Einleitung
Das Nordbad in München-Schwabing ist nicht nur ein Badebetrieb, sondern auch ein architektonisches und historisches Juwel. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1941 hat das Bad eine wechselvolle Geschichte durchlebt, die von Zerstörung im Zweiten Weltkrieg über Wiederaufbau bis hin umfassender Sanierungen reicht. Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklung des Nordbads, seine architektonischen Besonderheiten, die verschiedenen Bauphasen sowie die aktuellen Einrichtungen und Dienstleistungen, die es heute anbietet. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die bedeutenden Sanierungsmaßnahmen der Vergangenheit gelegt, die das Gesicht des Bades bis heute prägen.
Historische Entwicklung des Nordbads
Die Entstehungsgeschichte des Nordbads ist eng mit der Stadtplanung Münchens in der Zeit des Nationalsozialismus verbunden. Das Bad gehörte zu einer Reihe von Projekten, die den Sport und die Körperkultur fördern sollten. Ein erstes Projekt war das Prinzregentenstadion zwischen 1933 und 1936. Der erste Bauantrag für ein Hallenbad im Norden Münchens stammte bereits 1924 vom späteren Oberbürgermeister Karl Scharnagl, scheiterte jedoch an der Finanzierung.
Erst 1934 kaufte die Stadt ein Grundstück an der Schleißheimer Straße für das geplante Hallenbad. Nach jahrelangen Planungen wurde das Nordbad schließlich im Oktober 1941 von Oberbürgermeister Karl Fiehler eröffnet. Die bei der Einweihung erlassene Satzung verbot den Zutritt für Juden, Personen mit ansteckenden Krankheiten und Betrunkene. Zur Eröffnung wurde ein Städte-Wettkampf zwischen München und Wien veranstaltet.
Die starken Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg machten einen Wiederaufbau notwendig. Zwischen 1949 und 1951 wurde das Gebäude unter der Leitung von Philipp Zametzer wiederaufgebaut, der dem Bad sein bis heute prägendes Erscheinungsbild gab. Die nächsten wesentlichen baulichen Veränderungen folgten in den Jahren 1989 und 1990, als das Stadtarchiv München durch Hans-Busso von Busse einen Erweiterungsbau gegenüber dem Nordbad errichtete. Dabei wurde an der Schleißheimer Straße aus dem Vorplatz des Nordbads und der neuen Fläche vor dem Stadtarchiv ein Platz aufgeweitet und entsprechend gestaltet. Dazu gehört insbesondere das vierteilige Kunst-Ensemble "Oculus historiae, oculus memoriae, oculus oblivionis" von Anne und Patrick Poirier auf beiden Seiten der Straße vor den Gebäuden.
Architektur und Denkmalschutz
Das Nordbad zeichnet sich durch seinen imposanten neoklassizistischen Baustil aus, der zwischen Säulen und Mosaiken eine besondere Atmosphäre schafft. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, was seine architektonische und historische Bedeutung unterstreicht. Charakteristisch ist die monumentale Schwimmhalle mit ihrer Tribüne, die dem Bad ein theaterähnliches Flair verleiht.
Im Außenbereich befindet sich die Skulptur "Schreitendes Mädchen" von Ottmar Obermaier aus dem Jahr 1938, die das künstlerische Ensemble am Nordbad ergänzt. Diese Skulptur überstand den Krieg und wurde nach dem Wiederaufbau wieder an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort angebracht.
Die Architektur des Nordbads spiegelt nicht nur den Stil der 1930er Jahre wider, sondern zeigt auch die Entwicklung der Münchner Bautradition über verschiedene Epochen hinweg. Der Denkmalschutzstatus sichert, dass die wesentlichen gestalterischen Elemente des Bades auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben.
Umfassende Sanierung in den Jahren 1996/1997
Eine der bedeutendsten Veränderungen in der jüngeren Geschichte des Nordbads war die grundlegende Sanierung in den Jahren 1996 und 1997. In dieser Phase wurde nicht nur das Hauptgebäude saniert, sondern auch der Außenbereich vollständig neu gestaltet. Diese Sanierungsmaßnahmen prägen das Erscheinungsb und die Funktionalität des Nordbads bis heute.
Während dieser Sanierung wurde das Becken in der Schwimmhalle grundlegend erneuert. Das 33 × 13 Meter große Schwimmbecken kann durch eine im Normalbetrieb völlig versenkte Trennwand in einen Teil mit der Normlänge von 25 Metern und ein Nichtschwimmerbecken geteilt werden. Es verfügt über zwei Sprungtürme mit einer Höhe von einem Meter bzw. drei Metern. Der Umbau ermöglichte auch die Schaffung zusätzlicher Bereiche: ein weiteres Becken in Stehtiefe, das für Wassergymnastik dient oder als Kinderbecken genutzt wird, ein Whirlpool sowie ein Kinderplantschbereich mit Rutsche und Wasserspielen.
Die Sanierung von 1996/1997 war keine reine Modernisierung, sondern eine behutsame Weiterentwicklung des historischen Baus, die die traditionellen Elemente mit modernen Anforderungen an ein Schwimmbad verband. Die Neugestaltung des Außenbereichs schuf zusätzliche Freiflächen und verbesserte die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit des gesamten Areals.
Erweiterungsbau und Pavillons
Die Entwicklung des Nordbads umfasst auch die Errichtung von Erweiterungsbauten und Pavillons, die die Nutzungsfläche und das Angebot des Bades erweiterten. Beim Umbau in den späten 1980er Jahren wurden zwei abgesetzte Pavillons errichtet, die später um ein Geschoss aufgestockt wurden.
Der südliche Pavillon beherbergte bis Ende Juli 2013 eine Bankfiliale und wird seither durch Einzelhandel genutzt. Der nördliche Pavillon beherbergt ein Bistro, das eine kleine Ausgabe in den Schwimmbereich hat, wo es Badegäste versorgt, aber überwiegend das allgemeine Publikum unabhängig vom Nordbad bedient.
Diese Pavillons ergänzen das Hauptgebäude architektonisch und funktionell. Sie schaffen Übergänge zwischen dem historischen Kern des Nordbads und modernen Nutzungsansprüchen. Die Aufstockung der Pavillons ermöglichte die Unterbringung zusätzlicher Dienstleistungen und Geschäfte, die das Nordbad zu einem kleinen urbanen Zentrum im Herzen Schwabings machen.
Aktuelle Einrichtungen und Angebote
Heute präsentiert sich das Nordbad als Bade- und Wellness-Tempel im Münchner Norden, der durch seine neoklassizistische Architektur und sein vielfältiges Angebot besticht. Die Einrichtungen des Bades lassen sich in verschiedene Bereiche unterteilen:
Schwimmhalle
Die imposante Schwimmhalle mit Tribüne ist das Herzstück des Nordbads. Das 33-Meter-Becken kann durch eine versenkbare Trennwand geteilt werden und bietet somit sowohl Schwimmern als auch Nichtschwimmern optimale Bedingungen. Zwei Sprungtürme (1 Meter und 3 Meter) bieten zusätzliche sportliche Möglichkeiten. In einem Innenbereich, der der Schwimmhalle angeschlossen ist, befindet sich ein weiteres Becken in Stehtiefe, das für Wassergymnastik dient oder als Kinderbecken genutzt wird. Ein Whirlpool und ein Kinderplantschbereich mit Rutsche und Wasserspielen runden das Angebot ab.
Außenbereich
Der Außenbereich des Nordbads umfasst ein warmes Außenbecken mit Sprudelliegen und Strömungskanal, das bei jedem Wetter Badespaß im Freien ermöglicht. Auf der Liegewesse finden im Sommer genügend Platz, um den Alltag hinter sich zu lassen. Allerdings sind aufgrund von Rissen in der Sitzfläche die Sprudelliegen im Warmaußenbecken derzeit gesperrt.
Saunalandschaft
Das Nordbad bietet eine attraktive Saunalandschaft mit verschiedenen Saunatypen: - Finnische Sauna (ca. 92 °C) - Kristallsauna (circa 60° C) - Dampfbad (ca. 45 °C) - Aqua-Viva-Ebene (circa 65 °C) - Sanarium mit verschieden temperierten Warmlufträumen - Außensauna (ca. 95° C)
Zwei große Tauchbecken (kalt ca. 15° C und warm ca. 34° C) sowie eine Freiluftterrasse mit Außensauna und Tauchbecken (15° C) bieten Abwechslung. Ruheräume und -kabinen runden das Saunangebot ab. Aufgrund eines technischen Defekts ist im Bereich Sauna derzeit die Außensauna geschlossen.
Der Damentag in der Sauna findet mittwochs von 7.30 bis 23 Uhr statt. An allen übrigen Tagen sowie an Feiertagen, Heilig Abend, Silvester und Faschingsdienstag ist die Sauna für alle geöffnet.
Fitnesscenter
Dem Nordbad ist ein separates M-Fitnesscenter angeschlossen, das mit neuesten Geräten ausgestattet ist und zahlreiche Fitnesskurse anbietet. Mitglieder können hier trainieren und zusätzlich die Schwimmhalle des Nordbads nutzen. Es gibt auch eine Mitgliedschaftsvariante, die die Nutzung der Saunalandschaft des Nordbads mit einschließt. Das Fitnesscenter bietet ein Cardio-Center, Reha-Training und andere Gesundheitsdienstleistungen.
Kurse und weitere Angebote
Das Nordbad bietet ein breites Spektrum an aquatischen Fitnessprogrammen an: - Aqua-Fitness - Aquacycling - (rhythmische) Wassergymnastik - Schwangerenschwimmen - Babyschwimmen - Wassergewöhnung für Kleinkinder - Schwimmkurse für Kinder - Wirbelsäulengymnastik - Massagen
Diese Angebote richten sich an verschiedene Altersgruppen und Fitnesslevel und tragen zur Vielfalt des Nordbads als Sport- und Wellnesszentrum bei.
Barrierefreiheit und Öffnungszeiten
Das Nordbad ist behindertenfreundlich und rollstuhlgerecht gestaltet, um allen Besuchern den Zugang zu ermöglichen. Die M-Bäder haben auch an Feiertagen geöffnet, wobei an Heilig Abend, Silvester und Neujahr Ausnahmen möglich sind. Die Öffnungszeiten werden rechtzeitig auf der Website bekannt gegeben.
Die Öffnungszeiten der Sauna betragen von Montag bis Sonntag: 7.30 bis 23 Uhr. Die Echtzeit-Auslastung des Bades kann auf der SWM-Website eingesehen werden, was Besuchern hilft, ihren Besuch besser zu planen.
Bauprojekte in der Umgebung
In der unmittelbaren Umgebung des Nordbads gibt es derzeit erhebliche bauliche Veränderungen, die die Nachbarschaft prägen und für Diskussionen sorgen. Auf dem Grundstück des ehemaligen Karstadt-Gebäudes am Nordbad befindet sich seit längerer Zeit eine riesige Baugrube, die die Nachbarschaft irritiert. Eigentlich sollte dort ein sechsstöckiges Haus entstehen.
Laut einer Anwohnerin wurde vergangene Woche ein Kran abgebaut, was zu Spekulationen führte, der Bauträger könnte womöglich insolvent sein. Investor Stefan Pfender von der Bono Schwabing GmbH & Co. KG nimmt solche Gerüchte mit Humor. Er betont, dass solche Aussagen seit Beginn des Projekts kursieren und er "noch nie so optimistisch gewesen" sei, dass die Baustelle weiterläuft und Ende des Jahres die Baugenehmigung erteilt wird.
Die Pläne für das Areal des ehemaligen Kaufhauses am Nordbad sind ambitioniert: Es sollen Geschäfte, Büroflächen und sogar ein "Wäldchen auf dem Dach" entstehen. Die Verzögerungen der Baumaßnahmen haben jedoch zu Unmut in der Nachbarschaft geführt.
Fazit
Das Nordbad in München-Schwabing ist mehr als nur ein Schwimmbad – es ist ein historisches und architektonisches Denkmal, das über 80 Jahre Stadtgeschichte Münchens widerspiegelt. Von den Anfängen in der NS-Zeit über die Zerstörung im Krieg und den Wiederaufbau bis hin zur umfassenden Sanierung in den 1990er Jahren hat das Bad eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Die behutsame Modernierung bei gleichzeitiger Bewahrung des historischen Charakters macht das Nordbad zu einem herausragenden Beispiel für gelungene Denkmalpflege in der öffentlichen Bauten.
Die Kombination aus neoklassizistischer Architektur, modernen Wellness- und Sporteinrichtungen sowie einem vielfältigen Kursangebot macht das Nordbad zu einem wichtigen kulturellen und sozialen Treffpunkt im Münchner Norden. Die aktuellen Bauprojekte in der Umgebung zeigen, dass das Nordbad weiterhin im Mittelpunkt städtebaulicher Entwicklungen steht.
Die Herausforderungen der Zukunft liegen im Erhalt der historischen Bausubstanz bei gleichzeitiger Anpassung an moderne Anforderungen an Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Besuchererlebnisse. Die Erfahrungen aus den bisherigen Sanierungen können dabei wertvolle Leitplanken für zukünftige Maßnahmen liefern.