Sanierung der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum: Ein Meisterwerk der Denkmalpflege mit innovativer Statik

Einleitung

Die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum in Sielenbach stellt ein architektonisches Kleinod des bayerischen Barock dar. Nach jahrhundertelanger Nutzung zeigte das Gotteshaus jedoch erhebliche bauliche Mängel, die eine umfassende Sanierung erforderlich machten. Zwischen März 2009 und Juni 2010 wurde das Gebäudeensemble unter der Leitung namhafter Fachunternehmen generalsaniert. Besondere Herausforderungen stellten die statische Sicherung der Hauptkuppel und die Erhaltung der historischen Bausubstanz dar. Der vorliegende Artikel beleuchtet die besonderen Aspekte dieser außergewöhnlichen Sanierungsmaßnahme, die mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Gold im Jahr 2012 ausgezeichnet wurde.

Historischer Hintergrund der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum

Die katholische Wallfahrtskirche Maria Birnbaum im bayrischen Sielenbach, Landkreis Aichach-Friedberg, zählt zu Deutschlands schönsten Kirchen und gilt als einer der ersten Zentralbauten des Barock in Bayern. Ihr einzigartiges architektonisches Konzept unterscheidet sie von zeitgenössischen Sakralbauten und macht sie zu einem unvergleichlichen Gotteshaus.

Die Entstehungsgeschichte der Kirche ist eng mit der Wallfahrtsgeschichte des Deutschen Ordens verbunden. Außerhalb des kleinen Ortes Sielenbach stand bis 1632 einst Schloss Stuntzberg, Adelssitz der Familie von Weychs. Die Schlossherrschaft hatte zur persönlichen Verehrung ein Gnadenbild in Form einer geschnitzten Pieta-Figur auf dem gegenüberliegenden Weinberg an einem Eichenbaum angebracht. Im 30-jährigen Krieg wurde das Schloss von den Schweden zerstört, der Weinberg vernichtet und das Gnadenbild halb verbrannt weggeworfen.

In den Jahren 1661 bis 1668 wurde die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum über dem in einem hohlen Birnbaum stehenden Gnadenbild errichtet. Der singuläre Bau, initiiert durch den weitgereisten Deutschordenskomtur Philipp von Kaltenthal, orientiert sich an Vorbildern wie dem Pantheon, zeitgenössischen Idealentwürfen und oberitalienischen Sakralbauten. Mittelpunkt der Anlage ist eine mächtige gemauerte Kuppel mit dem darüber aufragenden "Apostelturm".

Die Kirche besticht durch ihre ungewöhnliche äußere Form, die mehr an einen orthodoxen oder altrömischen Bau erinnert. Der Bauherr Philipp Jakob von Kaltenthal schuf damit im 17. Jahrhundert in Bayern ein einzigartiges Gotteshaus. Verschiedene Turmformen, mit einzelnen Kuppeln überzogene runde Formen und der mittlere Turm (Apostelturm) betonen die Göttlichkeit der Wallfahrtskirche.

Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Jahren übernahm der Deutsche Orden die Wallfahrt und belebte sie neu. Vor 26 Jahren ist der Orden nach Sielenbach gekommen und hat die Wallfahrt wieder belebt. Vor 25 Jahren fand dann auch der Ein- beziehungsweise Umzug in das renovierte Klostergebäude statt. Die Kirche ist heute eine von sieben Jubiläumskirchen, welche von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx im Bistum München-Freising ausgerufen wurde.

Herausforderungen der Sanierung

Bei der Sanierung der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum traten erhebliche technische und denkmalpflegerische Herausforderungen zutage, die eine sorgfältige Planung und innovative Lösungsansätze erforderten.

Das zentrale Problem stellte der Zustand des komplexen, kreisrunden Dachtragwerks dar. Wie in einem Gutachten festgestellt wurde, wies die gesamte Konstruktion erhebliche Schäden auf. Besonders kritisch war die Situation bei der gemauerten Kuppel des Hauptbaus, die sich aufgrund konstruktiver Schwächen des alten Holztragwerks des Dachstuhls abgesenkt hatte und einzustürzen drohte.

Die statische Ertüchtigung der Dachkonstruktion wurde zum Hauptziel der Sanierungsmaßnahmen. Gleichzeitig galt es, die historische Bausubstanz zu erhalten und den architektonischen Charakter des Gotteshauses zu bewahren. Diese doppelte Herausforderung erforderte eine Balance zwischen notwendigen technischen Interventionen und dem Respekt vor der bauhistorischen Bedeutung.

Neben den statischen Problemen mussten auch andere Schäden behoben werden. Die bisherige Holzschalung und die alten, inzwischen verrotteten Holzschindeln auf den Dächern der verschiedenen Kuppeln mussten erneuert werden. Auch die Innenräume wiesen Schäden auf, die saniert werden mussten. Außenwände und -fenster benötigten eine neue Farbgebung.

Eine weitere besondere Herausforderung stellte der Befall des Dachgebälks durch Holzwürmer dar. Die Schädlingsbekämpfung erforderte besondere Maßnahmen, die mit dem Denkmalschutz vereinbart werden mussten. Gleichzeitig stellte die Anwesenung von Fledermäusen im Dachstuhl ein zusätzliches Problem dar, das bei der Planung der Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden musste.

Die Komplexität der Aufgabenstellungen führte dazu, dass eine aufwendige Grundsicherung des Bauwerks erforderlich war, bevor eine Machbarkeitsstudie zu verschiedenen Instandsetzungsvarianten erstellt werden konnte. Das Gesamtvolumen der Sanierungsmaßnahmen belief sich auf etwa 2,1 Millionen Euro bei einer Kubatur von ca. 15.000 Kubikmeter.

Technische Lösungen und Innovationen

Die Sanierung der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum erforderte innovative technische Lösungen, um die statische Sicherheit des Bauwerks wiederherzustellen und gleichzeitig die historische Substanz zu erhalten. Besonders bemerkenswert war der Ansatz zur Sicherung der Hauptkuppel.

Als zentrale Maßnahme wurde ein räumliches Stahlfachwerk zur Ertüchtigung der Dachkonstruktion eingebaut. Dieses Raumfachwerk fängt das bestehende Holztragwerk komplett ab. Durch Vorspannung wurde der alte Dachstuhl in der Mitte um ca. 20 cm angehoben und so die Mauerwerks-Gewölbekuppel vollständig und dauerhaft vom Dach entlastet.

Die Stahlringe, die zur Stabilisierung der Kuppel dienten, bestanden aus einzelnen vorgefertigten Segmenten. Diese wurden von außen über das zu öffnende Dach eingebracht und vor Ort montiert. Diese Methode ermöglichte eine präzise Justierung der Kuppelposition ohne die historische Bausubstanz unnötig zu beeinträchtigen.

Neben der statischen Sicherung der Hauptkuppel wurden auch weitere Bereiche des Dachtragwerks instand gesetzt. Die aus Holzschindeln bestehende Dachdeckung wurde vollständig abgedeckt und anschließend erneuert. Dabei kamen neue Holzschindeln aus Alaskazeder zum Einsatz, die sowohl eine hohe Langlebigkeit als auch eine ästhetisch ansprechende historische Optik bieten.

Im Innenbereich der Kirche wurden die Schäden saniert und Außenwände sowie -fenster neu gestrichen. Kleinteile und Schmuckstücke wie Kreuze oder Strahlenkränze wurden von einem Restaurator abgenommen, restauriert und anschließend wieder montiert.

Die Tragwerksplanung für diese komplexen statischen Interventionen wurde von Barthel & Maus Beratende Ingenieure GmbH aus München durchgeführt. Das Architekturbüro Landherr Architekten, ebenfalls aus München, verantwortete die gestalterischen Aspekte der Sanierung und die Koordination der verschiedenen Gewerke. Für die Holzbauarbeiten zeichnete die Holzbau Gebrüder Pappe GmbH verantwortlich.

Durchführung der Sanierungsarbeiten

Die praktische Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen an der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum erfolgte zwischen März 2009 und Juni 2010. Der Projektablauf lässt sich in verschiedene Phasen unterteilen, die jeweils spezifische Herausforderungen und Anforderungen mit sich brachten.

Im März 2009 begannen die Bauarbeiten mit der Begasung des Gebäudes zur Bekämpfung des Holzwurmbefalls. Diese Maßnahme war notwendig, da sich die Fledermäuse, die sich im vom Holzwurm befallenen Dachgebälk niedergelassen hatten, in luftdichte Folie gehüllt und das Gebäude mit todbringendem Gas behandelt werden musste. Die neben der Kirche wohnenden Klosterbrüder zogen für diese Dauer an einen anderen Ort.

Nach der erfolgreichen Schädlingsbekämpfung konnten die eigentlichen Bauarbeiten beginnen. Zunächst wurden die aus Holzschindeln bestehende Dachdeckung und die alte Holzschalung abgenommen, um darunter liegende Schäden zu untersuchen und zu beheben. Gleichzeitig mit den Arbeiten an der Dachkonstruktion wurden auch statische Sicherungsmaßnahmen an der Hauptkuppel durchgeführt.

Im Oktober 2009 konnten alle am Bau Beteiligten die Fertigstellung der Umlastung feiern. Das Innengerüst wurde abgebaut, und Weihnachten desselben Jahres feierten die Gläubigen in der Kirche die erste Messe seit Jahren ohne störendes Innengerüst. Dieser Meilenstein markierte einen wichtigen psychologischen Moment für die beteiligten Handwerker, Architekten und natürlich für die Kirchengemeinde.

Danach standen noch zahlreiche Restarbeiten an. Die Handwerker deckten die Seiten- und Nebenkuppeln mit neuen Schindeln aus Alaskazeder ein. Der Restaurator montierte die restaurierten Kunstgegenstände wie Kreuze und Strahlenkränze wieder an ihren Plätzen. Abschließend wurden die letzten Malerarbeiten ausgeführt, um das Gebäude in einem neuen historischen Gewand erstrahlen zu lassen.

Im Juni 2010 feierte Maria Birnbaum schließlich die Eröffnung der rundum sanierten Kirche. Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf 2,1 Millionen Euro bei einer Kubatur von ca. 15.000 Kubikmeter. Das Projekt wurde in den Leistungsphasen 3-9 der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) durchgeführt.

Besondere Aspekte der Sanierung

Die Sanierung der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum war nicht nur aus technischer, sondern auch aus ökologischer und denkmalpflegerischer Perspektive bemerkenswert. Besondere Herausforderungen ergaben sich durch die Anwesenung geschützter Tierarten und die Notwendigkeit, historische Materialien zu erhalten.

Ein besonderes Problem stellten die Fledermäuse dar, die sich im vom Holzwurm befallenen Dachgebälk eingerichtet hatten. Zum Glück für das Bauvorhaben handelte es sich ausschließlich um männliche Tiere. Hätte es auch weibliche Fledermäuse gegeben, hätte der von der Unteren Naturschutzbehörde hinzugezogene Fledermausgutachter der Begasung keine Zustimmung erteilt. So aber durfte ein Fachunternehmer Kirchtürme und Öffnungen in luftdichte Folie hüllen, um das Gebäude für die Schädlingsbekämpfung abzudichten.

Interessanterweise überlebten die Fledermäuse die Begasungsaktion. Als die Arbeiten losgingen, war es ihnen zu laut geworden und sie hatten sich einfach eine neue Bleibe gesucht. Dieser Umstand vereinfachte die nachfolgenden Arbeiten erheblich, da aufwändige Maßnahmen zum Schutz der Tiere während der Bauzeit entfielen.

Ein weiterer besonderer Aspekt der Sanierung war die Verwendung traditioneller Materialien in moderner Verarbeitung. Bei der Erneuerung der Dachdeckung kamen neue Holzschindeln aus Alaskazeder zum Einsatz. Dieses Material verbindet die traditionelle Handwerkskunst des Schindelns mit den Vorteilen eines hochwertigen, witterungsbeständigen Holzes. Die Alaska-Zeder zeichnet sich durch ihre natürliche Beständigkeit gegen Fäulnis und Insektenbefall aus, was ihre Langlebigkeit deutlich erhöht.

Bei der Restaurierung der Kirche wurde großer Wert auf die Erhaltung des historischen Charakters gelegt. Kleinteile und Schmuckstücke wie Kreuze oder Strahlenkränze wurden nicht einfach durch neue ersetzt, sondern von einem Restaurator fachgerecht instand gesetzt und wieder montiert. Dieser respektvolle Umgang mit historischer Bausubstanz ist ein wesentlicher Aspekt zeitgemäßer Denkmalpflege.

Besondere Herausforderungen ergaben sich auch aus der komplexen statischen Situation des Gebäudes. Die Verbindung aus historischem Mauerwerk und neuer Stahlkonstruktion erforderte präzise Berechnungen und eine sorgfältige Ausführung. Die Ingenieure von Barthel & Maus Beratende Ingenieure GmbH entwickelten ein innovatives System, mit dem die Kuppel um ca. 20 cm angehoben werden konnte, um die Mauerwerks-Gewölbekuppel vollständig und dauerhaft vom Dach zu entlasten.

Anerkennung und Auszeichnungen

Die herausragende Qualität der Sanierungsarbeiten an der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum wurde im Jahr 2012 mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Gold ausgezeichnet. Diese prestigeträchtige Auszeichnung würdigt besondere Leistungen im Bereich der Denkmalpflege und würdigt die gelungene Balance zwischen notwendiger technischer Intervention und respektvollem Umgang mit historischer Bausubstanz.

Der Bayerische Denkmalpflegepreis wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verliehen und zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen in diesem Bereich in Deutschland. Die Auszeichnung unterstreicht die vorbildhafte Sanierung, die nicht nur technische Standards erfüllt, sondern auch architektonische und kulturelle Werte bewahrt hat.

Die Auszeichnung folgte auf eine intensive Begleitung des Projekts durch die Denkmalpflegebehörden. Bereits während der Planungs- und Bauphase wurde besonderer Wert auf die Einhaltung der denkmalpflegerischen Ziele gelegt. Die Kombination aus innovativer Statik und traditionellem Handwerk überzeugte die Jury des Preises.

Die Anerkennung für die Generalsanierung folgte 2012: Die Wallfahrtskirche Maria Birnbaum in Sielenbach gewann den Bayerischen Denkmalpflegepreis 2012 in Gold. Diese Auszeichnung bestätigt die hohe Qualität der Sanierungsmaßnahmen und stellt das Projekt in eine Reihe mit den besten Projekten der Denkmalpflege in Bayern.

Für die beteiligten Unternehmen und Handwerker stellt diese Auszeichnung eine besondere Bestätigung ihrer Arbeit dar. Das Architekturbüro Landherr Architekten, die Tragwerksplaner von Barthel & Maus Beratende Ingenieure GmbH und die Holzbau Gebrüder Pappe GmbH konnten mit diesem Projekt ihre Kompetenz im Bereich der Sanierung denkmalgeschützter Bauten unter Beweis stellen.

Fazit

Die San

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