Einleitung
Die Zukunft der Schwimmbäder in Neuss steht vor einer wichtigen Weichenstellung. Die Stadt evaluiert derzeit sieben verschiedene Varianten für die Weiterentwicklung ihrer Bäderlandschaft, wobei das zentrale Stadtbad in der Innenstadt und das kleine St. Konradbad in Gnadenthal besondere Aufmerksamkeit erhalten. Beide Anlagen sind in die Jahre gekommen und stark sanierungsbedürftig, wobei das St. Konradbad bereits seit drei Jahren geschlossen ist. Gleichzeitig steigt der Bedarf, insbesondere im Bereich des Schulschwimmens, was die Komplexität der Entscheidung erhöht. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Optionen, die Kosten, die Finanzierungsmöglichkeiten und die politischen Diskussionen rund um die Zukunft der Neusser Bäderlandschaft.
Aktueller Zustand der Neusser Schwimmbäder
Die Ausgangslage für die aktuellen Überlegungen ist eine wissenschaftlich fundierte Analyse der bestehenden Standorte sowie des zukünftigen Bedarfs. Dabei hat sich gezeigt, dass einige Bäder in Neuss, insbesondere das große Stadtbad in der Neusser Innenstadt und das kleine St. Konradbad in Gnadental, in die Jahre gekommen und teils stark sanierungsbedürftig sind.
Das St. Konradbad ist aufgrund seiner Sanierungsbedürftigkeit bereits seit drei Jahren geschlossen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Schwimmflächen, insbesondere im Bereich des Schulschwimmunterrichts. Für die Stadt Neuss ist es entscheidend, dass in allen vorgestellten Varianten der benötigte Flächenbedarf für den Schulschwimmunterricht vollumfänglich abgedeckt werden kann.
Die Stadt Neuss betreibt derzeit mehrere Schwimmbäder, deren Zukunft nun neu überdacht wird. Neben dem bereits geschlossenen St. Konradbad in Gnadental gibt es das große Stadtbad in der Innenstadt sowie das Nordbad und das Südbad. Diese Anlagen bilden die Grundlage für die nun entwickelten Zukunftskonzepte.
Die sieben Varianten der Bäderentwicklung
Insgesamt wurden sieben verschiedene Varianten für die Zukunft der Neusser Schwimmbäder entwickelt. Diese reichen vom Erhalt und der Sanierung aller Standorte über die Konzentration auf ein neues zentrales Schwimmzentrum am Südbad bis hin zum vollständigen Neubau eines Stadtbades in der Innenstadt, etwa auf dem Wendersplatz oder an der Hafenkante Süd.
Variante 1: Ergebnisstabilisierung (Schließung Stadtbad + St. Konradbad)
Diese Variante sieht vor, das Stadtbad in der Innenstadt und das bereits geschlossene St. Konradbad dauerhaft zu schließen und sich nur noch auf die Standorte Nordbad und Südbad zu konzentrieren. Laut Analyse würden die verbleibenden Wasserflächen für den Schulschwimmunterricht in Zukunft jedoch nicht mehr ausreichen, weshalb diese Variante als nicht ausreichend angesehen wird.
Variante 2: Sanierung aller Standorte
Bei dieser Option werden alle vier Standorte erhalten und saniert. Dazu gehören das Stadtbad in der Innenstadt, das Nordbad, das Südbad und das St. Konradbad. Diese Variante würde den Flächenbedarf für den Schulschwimmunterricht erfüllen, birgt jedoch hohe Kosten und technische Herausforderungen, insbesondere bei den stark sanierungsbedürftigen Anlagen.
Variante 3: Sanierung + Lehrschwimmbecken am Südbad
Diese Variante beinhaltet die Sanierung des Nordbads, des Südbads und des Stadtbads, zusätzlich wird am Südbad ein Lehrschwimmbecken (LSB) gebaut. Auch diese Option würde den Flächenbedarf für den Schulschwimmunterricht erfüllen.
Variante 4: Schwimmzentrum Südbad
Hier wird ein neues zentrales Schwimmzentrum am Südbad gebaut, während das Nordbad erhalten bleibt. Das Stadtbad und das St. Konradbad würden in diesem Fall nicht mehr als Schwimmbäder dienen. Diese Variante würde ebenfalls den Flächenbedarf für den Schulschwimmunterricht decken.
Variante 5: Neubau Wendersplatz
Diese Variante sieht vor, das Nordbad und das Südbad zu erhalten, während das Stadtbad durch einen Neubau auf dem Wendersplatz ersetzt wird. Das St. Konradbad würde in diesem Fall nicht als Schwimmbad weitergeführt, sondern möglicherweise anderen Zwecken zugeführt.
Variante 6: Neubau Hafenkante Süd
Ähnlich wie Variante 5, jedoch würde das neue Stadtbad an der Hafenkante Süd entstehen. Das Nordbad und das Südbad würden erhalten bleiben, während das St. Konradbad nicht als Schwimmbad weitergeführt würde.
Variante 7: Sanierung + LSB im Stadtbad
Bei dieser Variante wird das Nordbad, das Südbad und das Stadtbad saniert, zusätzlich wird im Stadtbad ein Lehrschwimmbecken (LSB) gebaut. Das St. Konradbad würde in diesem Fall nicht als Schwimmbad weitergeführt.
Investitionskosten und Finanzierung
Die Investitionskosten der vorgestellten Varianten liegen je nach Umfang im Bereich von 22 und 75 Millionen Euro. Dies zeigt, dass die Entscheidung nicht nur eine infrastrukturelle, sondern auch eine erhebliche finanzielle Weichenstellung für die Stadt Neuss darstellt.
Bürgermeister Reiner Breuer betont: "Die Entscheidung, welche Variante umgesetzt wird, ist eine Weichenstellung für die kommenden Jahrzehnte. Umso wichtiger ist eine belastbare Entscheidungsgrundlage, wie sie mit dem Konzept jetzt vorliegt."
Klar ist jedoch, dass Sanierung und Neubau der Bäder nicht alleine aus Mitteln der Stadtwerke oder städtischen Mitteln gestemmt werden können. Die Stadt benötigt Fördermittel des Landes bzw. des Bundes, die im Detail geprüft werden, sobald die entsprechenden Programme vorliegen.
Chancen auf eine Förderung bestehen nach Einschätzung der Stadt Neuss durchaus: Auf Bundesebene ist im Koalitionsvertrag ein hoch dotiertes Sportstättenprogramm vorgesehen, das besonders auch Schwimmbäder in den Blick nimmt. Ziel dieses Programms ist die Verbesserung der Sportinfrastruktur und die Förderung der Schwimmfähigkeit.
Politische Positionen und Diskussionen
Die politische Landschaft in Neuss ist bei der Frage der Zukunft der Bäder nicht einheitlich. Die SPD Neuss hat klar Position bezogen und setzt sich für den Erhalt des Stadtbades oder den Bau eines neuen Hafenbades in der Innenstadt aus.
"Wir sind der Meinung, dass wir im Herzen der Neusser Innenstadt auch zukünftig ein Schwimmbad benötigen", erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Sascha Karbowiak. Die Partei wird einen entsprechenden Antrag für die nächste Sitzung des Stadtrates einbringen und lehnt einen Aus für das Innenstadt-Bad kategorisch ab.
Die SPD schlägt konkret vor, das Stadtbad zu erhalten und zu modernisieren oder alternativ ein modernes neues Hafenbad mit Gastronomie und weiteren Attraktionen auf dem Wendersplatz zu bauen. Darüber hinaus unterstützt die Partei die Idee von Bürgermeister Reiner Breuer, ein Naturbad mit Badestrand im Südbad am Reuschenberger See zu schaffen.
Die aktuelle Debatte wurde durch das neue Bäderkonzept ausgelöst, das die Neusser Bäder und Eissporthalle (NBE) erarbeitet. Ziel dieses Konzepts ist die Weiterentwicklung der Neusser Schwimmbäder, wobei auch die Option geprüft wird, das Stadtbad aufzugeben und den Fokus auf erweiterte Standorte Süd- und Nordbad zu legen. Diese Position stößt jedoch auf Widerspruch, insbesondere seitens der SPD.
Städtebauliche Aspekte und Synergien
Neben Fragen der Wirtschaftlichkeit und langfristigen Betriebsfähigkeit spielen bei der Entscheidung auch städtebauliche Aspekte eine Rolle. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf mögliche Synergien mit angrenzenden Stadtquartieren, wie dem neuen Hammfeld.
Die verschiedenen Standorte bieten unterschiedliche Möglichkeiten der städtebaulichen Integration und Entwicklung. Ein Neubau an der Hafenkante Süd oder auf dem Wendersplatz könnte nicht nur sportliche, sondern auch städtebauliche Impulse für die jeweilige Umgebung setzen. Ein erhaltenes und saniertes Stadtbad in der Innenstadt könnte weiterhin als zentraler Anlaufpunkt für Bürger dienen und die Attraktivität der Innenstadt erhöhen.
Die Rolle des Schulschwimmens
Ein entscheidendes Kriterium für alle Varianten ist die Erfüllung des Bedarfs im Schulschwimmen. Die Stadt Neuss stellt klar, dass in allen vorgestellten Varianten der benötigte Flächenbedarf für den Schulschwimmunterricht vollumfänglich abgedeckt werden muss und kann.
Die Tatsache, dass der Bedarf im Schulschwimmen wächst, während einige Bäder geschlossen sind, stellt eine besondere Herausforderung dar. Die Lösung dieses Problems ist ein zentraler Aspekt der aktuellen Überlegungen zur Zukunft der Bäderlandschaft in Neuss.
Zukunft des St. Konradbades
Bei allen Varianten mit Neubauten wird darauf verzichtet, das kleine St. Konradbad in Gnadenthal zu sanieren und wiederzueröffnen. Die Stadt Neuss stellt deshalb bereits vertiefte Überlegungen zur rein schulischen Nutzung der Gebäude an. Dies zeigt, dass die Entscheidung über die Zukunft der Bäder nicht nur die Schwimmbadnutzung betrifft, sondern auch die städtebauliche und soziale Entwicklung anderer Quartiere beeinflusst.
Fazit
Die Zukunft der Schwimmbäder in Neuss steht an einem Wendepunkt. Sieben verschiedene Varianten werden derzeit evaluiert, die von der Sanierung aller bestehenden Standorte bis zum Neubau eines zentralen Stadtbaudes in der Innenstadt reichen. Die Entscheidung wird von erheblichen finanziellen Aufwendungen zwischen 22 und 75 Millionen Euro begleitet werden und erfordert vermutlich auch Fördermittel von Landesebene oder Bundesebene.
Ein zentrales Kriterium für alle Varianten ist die Deckung des wachsenden Bedarfs im Schulschwimmen. Gleichzeitig spielen städtebauliche Aspekte und mögliche Synergien mit angrenzenden Quartieren eine wichtige Rolle.
Die politische Diskussion ist bereits in vollem Gang, wobei sich die SPD Neuss klar für den Erhalt eines Schwimmbades in der Innenstadt ausspricht. Die endgültige Entscheidung wird eine Weichenstellung für die kommenden Jahrzehnte sein und wird voraussichtlich in den nächsten Monaten fallen.