Einleitung
Der Allgäu Airport in Memmingen erlebte im September 2019 eine der größten Umbaumaßnahmen in seiner Geschichte. Vom 17. bis zum 30. September 2019 wurde der Flugbetrieb vollständig eingestellt, um umfangreiche Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten durchzuführen. Diese zweiwöchige Zwangspause diente der Verbreiterung der Start- und Landebahn, der Erweiterung der Gepäckhalle und der Neugestaltung weiterer Infrastrukturbereiche. Der Flughafen, der als Süddeutschlands führender Low-Cost-Airport bekannt ist, investierte rund 20 Millionen Euro in diese Maßnahmen, die größtenteils vom Freistaat Bayern finanziert wurden. Dieser Artikel beleuchtet die Details des Umbaus, die technischen Spezifikationen, die Auswirkungen auf Passagiere und Airlines sowie die zukünftigen Planungen für die weitere Entwicklung des Flughafens.
Gründe für die Schließung
Die zweiwöchige Schließung des Allgäu Airport im September 2019 war notwendig, um die Start- und Landebahn von bisher 30 auf 45 Meter zu verbreitern. Die bisherige Breite entsprach nicht den internationalen Standards, was die Betriebssicherheit und Effizienz des Flughafens beeinträchtigte. Neben der Verbreiterung der Landebahn wurden weitere Maßnahmen geplant und umgesetzt, um die Infrastruktur des Flughafens an die gestiegenen Passagierzahlen anzupassen.
Die Entscheidung für eine komplette Schließung während der Bauarbeiten fiel, weil die notwendigen Arbeiten nur ohne laufenden Flugbetrieb sicher und effizient durchgeführt werden konnten. Die Betreiber des Flughafens wählten dafür einen Zeitraum im September, der für viele Urlaubsflüge genutzt wird, aber nicht zu den absoluten Hauptreisezeiten im Sommer gehört. Diese Maßnahme sollte die Auswirkungen auf den Flugbetrieb minimieren, während gleichzeitig die notwendige Zeit für die umfangreichen Bauarbeiten zur Verfügung stand.
Die Baumaßnahmen im Detail
Verbreiterung der Start- und Landebahn
Das zentrale Projekt der Umbaumaßnahmen war die Verbreiterung der Start- und Landebahn von 30 auf 45 Meter. Diese Maßnahme war essenziell, um den internationalen Standards zu entsprechen und die Sicherheit des Flugbetriebs zu erhöhen. Die knapp drei Kilometer lange Landebahn wurde auf einer Fläche von 165.000 Quadratmetern neu asphaltiert – was etwa 23 Fußballfeldern entspricht.
Für diese Arbeiten wurden 300 Bauarbeiter rund um die Uhr im Dauereinsatz eingesetzt. Mit schwerem Gerät arbeiteten die Handwerker Tag und Nacht, um die umfangreichen Erdarbeiten, das Auftragen des neuen Asphalts und die Installation einer neuen Beleuchtungsanlage zu realisieren. Die intensive Bauphase begun nach monatelangen nächtlichen Vorbereitungsarbeiten und erforderte eine präzise Koordination der verschiedenen Gewerke.
Bau eines neuen Rollwegs
Parallel zur Verbreiterung der Landebahn wurde auf der Nordwestseite ein neuer Rollweg zum Vorfeld 2 errichtet. Diese Maßnahme schafft die Voraussetzungen für die Einführung des Allwetterflugbetriebs und soll die Betriebssicherheit bei ungünstigen Wetterbedingungen deutlich erhöhen. Der neue Rollweg verbessert die Verkehrssituation auf dem Flughafengelände und ermöglicht eine effizientere Abwicklung des Flugverkehrs.
Erweiterung der Gepäckhalle
Ein weiteres wichtiges Projekt war die Erweiterung der Gepäckhalle auf eine Grundfläche von 2.100 Quadratmetern. Diese Maßnahme war notwendig, um die gestiegenen Passagierzahlen bewältigen zu können. Gleichzeitig wird in der erweiterten Halle die Passkontrolle für Fluggäste aus den Nicht-Schengen-Ländern neu etabliert. Diese Maßnahme optimiert nicht nur die Abfertigungsprozesse, sondern verbessert auch die Passagierströme im Terminalbereich.
Regenrückhaltebecken
Ein weiteres Bauprojekt war die Errichtung eines Regenrückhaltebeckens. Dieses technische Bauwerk ist wichtig für den Umweltschutz auf dem Flughafengelände, da es verhindert, dass verunreinigtes Wasser aus dem Flugbetrieb in die natürliche Umgebung gelangt. Das Rückhaltebecken dient der Aufbereitung von Niederschlagswasser aus den befestigten Flächen des Flughafens.
Auswirkungen auf Airlines und Passagiere
Anpassungen im Flugbetrieb
Die zweiwöchige Schließung des Flughafens erforderte umfangreiche Anpassungen im Flugbetrieb der Airlines. Die Fluggesellschaft Ryanair, die als Hauptnutzer des Memminger Flughafens gilt, strich für diesen Zeitraum alle Verbindungen. Auch Wizz Air und einige Charterflieger nutzten während der Schließungsphase andere Flughäfen.
Als Ausweichflughafen diente der Bodensee-Airport in Friedrichshafen. Der Flughafen Memmingen rechnte mit etwa 100 zusätzlichen Starts und Landungen – sogenannten Umläufen – und rund 30.000 zusätzlichen Passagieren in Friedrichshafen. Pro Tag waren bis zu 10 zusätzliche Umläufe geplant. Passagiere wurden gebeten, mehr Zeit für die Abfertigung einzuplanen und spätestens 90 Minuten vor Abflug am Flughafen zu sein.
Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr
Nicht nur der Flugbetrieb war von der Schließung betroffen, auch der öffentliche Personennahverkehr wurde angepasst. Das Busunternehmen Flixbus, der öffentliche Personennahverkehr vom Bahnhof Memmingen zum Terminal sowie der Allgäu Airport Express fuhren in den beiden Wochen nicht. Reisende mussten sich alternative Transportmöglichkeiten suchen oder ihre Reisepläne entsprechend anpassen.
Darüber hinaus wiesen die Betreiber der Fluggäste auf Bauarbeiten auf den Bahnstrecken zwischen Lindau und Friedrichshafen sowie Aulendorf und Biberach hin. Auf diesen Strecken gab es zu dieser Zeit einen Schienenersatzverkehr, den Fluggäste bei ihrer Reiseplanung berücksichtigen sollten.
Finanzierung der Baumaßnahmen
Die umfangreichen Baumaßnahmen am Flughafen Memmingen erforderten erhebliche finanzielle Mittel. Die Gesamtkosten der Bauprojekte wurden laut einem Flughafensprecher auf rund 20 Millionen Euro geschätzt. Der Freistaat Bayern übernahm einen Großteil dieser Kosten. Konkrete Angaben zufolge betrug die Förderung durch Bayern 14,5 Millionen Euro. Für die kommenden Jahre wurden weitere Investitionen von etwa 5,5 Millionen Euro geplant.
Die Finanzierung dieser Großprojekte erfolgte im Rahmen der Strategie, die Infrastruktur des Flughafens an die gestiegenen Passagierzahlen anzupassen. Mit über 3,2 Millionen Passagieren im Jahr 2023 verzeichnete der Allgäu Airport einen neuen Rekord. Die Investitionen sollten die Qualität des Angebots konstant hochhalten und die Abfertigungskapazitäten erweitern.
Zukünftige Planungen und Entwicklungen
Terminalerweiterung
Neben den während der Schließungsphase durchgeführten Maßnahmen plant der Flughafen Memmingen weitere umfangreiche Erweiterungen des Terminals. In den kommenden Monaten sollen Arbeiten beginnen, um das bestehende Terminal auszubauen. Konkret ist geplant, auf einer zweiten Ebene zusätzliche Gates und Warteräume für Passagiere zu schaffen.
Airport-Geschäftsführer Ralf Schmid erläuterte: "Wir reagieren nun auf die erfreulich große Nachfrage unserer Passagiere und stocken für sie die Infrastruktur auf." In diese Erweiterung sollen etwa drei Millionen Euro investiert werden. Um den täglichen Betrieb nicht zu stören, wird ein Teil der Arbeiten nachts erfolgen. Gleichzeitig sollen die Bereiche Abflug und Ankunft getrennt werden, um die Passagierströme zu entzerren und die Abfertigungszeiten zu verkürzen.
Parkhausneubau
Aufgrund der großen Nachfrage nach Parkplätzen, insbesondere während der Ferienzeiten, plant der Flughafen den Bau eines neuen Parkhauses. Dieses soll einmal 1.800 Fahrzeuge aufnehmen können und die Abstellflächen erheblich erweitern. Die Planungen für dieses Projekt liefen parallel zu den anderen Baumaßnahmen.
Die Parkplatzsituation war in der Vergangenheit oft ein Kritikpunkt, besonders in den Hauptreisezeiten. Mit dem neuen Parkhaus soll dieses Problem gelöst werden und den Reisenden mehr Komfort geboten werden.
Erhöhung der Sicherheitskapazitäten
Der Ausbau des Flugbetriebs und die gestiegenen Fluggastzahlen führen auch zu einer höheren Polizeiprésence. Als eine der ersten Maßnahmen wurde die frühere Grenzpolizeigruppe des Flughafens in eine eigenständige Grenzpolizeiinspektion umgewandelt. Damit seien die notwendigen Strukturen geschaffen, dass die Bundespolizei die Zahl der Beamten am Flughafen Memmingen in den kommenden Jahren aufstocken könne.
Derzeit arbeiten 85 Grenzpolizistinnen und Grenzpolizisten am Airport. 2020 waren es noch 50 gewesen. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll sich diese Zahl mehr als verdoppeln: Insgesamt wird dann mit rund 130 Beamten am Flughafen Memmingen geplant. Diese Maßnahme ist notwendig, um die gestiegenen Sicherheitsanforderungen und die höheren Passagierzahlen bewältigen zu können.
Fazit
Die zweiwöchige Schließung des Allgäu Airport Memmingen im September 2019 war eine notwendige Maßnahme, um die Infrastruktur des Flughafens an die gestiegenen Anforderungen und Passagierzahlen anzupassen. Mit der Verbreiterung der Start- und Landebahn von 30 auf 45 Metern, der Erweiterung der Gepäckhalle und der Neugestaltung weiterer Bereiche wurden die Weichen für die zukünftige Entwicklung des Flughafens gestellt.
Die Investition von rund 20 Millionen Euro, größtenteils finanziert durch den Freistaat Bayern, zeigt die Bedeutung des Flughafens für die Region. Die geplanten Erweiterungen des Terminals, der Bau eines neuen Parkhauses und die Erhöhung der Sicherheitskapazitäten unterstreichen den Anspruch, Süddeutschlands führenden Low-Cost-Airport weiter auszubauen und die hohe Qualität des Angebots zu erhalten.
Mit über 3,2 Millionen Passagieren im Jahr 2023 hat der Flughafen Memmingen bewiesen, dass die Investitionen in die Infrastruktur notwendig waren. Die Maßnahmen zur Verbesserung der Abfertigungskapazitäten und des Komforts für Passagiere sollen sicherstellen, dass der Flughafen auch in Zukunft wachsen und seine Position als wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Region festigen kann.
Quellen
- Flughafen Memmingen schließt am 17. September wegen Umbauarbeiten
- Wegen Umbau Flughafen Memmingen schließt bis Ende September
- Airportausbau: 14 Tage lang Vollgas geben
- Flughafen Memmingen bis Ende September geschlossen - Umbau
- Memmingen Flughafen Ausbau: Millionen Euro für Parkhaus, Passagiere-Rekord, Terminal erweitert