die Brücke von unschätzbarem Wert, da sie den Ort international sichtbar macht und als wichtiges touristisches Highlight dient.

Umfassende Sanierung des Kromlauer Parks

Mit finanzieller Unterstützung aus dem Förderprogramm "Zukunft Stadtgrün" konnte die Gemeinde Gablenz umfangreiche Maßnahmen zum Erhalt des Parks umsetzen. Die öffentliche Bezuschussung war entscheidend, um die Gablenzer Bürger im Ehrenamt zu entlasten, die sich davor fast ausschließlich um den Park gekümmert hatten, und um den romantischen Park wieder als Touristenmagnet aufleben zu lassen.

Die Sanierung des gesamten Parks umfasste zahlreiche Projekte, die über einen Zeitraum von vier Jahren realisiert wurden. Insgesamt wurden 8,5 Kilometer Parkwege saniert, was eine enorme logistische und finanzielle Herausforderung darstellte. Neben der Wiederherstellung bestehender Wege wurden auch vergessene Pfade neu angelegt, insbesondere rund um den Inselteich, der durch einen Brunnen wieder mit Wasser gefüllt wurde. Dadurch konnte die neue Asiatische Brücke hier ihren Platz finden und das Wasserlandschaftskontinuum vervollkommnen.

Ein weiteres wichtiges Element der Modernisierung war die Anlage eines Bewegungsparks, der Jung und Alt zu mehr Aktivitäten im Grünen einlädt. Gleichzeitig wurden umfangreiche Neupflanzungen durchgeführt, um die Vielfalt der Vegetation im Park zu erhöhen und den Bestand an Rhododendren und Azaleen zu sichern. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur ästhetischen Aufwertung bei, sondern auch zur ökologischen Stabilität des gesamten Parks.

Neben den infrastrukturellen Maßnahmen wurden auch kulturelle und touristische Einrichtungen verbessert. Der Hauptparkplatz am Ortseingang Kromlau wurde um einen Infopunkt mit öffentlichen Toiletten erweitert, was den Komfort für Besucher deutlich erhöht. Diese Investitionen sichern den wichtigen kulturellen Ort für die kommenden Jahrzehnte und positionieren den Park als moderne touristische Destination.

Die Sanierung der Rakotzbrücke: Ein Herzensanliegen

Die Sanierung der Rakotzbrücke stellte das Kernstück der umfassenden Maßnahmen dar und erforderte besondere Aufmerksamkeit. Die symbolische Grundsteinlegung für diese aufwändige Restaurierung wurde durch Bürgermeister Dietmar Noack gemeinsam mit Landrat Bernd Lange und einem Vertreter des Sächsischen Innenministeriums vorgenommen. Dieser feierliche Akt unterstrich die politische und kulturelle Bedeutung des Projekts.

Nach einer detaillierten Analyse des Baugrundes konnten die Arbeiten schließlich ausgeschrieben und beginnen. Die Sanierung wird voraussichtlich zwei Jahre dauern und beläuft sich auf geschätzte 2,7 Millionen Euro. Besonders bemerkenswert ist die Finanzierungsstruktur: Die Gemeinde Gablenz musste für dieses prestigeträchtige Projekt keinen einzigen Euro aus eigener Tasche aufwenden. Stattdessen übernahmen Bund und Land die vollständige Finanzierung, was die hohe Priorität unterstreicht, die die Erhaltung dieses kulturellen Erbes hat.

Parallel zur Sanierung des Rakotz-Ensembles wird auch der Kromlauer Park weiter gestaltet. Die Gemeinde kann hierfür mit einer großzügigen Förderung rechnen, was eine kontinuierliche Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur ermöglicht. Diese Doppelstrategie aus Restaurierung und Neugestaltung sichert nicht nur den Bestand, sondern schafft auch neue Attraktionen für Besucher.

Die technische Herausforderung bei der Sanierung der Rakotzbrücke besteht darin, die historische Substanz zu erhalten, während gleichzeitig die Statik und Sicherheit des Bauwerks gewährleistet wird. Dies erfordert spezialisierte Handwerker und Ingenieure, die Erfahrung mit historischen Steinbauten haben. Die Arbeiten umfassen nicht nur die Reparatur bereits gelöster Steine, sondern auch eine gründliche Untersuchung des gesamten Bauwerks, um potenzielle Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Zukunftsprojekte: Die Entwicklung des Parks bis 2026

Die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Kromlauer Park sind abgeschlossen, doch die Entwicklung des Geländes hält weiter an. Wie aktuelle Informationen belegen, befindet sich der Park in einem Prozess der kontinuierlichen Verbesserung, der bis mindestens ins Jahr 2026 andauern wird. Diese zukünftigen Projekte zielen darauf ab, den Park noch attraktiver und vielfältiger zu gestalten.

Ein Schwerpunkt der zukünftigen Entwicklung ist die kulturelle Aufwertung des Parks. Derzeit erfolgt der Umbau des Alten Gesindehauses zum Künstlerdomizil, ergänzt durch ein neues Studioatelier im Gutshof. Diese Einrichtungen werden Raum für Kunst und Kreativität schaffen und den Park um kulturelle Dimensionen erweitern. Künstler können hier arbeiten und ausstellen, was den Park zu einem lebendigen Zentrum für Kunst und Kultur in der Region macht.

Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Umwandlung des Campingplatzes am Badesee in einen modernen Ganzjahrescampingplatz. Diese Entwicklung wird die touristische Attraktivität des Parks erheblich steigern, da sie Übernachtungsmöglichkeiten direkt im Naturpark schafft. Die Modernisierung des Campingplatzes wird sicherstellen, dass er den Anforderungen moderner Touristen gerecht wird, während gleichzeitig der ökologische Charakter des Parks gewahrt bleibt.

Die Gemeinde Gablenz plant auch, die touristische Infrastruktur weiter auszubauen. Die Tourist-Information im Alten Schloss bietet bereits Souvenirs, Wandkalender für 2026 und Honig aus dem Rhodendronpark an. Diese Angebote stärken die lokale Wirtschaft und schaffen zusätzliche Einnahmequellen für die Erhaltung des Parks. Die Information ist von Montag bis Freitag von 7:30 bis 15:00 Uhr geöffnet und steht Besuchern für Fragen und Anregungen zur Verfügung.

Ökologische und touristische Bedeutung des sanierten Parks

Die Sanierung und Modernisierung des Kromlauer Parks hat weitreichende Auswirkungen auf die ökologische und touristische Entwicklung der gesamten Region. Mit einer Fläche von etwa 200 Hektar stellt der Park ein bedeutendes Biotop dar, das zahlreiche seltene Pflanzenarten beherbergt. Besonders die Rhododendren- und Azaleensammlung ist von nationaler Bedeutung und macht den Park zu einem der größten und wichtigsten seiner Art in Deutschland.

Die ökologische Bedeutung des Parks wird durch die Sanierungsmaßnahmen weiter gestärkt. Die Neupflanzungen und die Wiederherstellung der Wasserflächen wie des Inselteichs tragen zur Biodiversität bei und schaffen neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig wird durch die Modernisierung der Wege und Einrichtungen ein nachhaltiger Tourismus ermöglicht, der die sensible Naturbalance des Parks respektiert.

Auf touristischer Ebene hat der sanierte Park eine enorme Strahlwirkung. Die Kombination aus historischer Gartenkunst, natürlicher Schönheit und moderner Infrastruktur macht den Park zu einem attraktiven Ziel für verschiedene Zielgruppen. Während Pflanzenliebhaber von der einzigartigen Sammlung von Rhododendren und Azaleen angezogen werden, lockt die architektonische Ikone der Rakotzbrücke Fotografen und Kulturinteressierte an. Familien schätzen den Bewegungspark und die allgemein zugänglichen Wege, während Kunstbegeisterte die zukünftigen Künstlerdomizile erwarten.

Die kostenlose Zugänglichkeit des Parks ist ein weiterer wichtiger Faktor für seine Popularität. Im Gegensatz zu vielen anderen touristischen Attraktionen muss für den Besuch des Kromlauer Parks kein Eintritt entrichtet werden, was ihn für ein breites Publikum zugänglich macht. Diese Demokratisierung des Kulturgenusses ist bewusste Politik der Gemeinde Gablenz und trägt zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts bei.

Fazit

Die umfassende Sanierung und Modernisierung des Kromlauer Parks stellt ein gelungenes Beispiel für die erfolgreiche Erhaltung eines bedeutenden Kultur- und Naturdenkmals dar. Mit der Rettung der architektonischen Ikone der Rakotzbrücke und der gleichzeitigen Entwicklung des gesamten Parks zu einem modernen Erlebnispark hat die Gemeinde Gablenz eine beeindruckende Balance zwischen Bewahrung und Innovation geschaffen.

Die Investitionen in Höhe von 2,7 Millionen Euro allein für die Sanierung der Rakotzbrücke sowie die zusätzlichen Mittel für die Parkmodernisierung haben sich bereits jetzt auszahlen, wie die zahlreichen Besucherzahlen belegen. Die Kombination aus historischer Substanz und moderner Infrastruktur schafft einen einzigartigen Ort, der sowohl die lokale Identität stärkt als auch überregionale Anziehungskraft besitzt.

Besonders hervorzuheben ist die enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ebenen – von der kommunalen Ebene bis hin zur Landes- und Bundesregierung – sowie das Engagement der ehrenamtlichen Helfer, die durch das traditionelle Parkseminar maßgeblich zum Erhalt des Parks beitragen. Dieses Netzwerk an Unterstützung sichert die langfristige Pflege und Entwicklung des Geländes.

Die zukünftigen Projekte wie die Künstlerdomizile und der modernisierte Campingplatz werden den Park weiter aufwerten und seine Bedeutung als kultureller und touristischer Hotspot in der Lausitz festigen. Der Kromlauer Park steht somit nicht nur für die Bewahrung historischer Gartenkunst, sondern auch für die lebendige Entwicklung eines Ortes, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet.

Quellen

  1. Die Grüne Stadt - Modernisierung des Kromlauer Parks
  2. Garten und Landschaft - Rakotzbrücke Kromlau Sanierung
  3. Radio Lausitz - Rettung der Rakotzbrücke im Kromlauer Park kann beginnen
  4. Kromlau Online

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