Mariahilf in Passau: Modernisierung statt Renovierung - Ein Neubau für die Pflege der Zukunft

Einleitung

Die Caritas-Senioren- und Pflegeeinrichtung Mariahilf in der Muffatstraße 8 in Passau steht vor einem bedeutenden Wandel. Nach eingehender Prüfung hat der Caritasverband für die Diözese Passau e. V. entschieden, die Einrichtung nicht nur zu sanieren, sondern durch einen umfassenden Neubau zu ersetzen. Die Entscheidung, die bestehenden Gebäude aus den Jahren 1967 und 1984 aufzugeben, resultiert aus den nicht mehr tragbaren baulichen Bedingungen und den damit verbundenen Erschwernissen in der Pflege. Dieser Artikel beleuchtet die Gründe für den Neubau, die geplanten Maßnahmen, die Finanzierung sowie die Auswirkungen auf Bewohner und Mitarbeiter.

Die bauliche Herausforderung

Die Gebäude der Caritas-Senioren- und Pflegeeinrichtung Mariahilf in Passau sind sichtbar und spürbar in die Jahre gekommen. Ein Teil der Anlage wurde zwar 2009 saniert und 2010 um einen Erweiterungsbau ergänzt, doch die Grundstruktur der Hauptgebäude aus den Jahren 1967 und 1984 entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen an eine zeitgemäße Pflege. Wie Michael Endres, Diözesan-Caritasdirektor und Vorstand des Caritasverbandes für die Diözese Passau e. V., feststellt, sind "der bauliche Zustand und die Struktur des Gebäudes mit unserem Anspruch an eine gute, professionelle Pflege in angenehmen und modernen Räumlichkeiten nicht mehr vereinbar."

Die baulichen Gegebenheiten stellen erhebliche Hürden für die Pflege dar. Sie erschweren nicht nur die tägliche Arbeit, sondern führen auch zu zusätzlichen Belastungen und Zeitressourcen für das Pflegepersonal. "Eine wertschätzende Pflege, wie wir sie als Anspruch an uns selbst haben, ist hier nur mit zusätzlichen Belastungen und Zeitressourcen umsetzbar. Diese Zeit fehlt dann in der Pflege," so Endres. Die unzureichende Gebäudestruktur führt dazu, dass wertvolle Zeit, die eigentlich für die direkte Pflege zur Verfügung stehen sollte, für das Überwinden baulicher Hindernisse aufgewendet werden muss.

Ein entscheidender Faktor bei der Entscheidung gegen eine Sanierung war die wirtschaftliche Bewertung. Der Caritasverband hat eingehend geprüft, ob eine Generalsanierung oder ein Neubau finanziell tragfähig wäre. Das Ergebnis dieser Prüfung war eindeutig: "Dies wäre eher ein 'Fass ohne Boden' als eine tragfähige Lösung für die Zukunft", resümiert Endres. Eine erste "Mindest-Modernisierung" nach dem Pflege- und Wohnqualitätsgesetz hätte nach Stand von 2019 bereits rund 12,1 Millionen Euro gekostet. Hinzu wären in den Folgejahren weitere umfängliche Neubauten oder Sanierungen erforderlich gewesen.

Die reinen Baukosten wären jedoch nur die Spitze des Eisbergs gewesen. Allein die Mindestsanierung hätte dem Caritasverband für die Diözese Passau e. V. erhebliche Defizite im Millionenbereich eingebracht: Für die nächsten 20 Jahre wäre insgesamt ein Defizit von rund 10 Millionen Euro aufgelaufen. Um auch nur diese Mindestmodernisierung zu finanzieren, müssten die Investitionsbeiträge der Bewohner von derzeit 11,59 Euro auf mindestens 20 bis 25 Euro pro Tag steigen – "eine erkennbar unzumutbare Belastung", wie Endres betont.

Zusätzlich zu diesen unmittelbaren Kosten trägt der Caritasverband bereits heute finanzielle Altlasten aus den Umbaumaßnahmen von 2010, die auch nach der Schließung der Einrichtung Ende 2024 noch über Jahrzehnte zu Buche schlagen werden. Diese finanziellen Rahmenbedingungen machten eine Sanierung wirtschaftlich unattraktiv und für die Bewohner finanziell untragbar.

Das Projekt Neubau

Vor dem Hintergrund der unzureichenden baulichen Substanz und der wirtschaftlichen Unrentabilität einer Sanierung hat der Aufsichtsrat des Caritasverbandes für die Diözese Passau e. V. am Montag, 24. Oktober, den Um- und Neubau der Senioren- und Pflegeeinrichtung Mariahilf genehmigt. Damit wurde grünes Licht für das Projekt gegeben, das als "Rettung von Mariahilf" bezeichnet wird. Wie Caritasdirektorin Mag.a (FH) Andrea Anderlik, MSc., betont, will man mit diesem Projekt "ein deutliches Zeichen setzen: für die Bewohnerinnen mit zeitgemäßer Unterbringung und bester Versorgung, für die Mitarbeiterinnen mit attraktiven Arbeitsplätzen".

Das Projekt sieht einen kompletten Neubau für stationäre Pflege vor, der die nicht mehr sanierungsfähigen Gebäudeteile ersetzen und die bestehende Infrastruktur weiterentwickeln soll. Die neue Einrichtung wird Platz für 87 Pflegeplätze und 3 Plätze für Kurzzeitpflege bieten. Ergänzt wird dies durch eine Anlage für neue Wohnformen, die verschiedene Betreuungs- und Lebensmodelle ermöglichen soll.

Die Bauarbeiten sind bereits detaillant geplant. Demnach soll der Westflügel der bestehenden Anlage im Sommer 2023 abgerissen werden. Der Ersatzneubau soll im Oktober 2023 starten und – soweit absehbar – im Sommer 2026 fertiggestellt sein. Dieser Zeitplan ermöglicht einen geordneten Übergang und stellt sicher, dass alle Beteiligten ausreichend Zeit auf die bevorstehende Verlegung vorbereiten können.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Integration der neuen Einrichtung in den sozialen Nahraum. Wie der Bischöflich Beauftragte Diakon Konrad Niederländer betont, öffnet sich mit der Neukonzeption und dem geplanten Quartiersmanagement Mariahilf in die Passauer Innstadt. Besonders die Nähe zur Wallfahrtskirche Mariahilf und zum Haus "spectrum Kirche" wird genutzt, um die Einrichtung fest in das soziale Gefüge der Stadt einzubinden. Damit werde dem Programm "PflegesoNah" entsprochen, das eine vernetzte und in die Umgebung integrierte Pflegeversorgung vorsieht.

Die Planung des Neubaus berücksichtigt nicht nur die aktuellen, sondern auch zukünftige Anforderungen an die Pflege. Moderne Konzepte für stationäre Einrichtung, flexible Wohnformen und eine an die Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen angepasste Architektur sollen die Grundlage für eine qualitativ hochwertige und zukunftsfähige Pflege schaffen. Gleichzeitig wird darauf geachtet, die Kosten beim Bau und der Ausstattung soweit wie möglich zu senken, wie Andrea Anderlik betont.

Finanzierung und Förderung

Das Neubauvorhaben stellt eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar. Die Gesamtinvestition wird derzeit auf 22 Millionen Euro geschätzt (Quelle [1]), während in Quelle [3] von rund 20 Millionen Euro die Rede ist. Diese Diskrepanz in den Schätzungen könnte auf veränderte Planungen oder Kostenentwicklungen zurückzuführen sein. Um dieses Projekt dennoch realisieren zu können, setzt die Caritas auf eine Kombination aus staatlicher Förderung und Eigenmitteln.

Ein wesentlicher Baustein der Finanzierung ist die Förderung durch den Freistaat Bayern. Aus dem Programm "PflegesoNah" werden 5,43 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Diese Förderzusage wurde am Freitag, 29. Juli, offiziell durch Bayerns Minister für Gesundheit und Pflege Klaus Holetschek überreicht. Die Fördersumme entspricht exakt dem Caritas-Antrag und konnte vollständig bewilligt werden, was den Diözesan-Caritasverband als Träger nun ermöglicht, die Baumaßnahme und die Gesamt-Finanzierung weiter zu planen.

Minister Holetschek betonte bei der Übergabe des Förderschecks, dass mit diesen Mitteln die Pflege in der Region verbessert werde. Diese Investition in eine moderne und bedarfsgerechte Versorgung pflegebedürftiger Menschen sei ein wichtiges Signal. Der Pflegebereich dürfe staatlich und gesamtgesellschaftlich nicht allein gelassen werden. Generell brauche Pflege einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft, hier sei auch der Schulterschluss mit Kirche und Caritas wichtig. Die steigende Zahl der pflegebedürftigen Menschen, gerade auch mit Demenz, stelle eine große Herausforderung dar.

Neben der Landesförderung kommt auch eine Förderung durch die KfW in Höhe von 2,3 Millionen Euro hinzu. Damit bleiben jedoch noch rund 14 Millionen Euro, die vom Caritasverband vorfinanziert werden müssen. Wie Dr. Josef Sonnleitner, Finanzdirektor der Diözese Passau und Aufsichtsratsvorsitzender, betont, ist der Neubau trotz der hohen Fördersumme eine große finanzielle Herausforderung für den Caritasverband. Nach mehreren intensiven Sitzungen sei man jedoch übereingekommen, den Neubau auch in diesen Zeiten zu starten.

Besonders hervorzuheben ist der Einsatz von Prof. Dr. Gerhard Waschler, Passauer Landtagsabgeordneter, der sich als "Türöffner" für den Förderantrag intensiv eingesetzt hat. Für ihn war die Zusage "ein Tag der Freude" und ein Beispiel dafür, wie sich politischer Einsatz lohne. Er sprach von einem "Mosaikstein und gleichzeitig einem Meilenstein für die zukunftsfähige Entwicklung von Mariahilf ganz im Sinne unserer Senioren". Über Parteigrenzen hinweg habe der Stadrat dies unterstützt, sagte Prof. Waschler angesichts des Oberbürgermeisters Jürgen Dupper und der zahlreich vertretenen Stadträtinnen und Stadträte.

Das Projekt ist Teil einer größeren Förderoffensive des Freistaates Bayern. Insgesamt werden in diesem Jahr 29 Projekte in Bayern gefördert, darunter die Passauer Caritas-Einrichtung als eines von drei Projekten in Niederbayern. Diese breite Unterstützung unterstreicht die gesellschaftliche Relevanz des Vorhabens und die Notwendigkeit, in moderne Pflegeinfrastruktur zu investieren.

Auswirkungen auf Bewohner und Mitarbeiter

Die Schließung der bestehenden Einrichtung bis zum 31. Dezember 2024 und die anschließende Eröffnung des Neubaus haben direkte Auswirkungen auf die derzeitigen Bewohner und Mitarbeiter der Caritas-Senioren- und Pflegeeinrichtung Mariahilf.

Für die aktuell 109 Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet die Umstellung eine Umstellung ihrer Lebensumstände. Die Caritas hat jedoch zugesichert, dass für alle Bewohner zum gegebenen Zeitpunkt eine neue Unterbringung gesucht und gefunden wird. Dieser Prozess wird im Dialog mit den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie ihren Familien erfolgen, um eine möglichst reibungslose und individuelle Lösung zu finden. Die neue Einrichtung mit 87 Pflegeplätzen und 3 Plätzen für Kurzzeitpflege bietet dabei modernere und den aktuellen Anforderungen entsprechende Lebens- und Pflegebedingungen.

Auch die 106 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die derzeit in Mariahilf beschäftigt sind, sind vom Wechsel betroffen. Der Caritasverband hat jedoch zugesichert, dass alle Mitarbeiter auch weiterhin beim Caritasverband für die Diözese Passau e. V. beschäftigt sein werden. Dies schafft für das Personal Planungssicherheit und verhindert arbeitsrechtliche Unsicherheiten.

Die neuen Arbeitsbedingungen in der geplanten Einrichtung werden deutlich verbessert sein. Wie bereits erwähnt, erschwern die baulichen Gegebenheiten der alten Gebäude die Pflegearbeit erheblich. Eine wertschätzende Pflege ist hier nur mit zusätzlichen Belastungen und Zeitressourcen umsetzbar, die dann in der Pflege selbst fehlen. Der Neubau wird moderne Arbeitsbedingungen ermöglichen, die es dem Pflegepersonal ermöglichen, sich stärker auf die eigentliche Pflege zu konzentrieren und die Qualität der Versorgung zu verbessern.

Die positive Resonanz auf die Förderzusage war auch bei den Bewohnern und Mitarbeitern spürbar. Wie in den Berichten erwähnt, freuten sich die anwesenden Seniorinnen und Senioren sowie die Abteilungsleiterin "Menschen mit Pflegebedarf" Heidi Brem, der Einrichtungsleiter Christian Schacherbauer mit seinem Team über die positive Nachricht. Minister Holetschek und Bischof Oster nahmen sich bei ihrem Besuch im Garten ausgiebig Zeit für Gespräche mit dem Pflegepersonal und den Bewohnern, was die große Bedeutung unterstreicht, die der Träger und politische Entscheidungsträger auf die Belange der Einrichtung und ihrer Nutzer legen.

Fazit

Der Neubau der Caritas-Senioren- und Pflegeeinrichtung Mariahilf in Passau ist ein notwendiger und zukunftsweisender Schritt. Die Entscheidung gegen eine Sanierung der Gebäude aus den Jahren 1967 und 1984, die baulich nicht mehr den modernen Pflegeanforderungen entsprechen, und für einen umfassenden Neubau stellt sicher, dass die pflegebedürftigen Menschen in der Region eine zeitgemäße und würdige Versorgung erhalten können.

Das Projekt zeigt, wie staatliche Förderung, Engagement vor Ort und die Bereitschaft eines Trägers, hohe finanzielle Herausforderungen zu meistern, zusammenkommen können, um eine wichtige soziale Infrastruktur zu sichern. Die Kombination aus Fördermitteln des Freistaates Bayern, Mitteln der KfW und den Eigenmitteln des Caritasverbandes macht den Neubau trotz der hohen Kosten möglich.

Besonders hervorzuheben ist der ganzheitliche Ansatz des Projekts, der nicht nur auf die reinen Pflegeplätze abzielt, sondern auch neue Wohnformen vorsieht und die Einrichtung in den sozialen Nahraum integriert. Damit wird dem modernen Verständnis von Pflege entsprochen, das vernetzt und partizipativ ist.

Für die Zukunft der Pflege in Passau ist das Projekt von großer Bedeutung. Es sichert nicht nur die Versorgung der aktuell 109 Bewohner, sondern schafft auch eine Grundlage, auf der die wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen – insbesondere auch an Demenz erkrankte Menschen – angemessen versorgt werden können.

Der geplante Fertigstellungstermin im Sommer 2026 gibt allen Beteiligten eine verlässliche Perspektive für die Zeit nach der Schließung der alten Einrichtung Ende 2024. Bis dahin wird der Caritasverband gemeinsam mit den Bewohnern, deren Familien und den Mitarbeitern einen sorgfältigen Übergang planen und umsetzen, der die Belange aller berücksichtigt.

Das Projekt Mariahilf zeigt eindrücklich, dass Investitionen in die Pflegeinfrastruktur keine reinen Kosten, sondern zukunftsweisende Investitionen in die Lebensqualität vieler Menschen und den sozialen Zusammenhalt sind.

Quellen

  1. Caritas Passau - Ersatzneubau für die Senioren- und Pflegeeinrichtung Mariahilf
  2. Caritas Passau - Caritas-Senioren- und Pflegeeinrichtung Mariahilf in Passau schließt sukzessive bis 31. Dezember 2024
  3. Bistum Passau - Eine gute Nachricht für Mariahilf
  4. Passauer Neue Presse - Mariahilf: Kein Geld für Renovierung

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