Die Transformation des MoMA New York: 450 Millionen Dollar für eine neue Kunsterfahrung (2019)

Einleitung

Das Museum of Modern Art (MoMA) in New York, eines der meistbesuchten Kunstmuseen der Welt, schloss im Juni 2019 für vier Monate seine Türen, um eine der umfassendsten Renovierungen seiner Geschichte zu durchlaufen. Mit einem Investitionsvolumen von 450 Millionen Dollar sollte nicht nur die Ausstellungsfläche erweitert, sondern auch die gesamte Präsentationskonzeption grundlegend überarbeitet werden. Die Maßnahmen zielten darauf ab, den ständigen Überfüllungsproblemen zu begegnen und gleichzeitig einen neuen Ansatz für die Kunstpräsentierung zu entwickeln, der mehr Vielfalt, Interaktivität und Publikumsnähe verspricht. Dieser Artikel beleuchtet die Details der umfassenden Sanierung, die architektonischen Veränderungen sowie die konzeptionellen Neuausrichtungen, die das MoMA nach seiner Wiedereröffnung im Oktober 2019 prägten.

Historischer Kontext: Die Entwicklung des MoMA-Gebäudes

Das Museum of Modern Art eröffnete im November 1929 als zeitgenössisches Gegengewicht zu den bestehenden kunsthistorischen Museen New Yorks. Seitdem hat das Gebäude eine Reihe bedeutender Um- und Erweiterungsphasen erlebt, die jeweils auf die wachsenden Besucherzahlen und die sich entwickelnde Kunstszene reagierten.

In den 1950er und 1960er Jahren wurde das Gebäude erstmals erweitert, bevor 1984 eine umfassende Vergrößerung und Renovierung folgte. Die bisher größte Transformation fand jedoch zwischen 2002 und 2004 statt, als unter der Leitung des japanischen Architekten Yoshio Taniguchi rund 860 Millionen Dollar in Um- und Ausbau investiert wurden. Diese Maßnahme verdoppelte die Fläche des Museums, schuf jedoch nur vorübergehend ausreichend Raum für die wachsende Sammlung und die stetig steigende Besucherzahl.

Die jüngste Renovierung von 2019 muss daher im Kontext dieser kontinuierlichen Entwicklung gesehen werden. Das Museum, das jährlich von rund drei Millionen Besuchern aus mehr als 50 Ländern frequentiert wird, litt unter chronischer Überfüllung. Die Schlangen an den Kassen zogen sich oft bis auf die Straße, und in den Ausstellungsräumen waren die Kunstwerke aufgrund der Menschenmassen nur noch schwer auszumachen. Die Entscheidung für eine erneute, umfangreiche Erweiterung war somit keine Überraschung, sondern eine notwendige Maßnahme, um die langfristige Attraktivität und Funktionsfähigkeit des Museums zu sichern.

Die 2019-Renovierung: Umfang und Investitionen

Die Renovierung des Jahres 2019 stellte die letzte Phase einer seit drei Jahren laufenden Expansion dar, die insgesamt 400 Millionen Dollar kostete. Für den Zeitraum vom 15. Juni bis 21. Oktober 2019 wurde das Museum vollständig geschlossen, was bewusst in die Hauptreisezeit fiel. Obwohl dies theoretisch als ökonomischer Unsinn erscheinen mag, hatte das MoMA den Einnahmeverlust bereits im Budget eingeplant, da die langfristigen Vorteile die kurzfristigen Kosten überwiegen sollten.

Die Architekten Ricardo Scofidio und Elizabeth Diller leiteten das ambitionierte Projekt, das weit mehr als nur eine bauliche Erweiterung darstellte. Für über 400 Millionen Dollar wurde ein Nebengebäude hinzugefügt und das Museum um zusätzliche 3.700 Quadratmeter vergrößert. Insgesamt gewann das MoMA durch die Maßnahme fast 4.000 Quadratmeter mehr Ausstellungsfläche hinzu.

Die baulichen Veränderungen konzentrierten sich auf die Schaffung mehr "Luft und Licht" im Gebäude. Kunstjournalisten, die bereits vor der offiziellen Wiedereröffnung einen Rundgang durch das neue MoMA machen durften, beschrieben die Atmosphäre jedoch als "chirurgisch und leicht seelenlos", wobei sie eine gewisse Ähnlichkeit zum Ambiente eines Apple Store feststellten. Diese subjektiven Wahrnehmungen deuten darauf hin, dass die architektonische Umsetzung zwar funktional, aber möglicherweise nicht für alle Besucher emotional ansprechend war.

Räumliche Erweiterungen und neue Funktionen

Die bauliche Erweiterung des MoMA konzentrierte sich nicht nur auf die Vergrößerung bestehender Flächen, sondern auf die Schaffung völlig neuer Raumtypen und Funktionen. Neben den erweiterten Ausstellungsräumen wurden spezielle Bereiche für Performance, Tanz, Musik und Kino geschaffen, die dem Museum eine dynamischere und vielseitigere Nutzung ermöglichen.

Besonders hervorzuheben ist die Einrichtung einer sogenannten "Project Gallery", einem Eintrittsraum mit wechselnden Programmen, der kostenlos zugänglich ist. Dieser Bereich soll als Türöffner für neue Besuchergruppen dienen und die Barrieren zum Museumsbesuch senken. Die Schaffung solcher niedrigschwellig Angebote spiegelt den Trend in amerikanischen Museen wider, sich stärker dem "Volk" zu öffnen und den Vorwurf der Elitärigkeit zu entkräften.

Die über 60 Galerien des Museums wurden grundlegend neu gestaltet, um eine intensivere Begegnung zwischen Publikum und Kunstwerken zu ermöglichen. Die räumliche Anordnung sollte Besucher animieren, länger zu verweilen und sich intensiver mit den ausgestellten Werken auseinanderzusetzen. Gleichzeitig schufen die Architekten durch offere Grundrisse und verbesserte Wegeführungen bessere Bewegungsflächen, um das Problem der Überfüllung nachhaltig zu lösen.

Konzeptionelle Neuausrichtung: Vom statischen Museum zum dynamischen Labor

Die Renovierung des Jahres 2019 ging weit über bauliche Maßnahmen hinaus und umfasste eine grundlegende Neukonzeption der Sammlungspräsentation. MoMA-Direktor Glenn D. Lowry betonte, dass der eigentliche Wert der Erweiterung nicht mehr Raum, sondern Raum sei, der es ermögliche, die Erfahrung der Kunst im Museum zu überdenken. Diese Philosophie manifestierte sich in mehreren Veränderungen der Präsentationspraxis.

Das Museum orientierte sich dabei an der Vision seines ersten Direktors Alfred Barr, der das MoMA bereits 1927 nach einer Reise ans Bauhaus als "Labor" konzipiert hatte. Diese Idee eines dynamischen, experimentellen Ortes, an dem Kunst nicht nur ausgestellt, sondern auch erforscht und diskutiert wird, sollte in der neuen Präsentationsform wieder stärker zum Tragen kommen.

Praktisch umgesetzt wurde dies durch die Einführung von Live-Darbietungen, Mitmach-Aktionen bei der Anfertigung von Kunstobjekten und Diskussionsrunden direkt in den Ausstellungsräumen. Solche interaktiven Elemente sollen die traditionelle Betrachterhaltung aufbrechen und eine aktivere Auseinandersetzung mit Kunst fördern. Der Ansatz ist Teil einer breiteren Entwicklung im Museumswesen, das sich zunehmend als kreatives Gemeinschaftszentrum versteht, das nicht nur ausstellt, sondern auch partizipative Erfahrungen ermöglicht.

Die Zukunft des Museums: Vielfalt und kontinuierliche Entwicklung

Ein zentraler Aspekt der Neukonzeption war die bewusste Auflockerung der traditionellen Chronologie und die Integration diverser kultureller Perspektiven. Das MoMA signalisierte mit der Neuausrichtung den Willen, sich von einem Kanon zu lösen, der bisher eher weiße und männliche Künstler in den Vordergrund stellte. Stattdessen soll künftig eine farbigere, vielfältigere und globalere Kunstgeschichte erzählt werden.

Konkret manifestierte sich dies in der Entscheidung, bei der Wiedereröffnung Ausstellungen über lateinamerikanische Kunst sowie Einzelausstellungen von afroamerikanischen Künstlern wie Betye Saar und William Pope.L zu präsentieren. Diese bewusste Themensetzung sollte deutlich machen, dass das Museum sich von einer einseitigen Kunstgeschichte entfernt und eine inklusivere Darstellung anstrebt.

Ein weiteres Novum war die Entscheidung, die Sammlung alle sechs months umzuhängen und die Chronologie der Werke nur noch lose zu gestalten. Diese dynamische Präsentationsform soll dem Museum ermöglichen, ständig neue Verbindungen zwischen Kunstwerken herzustellen und verschiedene Perspektiven auf die Sammlung zu ermöglichen. Wie MoMA-Direktor Glenn Lowry einräumte, bleibt abzuwaiten, ob Besucher diese Veränderung als "befreiend oder verwirrend" empfinden werden. Fest steht jedoch, dass das Museum sich als kontinuierlich entwickelnde Institution versteht: "Das Museum wird immer in Weiterentwicklung bleiben", so Lowry.

Fazit

Die Renovierung des MoMA New York im Jahr 2019 war eine der umfassendsten und teuersten Maßnahmen in der Geschichte des Hauses. Mit Investitionen von 450 Millionen Dollar wurde nicht nur die Ausstellungsfläche um fast 4.000 Quadratmeter erweitert, sondern das gesamte Konzept des Museums grundlegend überdacht. Die Neukonzeption zielte darauf ab, die chronische Überfüllung zu beheben und gleichzeitig einen neuen, partizipativen Ansatz für die Kunstpräsentierung zu entwickeln.

Die architektonische Umsetzung durch Ricardo Scofidio und Elizabeth Diller schuf Räume mit mehr "Luft und Licht", die eine intensivere Begegnung zwischen Publikum und Kunst ermöglichen sollen. Konzeptionell orientierte sich das Museum an der historischen Vision eines "Laboratoriums" und führte interaktive Elemente sowie dynamische Präsentationsformen ein, die sich alle sechs Monate ändern.

Besonders hervorzuheben ist die bewusste Abkehr von einem traditionellen, eurozentrischen Kanon hin zu einer diverseren, globaleren Kunstgeschichte. Diese Entwicklung spiegelt einen allgemeinen Trend in amerikanischen Museen wider, sich stärker zu öffnen und den Vorwurf der Elitärigkeit durch niedrigschwellige Angebote und inklusive Programmentwürfe zu entkräften.

Die Neukonzeption des MoMA zeigt, dass sich das moderne Museum von einer reinen Ausstellungshin zu einem dynamischen Ort der Begegnung, des Dialogs und der kreativen Auseinandersetzung entwickelt. Obwohl die Umsetzung nicht unumstritten war und die architektonische Gestaltung kritische Stimmen fand, stellt die Renovierung von 2019 einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung des Hauses dar, der seine Rolle im 21. Jahrhundert neu definiert und gleichzeitig die historische Mission als "Labor für moderne Kunst" in die Zukunft trägt.

Quellen

  1. MoMA New York: Umbau und Neukonzeption
  2. MoMA in New York: Kunst zum Anfassen
  3. Millionenschwerer Umbau: Das MoMA baut und denkt um
  4. Neues MoMA New York
  5. Museum of Modern Art (MoMA): Wiedereröffnung New York

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