Einleitung
Die Basilika St. Martin in Amberg stellt ein herausragendes Beispiel spätgotischer Baukunst dar und steht im Mittelpatrimonium der Stadt. Seit 1421 errichtet, hat das Gotteshaus eine wechselvolle Geschichte durchlebt, die sich in seiner Architektur und Ausstattung widerspiegelt. Aktuell befindet sich die Kirche in einer umfassenden Sanierungsphase, die von 2020 bis 2024 andauert und Arbeiten an der Natursteinfassade, den berühmten Buntglasfenstern sowie der Elektroinstallation umfasst. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Restaurierungs- und Renovierungsmaßnahmen, von der technischen Meisterleistung des Dachstuhls bis zur modernen Vorsatzverglasung der historischen Glasfenster, sowie die Bemühungen, den Martinsturm wieder für Besucher zugänglich zu machen.
Historische Bedeutung und Architektur
Die Basilika St. Martin der katholischen Pfarrgemeinde in Amberg, gelegen an der Südseite des Marktplatzes, wurde ab 1421 im spätgotischen Stil als dreischiffige Hallenkirche mit einem gemeinsamen Dach errichtet. Einzigartig ist der Kranz aus 19 Kapellen, der die Kirche umgibt und durch eine gemeinsame Empore nach oben abgeschlossen wird. Die Bauform von St. Martin diente als Vorbild für viele Kirchen im sächsischen Baugebiet und zeugt von der herausragenden handwerklichen Meisterschaft der damaligen Baumeister.
Die Kirche wurde in zwei Bauabschnitten errichtet. Zunächst erfolgte die mühsame Fundamentierung von Hand, gefolgt von der Errichtung der 20 Meter hohen Außenmauern, was allein schon vermutlich zehn bis 15 Jahre in Anspruch nahm. Die größte Herausforderung für die Handwerker bildete jedoch das 60 Grad steile Dach mit seinem einzigartigen Dachstuhl. Die 28 Meter langen Balken wurden aus etwa 50 Meter hohen Bäumen ausgeformt und wiegen jeweils rund zwei Tonnen bei einem Querschnitt von 28/36 Zentimetern.
Besondere architektonische Bedeutung kommt dem Dachstuhl zu, der freitragend die gesamte Breite der Kirche von 28 Metern überspannt. Diese konstruktive Meisterleistung lockt inzwischen regelmäßig Bauhistoriker nach Amberg und wurde von Karl Müller im Zuge der Sanierung minutiös mit ALLPLAN digital rekonstruiert, um die beeindruckende Handwerkskunst des spätmittelalterlichen Bauwerks sichtbar zu machen.
Schäden und Zerstörungen in der Geschichte
Die Geschichte der Basilika St. Martin ist von Kriegen und Zerstörungen geprägt. Besonders gravierend waren die Schäden durch Beschuss im Spanischen Erbfolgekrieg 1703. Bei diesem Angriff gingen auch die alten Glasfenster zu Bruch, was eine grundlegende Umgestaltung der Kirche erforderlich machte. In der Folge erhielt das Gotteshaus eine kostbare Barockausstattung, die für einige Zeit das Erscheinungsbild prägte.
Die heutigen Glasfenster sowie die neugotische Ausstattung stammen von einer Restaurierung Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Maßnahmen markierten eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche gotische Formensprache, nachdem die Barockzeit eine andere ästhetische Vorherrschaft hatte.
Aktuelle Sanierungsmaßnahmen (2020-2024)
Die intensive Außensanierung der Basilika, die von 2020 bis 2024 erfolgt, betrifft mehrere Bereiche des Bauwerks. Arbeiten am Naturstein der Kirchenfassade sollen das Äußere des Gotteshauses für die Zukunft schützen. Parallel dazu werden die Elektroinstallationen modernisiert, um den Anforderungen an Sicherheit und Energieeffizienz gerecht zu werden.
Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Buntglasfenster gelegt. Diese wertvollen Kunstwerke sind nicht nur aus kunsthistorischer Sicht von Bedeutung, sondern auch wichtige Elemente der Kirchenarchitektur, die das Lichtspiel im Inneren prägen. Die Sanierung dieser Fenster erfordert höchste handwerkliche Kompetenz und Sensibilität, um den historischen Charakter zu erhalten.
Restaurierung der Kirchenverglasung
Ein zentraler Bestandteil der aktuellen Sanierungsmaßnahmen ist die Restaurierung und Konservierung der Kirchenverglasung im Langhaus. Dank zahlreicher Spenden sowie der Erträge der Lotterie GlücksSpirale unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) diese Arbeiten mit 63.000 Euro. Die symbolische Übergabe des Fördervertrags erfolgte im September 2023 durch Petra Schöllhorn vom Ortskuratorium Fränkische Stadtbaumeister der DSD im Beisein von Stefan Luger von Lotto Bayern an Pfarrer Thomas Helm.
Die Restaurierungsarbeiten an den wertvollen Buntglasfenstern wurden in der Werkstatt der Firma Peters in Paderborn durchgeführt. Nach Abschluss der Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten wurden die Fenster wieder eingebaut. Besonders beeindruckend ist das Farb- und Lichtspiel, das diese Fenster bereichern und so die Ausstattung der Basilika maßgeblich prägen.
Die heutigen Glasgemälde stammen aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem während des Spanischen Erbfolgekrieges im Jahr 1703 alle Fenster des Gotteshauses zerstört wurden. Für Interessierte bietet die Pfarrgemeinde die Möglichkeit, sich in einer Jubiläumchronik mit dem Titel "Gotteslob und Bürgerstolz - Die Glasgemälde von St. Martin" näher zu informieren. Diese Chronik ist im Pfarrbüro für 24,80 EUR käuflich erwerblich.
Technische Innovation: Vorsatzverglasung der Buntglasfenster
Eine besondere Herausforderung bei der Sanierung der Buntglasfenster war die Entwicklung einer passenden Schutzverglasung, die einerseits die wertvollen Glasmalereien schützt, andererseits den historischen Charakter der Fenster bewahrt. Die Lösung war eine innovative Vorsatzverglasung aus Verbundglas, die von der Firma Sollingglas gefertigt wurde.
Bei diesem speziellen Gläser handelt es sich um mundgeblasenes Restaurierungsglas (Restauro), das zu einem Verbundglas als Vorsatzschutzverglasung für die Buntglasfenster (Bleiverglasung) verarbeitet wurde. Ziel dieser Maßnahme war es, den historischen Charakter der altertümlichen Glasmalereien zu erhalten, gleichzeitig aber einen effektiven Schutz gegen Umwelteinflüsse, Vandalismus und mechanische Beschädigungen zu gewährleisten.
Die Vorsatzverglasung bietet dabei nicht nur Schutz für die Kunstschätze, sondern verbessert auch die Energieeffizienz des Kirchenraumes. Durch die moderne Technik wird das wertbare Originalmaterial der Fenster vor Witterungseinflüssen geschützt, ohne dass das Erscheinungsbild der Kirche verändert wird. Diese Kombination aus Denkmalschutz und moderner Technik stellt ein vorbildliches Beispiel für die sensible Restaurierung historischer Bauwerke dar.
Renovierung der Turmuhren
Ein weiteres wichtiges Element der Sanierungsmaßnahmen betraf die Turmuhren der Basilika. Im Februar 2017 wurden die neu lackierten Zifferblätter der Turmuhr und die neu vergoldeten Zeiger wieder montiert. Die Renovierungsarbeiten hatten während der Wintermonate in der Werkstatt der Firma Turmuhren Nidermayer in Regensburg stattgefunden.
Die technischen Spezifikationen der Uhren sind beeindruckend: Die Durchmesser der Zifferblätter betragen jeweils 3,0 m, die großen Zeiger haben jeweils eine Länge von 1,95 m und die kleinen Zeiger eine Länge von 1,50 m. Die Uhren waren zunächst auf 12 Uhr eingestellt und noch nicht in Betrieb, um während der Gerüstabbauarbeiten die Zeiger nicht zu beschädigen. Ab dem 24. Februar 2017 waren die Turmuhren dann wieder in Betrieb, sodass der lang ersehnte Blick auf die vier Turmuhren von St. Martin wieder möglich war.
Turmsanierung und Zukunftsperspektiven für den Martinsturm
Die Turmsanierung wurde in zwei Bauabschnitten durchgeführt. Der im Oktober 2013 begonnene erste Bauabschnitt umfasste umfangreiche Arbeiten am oberen Turmbereich, die voraussichtlich 2015 abgeschlossen wurden. Die Sanierung des Martinsturms ist besonders wichtig, da dieser ein zentrales Element der stadtbildprägenden Silhouette Ambergs darstellt.
Ein lang gehegter Wunsch der Amberger Bürger ist es, den Martinsturm wieder für Besucher zugänglich zu machen. Die Bestrebungen, den Martinsturm für die Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen zu öffnen, sind bereits seit 1967 aktenkundig. Nach jahrelangen Bemühungen kam im Jahr 2000 ein Nutzungsvertrag zwischen der Kirchenstiftung und der Stadt Amberg zustande. Die Stadt Amberg sicherte sich die Nutzungsrechte des Kirchturms für das Abhalten von Führungen und übernahm im Gegenzug die alleinige Verantwortung für die Sicherheit bei den Führungen.
In der Zeit von 2000 bis 2013 wurden tatsächlich touristische Führungen auf dem Turm abgehalten. Nach Beendigung der Kirchturmsanierung 2017 wurde das Sicherheits- und Brandschutzkonzept der Turmbegehungen jedoch erneut überprüft. Da die Anforderungen an den Brandschutz seit der Vertragsschließung erheblich gestiegen sind, wurde befunden, dass im derzeitigen Zustand keine Führungen abgehalten werden dürfen.
Um den Turm zukünftig wieder sicher begehbar zu machen, müssen sowohl ein Sicherheits- als auch ein Brandschutzkonzept erstellt und baulich umgesetzt werden. Die Stadt Amberg plant dieses Projekt mit einer Förderhöhe von 60 %. Das Entwicklungsziel "Erhalt und Ausbau der Wohn- und Lebensqualität" und das Handlungsziel "Erweiterung des touristischen Angebots und Erschließung kultureller Potentiale" werden durch diese Maßnahme direkt unterstützt. Der Turm soll für Besuchergruppen, innerhalb einer Führung, wieder begehbar gemacht werden, um Einblicke in den historischen Dachstuhl zu gewähren und vor allem, um die touristische Attraktivität der Stadt Amberg zu fördern.
Neugestaltung des Salzstadelplatzes
Parallel zur Kirchensanierung findet auch eine Umgestaltung des Salzstadelplatzes statt, der sich hinter der Martinskirche befindet. Der Platz wird neu gestaltet und vor allem begrünt, wie es Bürger vorgeschlagen und der Stadtrat in Absprache mit den Anwohnern beschlossen hat.
Die Arbeiten haben bereits begonnen: Die Parkplätze sind abgesperrt, das Pflaster ist herausgerissen, und ein Bagger gräbt sich vorsichtig in den Platz zwischen Musikcafe Amadeus und Sakristei der Basilika St. Martin. Vier Platanen sollen gepflanzt werden, dafür fallen jedoch einige Stellplätze für Autos weg. Im Sommer wird es künftig nur noch vier Parkplätze am Salzstadelplatz geben, im Winter (ohne Gastro-Freiflächen) zehn. Für diese Neugestaltung sind 200.000 Euro aus der "Innenstadt-Million" vorgesehen, die Fertigstellung ist für Mai geplant.
Die Umgestaltung des Platzes schafft einen neuen attraktiven Bereich im Herzen der Stadt und verbessert die Aufenthaltsqualität für Bürger und Touristen gleichermaßen. Die Begrünung wird nicht nur ästhetisch wirken, sondern auch zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen.
Fazit
Die Sanierung und Restaurierung der Basilika St. Martin in Amberg ist ein herausragendes Beispiel für den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz. Die Kombination aus traditioneller Handwerkskunst und moderner Technologie ermöglicht es, dieses Juwel spätgotischer Baukunst für zukünftige Generationen zu erhalten. Von der Restaurierung der wertvollen Buntglasfenster mit innovativer Vorsatzverglasung über die Renovierung der imposanten Turmuhren bis zur Neugestaltung des umgebenden Salzstadelplatzes werden umfassende Maßnahmen ergriffen, die den historischen Wert der Anlage bewahren und gleichzeitig ihre Funktion als lebendiges Kulturzentrum und touristische Attraktion sichern.
Die digitale Rekonstruktion des Dachstuhls durch Karl Müller im ALLPLAN-Modell zeigt eindrucksvoll die handwerkliche Meisterschaft, die vor fast 600 Jahren in die Errichtung der Basilika eingeflossen ist. Gleichzeitig macht diese moderne Darstellung die konstruktiven Besonderheiten des Bauwerks auch für heutige Bauherren und Handwerker nachvollziehbar und leistet so einen Beitrag zur Wertschätzung historischer Bauweisen.
Die Bemühungen, den Martinsturm wieder für Besucher zugänglich zu machen, unterstreichen die Bedeutung der Kirche als kulturelles Zentrum Ambergs. Sobald die erforderlichen Sicherheits- und Brandschutzkonzepte umgesetzt sind, wird es möglich sein, den atemberaubenden Blick über die Stadt und den Einblick in den historischen Dachstuhl zu gewähren. Dies wird nicht nur die touristische Attraktivität Ambergs进一步增强, sondern auch das Bewusstsein für die handwerkliche Meisterleistung der spätmittelalterlichen Baumeister schärfen.
Die Sanierung der Basilika St. Martin ist somit mehr als nur eine Baumaßnahme – sie ist ein Investition in die Identität und Zukunft der Stadt Amberg, die zeigt, wie historische Bausubstanz mit Respekt vor der Vergangenheit und mit Blick auf die Zukunft erhalten und entwickelt werden kann.