Londoner Wahrzeichen im Wandel: Restaurierungen und Umbauten von Tower und Big Ben

Einleitung

Die Skyline von London ist geprägt von ikonischen Bauwerken, die über Jahrhunderte hinweg Geschichte und Kultur der britischen Hauptstadt widerspiegeln. Zu den bedeutendsten Wahrzeichen zählen der Tower of London und der Elisabethturm mit seiner berühmten Glocke Big Ben. Beide Bauwerke haben eine wechselvolle Geschichte der Nutzung, Umbauten und Restaurierungen durchlaufen. Während der Tower of London im Laufe seiner fast tausendjährigen Geschichte zahlreiche architektonische Veränderungen erfahren hat, steht Big Ben in jüngster Zeit im Zentrum einer aufwendigen Restaurierungsmaßnahme. Dieser Artikel beleuchtet die bedeutendsten Bauphasen, Renovierungen und architektonischen Entwicklungen dieser beiden Londoner Wahrzeichen, basierend auf historischen Aufzeichnungen und aktuellen Projektdokumentationen.

Der Tower of London: Eine Festung im Wandel der Jahrhunderte

Ursprünge und mittelalterliche Entwicklung

Der Tower of London wurde ursprünglich im 11. Jahrhundert als Festung von Wilhelm dem Eroberer gegen die potenziell feindseligen Bürger der Stadt London errichtet. Bis zu Jakob I. nutzten alle englischen Könige den Tower zeitweilig zum Aufenthalt. Die Außenmauern und Türme des Towers wurden im Wesentlichen im Mittelalter errichtet, in den folgenden Jahrhunderten dann zahlreiche An- und Umbauten innerhalb der Mauern durchgeführt.

Eine prägende Phase für die heutige Gestalt des Towers stellt die Regentschaft Heinrichs III. dar. Zwischen 1220 und 1238 ließ er die Festung landwärts erweitern und von 1238 bis 1272 flusswärts. In dieser Zeit erhielt auch die gesamte Festung den Namen Tower of London. Heinrichs Vorhaben gingen über reine Militärarchitektur hinaus: Sowohl die Arbeiten an der großen Halle als auch andere haushaltsbezogene Konstruktionen deuten darauf hin, dass Heinrich den Tower als Wohngebäude aufwerten und auf eine Ebene mit Windsor Castle oder den Residenzen in Winchester und Clendon stellen wollte. Er ließ die Gemächer von König und Königin neu herrichten und die Wände weiß kalken. Außerdem wurden fünf Tonnen Marmor aus Dorset herangeschafft, um die Innenräume auszubauen.

Nach einem Vorfall 1238, bei dem sich Heinrich im Zuge der Verwerfungen um die Hochzeit seiner Schwester Eleanor von England mit Simon de Montfort, 6. Earl of Leicester, einen Monat lang vor aufgebrachten Adligen im Tower hatte verschanzen müssen, begann er mit dem Ausbau des Towers als Festung auf dem damals aktuellen Stand der Festungstechnik. Er ließ einen neuen Festungsring, insgesamt acht Türme und einen permanent gefüllten Wassergraben errichten.

Die Umgestaltung im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert brachte tiefgreifende Veränderungen für den Tower. Bis 1850 hatten die Royal Mint, die Menagerie und das Archiv den Tower verlassen und waren in Gebäude weiter außerhalb der Londoner Innenstadt gezogen. Der Tourismus und Besichtigungen nahmen an Bedeutung zu. In der Folge folgten größere Umbauten im Inneren der Festung. Nicht mehr benötigte Gebäude aus den vorherigen Jahrhunderten wurden abgerissen, andere errichtet. Der Mode der damaligen Zeit folgend, versuchten die Bauherren im Tower wieder einen möglichst mittelalterlichen Zustand herzustellen.

Der letzte große Neubau erfolgte im Jahr 1840, als die Chartisten Großbritannien in Aufruhr versetzten und das britische Königshaus den Tower wieder auf den damaligen Stand der Verteidigungstechnik bringen ließ. Prägend war hierbei der Bau der Waterloo Barracks, die an die Stelle des alten Grand Storehouse traten und heute neben dem White Tower das größte Gebäude der Festung sind. Diese Neugestaltung im 19. Jahrhundert erfolgte im Zuge des Gothic Revival im historistischen Stil, bei dem auch Gebäude innerhalb der Mauern abgerissen und neu errichtet wurden.

Moderne Entwicklungen und Denkmalschutz

Im 20. Jahrhundert veränderte sich der Umgang mit dem Tower und seiner Umgebung. Die Lage im Stadtgebiet ist Ergebnis diverser Masterpläne im 20. Jahrhundert, die sich auf den Tower selbst konzentrierten. Die Umgebung der Festung bezogen sie nur insoweit in ihre Planungen ein, wie sie benötigt wurde, um Besucher zum Tower zu schleusen.

Dieses Vorgehen änderte sich zur Jahrhundertwende. Unter dem Titel Tower Environs Scheme wurden zwischen 1995 und 2004 die Hauptzugänge zum Tower umgestaltet und der Autoverkehr aus dem Westen und Süden des Towers verbannt. Der Tower ist heute durch die Station Tower Hill der London Underground erreichbar, die etwa die Hälfte der Tower-Besucher nutzen. Andere Besucher kommen über den Bahnhof Fenchurch Street und die Station Tower Gateway der Docklands Light Railway, legen mit einem Schiff am Tower Millennium Pier an oder lassen sich von einem Bus im Parkhaus unter dem Tower Place absetzen.

Der historische Graben des Towers ist 36 Meter breit und sechs Meter tief. Die Backsteineinfassungen stammen aus den Jahren 1670 bis 1686. An der Flussseite ist der Graben baubedingt schmaler, an der Ostseite liegt die Anfahrt zur Tower Bridge teilweise auf dem ehemaligen Grabengelände und hat diesen Volumen gekostet. An der Südseite liegt mit der Tower Wharf ein Kai aus Stein, der in seiner heutigen Form aus dem späten 14. Jahrhundert stammt.

Archäologische Forschung und Bedrohungen des Welterbes

Im 19. Jahrhundert begann die Öffentlichkeit ein reges Interesse an der Geschichte des Towers zu zeigen. 1821 erschien John Bayleys "The History and Antiquaries of the Tower of London" und 1830 Brayleys und Brittons "Memoirs of the Tower of London". Beide Werke stützten sich vor allem auf Überlieferung und schriftliche Dokumente.

Eine planmäßige archäologische Erforschung des Gebäudes begann jedoch erst im 20. Jahrhundert. Die erste planmäßige Ausgrabung fand 1904 auf Veranlassung der Society of Antiquaries of London statt, die südlich des Wardrobe Towers nach der ehemaligen römischen Stadtmauer Londons suchte. In den folgenden Jahren fanden solche Arbeiten vor allem im Zuge von Umbauten am Tower statt: 1914 im nordöstlichen Bereich bei der Brass Mount, zwischen 1934 und 1938 beim Byward Tower. Im Zuge der Neugestaltung des Eingangsbereichs entdeckten die Forscher größere Überreste des Lion Towers und vom ehemaligen Burggraben aus den Zeiten von Eduard I.

Der Tower als Symbol englischer Macht und der englischen Monarchie war mehrfach Ziel politischer Anschläge, seitdem er öffentlich zugänglich ist. Bereits 1885 zündeten Gegner der englischen Besatzung Irlands eine Bombe im White Tower. 1974 explodierte eine Bombe der IRA in der Sammlung der Royal Armouries im White Tower.

Heute liegt der Tower of London im Streit mit der UNESCO über seinen Zustand. Die neu aufgetürmte Skyline zahlreicher Wolkenkratzer im Londoner Osten denkt den Tower aus vielen Blickrichtungen in seiner Wirkung erheblich ein. Die UNESCO bemängelte in einem Bericht von 2006, dass mehrere Bauprojekte in der Nähe des Towers dessen Welterbestatus gefährden könnten. Darunter befanden sich das mittlerweile aufgegebene Minerva Building in der Londoner City und das 2012 noch im Bau befindliche 20 Fenchurch Street in der Londoner City. Seit 2006 fordert die UNESCO entsprechende Studien der Welterbeparteien ein, die einen besseren Schutz des Towers gewährleisten.

Historic Royal Palaces, als Verwalter des Towers, muss über jedes Bauprojekt im Umkreis von 800 Metern informiert werden sowie über weiter entfernt gelegene Bauprojekte, die den Anblick des Towers signifikant verändern könnten. Dabei wertet die Organisation insbesondere den Blick von der Londoner City Hall am gegenüberliegenden Ufer der Themse als besonders wichtig.

Big Ben: Die Restaurierung des ikonischen Uhrenturms

Geschichte und Bedeutung

Big Ben, der Spitzname der großen Glocke im Nordturm des Palace of Westminster, ist zu einem der weltweit bekanntesten Wahrzeichen Londons geworden. Der offizielle Name des Turms ist Elisabeth Tower, benannt nach Königin Elisabeth II. Der Turm beherbergt die Great Bell, die als Big Ben bekannt ist, und die berühmte Uhr mit ihren vier Uhrzeigern, die zu den präzisen mechanischen Uhren der Welt gehört.

Die umfassende Restaurierung 2017-2022

Nach jahrelanger Restaurierung sollte Big Ben Anfang 2022 wieder läuten. Das Gerüst, das den Elisabeth Tower, das Wahrzeichen Londons mit dem Spitznamen Big Ben, verhüllt hatte, wurde zur Zeit entfernt. Seit 2017 wurde der Turm vollständig renoviert und gereinigt.

Zwischen 2017 und 2021 war der Turm vollständig in ein Gerüst gehüllt, um die umfangreichen Restaurierungsarbeiten durchführen zu können. Diese Maßnahme war notwendig, da der Turm über die Jahrzehnte erheblich gelitten hatte. Das Gerüst wurde im Januar 2022 entfernt, und Big Ben konnte wieder in seiner vollen Pracht bewundert werden. Die Arbeiten am bislang fast vollständig eingerüsteten Glockenturm des britischen Parlaments wurden im zweiten Quartal 2022 abgeschlossen.

Funktion und Nutzung nach der Restaurierung

Nach der Restaurierung änderte sich auch die Nutzung von Big Ben. Die BBC übertrug früher täglich um 18 Uhr sowie um Mitternacht, sonntags auch um 22 Uhr über Livemikrofone in alle Haushalte. Diese Tradition wurde nach der Restaurierung zunächst nicht wieder aufgenommen.

Die Renovierung von Big Ben war Teil einer umfassenden Instandsetzung des Palace of Westminster, bei der auch andere Teile des Parlamentsgebäudes saniert wurden. Der Turm wurde nicht nur äußerlich restauriert, sondern auch technisch auf den neuesten Stand gebracht, um die Funktionsfähigkeit der Uhr und der Glocke für die kommenden Jahrzehnte zu sichern.

Fazit

Die Londoner Wahrzeichen Tower of London und Big Ben spiegeln die architektonische und historische Entwicklung der britischen Hauptstadt wider. Während der Tower of London im Laufe seiner fast tausendjährigen Geschichte zahlreiche Umbauten und Renovierungen durchlaufen hat - von den mittelalterlichen Erweiterungen unter Heinrich III. über die neugotische Umgestaltung im 19. Jahrhundert bis hin zu den modernen Zugangsregelungen im Umfeld der Festung -, steht Big Ben in jüngster Zeit im Zentrum einer aufwendigen Restaurierungsmaßnahme, die seine Funktion als präzise Uhr und nationales Symbol für die Zukunft sichern soll.

Beide Projekte zeigen die Herausforderungen, die beim Erhalt historischer Baudenkmäler im urbanen Umfeld entstehen. Während der Tower of London mit seiner Umgebung und dem Schutz des Welterbestatus ringt, stellt die Restaurierung von Big Ben technische und logistische Herausforderungen bei der Instandsetzung eines funktionierenden Zeitzeichens. Beide Maßnahmen verdeutlichen die Bedeutung der Restaurierungs- und Denkmalpflege im Kontext der städtischen Entwicklung und der Bewahrung kulturelter Identität.

Quellen

  1. Tower of London - Wikipedia
  2. Ist Big Ben noch eingerüstet? - isteshaltbar.de

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