Einleitung
Die Neckarstraße im Stuttgarter Osten ist Teil eines umfassenden Stadtentwicklungsprojekts, das im Rahmen des Sanierungsgebiets Stuttgart 29 - Teilbereich Stöckach realisiert wird. Das Projekt zielt darauf ab, die Straßen im Gebiet aufzuwerten und durch gezielte Begrünungsmaßnahmen die Lebensqualität für die Anwohner zu verbessern. Gleichzeitig soll der Parkraum so weit wie möglich erhalten bleiben, was eine besondere Herausforderung für die Planung darstellt. Die Neckarstraße, als wichtige Verbindungsstraße im Bezirk, steht dabei im Fokus der Umgestaltung, die sowohl kurz- als auch mittelfristige Maßnahmen umfasst.
Das Sanierungsgebiet Stuttgart 29 - Stöckach
Das Sanierungsgebiet Stuttgart 29 - Teilbereich Stöckach ist ein Teil des städtischen Programms zur Stadterneuerung und hat zum Ziel, einzelne Straßen durch kleinere und größere Maßnahmen aufzuwerten. Innerhalb dieses Gebiets sollen insbesondere die Querstraßen zwischen Neckarstraße und Stöckachstraße umgestaltet werden. Dazu gehören die Rieckestraße, Heinrich-Baumann-Straße, Sedanstraße, Metzstraße und Werderstraße sowie die Gehwegbereiche von Neckarstraße, Stöckachstraße und Werderstraße.
Die Maßnahmen werden als Teil des Bund-Länder-Programms "Lebendige Zentren" umgesetzt und sollen mit Hilfe von kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen in den nächsten Jahren realisiert werden. Bei der Planung werden kreative, atypische Konzepte gefordert, die das Wohnumfeld verbessern und dabei möglichst wenig Parkraum verlieren. Die Herausforderung besteht darin, die steigenden Temperaturen in der Stadt durch zusätzliche Begrünung zu kompensieren, insbesondere da sommerliche Hitzeperioden die Stadt beträchtlich aufheizen und die Lebensqualität in stark versiegelten Wohngebieten beeinträchtigen.
Die Neckarstraße selbst ist eine Landesstraße (L 1016) und Anliegerstraße im Stuttgarter Osten mit der Postleitzahl 70190. Sie erstreckt sich von Hausnummer 84 bis 253 und verbindet verschiedene Stadtteile. Die Straße ist sowohl für den Verkehr als auch für die Anwohner von zentraler Bedeutung, weshalb ihre Umgestaltung einen besonderen Stellenwert im Sanierungsprojekt einnimmt.
Planungen für die Neckarstraße
Für die Neckarstraße sind konkrete Umgestaltungsmaßnahmen geplant, die den Straßenbereich vom Neckartor bis zur Ecke Heilmannstraße betreffen. Diese Maßnahmen umfassen:
- Reduktion der Fahrspuren auf je eine pro Richtung, wobei sogar eine Einbahnstraßennutzung in Betracht gezogen wird
- Umbau des aktuell vorhandenen Mittelstreifens mit dessen Abbau
- Einführung von Verkehrsberuhigung mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 20
- Neunutzung der freiwerdenden Flächen
Diese Pläne sind Teil der zweiten Erweiterung des Sanierungsgebiets Stuttgart 29 - Stöckach, die im Amtsblatt veröffentlicht wurde und spezifische Sanierungsziele für die Neckarstraße festlegt. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Straße verkehrlich zu beruhigen und gleichzeitig mehr Raum für Aufenthaltsqualität und Begrünung zu schaffen.
Die Neckarstraße ist dabei nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines größeren Straßennetzes, das im Rahmen des Sanierungsgebiets umgestaltet wird. Die Koordination der Maßnahmen auf verschiedenen Straßen ist entscheidend, um einheitliche städtebauliche Qualitäten zu erreichen und die Verkehrsströme angemessen zu lenken.
Begrünungskonzept und Klimaanpassung
Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Begrünung der Straßenbereiche. Die im vergangenen Jahr durchgeführte Machbarkeitsstudie hat bestätigt, dass die Straßenverbindungen zwischen der Neckar- und der Stöckachstraße erhebliches Potenzial hinsichtlich einer Begrünung aufweisen. Insbesondere die sommerlichen Hitzeperioden, die die Stadt immer stärker aufheizen, machen zusätzliche Grünflächen zu einem wichtigen Bestandteil der Klimaanpassungsstrategien Stuttgarts.
Die Begrünung soll nicht nur zur Minderung von Hitzestress beitragen, sondern auch für mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sorgen. Für die Planung ist jedoch eine besondere Herausforderung zu beachten: der hohe Parkdruck in dem Bereich. Es soll so wenig Parkplätze wie möglich entfallen, was innovative Lösungen erfordert.
Als Pilotprojekt für die Begrünung wurde die Metzstraße gewählt. Hier können die Wünsche und Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern direkt in die Planung einfließen. Für die Umsetzung der Begrünungsmaßnahmen sind jedoch auch technische Aspekte zu beachten. Die Stuttgarter Straßenbahnen weisen darauf hin, dass vegetative Eindeckungen von Gleisanlagen ausschließlich im Bereich von festen Fahrbahnen durchgeführt werden können. Bei Schottergleisen fehlen derzeit technische Alternativen, die eine "grüne" Eindeckung innerhalb kurzer Sperrpausen ermöglichen würden.
Ein Beispiel für die lange Bauzeit bei der Umwandlung von Schottergleisen in feste Fahrbahnen ist die Strecke zwischen Heilbronner Straße und dem Tunnelmund in Richtung Killesberg. Diese Maßnahme (400m Doppelgleis) dauerte sechs Monate und erforderte einen entsprechenden Schienenersatzverkehr. Solche langen Bauzeiten wären auch für die im Rahmen des Bürgerhaushalts vorgeschlagenen Örtlichkeiten wie die Neckarstraße erforderlich.
Bürgerbeteiligung und Planungsprozess
Ein wichtiges Element des Sanierungsprojekts ist die Bürgerbeteiligung. Um die Wünsche und Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern direkt in die Planung einfließen zu lassen, wurde am Samstag, 19. September 2020, ab 11 Uhr ein Workshop in der Metzstraße im Abschnitt zwischen Neckar- und Stöckachstraße durchgeführt. Für diese Bürgerwerkstatt wurde die Metzstraße zwischen der Neckarstraße und der Stöckachstraße einschließlich der Kreuzung Metz-/Stöckachstraße für den Verkehr gesperrt, damit die Teilnehmenden die Straße besser erleben und beplanen konnten.
Bei dieser Veranstaltung konnten die Anwohner ihre Vorstellungen direkt an die Planer des Büros Kienleplan weitergeben. Die Bürgerwerkstatt war Teil einer mehrphasigen Beteiligung, die bereits mit einer ersten Phase begonnen hatte. Die nun abgeschlossene zweite Phase diente der konkreten Ausarbeitung der Begrünungskonzepte für die Pilotstraße.
Weitere Informationen zum Sanierungsgebiet, der Bürgerbeteiligung, dem Verfügungsfonds sowie den Teilprojekten und Arbeitsgruppen finden sich auf der Homepage des Sanierungsgebiets unter www.stoeckach29.de. Diese Plattform dient als zentrale Anlaufstelle für alle Anwohner und Interessierten, die am Prozess partizipieren oder sich über den Stand der Planungen informieren möchten.
Herausforderungen und technische Aspekte
Die Umgestaltung der Neckarstraße und der umliegenden Straßen ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Eine der größten Herausforderungen ist der hohe Parkdruck im Bereich. Da viele Anwohner auf die Parkmöglichkeiten angewiesen sind, muss bei der Umgestaltung besonders darauf geachtet werden, den Parkraum so weit wie möglich zu erhalten. Gleichzeitig soll durch die Begrünung die Lebensqualität verbessert werden, was in der Regel zusätzliche Fläche benötigt.
Eine weitere Herausforderung stellt der Verkehr dar. Die Neckarstraße ist eine wichtige Verbindungsstraße im Stuttgarter Osten, deren Reduzierung auf eine Fahrspur pro Richtung oder sogar zur Einbahnstraße die Verkehrsströme erheblich verändern würde. Die Einführung von Tempo 20 und der Abbau des Mittelstreifens sind Maßnahmen, die die Verkehrssicherheit erhöhen sollen, aber auch eine Umverteilung des Verkehrs auf umliegende Straßen bedeuten könnten.
Technisch ist bei der Begrünung von Straßenbereichen zu beachten, dass bestimmte Anforderungen an die Substrate und Bewässerungs-systeme gestellt werden müssen. Insbesondere in städtischen Bereichen mit begrenztem Platzangebot müssen innovative Lösungen gefunden werden, die eine nachhaltige Begrünung ermöglichen, ohne die Funktion der Straße als Verkehrsraum einzuschränken.
Fazit
Die Sanierung der Neckarstraße in Stuttgart ist Teil eines umfassenden Stadtentwicklungsprojekts, das im Rahmen des Sanierungsgebiets Stuttgart 29 - Teilbereich Stöckach realisiert wird. Das Projekt zielt darauf ab, die Straßen im Gebiet durch Begrünung und Umgestaltung aufzuwerten und die Lebensqualität für die Anwohner zu verbessern. Gleichzeitig soll der Parkraum so weit wie möglich erhalten bleiben, was eine besondere Herausforderung für die Planung darstellt.
Konkrete Maßnahmen für die Neckarstraße umfassen die Reduktion auf eine Fahrspur pro Richtung, den Abbau des Mittelstreifens, die Einführung von Tempo 20 und die Neunutzung der freiwerdenden Flächen. Als Pilotprojekt für die Begrünung wurde die Metzstraße gewählt, bei der bereits erste Bürgerwerkstätten stattgefunden haben.
Die Umsetzung der Maßnahmen wird jedoch durch verschiedene Faktoren beeinflusst, darunter der hohe Parkdruck, die Veränderung der Verkehrsströme und technische Anforderungen an die Begrünung. Die Bürgerbeteiligung spielt dabei eine wichtige Rolle, um sicherzustellen, dass die Bedürfnisse der Anwohner berücksichtigt werden.
Das Projekt ist Teil des Bund-Länder-Programms "Lebendige Zentren" und trägt zur Klimaanpassung Stuttgarts bei, indem es zusätzliche Grünflächen schafft und so zur Minderung von Hitzestress beiträgt. Die weitere Umsetzung der Maßnahmen wird auf der Homepage des Sanierungsgebiets unter www.stoeckach29.de verfolgt und dokumentiert.