Einleitung
Der Linzer Mariendom, offiziell als Mariä-Empfängnis-Dom bekannt, ist nicht nur die größte Kirche Österreichs und die größte Kirche in der Alpenregion, sondern auch ein bedeutendes historisches Bauwerk, das derzeit umfassend saniert wird. Nach 62 Jahren Bauzeit wurde der Dom 1924 eröffnet, jedoch erst 1935 fertiggestellt. Heute, fast ein Jahrhundert später, zeigt sich an dem mächtigen Sakralbau dringender Sanierungsbedarf. Die aktuelle Restaurierungsprojekte konzentrieren sich auf zwei Hauptbereiche: den historischen Kapellenkranz, den ältesten Teil des Doms aus den Jahren 1862 bis 1874, und den 135 Meter hohen Turm, der seit der Eröffnung noch nie restauriert wurde. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Einblick in die aufwendigen Sanierungsarbeiten, die Techniken der Restauratoren und die Herausforderungen, bei der Erhaltung dieses kulturellen Erbes.
Der Linzer Mariendom: Historische und architektonische Bedeutung
Der Mariä-Empfängnis-Dom in Linz ist ein neugotischer, römisch-katholischer Kirchenbau, der auch als Mariendom oder Neuer Dom bezeichnet wird. Die Bauarbeiten wurden 1855 durch den Linzer Bischof Franz Joseph Rudigier veranlasst, der damit für die Bulle "Ineffabilis Deus" vom 8. Dezember 1854 danken wollte. Der Dom übernahm die Kathedrafunktion des Alten Linzer Doms. Die Grundsteinlegung erfolgte 1862, und am 1. Mai 1924 wurde der Dom von Bischof Johannes Maria Gföllner als Marienkirche geweiht. Die endgültige Fertigstellung des Baus erfolgte jedoch erst 1935.
Mit einer beeindruckenden Größe ist der Dom die größte Kirche Österreichs und nur etwa zwei Meter niedriger als der Stephansdom in Wien. Die nächstgelegene flächenmäßig größere Kirche ist der Kölner Dom, wodurch der Maria-Empfängnis-Dom die größte Kirche in der Alpenregion bleibt. Diese herausragende architektonische Bedeutung macht die aktuelle Sanierung noch bedeutsamer, um dieses historische Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren.
Der Kapellenkranz: Ältester Teil des Doms bedarf dringend Restaurierung
Der Kapellenkranz stellt den ältesten Teil des Linzer Mariendoms dar und wurde zwischen 1862 und 1874 errichtet. Dieser Bereich des Doms beinhaltet sieben Kapellen mit kunstvoll gefertigten Altären und beeindruckenden Wandmosaiken. Wie Diplom-Restauratorin Susanne Beseler feststellt, hat sich in den 130 Jahren seit der Entstehung "einiges an Glaubensgeschichte auf den Flächen angesammelt". Über Jahrzehnte haben Staub, Ruß und Umwelteinflüsse ihre Spuren hinterlassen, wobei die Experten einen ähnlichen Verwitterungsgrad wie im Außenbereich feststellen.
Die Mosaike im Kapellenkranz sind von besonderer künstlerischer Bedeutung. Diese Kunstwerke stammen aus den Tiroler Glaswerkstätten und wurden in Innsbruck hergestellt. Laut Dombaumeister Michael Hager besitzen die gereinigten Mosaiken eine ähnliche Strahlkraft wie die Glasfenster des Doms. Fenster, Mosaike und Altäre wurden gleichzeitig erbaut und bilden laut Hager eine Einheit – eine Besonderheit und ein Alleinstellungsmerkmal des Linzer Doms. Die ursprüngliche Farbenpracht der Mosaike ist jedoch durch Verschmutzungen im Laufe der Jahre in den Hintergrund getreten, und teils wirken die Kunstwerke nur noch wie dunkle Schatten, wobei das Bildprogramm teilweise nicht mehr erkennbar ist.
Restaurierungskonzept und Durchführung
Die Renovierung des Kapellenkranzes ist ein mehrjähriges Projekt, das nach einem gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt festgelegten Restaurierungskonzept durchgeführt wird. Im Frühling 2023 wurde mit einem Pilotprojekt die erste der sieben Kapellen restauriert. Aktuell wird die zweite Kapelle, die sogenannte "Königin der Bekenner", vollständig renoviert. Derzeit ist geplant, pro Jahr eine Kapelle fertigzustellen, sodass die Arbeiten voraussichtlich bis 2029 andauern werden. Die Votivkapelle als "Herzstück" des Kapellenkranzes wird als letzte wieder in ihrer vollen Pracht erstrahlen.
Die Restaurierungsarbeiten erfordern äußerste Sorgfalt und Präzision. Die Steinmetz-Meister Gerhard Fraundorfer ist für die Reinigung der Steinelemente und der Altäre zuständig. Diese werden zunächst trocken gereinigt, also abgesaugt, bevor die händische Feuchtreinigung mit Wasser folgt. Die Mosaike bringt Diplom-Restauratorin Susanne Beseler in sorgsamer Detailarbeit wieder zum Leuchten. Bei ihrer Arbeit machte Beseler auch eine besondere Entdeckung – die beiden Künstler haben sich mit ihrer Signatur dezent am Rand verewigt.
Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass eine gewisse Patina dem Mariendom auch in den restaurierten Kapellen erhalten bleibt. Die Reinigung der Mosaiken erfolgt behutsam mit Staubsauger und Wasser, um die "130 Jahre Glaubensgeschichte, die auf den Mosaiken liegt", schonend zu entfernen, ohne die historische Substanz zu beschädigen. Gleichzeitig werden auch Korrosionsprozesse, die durch die schlechte Linzer Luft in den Dom gelangt sind, behutsam behoben.
Die Turmsanierung: Erste umfassende Restaurierung seit 1924
Ein weiteres zentrales Element der aktuellen Sanierungsarbeiten ist die Restaurierung des 135 Meter hohen Turms des Mariendoms. Besonders bemerkenswert ist, dass die Turmspitze seit der Eröffnung des Doms im Jahr 1924 noch nie restauriert wurde. Im November 2017 wurde der Turm einer umfangreichen Untersuchung unterzogen, die eine Fülle an notwendigen Renovierungs- und Sanierungsarbeiten offenbarte.
Bei der Turmsanierung werden alle Steinteile und Figurenelemente restauriert. Im Turminneren müssen Plattformen erneuert und baufällige Aufstiege ersetzt werden. Die Arbeiten an der Turmspitze werden voraussichtlich 2 bis 2,5 Jahre dauern und allein etwa 2 bis 2,5 Millionen Euro kosten. Dies stellt jedoch nur einen Teil der gesamten Sanierungskosten dar, die sich auf etwa 13 Millionen Euro belaufen.
Finanzierung der Sanierungsarbeiten
Die Finanzierung der umfangreichen Sanierungsarbeiten stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Bis 2030 werden 13 Millionen Euro benötigt, um den mächtigen Sakralbau zu erhalten. Um diese Summe aufzubringen, wurde die Initiative "Pro Mariendom" unter der Leitung von Altlandeshauptmann Josef Pühringer ins Leben gerufen. Diese Initiative soll helfen, zumindest einen Teil der Kosten durch Spenden und Veranstaltungen zu decken.
Die Notwendigkeit der Sanierung wurde bereits im Jahr 2018 erkannt, als sich eine neu konstituierte Initiative für die dringend erforderlichen Sanierungsarbeiten des Doms um etwa 14 Mio. € aussprach. An der Spitze dieser Initiative steht ein Beirat, der ebenfalls von Josef Pühringer geleitet wird.
Besucherzahlen und öffentliches Interesse
Trotz der andauernden Sanierungsarbeiten zeigt der Linzer Mariendom weiterhin ein hohes Maß an öffentlichem Interesse. Im Jahr 2017 besuchten 200.000 Personen eine Führung im Dom, darunter ein Drittel Kinder unter 10 Jahren. Besonders beliebt sind die "Taschenlampenführungen" bei Nacht, die Besuchern einen einzigartigen Blick auf das historische Bauwerk ermöglichen.
Fazit
Die Sanierung des Linzer Mariendoms ist ein herausforderndes und aufwendiges Projekt von großer kultureller Bedeutung. Die Restaurierung des historischen Kapellenkranzes mit seinen einzigartigen Mosaiken und Altären sowie die erste umfassende Sanierung des 135 Meter hohen Turms seit 1924 erfordert nicht nur erhebliche finanzielle Mittel, sondern auch höchste handwerkliche Kompetenz und historische Sensibilität. Die Zusammenarbeit von Experten wie der Diplom-Restauratorin Susanne Beseler und dem Dombaumeister Michael Hager mit dem Bundesdenkmalamt und der Initiative "Pro Mariendom" zeigt den gemeinsamen Willen, dieses bedeutende Bauwerk für zukünftige Generationen zu erhalten. Mit dem geplanten Abschluss der Arbeiten im Jahr 2029 wird der Mariendom nicht nur seine historische Pracht wiedererlangen, sondern auch als Symbol für den Erhalt des kulturellen Erbes in Österreich dienen.