Einleitung
Das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel befindet sich derzeit in einer der umfassendsten Sanierungsmaßnahmen seiner Geschichte. Das zum UNESCO-Welterbe gehörende Gebäude wird grundlegend saniert und erweitert, wobei sich die Bauarbeiten über mehr als ein Jahrzehnt erstrecken werden. Die jüngste Kostenschätzung beläuft sich auf 1,5 Milliarden Euro für die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Museums, wobei zusätzliche Kosten für Restaurierungs- und Einrichtungsmaßnahmen bereits genehmigt sind. Dieser Artikel beleuchtet die Details dieses Mammutprojekts mit besonderem Fokus auf die Behandlung des berühmten Pergonalaltars und den technischen Aspekten der Sanierung.
Historischer Hintergrund und Bedeutung des Pergamonaltars
Das Pergamonmuseum, erbaut zwischen 1910 und 1930, beherbergt einige der bedeutendsten archäologischen Sammlungen der Welt. Als bekanntestes Ausstellungsobjekt gilt der Pergamonaltar, ein Monument aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus, der zu den herausragenden Kunstwerken der Antike zählt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Museum teilweise zerstört, wobei vor allem die Dächer über den großen Architektursälen schweren Schaden erlitten. Der Wiederaufbau zog sich von 1948 bis 1959 hin und wurde 1980 durch eine Brücke über den Kupfergraben ergänzt, um die Zugangssituation zu verbessern.
Der Pergamonaltar wird nach der Sanierung im Nord- und Mittelteil des Museums ausgestellt werden. Dieser Bereich ist zwar für das Jahr 2025 fertiggestellt, wird jedoch erst im Frühjahr 2027 wieder für den regulären Betrieb öffnen. Die Verzögerung erklärt sich aus den notwendigen Vorbereitungsarbeiten für die neue Präsentation der Exponate.
Umfang und Zeitplan der Sanierung
Die Sanierung des Pergamonmuseums ist in zwei Hauptbauabschnitte unterteilt:
Bauabschnitt A: Nord- und Mittelteil
- Fertigstellung der Bauarbeiten: 2025
- Geplante Wiedereröffnung: Frühjahr 2027
- Umfasst den Nordflügel und den nördlichen Mittelteil mit dem Pergamonaltar und dem Museum für Islamische Kunst
- Während der Schließzeit bleibt ein Interims-Schaufenster des Vorderasiatischen Museums erhalten
Bauabschnitt B: Südteil und Erweiterung
- Beginn der Bauarbeiten: März 2025
- Geplante Fertigstellung: 2036
- Geplante Wiedereröffnung des gesamten Museums: 2037
- Umfasst den Südkopf, den Südflügel mit der Prozessionsstraße von Babylon und dem Ischtar-Tor sowie den Mittelbau Süd mit dem Miletsaal
- Beinhaltet die Errichtung des ursprünglich geplanten, aber nie realisierten vierten Flügels
Für den zweiten Bauabschnitt sind Kosten von 722,4 Millionen Euro veranschlagt, mit zusätzlichen 295,6 Millionen Euro für Risiken und Baupreissteigerungen. Die jüngste Kostenschätzung des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung beläuft sich auf 1,5 Milliarden Euro für die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Museums.
Der Pergonalaltar im Fokus der Sanierung
Der Pergamonaltar, das Herzstück des Museums, erhält nach der Sanierung eine komplett neue Präsentation im Nord- und Mittelteil. Laut Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, wird dieser Bereich "einem komplett neuen Dauerausstellung des Museums für Islamische Kunst" gewidmet sein. Der Altar selbst wird als Teil dieser neuen Ausstaltung präsentiert.
Die Sicherung und Vorbereitung der monumentalen Architekturexponate, darunter auch der Pergamonaltar, war eine gewaltige logistische Leistung. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden beinahe hunderttausend Objekte aus dem Südflügel des Museums beräumt, um die weiteren Arbeiten zu ermöglichen.
Technische Aspekte der Sanierung
Baukonstruktion und Materialien
Die Sanierung umfasst die Grundinstandsetzung des denkmalgeschützten Bestands sowie die Ergänzung durch einen neuen Flügel. Der vierte Flügel, der direkt am Kupfergraben als Verbindungsbau zwischen Nord- und Südflügel entstehen wird, wird die ursprünglichen Pläne von Alfred Messel und später Oswald Mathias Ungers umsetzen. Dadurch entsteht ein Hauptrundgang, der sämtliche Großarchitekturen des Museums in chronologischer Reihenfolge präsentieren wird.
Im zukünftigen Innenhof des Museums, dem "Forum", entsteht ein sogenannter "Tempietto", eine städtische Vitrine in zeitgemäßer Architektur. Dieses kubusförmige, verglaste Gebäude wird als Auftakt zur Antikensammlung errichtet und soll zukünftig als Haupteingang des Museums dienen.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Die Sanierung berücksichtigt auch ökologische Aspekte. Zur Verbesserung der Umweltbilanz werden Photovoltaik-Module auf dem Glasdach des Südflügels und dem Dach des neuen Flügels installiert. Die Sanierung erfüllt die Energieeffizienzvorgaben des Bundes, wobei für Bestandsgebäude der Standard EGB 55 und für den Neubau der Wert EGB 40 erreicht wird.
Barrierefreiheit
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Sanierung ist die Verbesserung der Barrierefreiheit. Der Pergamonsteg über den Kupfergraben wird als Neubau mit Treppenanlage und barrierefreien Aufzügen errichtet, um den Zugang zum Museum für alle Besucher zu erleichtern.
Herausforderungen und Lösungen
Kostenerhöhungen und Risikomanagement
Die Sanierung des Pergamonmuseums ist mit erheblichen Kostenerhöhungen verbunden. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung meldete eine Mehrbelastung von mindestens 121,4 Millionen Euro, wodurch sich die Gesamtkosten für die Grundinstandsetzung und Ergänzung auf nunmehr 1,5 Milliarden Euro belaufen. Für den zweiten Bauabschnitt sind bereits 295,6 Millionen Euro für Risiken und Baupreissteigerungen veranschlagt, was die Herausforderungen bei einem derart komplexen und langfristigen Projekt verdeutlicht.
Logistische Herausforderungen
Die Räumung und Sicherung der Sammlungen stellte eine enorme logistische Herausforderung dar. Insbesondere die Beräumung des Südflügels, in dem beinahe hunderttausend Objekte gelagert waren, erforderte einen koordinierten Einsatz mehrerer Museen. Diese Maßnahme war notwendig, um den termingerechten Beginn der Bauarbeiten im März 2025 zu ermöglichen.
Langfristige Schließzeiten
Ein wesentlicher Kritikpunkt an der Sanierung ist die lange Dauer der Schließzeiten. Während der Nord- und Mittelteil nach Fertigstellung der Bauarbeiten 2025 bereits 2027 wieder öffnet, bleibt der Südflügel über 14 Jahre lang geschlossen. Die Verantwortlichen planen, die Umbauarbeiten bis 2036 fertigzustellen und diesen Teil des historischen Gebäudes erst ab 2037 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Verbindung zur Museumsinsel
Die Sanierung des Pergamonmuseums ist Teil des Masterplans Berliner Museumsinsel, der eine bessere Vernetzung der verschiedenen Museen zum Ziel hat. Im Zuge der Bauarbeiten entstehen neue Verbindungsbauten, die das Pergamonmuseum mit dem Bode-Museum, dem Neuen Museum und der James-Simon-Galerie verbinden. Diese sogenannte Archäologische Promenade wird einen nahtlosen Rundgang über die gesamte Museumsinsel ermöglichen.
Die Neugestaltung der Außenanlagen und die Errichtung des Pergamonstegs verbessern nicht nur die Erschließung des Museums, sondern auch die Gesamtästhetik der Museumsinsel als UNESCO-Welterbe.
Zukunftsvision nach der Sanierung
Nach Fertigstellung der Sanierung im Jahr 2037 wird das Pergamonmuseum nicht nur saniert, sondern auch erweitert und technisch auf dem neuesten Stand sein. Der vierte Flügel ermöglicht erstmals einen durchgehenden Rundgang durch die antiken Architekturexponate auf der Hauptebene. Die neue Dauerausstellung des Museums für Islamische Kunst im Nord- und Mittelteil, in der auch der Pergamonaltar präsentiert wird, bietet den Besuchern eine zeitgemäße Präsentation der Sammlungen.
Das "Forum" als zentraler Innenhof und der "Tempietto" als neuer Haupteingang werden das Museum für Besucher attraktiver gestalten und gleichzeitig die historische Bausubstanz respektvoll ergänzen.
Fazit
Die Sanierung des Pergamonmuseums ist eines der größten und komplexesten Bauprojekte in Berlin und in Deutschland. Mit Gesamtkosten von voraussichtlich über 1,5 Milliarden Euro und einer Bauzeit von mehr als einem Jahrzehnt stellt das Projekt hohe Anforderungen an alle Beteiligten. Die Behandlung des Pergamonaltars als eines der bedeutendsten Kunstwerke des Museums erfordert besondere Sorgfalt und wird durch die neue Präsentation im Nord- und Mittelteil eine angemessene Würdigung erfahren.
Trotz der langen Schließzeiten und der hohen Kosten ist das Projekt von großer Bedeutung für den Erhalt des UNESCO-Welterbes und die Präsentation der weltberühmten Sammlungen. Die Verbindung von Denkmalschutz, Nachhaltigkeit und barrierefreiem Zugang zeigt, dass auch bei historischen Bauten moderne Anforderungen umgesetzt werden können. Für Berlin und die internationale Kulturwelt wird die Wiedereröffnung des vollständig sanierten Pergamonmuseums im Jahr 2037 einen Meilenstein darstellen.