Einleitung
Die Sanierung der Max-Wittmann-Förderschule in Dortmund-Eving stellt eines der längsten und komplexesten Bauprojekte im städtischen Bildungsbau dar. Seit 2017 wird das Gebäude an der Oberevinger Straße 155 umfangreich saniert, was zu erheblichen Verzögerungen und Umstellungen für den Schulbetrieb geführt hat. Dieser Artikel beleuchtet den Verlauf des Projekts, die getroffenen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs, die Reaktionen der betroffenen Eltern sowie die zukünftigen Planungen für die Schule und den Sonderbereich der Förderschulen in Dortmund. Die Sanierung wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen bei der Sanierung von Schulgebäuden im laufenden Betrieb und die damit verbundenen organisatorischen und pädagogischen Konsequenzen.
Aktueller Stand der Sanierung
Die Sanierung der Max-Wittmann-Schule in Dortmund-Eving zählt zu den langlaufenden Bauprojekten im städtischen Bildungsbau. Seit 2017 wird das Gebäude an der Oberevinger Straße 155 umfassend saniert. Im August 2023 war das Gebäude noch nicht fertiggestellt, obwohl eigentlich nach den Sommerferien der Schulbetrieb hätte aufgenommen werden sollen. Wie die Stadt Dortmund mitteilte, liefen die Arbeiten unter Hochdruck, und als Ziel wurde genannt, dass der reguläre Schulbetrieb ab dem 14. August 2023 starten könne.
Die Sanierung hat sich über sechs Jahre hingezogen, was bei den Eltern zunehmend zu Frustration führte. Einige Schüler haben das eigentliche Schulgebäude nur als Baustelle kennengelernt, da sie während ihrer gesamten Schulzeit auf Ausweichstandorten untergebracht waren. Die Geduld der Eltern war im März 2023 bereits am Ende angelangt, sodass sogar Demonstrationen geplant wurden, um auf die lange Dauer der Sanierung aufmerksam zu machen.
Aufteilung der Schüler auf zwei Standorte
Um den Schulbetrieb während der Sanierung aufrechtzuerhalten, wurden die Schüler der Max-Wittmann-Schule auf zwei Standorte verteilt:
- Die Primarstufe ist in der ehemaligen Minister-Stein-Förderschule in Kemminghausen (Gretelweg 35-37) untergebracht.
- Die Sekundarstufe I befindet sich in der ehemaligen Hauptschule Wickede (Dollersweg 18).
Diese Aufteilung war notwendig, da die vorhandenen Kapazitäten an anderen Standorten wie der Mira-Lobe-Förderschule (Eierkampstr. 2-4) ebenfalls ausgeschöpft sind. Die Stadt Dortmund betont, dass es derzeit nur durch diese Aufteilung der Kinder und Jugendlichen auf zwei Standorte möglich ist, alle Schüler der Max-Wittmann-Schule zu beschulen.
Die Schüler der Sekundarstufe I am Dollersweg 18 in Wickede haben eine besondere Geschichte: Dieser Standort war bereits früher für einige Jahre als Ausweichquartier für die Förderschule genutzt worden. Ab 2026 soll dieser Standort erneut Entlastung bringen, langfristig ist sogar eine eigenständige Förderschule für diesen Standort geplant.
Zeitplan der Sanierung und Verzögerungen
Der ursprüngliche Zeitplan für die Sanierung der Max-Wittmann-Schule sah vor, dass die Schüler voraussichtlich Anfang des Jahres 2023 wieder in die Oberevinger Straße 155 zurückkehren sollten. Tatsächlich wurde dieser Termin jedoch nicht eingehalten, und der Schulstart im August 2023 musste verschoben werden.
Die Verzögerungen bei der Sanierung sind nicht vollständig geklärt. Die Bauarbeiten, die seit 2017 andauern, haben sich über einen deutlich längeren Zeitraum erstreckt als ursprünglich geplant. Die Stadt Dortmund begründete die Verzögerungen im August 2023 damit, dass die Arbeiten "unter Hochdruck" liefen, ohne jedoch konkrete Gründe für die Verzögerung zu nennen.
Die lange Dauer der Sanierung hat erhebliche Auswirkungen auf den Schulalltag der Schüler und die Planung der Eltern. Viele Familien mussten sich auf eine langjährige Zersplitterung des Schulbetriebs einstellen, was den Schulweg und die sozialen Kontakte der Schüler beeinträchtigt hat.
Reaktionen der Eltern und Öffentlichkeit
Die anhaltenden Verzögerungen bei der Sanierung haben bei den Eltern der Max-Wittmann-Schule zunehmend Frustration ausgelöst. Ivonne Minich, eine der betroffenen Eltern, äußerte im März 2023 den Unmut vieler Eltern: Die Geduld war am Ende angelangt, und man war sogar bereit, zu demonstrieren, um auf die missliche Situation aufmerksam zu machen.
Die Eltern sauer vor allem über den verspäteten Schulstart im August 2023, zumals auch die Notbetreuung nicht für alle Kinder Platz bot. Viele Schüler hatten in den vergangenen Jahren an Ausweichstandorten in Wickede und Eving untergebracht müssen, was als unbefriedigende Lösung angesehen wurde.
Die Elternvertretung hat sich mehrfach an die Stadtverwaltung gewandt, um Informationen über den Fortgang der Arbeiten und den geplanten Fertigstellungstermin zu erhalten. Die Verzögerungen haben nicht nur organisatorische Herausforderungen geschaffen, sondern auch die pädagogische Arbeit erschwert, da die Schule nicht als Einheit agieren konnte.
Das Problem mit dem Schwimmbad
Ein besonderes Problem stellt das Schwimmbad der Max-Wittmann-Schule dar. Im Rahmen der Sanierung sollte auch das Schwimmbad renoviert werden, wobei die Stadt für eine spezielle Schwimmbadtechnik entschieden hatte. Bis heute (Stand der Informationen) konnte das Bad allerdings nicht wieder in Betrieb genommen werden.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat daher einen Sachstandsbericht zur Sanierung des Schwimmbades angefordert und insbesondere folgende Fragen gestellt: 1. Wie ist der aktuelle Stand der Sanierung des Schwimmbades? 2. Aus welchen Gründen konnte das Bad bis jetzt nicht in Betrieb genommen werden? 3. Wann rechnet die Verwaltung mit einer Inbetriebnahme des Bades?
Die Begründung für die Anfrage verdeutlicht die Dringlichkeit: Nach mehrjähriger Sanierung konnte die Max-Wittmann-Förderschule 2023 wieder bezogen werden. Auch das Schwimmbad der Schule sollte im Rahmen der Sanierung renoviert werden. Dabei hatte sich die Stadt für eine spezielle Schwimmbadtechnik entschieden. Bis heute konnte das Bad allerdings nicht wieder in Betrieb genommen werden. Deshalb kann der Schwimmunterricht der Schule nur sehr reduziert im Evinger Hallenbad durchgeführt werden.
Dieses Beispiel zeigt, wie bei Sanierungsprojekten auch Teileinrichtungen, die für den pädagogischen Betrieb wichtig sind, über längere Zeit nicht nutzbar sein können, ohne dass eine klare Perspektive für deren Inbetriebnahme besteht.
Zukunftsperspektiven für die Förderschulen in Dortmund
Trotz des Trends zur Inklusion, der behinderte Schüler in den regulären Unterricht integrieren soll, betont die Leitung der Max-Wittmann-Schule, dass Standorte wie diese dauerhaft nötig bleiben werden. Dies unterstreicht die langfristige Bedeutung von speziellen Einrichtungen für Kinder mit besonderen Förderbedarfen.
Die Stadt Dortmund plant daher die Errichtung einer dritten Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Der Verwaltungsvorlag schlägt den Gremien vor, in einer Sitzung am 15. Dezember darüber zu entscheiden. Als möglicher Standort für diese dritte Förderschule wird der Dollersweg 18 in Wickede ins Auge gefasst.
Sobald die Max-Wittmann-Schüler:innen wieder in die Oberevinger Str. 155 zurückgekehrt sind, soll das Gebäude am Dollersweg 18 für die dauerhafte Unterbringung einer Förderschule umgebaut werden. Dieser Umbau wird voraussichtlich drei bis fünf Jahre dauern.
Langfristig ist für den Standort am Dollersweg 18 sogar eine eigenständige Förderschule geplant, ab 2026 soll dieser Ort als Übergangsstandort für die Max-Wittmann-Schule dienen. Diese Planung zeigt, dass die Nachfrage nach speziellen Förderangeboten in Dortmund weiterhin hoch ist und dass die Stadt auf die wachsenden Bedürfnisse reagiert.
Ursachen für den Bedarf an Förderschulen
Die Gründe für den Anstieg des Bedarfs an Förderschulen sind unklar. Eine Dezernentin der Stadt Dortmund äußerte Unsicherheit über die Ursachen: "Wir sind uns nicht ganz sicher, warum es zu dem Anstieg kommt. Vielleicht weil weniger Kinder im gemeinsamen Lernen sind, weil die Eltern das nicht so annehmen. Oder weil die Zahl der Schüler:innen generell ansteigt."
Diese Unsicherheit zeigt, dass die Planung von Schulinfrastruktur komplex ist und von verschiedenen sozialen und pädagogischen Faktoren abhängt. Die Entscheidung für eine dritte Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung basiert auf der Beobachtung, dass die Kapazitäten der bestehenden Einrichtungen nicht mehr ausreichen, um den Bedarf abzudecken.
Fazit
Die Sanierung der Max-Wittmann-Schule in Dortmund-Eving zeigt exemplarisch die Herausforderungen, die bei der Sanierung von Schulgebäuden im laufenden Betrieb entstehen können. Das seit 2017 andauernde Projekt hat nicht nur zu erheblichen Verzögerungen geführt, sondern auch zu einer komplexen Organisation des Schulbetriebs, bei dem die Schüler auf zwei Standorte verteilt werden mussten.
Die Reaktionen der Eltern verdeutlichen, wie wichtig transparente Kommunikation und realistische Zeitplanungen bei solchen Bauprojekten sind. Das Problem mit dem nicht nutzbaren Schwimmbad zeigt zudem, wie wichtig es ist, bei Sanierungen auch die Teileinrichtungen zeitnah fertigzustellen, die für den pädagogischen Betrieb unverzichtbar sind.
Die zukünftigen Planungen für die Förderschulinfrastruktur in Dortmund unterstreichen die anhaltende Bedeutung spezieller Förderangebote. Die geplante dritte Förderschule und die langfristigen Perspektiven für den Standort in Wickede zeigen, dass die Stadt auf die wachsenden Bedürfnisse reagiert, auch wenn die genauen Ursachen für den erhöhten Bedarf noch nicht vollständig geklärt sind.
Für zukünftige Sanierungsprojekte von Schulgebäuden lassen sich aus diesem Fall mehrere Lehren ableiten: realistische Zeitplanungen, frühzeitige Einbindung der betroffenen Eltern, klare Kommunikation über Verzögerungen und deren Gründe sowie eine Priorisierung der pädagogisch notwendigen Einrichtungen wie beispielsweise Schwimmbäder. Nur so können Sanierungsprojekte erfolgreich umgesetzt werden, ohne den Schulbetrieb über Jahre hinweg zu beeinträchtigen.
Quellen
- Ruhrnachrichten: Schulsanierung dauert schon sechs Jahre
- Nordstadtblogger: Die Stadt Dortmund plant eine dritte Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung
- Ruhrnachrichten: Neue Förderschule in Wickede - Übergangsstandort startet 2026
- Bündnis 90/Die Grünen Dortmund: Max-Wittmann-Förderschule - Sanierung des Schwimmbades
- WR.de: Max-Wittmann klagt über Renovierungsstau
- Radio912: Dortmunder Schule zum Schulstart nicht fertig