Modernisierung des Müllheizkraftwerks Coburg: Technik-Upgrades und Umweltaufrüstung in der Praxis

Einleitung

Das Müllheizkraftwerk Coburg, gelegen im Stadtteil Neuses, ist ein zentraler Bestandteil der Abfallentsorgung und Energienutzung in der Region. Der Zweckverband für Abfallwirtschaft in Nordwest-Oberfranken (ZAW) betreibt die Anlage, die jährlich bis zu 135.000 Tonnen Müll verbrennt und dabei gleichzeitig Strom und Fernwärme erzeugt. Die Anlage dient nicht nur der Entsorgung von Hausmüll und Gewerbeabfällen, sondern stellt auch eine umweltverträgliche Alternative zur Deponierung dar. Im Laufe seiner Geschichte hat das Kraftwerk verschiedene Modernisierungen und Anpassungen an technische und umweltrechtliche Anforderungen erfahren. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte, Technik und Modernisierungsmaßnahmen des Müllheizkraftwerks Coburg.

Geschichte und Bau des Müllheizkraftwerks Coburg

Die Gründung des Zweckverbands für Abfallwirtschaft in Nordwest-Oberfranken (ZAW) erfolgte im Jahr 1974 durch die Landkreise Coburg, Kronach, Lichtenfels sowie die Stadt Coburg. Der Hauptzweck war die Entsorgung und Verwertung der Abfälle in der Region. In den Anfangsjahren wurde intensiv über Deponiestandorte diskutiert, bevor der ZAW ab 1977 den Bau eines Müllheizkraftwerks in Coburg prüfte. Die Entscheidung für diese Art der Abfallbehandlung fiel, da in Coburg bereits seit 1957 ein Fernwärmenetz existierte, das zunächst von einem Kohlekraftwerk versorgt wurde.

Als ursprünglicher Standort war das zentrumsnahe Gelände der Städtischen Werke Überlandwerke Coburg (SÜC) an der Bamberger Straße vorgesehen, da sich dort die Verteilerzentrale des Fernwärmenetzes befand. Aufgrund erheblichen Widerstands in der Bevölkerung und fehlender Mehrheit im Stadtrat kam es jedoch nicht zur Einleitung des Planfeststellungsverfahrens an diesem Standort. Am 25. November 1982 entschied sich der Stadtrat mit knapper Mehrheit von 21 zu 19 Stimmen für das Industriegebiet des Stadtteils Neuses im Norden Coburgs als neuen Standort.

Das Planfeststellungsverfahren wurde am 2. Oktober 1984 eingeleitet, und am 4. Juli 1986 erfolgte der Planfeststellungsbeschluss mit sofortigem Vollzug. Da im Stadtrat keine Mehrheit für den Verkauf des städtischen Grundstücks gefunden wurde, erfolgte am 17. Juli 1986 die Enteignung des Grundstücks. Der Bau der Anlage wurde vom Münchner Anlagenbauer Martin durchgeführt. Der Spatenstich fand am 1. Oktober 1986 statt, das Richtfest wurde am 7. Oktober 1987 gefeiert. Ende 1988 war die Anlage fertiggestellt, und der Probebetrieb konnte am 12. Juli 1989 erfolgreich abgeschlossen werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 222 Millionen DM, wobei der Zweckverband Fördermittel aus Bundes- und Landesmitteln in Höhe von 66 Prozent erhielt. Die offizielle Einweihung des Müllheizkraftwerks erfolgte am 30. April 1990.

Technische Betriebsweise und Funktionsweise

Das Müllheizkraftwerk Coburg ist als Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (KWK-Anlage) konzipiert, die bei der Verbrennung von Müll gleichzeitig Strom und Fernwärme erzeugt. Die Anlage verbrannt jährlich rund 135.000 Tonnen Abfälle aus dem Verbandsgebiet, das die Stadt Coburg und die Landkreise Coburg, Kronach und Lichtenfels mit rund 263.000 Einwohnern umfasst.

Die erzeugte Fernwärme wird über eine 4,3 Kilometer lange, unterirdische Rohrleitung an die Städtischen Werke Überlandwerke Coburg (SÜC) in der Bamberger Straße geliefert, wo sich die Verteilerstation befindet. Diese Verteilerstation wurde 1987/1988 errichtet und kostete 20 Millionen DM. Durch das Müllheizkraftwerk konnte das veraltete Kohlekraftwerk der SÜC ersetzt werden, was einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung der Energieversorgung in Coburg darstellte.

Die Verbrennungskosten wurden Ende 1988 auf 86 DM pro Tonne festgesetzt. Die Anlage ist so dimensioniert, dass sie nicht nur den Abfall aus dem Verbandsbereich verwertet, sondern seit September 1999 auch Müll vom Zweckverband Abfallwirtschaft Erlangen zur Auslastung der Anlage annimmt.

Abfallarten und Verwertung

Im Müllheizkraftwerk Coburg werden verschiedene Arten von Abfällen thermisch verwertet. Dazu gehören:

  • Hausmüll
  • Sperrmüll
  • hausmüllähnlicher Gewerbemüll
  • Teilmengen von Klärschlamm aus dem Verbandsgebiet

Durch die vorangegangene Mülltrennung im Verbandsgebiet werden recycelbare Materialien wie Metall, Glas und Papier getrennt und der Wiederverwertung zugeführt. Nicht jede Art von Kunststoff kann recycelt werden, daher ist eine sorgfältige Trennung notwendig, um diese Materialien in den Kreislauf zurückführen zu können.

Die Anlage nimmt auch verschiedene spezialisierte Abfälle an, darunter: - Elektroschrott - medizinische Abfälle - Abfälle aus Fotolaboratorien - Akten - Küchenabfälle wie Teebeutel, Kaffeesatz, Kaffeefilter - Einwegpaletten - Styropor

Der Müll aus den Landkreisen Kronach und Lichtenfels wird umweltfreundlich per Bahn angeliefert, w hierfür in Kronach und Lichtenfels Umladestationen gebaut wurden.

Nach der Verbrennung: Verwertung der Reststoffe

Die moderne Müllverbrennungstechnologie im Müllheizkraftwerk Cobung stellt sicher, dass auch die Reststoffe nach der Verbrennung sinnvoll genutzt werden. Nach dem Brennvorgang wird die Schlacke nochmals überprüft und je nach Ergebnis entweder behandelt oder entsorgt.

Die Reststoffe haben folgende Verwertungsmöglichkeiten: - Schlacke: Verwertung als Baustoff im Tiefbau - Metalle: Rückführung an die Metallindustrie

Diese Verwertungsstrategie minimiert die Menge an Deponiebedarf und trägt zur Ressourcenschonung bei. Die Anlage erfüllt bereits seit längerem die gesetzlichen Verpflichtungen der TA-Siedlungsabfall, die seit dem Jahr 2005 keine unbehandelten Abfälle mehr auf Deponien zulässt.

Umweltrelevanz und rechtliche Rahmenbedingungen

Die thermische Behandlung von Abfällen mit gleichzeitiger Energienutzung gilt derzeit als die umweltverträglichste Art der Abfallentsorgung. Das Müllheizkraftwerk Coburg erfüllt die strengen gesetzlichen Anforderungen der TA-Siedlungsabfall (Technische Anleitung Siedlungsabfall). Diese Verordnung regelt die Behandlung und Beseitigung von Siedlungsabfällen und stellt sicher, dass Umweltstandards eingehalten werden.

Die Anlage nutzt das neueste Rauchgasverfahren und hochwertige Kontrollzentren, um stets die Emissionsschutzauflagen zu unterschreiten. Ein wesentlicher Aspekt der Umweltverträglichkeit ist die Reduzierung des Müllvolumens durch die Verbrennung, die eine Deponierung der Abfälle vermeidet.

Modernisierungsmaßnahmen und Technik-Upgrades

Im Laufe der Betriebszeit wurde das Müllheizkraftwerk Coburg verschiedenen Modernisierungs- und Nachrüstungsmaßnahmen unterzogen, um die Effizienz zu verbessern und den Umweltschutz zu erhöhen. Eine bedeutende Maßnahme war die Nachrüstung der neuen und innovativen VLN-Technologie (Very Low NOx) im Jahr 2013. Dieses Projekt wurde in einem Abschlussbericht von Peter Baj, Georg Papa und Ralf Koralewska dokumentiert.

Die VLN-Technologie ermöglicht eine erhebliche Reduzierung der Stickoxidemissionen, was einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leistet. Die Nachrüstung dieser modernen Filter- und Verbrennungstechnologie zeigt das Engagement des ZAW, die Anlage kontinuierlich an die höchsten technischen und ökologischen Standards anzupassen.

Weitere Modernisierungsmaßnahmen betreffen die kontinuierliche Optimierung der Prozessabläufe, die Modernisierung der Steuerungstechnik und die Erhöhung der Energieeffizienz. Diese Maßnahmen stellen sicher, dass das Müllheizkraftwerk auch zukünftig den Anforderungen an eine umweltverträgliche und effiziente Abfallentsorgung gerecht werden kann.

Energiegewinnung und Beitrag zur Fernwärmeversorgung

Das Müllheizkraftwerk Coburg leistet einen bedeutenden Beitrag zur Energieversorgung der Region. Durch die Kraft-Wärme-Kopplung werden bei der Verbrennung der Abfälle gleichzeitig Strom und Fernwärme erzeugt. Der Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist, während die Fernwärme über das 4,3 Kilometer lange Rohrleitungsnetz an die Städtischen Werke Überlandwerke Coburg geliefert wird.

Die Fernwärmeversorgung Coburgs war bereits seit 1957 vorhanden, wurde zunächst jedoch von einem Kohlekraftwerk betrieben. Mit Inbetriebnahme des Müllheizkraftwerks konnte das veraltete Kohlekraftwerk ersetzt werden, was einen wichtigen Schritt zur Modernisierung und Umweltschonung darstellte. Die Fernwärme wird anschließend über das Verteilnetz der SÜC an Haushalte und Gewerbe in Coburg geliefert.

Dienstleistungen für Privatkunden und Gewerbe

Das Müllheizkraftwerk Coburg bietet auch Dienstleistungen für Privatkunden und Gewerbe an. Die Anlieferung von Abfällen direkt im MHKW von Privatanlieferern und Kleingewerbe ohne Stammkundennummer ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Die Termine können online vereinbart werden, oder telefonisch Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 10:00 Uhr bis 11:30 Uhr unter (09561) 55 30-777.

Die Anlieferzeiten beschränken sich auf 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr, wobei der Annahmeschluss für alle Einrichtungen 15 Minuten vor Ende der Öffnungszeiten ist. Für verschiedene Standorte gelten unterschiedliche Öffnungszeiten:

  • Hauptstandort: Montag bis Freitag 7:30 bis 17:00 Uhr
  • Lichtenfels: Montag bis Freitag 7:30 bis 12:00 Uhr und 13:00 bis 16:30 Uhr
  • Kronach: Montag bis Freitag 7:30 bis 12:00 Uhr und 13:00 bis 16:30 Uhr

Diese Dienstleistungen machen das Müllheizkraftwerk zu einem wichtigen Ansprechpartner für die Abfallentsorgung in der gesamten Region.

Wirtschaftliche Bedeutung für die Region

Das Müllheizkraftwerk Coburg hat nicht nur ökologische, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für die Region. Die Anlage schafft Arbeitsplätze in Betrieb und Wartung, und die damit verbundenen Dienstleistungen unterstützen die lokale Wirtschaft. Die Investitionskosten in Höhe von 222 Millionen DM zur Errichtung der Anlage sowie die späteren Modernisierungen stellen eine erhebliche wirtschaftliche Leistung dar.

Die jährliche Verarbeitung von 135.000 Tonnen Abfall sichert die Abfallentsorgung für rund 263.000 Einwohner in der Region und reduziert gleichzeitig die Deponiebedarfe. Die Erzeugung von Strom und Fernwärme trägt zur Energieversorgung bei und reduziert den Bedarf an Primärenergieträgern.

Zukunftsperspektiven

Die Weiterentwicklung des Müllheizkraftwerks Coburg wird maßgeblich von den Anforderungen des Umweltschutzes, der Energiepolitik und der Abfallwirtschaft geprägt sein. Erwartet werden weitere Modernisierungen zur Reduzierung von Emissionen, Steigerung der Effizienz und Integration erneuerbarer Energien.

Die Anlage wird auch in Zukunft eine zentrale Rolle in der Abfallentsorgung und Energieversorgung der Region spielen. Die kontinuierliche Anpassung an neue Technologien und gesetzliche Anforderungen wird sicherstellen, dass das Müllheizkraftwerk Coburg seinen Beitrag zum Umweltschutz und zur nachhaltigen Energienutzung auch zukünftig leisten kann.

Fazit

Das Müllheizkraftwerk Coburg stellt ein bedeutendes Infrastrukturprojekt für die Abfallentsorgung und Energieversorgung der Region dar. Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1989 hat die Anlage das veraltete Kohlekraftwerk ersetzt und eine umweltverträgliche Methode zur Abfallentsorgung etabliert. Durch die Modernisierungen, insbesondere die Nachrüstung der VLN-Technologie zur Reduzierung der Stickoxidemissionen, zeigt das Engagement des ZAW, die Anlage kontinuierlich zu verbessern.

Die Kombination aus Abfallentsorgung, Stromerzeugung und Fernwärmeversorgung macht das Müllheizkraftwerk zu einem wichtigen Bestandteil der nachhaltigen Infrastruktur in Coburg und der umliegenden Landkreise. Die Anlage erfüllt nicht nur gesetzliche Anforderungen, sondern trägt aktiv zum Umweltschutz bei, indem sie Deponien reduziert und Energie aus Abfall erzeugt.

Quellen

  1. Wikipedia: Müllheizkraftwerk Coburg
  2. ZAW Zweckverband für Abfallwirtschaft in Nordwest-Oberfranken
  3. Das Müllheizkraftwerk Coburg
  4. Müllheizkraftwerk Neu b.Coburg - Abfall-info.de

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