Max-Josef-Metzger-Platz: Umgestaltung eines Berliner Platzes mit historischem Bezug und nachhaltigen urbanen Konzepten

Einleitung

Der Max-Josef-Metzger-Platz im Berliner Bezirk Wedding wurde zwischen 2016 und 2019 grundlegend umgestaltet, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern und den Platz als wichtigen Naherholungsort und Verkehrsweg zu stärken. Mit Gesamtkosten von 2.555.000 € finanziert durch das Förderprogramm "Aktive Zentren", entstand ein multifunktionaler urbaner Raum, der historische Elemente mit modernen Anforderungen an Spiel, Sport und Erholung verbindet. Die Neugestaltung berücksichtigt insbesondere die Bedürfnisse der angrenzenden Schulen und der Anwohner*innen und schafft einen Rahmen für verschiedene Aktivitäten bei gleichzeitiger Klimaanpassung.

Historischer Hintergrund

Der Max-Josef-Metzger-Platz hat eine wechselvolle Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich trug der Platz seit 1887 den Namen des preußischen Generals Wilhelm Reinhard de l'Homme de Courbière und wurde als Courbièreplatz bezeichnet. Die Gestaltung folgte barocken Vorbildern aus dem Jahr 1862. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde der Platz in wesentlich schlichterer Form neu angelegt. Seit 1954 prägt die zwölf Meter hohe Trümmersäule, ein Kunstwerk von Gerhard Schultze-Seehof, das Erscheinungsbild des Platzes.

Eine bedeutende Veränderung erfolgte 1994, als der Platz nach Max Josef Metzger umbenannt wurde. Metzger war Priester der Josephskirche am Platz und als überzeugter Pazifist bekannt. Er wurde 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet. Diese Umbenennung markte einen bewussten Bruch mit der militaristischen Vergangenheit des Ortes und betonte die Bedeutung des Friedens.

Im Jahr 2018 wurde ein weiterer Gedenkstein für den Namensgeber des Platzes enthüllt. Das Werk des Berliner Künstlers Ajit Kai Dräger besteht aus einer schräg aus dem Boden ragenden viereckigen Säule aus Granit, die das Zitat von Metzger trägt: "Ich habe Gott mein Leben angeboten für den Frieden der Welt."

Renovationsbedarf und Planungsprozess

Vor Beginn der Umbaumaßnahmen wies der Max-Josef-Metzger-Platz eine geringe Aufenthaltsqualität auf. Insbesondere der Spielbereich und die Wegeverbindungen waren stark erneuerungsbedürftig. Gleichzeitig sollte der Platz zukünftig von den angrenzenden Schulen, der Leo-Lionni-Grundschule und der Wedding Grundschule, als ergänzende Spiel- und Sportfläche genutzt werden können.

Die Planungsphase begann im Jahr 2015 mit einer breit angelegten Bürgerbeteiligung. Am 30. Mai 2015 fand eine öffentliche Begehung des Platzes statt, parallel dazu wurde eine Online-Umfrage durchgeführt. Besonders hervorzuheben ist die Kinderbeteiligung mit Schülerinnen und Schülern der beiden angrenzenden Grundschulen. Ziel dieser ersten Beteiligungsphase war es herauszufinden, welche Aspekte der jetzigen Gestaltung von den Nutzern als positiv bzw. negativ gesehen wurden und welche Anregungen sie für die Neugestaltung hatten.

Im Sommer 2015 wurde auf Basis dieser Ergebnisse eine Aufgabenstellung für die Neugestaltung erarbeitet. Daraufhin wurden drei Landschaftsarchitekturbüros aufgefordert, erste Skizzen zu entwickeln. In der Auswahlrunde am 13. Oktober 2015, an der auch die Stadtteilvertretung "mensch müller" als Vertretung der Anwohner beteiligt war, wurde das Landschaftsarchitekturbüro bgmr für die Planung ausgewählt.

Gestaltungskonzept und Umsetzung

Das von bgmr entwickelte Konzept zur Neugestaltung des Max-Josef-Metzger-Platzes nutzt die Stärken der unterschiedlichen historischen Platzgestaltungen von 1876 und 1970. Ziel war es, sowohl die Tradition der städtischen Randbeziehung als auch die Eigenständigkeit der Parkanlage zu stärken. Angsträume sollten beseitigt und Wegebeziehungen im Stadtraum beiläufig integriert werden.

Die mit Bäumen bestandenen Platzkanten übernehmen eine Mittlerfunktion zwischen den angrenzenden Stadtstraßen und der zentralen, offenen Wiese. Kleinsteinpflasterflächen erweitern den Gehwegoberstreifen in die Platzfläche hinein. Diese werden durch begrünte Bauminseln, Sitzbereiche und Spielelemente gegliedert. Es entstand ein robuster, pflegeleichter Rahmen, der ausgehend von den öffentlichen Gehwegbereichen zum Verweilen und zur sportlich-spielerischen Aneignung des Platzes einlädt.

Innenliegend verbindet ein umlaufendes Freizeit-Sportband den befestigten Platzrahmen mit der zentralen Liegewiese und einem Spielplatz. Auf dem feinen Asphalt ist eine 400-Meter-Linie als Kiezlaufstrecke markiert. Mit Angeboten an sonnigen und schattigen Orten, einer guten Durchlüftung und der Option für eine Trinkwasserstelle wird ein Beitrag zur Klimaanpassung und ein neuer Wohlfühlort geschaffen.

Spezifische Gestaltungselemente

Die Neugestaltung des Platzes umfasst verschiedene Teilbereiche mit spezifischen Funktionen:

Der Platzrahmen wurde als Freizeit- und Sportband ausgebildet, das eine neue Laufstrecke und verschiedene Aktivitätsangebote beinhaltet. An der Ecke Müllerstraße/Gerichtsstraße wurde eine Sitz- und Kletterlandschaft errichtet. Die große Liegewiese wurde erhalten und der vorhandene Spielplatz an der Gerichtsstraße wurde unter dem Motto "einen Bogen schlagen" erneuert. Angrenzend an den Spielplatz befindet sich ein eingezäunter Bereich mit Holzpodesten, die Teile des Informationssystems enthalten.

Die Wegeachse entlang des Jobcenters wurde begradigt und zusätzlich besser beleuchtet. Am Eingang zum Platz im Bereich des Jobcenters an der Müllerstraße wurde eine Workout-Anlage als Ergänzung zur Laufstrecke errichtet, ergänzt um einen Trinkbrunnen der Berliner Wasserbetriebe.

Besondere Aufmerksamkeit wurde der Integration historischer Elemente gewidmet. Die Trümmersäule als wichtiges kunsthistorisches Denkmal wurde erhalten und in die neue Gestaltung integriert. Gleichzeitig wurde die Platzgeschichte durch neue Informationselemente für die Nutzer sichtbar gemacht.

Informationssystem und historische Einbindung

Ein besonderes Merkmal der Neugestaltung ist das neue Informationssystem, das den Nutzerinnen und Nutzern das Leben und Wirken des Priesters Max-Josef Metzger näherbringt. Metzger, der aufgrund seiner pazifistischen Überzeugungen von den Nationalsozialisten 1944 hingerichtet wurde, ist der Namensgeber des Platzes. Durch Bronzetafeln wird sein Wirken und Schicksal thematisiert.

Die Laufstrecke wurde neben Streckenangaben um farbig aufgebrachte Wörter in Esperanto ergänzt, einer Sprache, für die sich Max-Josef Metzger zeitlebens einsetzte. Die Geschichte des Platzes, Informationen zur sogenannten Trümmersäule und zur Botanik werden auf Holzpodesten dargestellt, die sich in die Gesamtgestaltung einfügen.

Diese Integration von Information und Geschichte macht den Platz zu einem Lernort, der über die reine Funktion als Erholungsraum hinausgeht. Die Besucher können nicht nur die infrastrukturellen Neuerungen nutzen, sondern auch etwas über die historische Entwicklung des Ortes und seinen Namensgeber erfahren.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Die Umsetzung des Projekts stand vor erheblichen Herausforderungen, die zu Verzögerungen und Kostensteigerungen führten. Ursprünglich standen im Rahmen des Förderprogramms "Aktive Zentren" eine Million Euro für die Sanierung zur Verfügung. Bis Mitte 2017 waren die Sanierungskosten jedoch auf 2,5 Millionen Euro angestiegen, vor allem wegen der Beräumung von Kampfmitteln und der Altlastenentsorgung.

In einer Pressemitteilung des Bezirksamts Mitte vom 29. September 2017 informierten Bezirksstadträtin Sabine Weißler und Bezirksstadtrat Ephraim Gothe: "Nach den Verzögerungen durch die umfangreiche Beräumung von Kampfmitteln und der Altlastenentsorgung werden die Baumaßnahmen zur Neugestaltung des Max-Josef-Metzger-Platzes in der 41. Kalenderwoche beginnen. Für den Bau bedeutet die vorhandene Kampfmittelbelastung weiter ein abgestimmtes Arbeiten zwischen der beauftragten Landschaftsbaufirma und den beauftragten Feuerwerkern."

Diese unvorhergesehenen Herausforderungen machten ein koordiniertes Vorgehen von Fachexperten notwendig und verlängerten die Bauzeit erheblich. Die Sanierung von Kampfmitteln erforderte besondere Sicherheitsvorkehrungen und spezialisierte Unternehmen, was zusätzliche Kosten verursachte.

Eröffnung und öffentliche Resonanz

Nach Abschluss der Bauarbeiten wurde der Max-Josef-Metzger-Platz offiziell eröffnet. Die Eröffnungsfeierlichkeiten am 6. Juni umfassten verschiedene Elemente, die den multifunktionalen Charakter des Platzes zeigten. Das Programm begann mit einem Staffellauf und einer Parkrallye mit Kindern der Leo-Lionni-Grundschule und der Wedding-Grundschule.

Um 11:45 Uhr fand ein Rundgang mit den Landschaftsarchitekten von bgmr statt, der die Gestaltungskonzepte und Besonderheiten des Platzes erläuterte. Ab circa 13:00 Uhr stand ein offenes Freizeit- und Spieleangebot für Kinder bereit.

An der Eröffnung nahmen unter anderem Sandra Obermeyer, Abteilungsleiterin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, die Bezirksstadträtin Sabine Weißler und der Bezirksstadtrat Ephraim Gothe teil. Die prominente Beteiligung der Bezirks- und Senatspolitik unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die Stadtentwicklung.

Die Eröffnung markierte den Abschluss eines mehrjährigen Prozesses, der von Bürgerbeteiligung, Planung und schließlich Umsetzung geprägt war. Der neu gestaltete Platz bietet nun vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für verschiedene Altersgruppen und Interessen.

Fazit

Die Neugestaltung des Max-Josef-Metzger-Platzes ist ein gelungenes Beispiel für eine zeitgemäße Stadtentwicklung, die historische Elemente mit modernen Anforderungen an Funktionalität und Ästhetik verbindet. Das Projekt zeigt, wie Bürgerbeteiligung in der Planungsphase zu einem Ergebnis führen kann, das den Bedürfnissen der Anwohner und Nutzer entspricht.

Die Herausforderungen bei der Umsetzung, insbesondere die unvorhergesehenen Kostensteigerungen durch Kampfmittelräumung und Altlastensanierung, verdeutlichen die Komplexität von Bauprojekten in innerstädtischen Bereichen mit historischer Prägung. Gleichzeitig zeigt der erfolgreiche Abschluss, dass mit guter Planung und Durchführung auch schwierige Projekte realisiert werden können.

Der neu gestaltete Max-Josef-Metzger-Platz dient nun als wichtiger Naherholungsort und Wegeverbindung zwischen der Gericht- und der Müllerstraße. Die multifunktionale Nutzungsmöglichkeiten für Spiel, Sport und Erholung in Kombination mit der Einbindung von historischen Informationen machen den Platz zu einem besonderen Ort im urbanen Raum Berlins.

Quellen

  1. Max-Josef-Metzger Platz Erneuerung und Umgestaltung
  2. Max-Josef-Metzger-Platz
  3. Projektbeschreibung Neugestaltung Max-Josef-Metzger-Platz
  4. Der Entwurf zur Umgestaltung des Max-Josef-Metzger-Platzes
  5. Max-Josef-Metzger-Platz wird offiziell eröffnet
  6. Max-Josef-Metzger-Platz

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